Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Behandlung von alten und kranken Menschen bei den Ainu close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Behandlung von alten und kranken Menschen bei den Ainu

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 23 Pages
Author: Rudi Loderbauer
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Event: Die Behandlung von alten und kranken Menschen in Wildbeuter- und Pflanzerkulturen
Institution/College: LMU Munich (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Tags: Behandlung, Menschen, Ainu, Behandlung, Menschen, Wildbeuter-, Pflanzerkulturen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 23
Grade: sehr gut 1,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V87710
ISBN (E-book): 978-3-638-03297-1
ISBN (Book): 978-3-638-93140-3
File size: 731 KB

Abstract

In meiner Seminararbeit möchte ich die Ainu im Norden Japans etwas näher beleuchten. Der besondere Schwerpunkt soll dabei auf der Behandlung von Alten und Kranken liegen. Diese scheint sich bei den verschiedenen Wildbeuter- und Pflanzerkulturen in der ethnologischen Literatur zunächst sehr unterschiedlich darzustellen. Von menschenunwürdigen Ritualen wie der Altentötung beispielsweise bei den Tschuktschen in Sibirien ist die Rede oder davon, dass ältere Menschen einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen werden. Diese Behauptungen erfordern eine eingehendere Betrachtung, welche ich bei den Ainu im nördlichen Japan vollziehen möchte. Um jedoch näher auf die Situation und die Behandlung von alten und kranken Menschen in diesem Volk eingehen zu können, werde ich zunächst mit dem kulturellen Hintergrund der Ainu näher zum zentralen Thema meiner Seminararbeit hinführen. Dabei werde ich das Verbreitungsgebiet der Ainu, ihre Herkunft und Geschichte sowie insbesondere ihre Religion kurz darstellen. Die Siedlungsgebiete der Ainu umfassen die Insel Hokkaido, die nördlichste der vier japanischen Hauptinseln, sowie die Südhälfte von Sachalin und die Inseln der Kurilenkette, wobei in der heutigen Zeit nur noch Hokkaido als Siedlungsgebiet „übrig geblieben“ ist (vgl. Karte Abb.2, S.4). Die ethnische Selbstbezeichnung „Ainu“ steht für „Mensch“. Eine Ableitung vom japanischen Wort „imu“ (Hund) ist mit großer Wahrscheinlichkeit falsch und wirft vielmehr einen Blick auf die Stellung und Wertschätzung der Ainu als Minderheit in der japanischen Gesellschaft . Die Zahl der Ainu wird nach aktuellen Erhebungen auf knapp 24.000 geschätzt , bei Fitzhugh ist die Rede von bis 50.000 . In der Vergangenheit hatte man mehrfach ein Aussterben befürchtet. Dies schien jedoch unbegründet. Wie Ölschleger betont, zeigt ein Blick auf die Bevölkerungszahlen zwischen 1804 und 1940 zwar einen Rückgang von 21.697 auf 16.170 Menschen, jedoch fiel die Zahl nie unter 15.000 . Ohnuki-Tierney schreibt in diesem Kontext, dass der letzte der Kurilen-Ainu 1941 gestorben ist. Im Bezug auf Technik und soziale Organisation ist die Ainu-Kultur auf Hokkaido am komplexesten und am weitesten entwickelt . Für Hokkaido spricht Ohnuki-Tierney von 18.000 tatsächlichen Ainu; diese Zahl bezieht sich allerdings auf Daten, welche sie im Jahr 1981 als Arbeitsgrundlage verwendete.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut für Ethnologie und Afrikanistik

Sommersemester 2006

Hauptseminar: Die Behandlung von Alten und Kranken in

Wildbeuter- und Pflanzerkulturen


Seminararbeit

zum Thema

Behandlung von alten und kranken

Menschen bei den Ainu



Verfasser:

Rudi Loderbauer


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Verbreitungsgebiet und Herkunft 3

3. Lebensweise 5

4. Geschichtliche Entwicklung 6

5. Religion 8

5.1. Ramat 9

5.2. Kamui 9

5.3. Inau 10

5.4. Bärenfest 11

5.5. Haus und Feuerstelle 12

6. Behandlung von alten Menschen 12

7. Tod, Krankheiten und Begräbnis 13

7.1.Tod 13

7.2. Krankheiten 14

7.2.1. Gewöhnliche Krankheiten 15

7.2.2. Metaphysische Krankheiten 17

7.3. Begräbnis 19

8. Fazit 21

9. Literaturverzeichnis 22

10. Abbildungsverzeichnis 22

2


1. Einleitung

In meiner Seminararbeit möchte ich die Ainu im Norden Japans etwas näher beleuchten. Der

besondere Schwerpunkt soll dabei auf der Behandlung von Alten und Kranken liegen. Diese

scheint sich bei den verschiedenen Wildbeuter- und Pflanzerkulturen in der ethnologischen

Literatur zunächst sehr unterschiedlich darzustellen. Von menschenunwürdigen Ritualen wie

der Altentötung beispielsweise bei den Tschuktschen in Sibirien ist die Rede oder davon, dass

ältere Menschen einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen werden. Diese Behauptungen

erfordern eine eingehendere Betrachtung, welche ich bei den Ainu im nördlichen Japan

vollziehen möchte.

Um jedoch näher auf die Situation und die Behandlung von alten und kranken Menschen in

diesem Volk eingehen zu können, werde ich zunächst mit dem kulturellen Hintergrund der

Ainu näher zum zentralen Thema meiner Seminararbeit hinführen. Dabei werde ich das

Verbreitungsgebiet der Ainu, ihre Herkunft und Geschichte sowie insbesondere ihre Religion

kurz darstellen.

2. Verbreitungsgebiet und Herkunft

Die Siedlungsgebiete der Ainu umfassen die Insel Hokkaido, die nördlichste der vier

japanischen Hauptinseln, sowie die Südhälfte von Sachalin und die Inseln der Kurilenkette,

wobei in der heutigen Zeit nur noch Hokkaido als Siedlungsgebiet ,,übrig geblieben" ist (vgl.

Karte Abb.2, S.4). Die ethnische Selbstbezeichnung ,,Ainu" steht für ,,Mensch". Eine

Ableitung vom japanischen Wort ,,imu" (Hund) ist mit großer Wahrscheinlichkeit falsch und

wirft vielmehr einen Blick auf die Stellung und Wertschätzung der Ainu als Minderheit in der

japanischen Gesellschaft1.

Die Zahl der Ainu wird nach aktuellen Erhebungen auf knapp 24.000 geschätzt2, bei Fitzhugh

ist die Rede von bis 50.0003. In der Vergangenheit hatte man mehrfach ein Aussterben

befürchtet. Dies schien jedoch unbegründet. Wie Ölschleger betont, zeigt ein Blick auf die

Bevölkerungszahlen zwischen 1804 und 1940 zwar einen Rückgang von 21.697 auf 16.170

Menschen, jedoch fiel die Zahl nie unter 15.0004. Ohnuki-Tierney schreibt in diesem Kontext,

dass der letzte der Kurilen-Ainu 1941 gestorben ist.

1 Ölschleger, Hans Dieter in: Staatliches Museum für Völkerkunde München 2002, S.14; vgl. Wirz, S.7

2 Umfrage der Präfekturregierung Hokkaido 1999: 23.767 Menschen bezeichneten sich selbst als Ainu

3 Fitzhugh, S.9

4 Ölschleger in: Staatliches Museum für Völkerkunde München 2002, S.14

3


Abb.1 Veränderung des Ainu-Territoriums im Zeitraum 1400 bis 1945

Im Bezug auf Technik und soziale Organisation ist die Ainu-Kultur auf Hokkaido am

komplexesten und am weitesten entwickelt5. Für Hokkaido spricht Ohnuki-Tierney von

18.000 tatsächlichen Ainu; diese Zahl bezieht sich allerdings auf Daten, welche sie im Jahr

1981 als Arbeitsgrundlage verwendete6. Somit scheint sich die Bevölkerungszahl im

Vergleich zu den Ermittlungen von Ölschleger und Fitzhugh in den letzten zwanzig Jahren

erfreulich positiv entwickelt zu haben.

Der genaue Herkunftsort der Ainu ist schwer bestimmbar. Es gibt mehrere Thesen. Ölschleger

spricht von Beweisen für eine mongolide Zugehörigkeit der Ainu, welche sich von den

Japanern weniger deutlich unterscheiden sollen als beispielsweise die Germanen von den

Romanen. Langköpfigkeit und starke Behaarung, welche tatsächlich sehr charakteristische

Merkmale der Ainu sind, nehmen andere Forscher zum Anlass, um eine Zugehörigkeit zur

australoiden Rasse (Australien, Südindien, westliches Ozeanien) anzunehmen7; denn die

benachbarten Völker im asiatischen Raum sind eher spärlich behaart.

Der russische Ethnologe Leo Sternberg, auf den sich Wirz und Arutiunov beziehen, sieht

viele kulturelle Gemeinsamkeiten mit den Bewohnern Mikronesiens und anderen

Südseeinselgruppen: Die Schambinde der Männer als Unterkleid oder das Auslegeboot sowie

5 Ohnuki-Tierney, S.22

6 Ohnuki-Tierney, S.19

7 Ölschleger in: Staatliches Museum für Völkerkunde München 2002, S.15, vgl. Peng & Geiser, S.9 f.

4


der Webeapparat, welcher in seinen Augen viele Ähnlichkeiten mit indonesischen

Exemplaren aufweist8.

Andererseits haben die Ainu jedoch auch von benachbarten altsibirischen Völkern wie den

Gilijaken zahlreiche Dinge und Traditionen übernommen, wie die Hundezucht, den Schlitten

oder die Schneeschuhe. Dies geschah aber mit großer Wahrscheinlichkeit erst im Laufe der

vergangenen zweihundert Jahre9.

Die äußeren Merkmale der Ainu lassen aber nur eine sehr unzureichende Einordnung zu.

Kulturell verlässliche Beweise für Verbindungen sind allein schon aufgrund fehlender

schriftlicher Zeugnisse10 nahezu unmöglich.

In neueren Untersuchungen, in denen genetische Merkmale11 und Charakteristika der

Fingerabdrücke, Zähne und der Blutgruppen erfasst wurden, zeigt sich relativ eindeutig eine

mongolide Zuordnung. Somit vermutet man nach aktueller Forschungslage die ursprüngliche

Heimat der Ainu doch entweder auf dem eurasischen Kontinent oder in Gebieten südlich der

japanischen Inselkette12.

3. Lebensweise

Der traditionelle Lebenslauf bzw. Alltag der Ainu basiert auf Jagen, Fischen und dem

Sammeln von Pflanzen. Auf Hokkaido wurde in einigen Regionen des Weiteren Gartenbau

betrieben. Die Produkte umfassten vor allem Hirse, Rüben, Bohnen, verschiedene

Getreidearten und Kartoffeln. Je nach regionalen Gegebenheiten variiert die Bedeutung der

jeweiligen Tier- und Pflanzenarten für die Wirtschaft der Ainu sehr stark.

Für Hokkaido sind Sikahirsch und Lachs für die Ernährung von signifikanter Bedeutung. Der

Braunbär spielt im religiösen Bezug eine wichtige Rolle (siehe unten). Fuchs, Hase oder

Eichhörnchen wurden besonders wegen des Pelzes verfolgt. Meeressäuger und Wale wurden

nur an einigen Stellen an der Küste gejagt. Insgesamt war die wirtschaftliche Kultur der Ainu

auf Hokkaido aber auf das Leben im Landesinneren ausgerichtet13.

8 Wirz, S.6 vgl. auch Arutiunov, S.A.in: Fitzhugh, S.29-31

9 Witz, S.6

10 die Ainu sind usprünglich eine schriftlose Kultur

11 vgl. Fitzhugh, S.17

12 Ölschleger in: Staatliches Museum für Völkerkunde München 2002, S.15

13 Ölschleger in: Staatliches Museum für Völkerkunde München 2002, S.17

5



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/87710/behandlung-von-alten-und-kranken-menschen-bei-den-ainu
please wait Please wait