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Aggressives Verhalten als externalisierende Problemverarbeitung männlicher Jugendlicher

Scholary Paper (Seminar), 2006, 43 Pages
Authors: Sophia Stefanidou, Matthias Büren
Subject: Psychology - Developmental Psychology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 43
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V87804
ISBN (E-book): 978-3-638-03588-0
ISBN (Book): 978-3-638-93287-5
File size: 1249 KB

Abstract

Das Jugendalter gilt als eine der schwierigsten Entwicklungsstufen. Zum einen muss ein Kind innerhalb weniger Jahre starke körperliche Veränderungen durchmachen, die aus ihm schließlich einen Erwachsenen machen sollen, und zum anderen macht es natürlich auch innere Entwicklungen durch. Jugendliche in der Pubertät wirken oft sehr eigenwillig, verhalten sich scheinbar seltsam und durchleben extreme Gefühlsschwankungen. Als Rebell erlebt der Jugendliche in seiner Pubertät die so genannte "Sturm und Drang" Zeit. Auch aus diesem Grund sind, nicht nur an den Schulen, zunehmend aggressive Verhaltensweisen zu beobachten. In Zeiten erhöhter Jugendkriminalität, gestiegener Zahlen gemeldeter Gewalttaten an Schulen, wachsendem Auftreten von organisierten Jugendbanden, hohem Level an gezeigter Gewalt in den Medien und der im Alltag zu spürenden gestiegenen Zahl von gewalttätigen Übergriffen unter Gleichaltrigen im allgemeinen, ergibt sich die Frage nach dem „Warum?“ und damit die Relevanz, sich mit dem Thema Gewalt unter Jugendlichen auseinander zusetzen. Den Hauptanteil gewalttätiger Übergriffe verbuchen dort die männlichen Jugendlichen für sich, wobei die Entwicklung gestiegener Mädchengewalt, auch organisiert an Schulen, auffällt. In dieser Arbeit soll demnach aufgrund der höheren Auftretungsdichte das Hauptaugenmerk auf die Gruppe der männlichen Jugendlichen gelegt werden. Es ergeben sich also, speziell nach Vorkommnissen wie sie unlängst an der Rütli-Schule in Berlin passierten, folgende Fragen: Wie können wir aggressives Verhalten generell versuchen zu erklären? Welche psychologischen Theorien gibt es, die aggressives Verhalten zu erklären versuchen? Wie äußert sich Jugendgewalt im Alltag? Wie kann man der Ausübung von Gewalt entgegenwirken, bzw. vorbeugen oder wenn der Punkt des „Vorher“ bereits überschritten ist, wie kann man möglichst erfolgreich intervenieren? In der vorliegenden Arbeit soll sich zusammengefasst mit dem aggressiven Verhalten männlicher Jugendlicher befasst werden, wobei die gewalttätigen Handlungen unter dem Aspekt der externalisierenden Problemverarbeitung betrachtet werden. Unter Heranziehung der verschiedenen Aggressionstheorien soll erörtert werden, in welchem Maße aggressives Verhalten angeboren, erlernt oder als Verarbeitungsmittel von Frustration benutzt wird. Zunächst werden die Begrifflichkeiten, mit denen wir uns in dieser Arbeit auseinandersetzen, abgegrenzt definiert und erklärt.


Excerpt (computer-generated)

Leibniz Universität Hannover, Philosophische Fakultät

Institut für pädagogische Psychologie

BA-Studiengang Sonderpädagogik

Seminar: Probleme des Jugendalters (Modul B2)


Aggressives Verhalten als

externalisierende

Problemverarbeitung

männlicher Jugendlicher

Eingereicht von: Matthias Büren und Sophia Stefanidou

Eingereicht am: 16. Okt 2006


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Definitionen und Begriffseingrenzungen 3

2.1 Aggression 3

2.2 Aggressives Verhalten 4

2.3 Gewalt 5

2.4 Zusammenfassung und Weiterführung 7

3. Diskussion theoretischer Ansätze 7

3.1 Das triebtheoretische Modell 7

3.2 Die Frustrations-Aggressions-Theorie 11

3.3 Lerntheoretische Ansätze 14

3.4 Zusammenfassung und Weiterführung 16

4. Empirische Befunde 17

4.1 Genetische, hormonelle und biologische Erkenntnisse 18

4.2 Die Gleichaltrigengruppe und spezifisches Rollenverhalten 21

4.3 Die temporäre Verschiebung gewalttätigen Verhaltens 23

4.4 Einfluss und Auswirkungen medialer Gewaltdarstellungen 26

4.5 Zusammenfassung und Weiterführung 28

5 Prävention und Intervention 29

5.1 Prävention auf verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens 29

5.1.1 Die intrinsische Einstellung der erziehenden Person 29

5.1.2 Prävention durch projektbezogene Jugendarbeit 31

5.1.3 Prävention auf politischer Ebene 32

5.2 Intervention mittels Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) 34

6. Zusammenfassung und abschließendes Fazit 38

7. Literaturverzeichnis 40

1


1.Einleitung

Das Jugendalter gilt als eine der schwierigsten Entwicklungsstufen. Zum einen muss ein Kind

innerhalb weniger Jahre starke körperliche Veränderungen durchmachen, die aus ihm

schließlich einen Erwachsenen machen sollen, und zum anderen macht es natürlich auch

innere Entwicklungen durch. Jugendliche in der Pubertät wirken oft sehr eigenwillig,

verhalten sich scheinbar seltsam und durchleben extreme Gefühlsschwankungen. Als Rebell

erlebt der Jugendliche in seiner Pubertät die so genannte "Sturm und Drang" Zeit. Auch aus

diesem Grund sind, nicht nur an den Schulen, zunehmend aggressive Verhaltensweisen zu

beobachten.

In Zeiten erhöhter Jugendkriminalität, gestiegener Zahlen gemeldeter Gewalttaten an Schulen,

wachsendem Auftreten von organisierten Jugendbanden, hohem Level an gezeigter Gewalt in

den Medien und der im Alltag zu spürenden gestiegenen Zahl von gewalttätigen Übergriffen

unter Gleichaltrigen im allgemeinen, ergibt sich die Frage nach dem ,,Warum?" und damit die

Relevanz, sich mit dem Thema Gewalt unter Jugendlichen auseinander zusetzen. Den

Hauptanteil gewalttätiger Übergriffe verbuchen dort die männlichen Jugendlichen für sich,

wobei die Entwicklung gestiegener Mädchengewalt, auch organisiert an Schulen, auffällt. In

dieser Arbeit soll demnach aufgrund der höheren Auftretungsdichte das Hauptaugenmerk auf

die Gruppe der männlichen Jugendlichen gelegt werden.

Es ergeben sich also, speziell nach Vorkommnissen wie sie unlängst an der Rütli-Schule in

Berlin passierten, folgende Fragen:

Wie können wir aggressives Verhalten generell versuchen

zu erklären? Welche psychologischen Theorien gibt es, die aggressives Verhalten zu erklären

versuchen? Wie äußert sich Jugendgewalt im Alltag? Wie kann man der Ausübung von

Gewalt entgegenwirken, bzw. vorbeugen oder wenn der Punkt des ,,Vorher" bereits

überschritten ist, wie kann man möglichst erfolgreich intervenieren?

In der vorliegenden Arbeit soll sich zusammengefasst mit dem aggressiven Verhalten

männlicher Jugendlicher befasst werden, wobei die gewalttätigen Handlungen unter dem

Aspekt der externalisierenden Problemverarbeitung betrachtet werden. Unter Heranziehung

der verschiedenen Aggressionstheorien soll erörtert werden, in welchem

Maße aggressives Verhalten angeboren, erlernt oder als Verarbeitungsmittel von Frustration

benutzt wird.

Zunächst werden die Begrifflichkeiten, mit denen wir uns in dieser Arbeit auseinandersetzen,

abgegrenzt definiert und erklärt. Dabei gilt es auch zu klären, inwieweit die sich häufig

2


synonym verwendeten Begriffe Gewalt, Aggression und aggressives Verhalten gleichsetzten

lassen.

Empirische Befunde zum Thema der Gewalt bei Jugendlichen werden gegenüber gestellt und

kritisch diskutiert.

In der Folge werden Ansätze zur Intervention und Prävention dargestellt und beleuchtet.

Abschließend erbringen wir eine Zusammenfassung mit Fazit.

Wie bereits oben erwähnt ist durch die ständige Aktualität von Gewalttaten die Relevanz für

dieses Thema gegeben. Darüber hinaus haben wir uns für dieses Thema entschieden, da wir

später in dem Bereich zur Förderung der emotionalen und sozialen Entwicklung arbeiten

wollen und hier unsere Schwerpunkte bereits während des Studiums setzen möchten.

Es stellt sich uns die Frage, wie sich die Entstehung der Gewalt, speziell bei Jungen, erklären

lässt und warum es zu diesen Äußerungen kommt.

Gerade im Hinblick auf das spätere Arbeitsfeld ist diese Frage für uns von einiger Bedeutung.

2. Definitionen und Begriffseingrenzungen

Aufgrund der oft synonym verwendeten Begriffe Gewalt und aggressives Verhalten, sehen

wir an dieser Stelle die Notwendigkeit eben diese Begriffe zu definieren und gegeneinander

abzugrenzen. Um dies zu gewährleisten, wird eine Definition des Begriffs Aggression

vorangestellt.

2.1 Aggression

Das Substantiv Aggression meint wortgeschichtlich etwa

Angriffslust, Kriegsbereitschaf

t oder

bewaffneter Raubüberfall

. Die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Verbs

ad-gredi

kann

mit Herangehen, Annähern und Antriebskraft, also zielgerichteten Handlungsweisen übersetzt

werden (vgl. SCHULTZ-HENKE 1969, S. 23). Der Aggressionsbegriff darf jedoch nicht

gleichgesetzt werden mit jeglicher Form von Aktivität, vielmehr verbirgt sich dahinter ein

schädigendes, negatives Verhalten, das eindeutig von nicht aggressivem Verhalten abgegrenzt

werden muss. Als Aggression werden alle Verhaltensweisen bezeichnet, bei der ein

Lebewesen ein anderes bedroht oder angreift. Beim Menschen kann Aggression entweder

gegen andere Menschen, gegen sich selbst oder gegen Dinge gerichtet sein. Die menschliche

Aggression äußert sich verbal, in Gestik und Mimik oder als körperliche Gewalt. Aggression

3


ist kein exakter wissenschaftlicher Begriff. Der Begriff beschreibt eine Gruppe von

Verhaltensweisen, die darauf ausgerichtet sind, anderen Personen Schaden zu zufügen (vgl.

MERKENS, 1989, S. 17).

Zur Täterbezeichnung wird häufig die Benennung Aggressor verwendet, wobei das Adjektiv

aggressiv

ein streitsüchtiges, herausforderndes Verhalten, bis hin zum bewaffneten Angriff

beschreibt (vgl. PFEIFER, 1993, nach BIEDERMANN, PLAUM, 1999, S. 13).

2.2 Aggressives Verhalten

Es gibt verschiedene Definitionen von aggressivem Verhalten. Allen gemeinsam ist, dass es

sich um ein Verhalten mit Schädigungsabsicht handelt und dass das Verhalten vom möglichen

Opfer als verletzend empfunden wird. Des Weiteren umfasst Aggression Einstellungen oder

Absichten (Motivation), Ärger (Emotion) und ein daraus resultierendes Verhalten (z.B.

schlagen). Im Alltagsdenken wird der Begriff Aggression mit bestimmten Verhaltensweisen

assoziiert. Zu diesen prototypischen Vorstellungen von Aggression zählen Verhaltensweisen,

wie Schlagen, Treten, Kneifen, Beißen. Diese sind begleitet von Emotionen wie Wut oder

Verärgerung. Darüber hinaus gibt es die indirekte, soziale und relationale Aggression, die in

der Literatur als unprototypisch bezeichnet wird (vgl. SCHEITHAUER, 2003, S. 119). Mit

relationaler Aggression werden Verhaltensweisen innerhalb der Gleichaltrigengruppe, die sich

auf Aspekte wie Zugehörigkeit und Akzeptanz beziehen, bezeichnet. Dieses Verhalten ist

zielgerichtet, wie beispielsweise absichtliches Ausschließen aus der Gruppe.

Aufgrund der unterschiedlichen Hypothesen zur Entstehung von Aggression, lassen sich

verschiedene Ausdrucksformen von aggressivem Verhalten ableiten.

1.

Impulsive (reaktive) Aggressivität

entsteht als Reaktion auf eine wahrgenommene

Bedrohung oder Provokation. Sie ist emotionsgeleitet.

2

. Instrumentelle Aggressivität

hat das Ziel, indirekt etwas Bestimmtes zu erreichen, wobei

sie als feindselig bezeichnet wird, wenn einem Individuum direkter Schaden zugefügt wird.

3. Bei der

Imitativen Aggressivität

verbündet sich die Person mit einem aggressiven Modell,

zur Unterstützung und Verstärkung seiner eigenen aggressiven Antriebsdynamik.

4. Die

Identifikative Aggressivität

bezieht sich auf gruppenverstärkte Aggressionsformen, in

denen das Individuum neue Verhaltensweisen und Aggressionsvarianten erprobt und

verinnerlicht (vgl. MERKENS, 1989, S. 21ff).

4


Darüber hinaus werden Ausdrucksformen von Aggressivität als

offen

bezeichnet, wenn sie

feindselig, trotzig, impulsiv und unkontrolliert sind.

Verdeckt

sind sie dann, wenn

instrumentell und eher kontrolliert gehandelt wird. Als

aktiv

werden sie bezeichnet, wenn sie

zielgerichtet sind, um etwas Bestimmtes zu erreichen.

Räuberisch

sind sie dann, wenn sie

kontrolliert, zielorientiert, geplant und versteckt ablaufen.

Affektiv

ist die Ausdrucksform von

Aggressivität dann, wenn sie unkontrolliert, ungeplant und impulsiv geschieht (vgl.

SCHEITHAUER, 2003, S. 19).

Forschungsarbeiten haben bestätigt, dass Menschen mit einer Tendenz zu der ein oder

anderen Art von Aggression unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale besitzen.

Beispielsweise waren Menschen, die eine Neigung zu impulsiver Aggression angaben, häufig

mit hohen Werten auf dem Faktor emotionale Eigenschaften ausgestattet. Das heißt, dass sie

im Allgemeinen starke emotionale Reaktionen auf eine Bandbreite von Situationen zeigten.

Demgegenüber zeigten Menschen, die eine Neigung zu instrumenteller Aggression angaben,

hohe Werte auf dem Faktor der positiven Bewertung von Gewalt. Diese Menschen waren der

Ansicht, dass viele Formen der Gewalt gerechtfertigt sind und akzeptierten auch keine

moralische Verantwortung für aggressives Verhalten. Diese Befunde zeigen, dass nicht alle

Arten der Aggression aus denselben zugrunde liegenden Persönlichkeitsfaktoren hervorgehen.

Die meisten Menschen zeigen weder extrem impulsive noch extrem instrumentelle

Aggression. Menschen geraten nicht beim kleinsten Ärgernis in einen Wutanfall oder begehen

vorsätzlich Gewalttaten. Dennoch verhalten sich sogar die sanftmütigsten Menschen in

manchen Situationen aggressiv (vgl. GERRIG, ZIMBARDO, 2004, S. 807f).

2.3 Gewalt

Eine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs Gewalt gibt es nicht, da seine Verwendung

in Abhängigkeit von dem jeweiligen Erkenntnisinteresse stark variiert. Dieses Fehlen einer

klaren Definition verursacht insbesondere Probleme bei der statistischen Erfassung von

Gewalt. Gewalt im negativen Sinne wird häufig als schädigende Einwirkung auf Andere

verstanden. Als Gewaltformen werden psychische oder physische, personale oder strukturelle

(oder auch kulturelle), statische oder dynamische sowie direkte oder indirekte unterschieden.

Ein engerer Gewaltbegriff, auch als ,,materialistische Gewalt" bezeichnet, beschränkt sich auf

die zielgerichtete, direkte physische Schädigung einer Person. Der weiter gefasste

Gewaltbegriff bezeichnet zusätzlich die psychische Gewalt, etwa in Form von emotionaler

5


Vernachlässigung oder Deprivation, und in seinem weitesten Sinn die ,,strukturelle Gewalt".

Zudem fällt Vandalismus unter diesen Gewaltbegriff, wenngleich sich die Einwirkung nicht

direkt gegen Personen richtet (vgl. HANKE, 1998).

Weniger eindeutig als im Falle von Aggression gestaltet sich eine worthistorische

Erschließung des Gewaltbegriffs. Ursprünglich geht das Wort Gewal

t

auf das hochdeutsche

Verb ,,waltan" zurück. Dieses bedeutet ,,stark sein", "beherrschen". Der Herkunft nach kann

das Wort Gewalt im Sinne der gestaltenden Machtausübung verwendet werden, in Anlehnung

an Schlüsselgewalt oder Staatsgewalt, wie sie schon im Grundgesetz als öffentliche bzw.

rechtssprechende Gewalt benannt ist

(vgl. NEIDHARDT 1986, nach BIEDERMANN, PLAUM, 1999, S. 10).

Neuerliche Bedeutungszuschreibungen sondern einen Aktionsbegriff von diesen

Vorstellungen ab, da Gewalt als Gewalttätigkeit verstanden wird. In Anlehnung an die

lateinischen Worte

vis

bzw.

violentia

steht somit der besondere Zwang im Vordergrund, mit

dem ein Widerstand gebrochen werden soll.

Es ist das Bedeutungsfeld der sozialen Konfliktaustragung, welches zu den

unterschiedlichsten Anwendungen bezüglich des Gewaltbegriffs, in unserem Sprachgebrauch

führt. Denn innerhalb des Kontextes sozialer Konfliktaustragung ist der Begriff Gewalt

mehrdeutig. Menschen meinen Unterschiedliches, wenn sie einander oder übereinander sagen,

dass sie Gewalt ausgeübt oder erlebt haben (vgl. HANKE, 1998).

Der Begriff Gewalt steht immer im historischen und sozialen Kontext. So kann heute eine

gewaltfreie Sitzblockade juristisch als Anwendung von psychischer Gewalt interpretiert

werden. Ebenso werden heute Maßnahmen, die bei ihrer Einführung als ,,humane

Errungenschaft" bezeichnet wurden, als gewalttätige Maßnahme definiert, wie beispielsweise

die Guillotine oder der elektrische Stuhl. Auch werden - kulturell unterschiedlich -

gewalttätige Aktivitäten gesellschaftlich toleriert. Hierzu gehören Sportarten wie das Boxen

aber auch individuelle Neigungen, wie der Sadomasochismus. Die Veränderung der

gesellschaftlichen Sicht führt auch zur Inakzeptanz teilweise Jahrhunderte alter, blutiger

Traditionen wie der Beschneidung, auf Grund der weit reichenden Folgen besonders bei der

weiblichen Form.

Im heutigen Umgangssprachgebrauch wird unter Gewalt überwiegend eine gewalttätige

Vorgehensweise verstanden (vgl. ESSER und DOMINIKOWSKI, 1993, nach

BIEDERMANN, PLAUM, 1999).

6



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