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Untertitel: Modularbeit im Hauptstudium Fachdidaktik LER
Hauptseminararbeit, 2008, 23 Seiten
Autor: Stefan Grzesikowski
Fach: Ethik
Details
Tags: Planspiel, Unterrichtsmethode, Möglichkeiten, Einsatzes, Methode, LER-Unterricht, Offener Unterricht, Freiarbeit, Planspielunterricht, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Spieldidaktik
Jahr: 2008
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-02308-5
ISBN (Buch): 978-3-638-92469-6
Dateigröße: 159 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Das Spiel im Allgemeinen und seine Vertreter wie etwa Planspiel oder Rollenspiel wurden schon in den 1970ern im Zuge der Bemühungen im eine Öffnung von Unterricht heftig diskutiert. Dass solche guten theoretischen Überlegungen nicht immer einen wirklich breiten Effekt in der Praxis haben müssen, wurde an anderer Stelle mit Blick auf den offenen Unterricht bereits ausgeführt. Das Planspiel wurde in den meisten Fachbereichen auch eher stiefmütterlich behandelt. Es findet als didaktische Methode heute vor allem Anwendung in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, hier allerdings in besonderem Maße in der Erwachsenenbildung, seltener im schulischen Kontext. Dies ist vor allem dadurch zu begründen, dass systemische Zusammenhänge, wie sie im Planspiel deutlich werden, vor allem in Wirtschaft, Politik und Verwaltung entweder zu Erfolg und Effizienz oder aber zu Misserfolg und Ineffizienz führen und deshalb von besonderem Interesse sind. LER ist auf dem ersten Blick seinen Bezugswissenschaften zu Folge vor allem ein geisteswissenschaftliches Fach, da doch schon bei der Lehrerausbildung vor allem Philosophie und Religionswissenschaft dominant sind, wohingegen die beiden den eher sozialwissenschaftlichen Teil bildenden Disziplinen Psychologie und Soziologie in den Hintergrund treten. Dies liegt natürlich darin begründet, dass Psychologie und Soziologie in der Anlage des Faches gemeinsam die Dimension der Lebensgestaltung ausfüllen, wodurch die beiden geisteswissenschaftlich geprägten Dimensionen zusammen zwei Drittel des Faches in Anspruch nehmen. In der Konzeption sind freilich die drei Basisstrukturen L, E und R gleichwertig gedacht, sollen sich wenn möglich gegenseitig befruchten und dienen letztlich in ihrer Zusammenführung im Fach LER der gegenwärtigen und zukünftigen Problembewältigung, wozu auch ein Verständnis der komplexen Wirklichkeit notwendig ist. Ziel dieser Arbeit ist es, das Planspiel als mögliche Methode für den Einsatz im LER-Unterricht näher zu betrachten. Hier wird es besonders interessant sein, zu ergründen, inwiefern diese Methode zum einen zur allgemeinen Kompetenzentwicklung beitragen kann und wie sie zum anderen die inhaltlichen Anforderungen des Faches bedienen kann. Bevor allerdings näher auf die Einsatzmöglichkeiten der Planspielmethode im LER-Unterricht eingegangen werden wird, soll das Planspiel allgemein in seiner Herkunft, seiner Abgrenzung zu anderen Methoden und seiner prototypischen Gestalt näher betrachtet werden.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Potsdam
Institut für Philosophie / Kollegium LER
Modularbeit im Hauptstudium Fachdidaktik LER
WS 2007/2008
Das Planspiel als Unterrichtsmethode
und die Möglichkeiten des Einsatzes der Methode
im LER-Unterricht
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkungen 3
2. Die Planspielmethode 4
2.1. Begriffsklärung 4
2.2. Herkunft und Entwicklung der Methode 5
2.3. Abgrenzungen und Eingrenzung der Methode 7
3. Das Planspiel als Unterrichtsmethode 10
3.1. Aufbau typischer Planspiele 10
3.2. Lernen im Planspiel 13
3.3. Vorzüge des Planspiels als Unterrichtsmethode 14
3.4. Eventuelle Schwierigkeiten beim Einsatz der Methode 15
4. Das Planspiel als Methode im LER-Unterricht 17
5. Abschließende Bemerkungen 19
6. Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitende Bemerkungen
Das Spiel im Allgemeinen und seine Vertreter wie etwa Planspiel oder Rollenspiel wurden
schon in den 1970ern im Zuge der Bemühungen um eine Öffnung von Unterricht heftig
diskutiert.1 Dass solche guten theoretischen Überlegungen nicht immer einen wirklich breiten
Effekt in der Praxis haben müssen, wurde an anderer Stelle mit Blick auf den offenen Unter-
richt ja bereits ausgeführt.2 Das Planspiel wurde in den meisten Fachbereichen auch eher
stiefmütterlich behandelt. Es findet als didaktische Methode heute vor allem Anwendung in
den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, hier allerdings auch in besonderem Maße in der
Erwachsenenbildung, seltener im schulischen Kontext. Dies ist vor allem auch dadurch zu
begründen, dass systemische Zusammenhänge, wie sie im Planspiel deutlich werden, vor
allem in Wirtschaft, Politik und Verwaltung entweder zu Erfolg und Effizienz oder aber eben
zu Misserfolg und Ineffizienz führen und hier deshalb von besonderem Interesse sind.
LER ist auf dem ersten Blick seinen Bezugswissenschaften zu Folge nun vor allem ein
geisteswissenschaftliches Fach, da doch schon bei der Lehrerausbildung vor allem Philo-
sophie und Religionswissenschaft dominant sind, wohingegen die beiden den eher sozial-
wissenschaftlichen Teil bildenden Disziplinen Psychologie und Soziologie eher in den Hinter-
grund treten. Dies liegt natürlich darin begründet, dass Psychologie und Soziologie in der
Anlage des Faches gemeinsam die Dimension der Lebensgestaltung ausfüllen, wodurch die
beiden geisteswissenschaftlich geprägten Dimensionen zusammen zwei Drittel des Faches in
Anspruch nehmen. In der Konzeption sind freilich die drei Basisstrukturen L, E und R gleich-
wertig gedacht, sollen sich wenn möglich gegenseitig befruchten und dienen letztlich in ihrer
Zusammenführung im Fach LER der gegenwärtigen und zukünftigen Problembewältigung,
wozu auch ein Verständnis der komplexen Wirklichkeit notwendig ist.3
Ziel dieser Arbeit ist es, das Planspiel als mögliche Methode für den Einsatz im LER-
Unterricht näher zu betrachten. Hier wird es besonders interessant sein, zu ergründen,
inwiefern diese Methode zum einen zur allgemeinen Kompetenzentwicklung beitragen kann
und wie sie zum anderen die inhaltlichen Anforderungen des Faches bedienen kann. Bevor
allerdings näher auf die Einsatzmöglichkeiten der Planspielmethode im LER-Unterricht
eingegangen werden wird, soll das Planspiel allgemein in seiner Herkunft, seiner Abgrenzung
zu anderen Methoden und seiner prototypischen Gestalt näher betrachtet werden.
1 Siehe dazu etwa Kube 1977.
2 Siehe dazu auch Bohl 2001, S. 19-21 oder Brügelmann 2000.
3 Vgl. Edelstein/Oser/Lott/Grözinger 2001, v.a. S. 71-73 sowie S. 100-111.
3
2. Die Planspielmethode
2.1. Begriffsklärung
Das begriffliche Umfeld des Planspiels ist durchaus verwirrend, weshalb vor weiteren
Überlegungen eine kurze Begriffsklärung erfolgen muss. International ist der Ausdruck
,simulation game′ gebräuchlich, der eine Mischform aus mehreren Komponenten bezeichnet.
Geuting bezeichnet es auch als ,Drei-Komponenten-Spiel′, da er (1) das Simulationsmodell
eines Umweltsektors (,environment simulation′), (2) Rollenspiel (,role-playing′) und (3) das
Regelspiel (,non-simulation game′) als wesentliche Bestandteile sieht.4 Auf die Aus-
wirkungen der Zusammensetzung des Planspiels aus diesen Komponenten und auch auf die
Abgrenzung zu anderen Methoden, wie etwa dem Rollenspiel, wird im weiteren Verlauf der
Arbeit noch eingegangen werden.
Zum Begriffsverständnis scheint eine nähere Betrachtung der einzelnen Begriffs-
bestandteile ebenfalls lohnenswert. Capaul unterscheidet dazu die Komponenten ,Plan′ und
,Spiel′. Dabei sieht er im Plan die modellhaft gedachte Umwelt, einen Spielrahmen, auf
dessen Grundlage das Spiel zumeist anhand eines konkreten Problems stattfindet. Diese ver-
einfachte Spielrealität, eine Auswahl problemrelevanter Aspekte, ist den Spielern bewusst und
wirkt durch ihre Komplexität realistisch. Im Kontext des Planspiels kann das Spiel als fach-
gebunden, zweck- und zielgerichtet charakterisiert werden. Es ist durch den Plan als Spiel-
rahmen und durch Spielregeln deutlich reglementiert. Das Planspiel kann dann nach Geuting
als methodisch organisierte Tätigkeit bestimmt werden, bei welcher in Gruppen zusammen-
geschlossene Spielteilnehmer in vorgegebenen Rollen und wechselnden Situationen handelnd
interagieren. Die Spielgruppen bilden in der Regel den jeweiligen Handlungsträger, mit
welchem sie sich an der Lösung eines zentralen Problems beteiligen. Charakteristisch ist
zudem die Dynamik und Spannung des Spiels, welche durch stetige Veränderungen der Spiel-
situation, durch den Wettbewerb der Spielgruppen und durch den Entscheidungsdruck ent-
steht. Wichtig ist auch die kreative Komponente des Planspiels, die durch ,Spiel′ ausgedrückt
wird. So werden die konstruierten Modellwelten bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten
für das zentrale Problem kreativ experimentierend durchgespielt. Durch den im Planspiel ent-
haltenen Zeitfaktor können auch Konsequenzen von Entscheidungen deutlich gemacht
werden. Neben dem realitätsnahen Lernkontext und der Kommunikation, sowohl innerhalb
der Handlungsträger-Gruppen, als auch zwischen den Handlungsträgern, sind auch die Doku-
mentation der Handlungsschritte und Rückmeldungen durch die Spielleitung von Bedeutung.5
4 Vgl. Geuting 2000, S. 3.
5 Vgl. Capaul 2001, S. 145-148 und Geuting 2000, S. 2.
4
Da das Planspiel nach Geuting in der modellhaften Nachbildung begrenzter Bereiche
der sozio-kulturellen Lebenswelt und bestimmter Wirkungsfelder menschlichen Handelns be-
steht, beinhaltet es die Aspekte Personensimulation, Umweltsimulation, Problemsimulation,
Handlungssimulation, Zufallssimulation und Wirkungssimulation. Das Vorgehen der Spiel-
gruppen wird größtenteils durch vier Parameter bestimmt. Diese sind (1) die formalen Spiel-
regeln, (2) die gesetzlichen und sozialen Normen der simulierten Umwelt, (3) die Interessen,
Ziele und Handlungsprinzipien der eigenen Gruppe und (4) die vermuteten Interessen, Ziele
und Handlungsprinzipien der anderen Gruppen.6
2.2. Herkunft und Entwicklung der Methode
Bezieht man das chinesische Kriegssimulationsspiel ,Wei-Hai′, welches wohl bereits 3000
vor unserer Zeitrechnung verwendet wurde, mit in seine Überlegungen ein, ist das Planspiel
wohl eine der ältesten denkbaren didaktischen Methoden. ,Wie-Hai′ hatte in seiner Grundidee
wohl Ähnlichkeiten zum Schach und diente Ausbildungszwecken und auch der Unterhaltung.
Im Allgemeinen wird zur historischen Einordnung der Methode allerdings nicht auf chine-
sische Strategen verwiesen, sondern auf deren etwas modernere deutsche Pendants. So haben
preußische Militärs am Ende des 18. Jahrhunderts die Planspielidee entwickelt, welche in der
Folge zur strategisch-taktischen Entscheidungsfindung und auch zur Ausbildung von Offi-
zieren diente. Die ersten Formen waren Varianten des Schachspiels, die sich dann Kriegs-
Schachspiel nannten. Dieses Spiel und seine Weiterentwicklungen dienten neben der Aus-
bildung vor allem dazu, militärische Operationspläne durchzuproben. Gegen 1880 wurde die
Idee auch in Nordamerika aufgegriffen und weiterentwickelt. Der Bedarf solcher Methoden
erklärt sich natürlich leicht aus der Bedeutung militärischer Fehlentscheidungen. So ist der
Erfolg eines Feldzuges maßgeblich vom Materialnachschub abhängig, weshalb die Planung
von Versorgungswegen, einschließlich möglichst aller denkbaren Störungen wichtig ist. In
größerem Maßstab hängt der Sieg vom Verhalten der Gegner, der Verbündeten und der
neutralen Parteien abhängig, welches durch Planspiele vorab simuliert werden kann.7
Das erste Unternehmungsplanspiel wurde wohl bereits 1932 am Institut für Ingenieur-
wesen und Wirtschaftswissenschaften in Leningrad (heute St. Petersburg) entwickelt. Seinen
Durchbruch im Bereich wirtschaftlicher Anwendung hatte die Methode allerdings erst nach
dem Zweiten Weltkrieg. In den 1950ern wurden in den USA sogenannte ,Management
Games′ entwickelt, die auf den Überlegungen der militärischen Simulationsspiele aufbauten.
Das erste wichtige Spiel dieser Art war die ,Top Management Decision Simulation′, welches
6 Vgl. Geuting 2000, S. 2.
7 Vgl. Capaul 2001, S. 148-149, Geuting 1992, S. 317-322.
5
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