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Examination Thesis, 2006, 133 Pages
Author: Nikolaus Kittner
Subject: Biology - Genetics / Gene Technology
Details
Tags: Schwelle, Vermessenheit, Stammzell-Diskurs
Year: 2006
Pages: 133
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 80 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03310-7
ISBN (Book): 978-3-638-92961-5
File size: 834 KB
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Abstract
„Was wir zu fürchten haben, ist nicht die Unmoral der großen Männer, sondern die Tatsache, daß Unmoral oft zu Größe führt.“ De Tocqueville (1805 – 1859, französischer Publizist und Politiker) „Die Hybris (griechisch ‛′Υβρις – der Übermut, die Anmaßung) bezeichnet eine Selbstüberhebung, die sich, vor allem unter Berufung eines göttlich gerechten Zorns, der Nemesis, rächen muss. Die Hybris ist der Auslöser des Falls von vielen Hauptfiguren in griechischen Tragödien. Die Hauptfigur ignoriert in ihrer Überheblichkeit Befehle und Gesetze der Götter, was unvermeidlich zu ihrem Fall und [richtiger: „oder“; Anm. d. A.] Tod führt. In der griechischen Mythologie ist Hybris eine Nymphe, die mit Zeus den Halbgott Pan gezeugt haben soll. Im aktuellen Sprachgebrauch wird „Hybris“ als ein bildungssprachlicher Ausdruck für Vermessenheit und Selbstüberhebung verwendet, die zu einem schlimmen Ende führen werden.“ (Wikipedia, 31.10.2006) Biomedizinische Forschung ist auf dem Vormarsch. Die prospektiven Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Die Heilungsversprechen nehmen schon beinahe biblische Ausmaße an, Gelähmte wieder gehend machen, Blinde wieder sehend machen, alles scheint möglich. Dabei sollte der Mensch im Vordergrund stehen. Es ist nicht vornehmlich eine Frage nach den technischen Möglichkeiten, sondern vielmehr eine Frage nach der Stellung des Menschen im Gefüge des Ganzen. Was kann der Mensch? Was darf der Mensch? Und darf er alles, was er kann? In einem Bereich, in dem der Mensch, das ungeborene Leben, zur Diskussion steht, kann man nicht umhin, dass der Mensch selbst mit seiner Biographie, seinen Werten, Vorstellungen, Interessen, seinem Glauben, seiner Kultur...
Excerpt (computer-generated)
An der Schwelle zur Vermessenheit ? - Ein Stammzell-Diskurs
Examensarbeit
im Studiengang Lehramt der biologischen Fakultät
der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg i. Br.
von
Nikolaus Kittner
Herbst 2006
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 4
Ziele der Arbeit ... 6
A Einführender Teil ... 8
1 Biotechnologie - Worum geht es überhaupt ? ... 8
2 Stammzellen – Was ist das ? ... 10
2.1 Allgemeines ... 12
2.2 Embryonale Stammzellen (ESZ) ... 15
2.3 Murine embryonale Stammzellen (mESZ) ... 16
2.3.1 Charakterisierung mESZ ... 18
2.4 Humane embryonale Stammzellen (hESZ) ... 21
2.4.1 Vergleich zu mESZ ... 23
2.5 Embryonale Keimzellen (EGZ) ... 27
2.6 Embryonale Karzinomzellen (ECZ) ... 28
2.7 Somatische Stammzellen (SSZ) ... 29
2.7.1 Betrachtung einiger somatischer Stammzelltypen ... 33
2.7.2 Risiken und Probleme der Verwendung somatischer Stammzellen ... 37
2.8 Embryonale Stammzellen oder Alternativen ? ... 38
3 Einige Methoden ... 39
3.1 Reproduktives Klonen, therapeutisches Klonen ... 39
3.2 In-vitro-Fertilisation (IVF) ... 41
3.3 Präimplantationsdiagnostik (PID) ... 41
4 Stammzellen und Gesellschaft ... 43
4.1 Biotechnologie - Entstehung und Bedeutung für Deutschland ... 43
4.2 Akzeptanz der Biotechnologie in Deutschland ... 50
B Diskursiver Teil ... 51
5 Juristische Perspektive ... 51
5.1 Ausgewählte Gesetze ... 51
5.2 Internationaler Vergleich ... 52
5.3 Die Situation in Deutschland ... 63
5.3.1 Der Embryo und das Grundgesetz ... 63
5.3.2 Der Embryo und die Einfachgesetze ... 70
5.3.3 Die Abtreibungsproblematik ... 75
5.3.4 Nationaler Ethikrat (NER) ... 83
5.3.5 Die Nidation und ihre Bedeutung für den rechtlichen Status des (Invitro-)Embryos ... 84
6 Ethische Perspektive ... 89
6.1 Was ist Ethik ? ... 89
6.1.1 Das Ungenannte und sein Einfluss ... 91
6.1.2 Die Argumente ... 94
6.1.2.1 Direkte Argumente ... 94
6.1.2.2 Indirekte Argumente ...
7 Abschließender Kommentar ... 109
8 Anhang ... 113
9 Bibliographie ... 121
Einleitung
"Was wir zu fürchten haben,
ist nicht die Unmoral der großen
Männer, sondern die Tatsache,
daß Unmoral oft zu Größe führt."
De Tocqueville (1805 - 1859, französischer Publizist und Politiker)
"Die Hybris (griechisch ?′?ß??? - der Übermut, die Anmaßung) bezeichnet eine Selbstüberhebung, die sich, vor allem unter Berufung eines göttlich gerechten Zorns, der Nemesis, rächen muss. Die Hybris ist der Auslöser des Falls von vielen Hauptfiguren in griechischen Tragödien. Die Hauptfigur ignoriert in ihrer Überheblichkeit Befehle und Gesetze der Götter, was unvermeidlich zu ihrem Fall und [richtiger: "oder"; Anm. d. A.] Tod führt.
In der griechischen Mythologie ist Hybris eine Nymphe, die mit Zeus den Halbgott Pan gezeugt haben soll.
Im aktuellen Sprachgebrauch wird "Hybris" als ein bildungssprachlicher Ausdruck für Vermessenheit und Selbstüberhebung verwendet, die zu einem schlimmen Ende führen werden." (Wikipedia, 31.10.2006)
Biomedizinische Forschung ist auf dem Vormarsch. Die prospektiven Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Die Heilungsversprechen nehmen schon beinahe biblische Ausmaße an, Gelähmte wieder gehend machen, Blinde wieder sehend machen, alles scheint möglich.
Dabei sollte der Mensch im Vordergrund stehen. Es ist nicht vornehmlich eine Frage nach den technischen Möglichkeiten, sondern vielmehr eine Frage nach der Stellung des Menschen im Gefüge des Ganzen. Was kann der Mensch? Was darf der Mensch? Und darf er alles, was er kann?
In einem Bereich, in dem der Mensch, das ungeborene Leben, zur Diskussion steht, kann man nicht umhin, dass der Mensch selbst mit seiner Biographie, seinen Werten, Vorstellungen, Interessen, seinem Glauben, seiner Kultur, folglich allem, was einen Menschen auch kennzeichnet ein Recht hat sich einzubringen. Und damit ist jeder Mensch gemeint, nicht bloß jener Zirkel der elitären Wissenschaftler, die sich mit der Materie auskennen, sich gar als Experten titulieren lassen, sondern ausnahmslos jeder, oder zumindest so viele wie möglich.
Dies soll das vorrangige Ziel der vorliegenden Arbeit sein, nicht ausschließlich eine wissenschaftliche Abhandlung über Stammzellforschung, ihren Segen, ihren Fluch, sondern ein verständlicher Überblick für alle, die sich näher mit dem heiklen Thema Stammzellforschung auseinander setzen wollen, gespickt mit kniffligen Dilemmata, die den Leser zu einer Entscheidung auffordern, einer schwierigen Entscheidung für oder gegen das Leben, für Helfen oder Hilfe verweigern, je nachdem, welchen Standpunkt man für sich postuliert.
Ein Beispiel: Forschungsfreiheit ist ein grundgesetzlich geschütztes Recht (Artikel 5 GG, [Meinungsfreiheit]), Recht auf Menschenwürde (Artikel 1 GG, [Menschenwürde]) auch. Ab wann definiere ich Leben, ist die Menschenwürde angetastet? Ab wann ist ein Leben lebenswert? Ist das Recht auf Forschungsfreiheit höher zu bewerten, als das Recht auf Leben, erst recht und vor allem, wenn dieses Leben/die Menschenwürde nicht einmal klar definiert ist?
Im Laufe des Textes kann es durchaus möglich sein, dass der Leser sich gezwungen sehen wird, seine (bis dahin gebildete) Meinung zu revidieren und zwar dann, wenn ein neuer Aspekt das Problem von einer ganz anderen Seite beleuchtet.
Und das ist das wirkliche Problem. Es gibt keine definitive Antwort, es gibt kein Sicherheit spendendes "Gut" oder "Böse", "Richtig" oder "Falsch". Entscheidungen tun weh, oder fallen einem leicht, bedeuten aber auch immer einen Kompromiss. Mit einer Seite einer Meinung zu sein bedeutet auch immer mit den Konsequenzen dieser Entscheidung leben zu müssen, auch und gerade, wenn sie sich auf Bereiche und neue Aspekte, ausdehnen, die noch nicht beleuchtet wurden oder zum Zeitpunkt der Meinungsbildung noch nicht absehbar waren. Ob Sie bereit sein werden die Verantwortung, die aus diesen Konsequenzen erwachsen könnte, zu tragen, das ist eine Frage, die sie sich stellen sollten.
Auch dieses soll ein Ziel der Arbeit sein, den Dialog lebendig zu halten. Den Dialog in einer globalen Gesellschaft, in der Nähe eine ganz neue Bedeutung erhalten hat. Problemlos kann man sich über das Internet in Foren mit Menschen aus der ganzen Welt über ein Thema auseinandersetzen. Dies bedeutet aber gleichzeitig auch, dass man niemals das Ganze überblicken können wird. Stammzellforschung in seiner ganzen Breite verstehen zu wollen, bedeutet, um eine Metapher zu bemühen, sich an einem Puzzle zu messen, das niemals zu einem Ende finden wird. Man kann, je länger und umfassender man sich damit beschäftigt, lernen immer mehr Schattierungen einzelner Farben auseinander zu halten, kann lernen diese dann in sinnvolle Gruppen zu sortieren, vielleicht nur, um dann festzustellen, dass dieser Teil des Puzzles sich eigentlich auf zwei ganz verschiedene Seiten des Ganzen verteilt, worauf man gezwungen ist, die Gruppierungen neu zu überdenken. Davon, dass man schwierige Puzzle auch lösen kann, wenn man sich nur die Form und Größe der ineinandergreifenden Teile ansieht, soll hier nicht die Rede sein, obwohl auch das leichter fällt, wenn man gleiche Farben zueinander legt.
Aber eines ist sicher, wer sich einmal an einem wirklich großen Puzzle versucht hat, der weiß, dass es einen ungeheuren Aufforderungscharakter hat.
Ziele der Arbeit
Die vorliegende Arbeit besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil befasst sich mit dem, was man meiner Meinung nach über Stammzellen wissen sollte. Beginnend mit einigen Begriffserklärungen führe ich in den großen Bereich der Biotechnologie ein. Als besonderer Bereich der Biotechnologie folgt dann ein recht umfassender Abschnitt über Stammzellen, das Untersuchungsobjekt dieser Arbeit. Hier sollen Grundlagen und Interessantes zu den verschiedenen Stammzellen dargelegt werden, damit der Leser einen Eindruck davon bekommt, worum es überhaupt geht und sich vielleicht schon einmal den einen oder anderen Gedanken machen kann, welche Konsequenzen sich aus einzelnen Entwicklungen ergeben könnten. Spekulationen sind hier durchaus erwünscht, denn diese sind es, die uns auch im ethischen Teil noch einmal beschäftigen werden. Zu diesem Komplex gehört ebenfalls die anschließende Vorstellung einiger Methoden, die in der Forschung, oder auch in der Medizin das Interesse der Öffentlichkeit erregt haben.
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