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Amin al Husaini - Über sein politisches Wirken im Nahen Osten und die Zusammenarbeit mit Adolf Hitler

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 31 Pages
Author: Elhakam Sukhni
Subject: Orientalism / Sinology - Islamic Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 31
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V88048
ISBN (E-book): 978-3-638-02788-5
ISBN (Book): 978-3-638-92613-3
File size: 332 KB

Abstract

Diese Hauptseminararbeit behandelt eine der wohl umstrittensten Persönlichkeiten arabischer Politiker. Eine eigentlich vergessene Person, deren Namen nur noch zu Propagandazwecken aufgegriffen wird. Für die einen ein Held und Symbol des Freiheitskampfes, für die Anderen ein Faschist und lebender Beweis für den „arabischen Antisemitismus“ und für wieder andere ein machtbesessener, korrupter Narzisst. In dieser Arbeit wird versucht, auf neutrale Weise, das politische Leben Amin al Husainis wiederzugeben.


Excerpt (computer-generated)

ÍaÊÊ AmÐn al-ÍusainÐ

Über sein politisches Wirken im Nahen Osten und die Zusammenarbeit mit

Adolf Hitler


Hausarbeit im Hauptseminar:

,,Der Islam und der Westen im 19. bzw. 20 Jahrhundert"

Orientalisches Seminar der Universität zu Köln


Eingereicht von

Elhakam Sukhni

am

28.11.2007


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 1

2. Al ÍaÊÊ MuÎammad AmÐn al-ÍusainÐ S. 2

2.1 Der Traum von Groß-Syrien (BÐlÁd us-SÁm) S. 3

2.2 AmÐn al ÍusainÐ ­ Politiker und Führer in Palästina S. 4

3. Der Weg zum Nationalsozialismus ­ ,,der Feind meines Feindes"...S. 9

4. Bosnien im Zweiten Weltkrieg S. 14

4.1

Die Entstehung einer bosnisch-muslimischen SS-Division S. 15

5. Die Zeit nach Hitler S. 18

6. Schlusswort S. 20

7. Quellen I

8. Anhang II

8.1 Skala jüdischer Einwanderer nach Palästina A

8.2 Emblem der 13 SS-Division ,,Hanschar" A

8.3 Die Unterredung zwischen Hitler und dem Großmufti B

8.4 Umfragebogen F


1. Einleitung

Diese Hausarbeit behandelt eine der wohl umstrittensten Persönlichkeiten arabischer

Politiker. Eine eigentlich vergessene Person, deren Namen nur noch zu Propagandazwecken

aufgegriffen wird. Für die Einen ein Held und Symbol des Freiheitskampfes, für die Anderen

ein Faschist und lebender Beweis für den ,,arabischen Antisemitismus" und für wieder andere

ein machtbesessener, korrupter Narzisst. Es wundert also nicht, dass man ausgerechnet auf

www.shoa.de einen ausführlichen Bericht über al-ÍusainÐs Kollaboration mit Hitler

nachschlagen kann und es wundert ebenfalls nicht, dass es meist zionistische bzw. israelische

Autoren sind, die gerne an die vermeintliche Zusammenarbeit ,,der Araber" mit den Nazis

erinnern. Sogar die Sendung ,,Report München" lässt sich auf solch ein unsachliches Niveau

herab und kommt beim Sender ARD in einem Fernsehbeitrag mit dem Titel ,,

Halbmond und

Hakenkreuz. Der Großmufti und sein Erbe

" zu einer Fehldarstellung, bei der die Reporterin

den Beitrag mit folgenden Worten einleitet:"

Beirut in Trümmern, Raketen auf Haifa; wieder

einmal brennt es im Nahen Osten. Die radikal schiitische Hisbollah und die Hamas kämpfen

gemeinsam gegen den verhassten Judenstaat Israel. Die Wurzeln für diesen Hass reichen

weit zurück in die Vergangenheit: Hitlers Rassenwahn hat Hochkonjunktur. Report

München liegen dazu neue Dokumente vor. Mike L. und Stefan M. zeigen wie der

Antisemitismus bereits während des zweiten Weltkrieges verpflanzt wurde

!" Nach dieser

Einführung läuft ein kurzer Bericht über den Besuch AmÐn al ËusainÐs bei Adolf Hitler, der

dann mit einer Beschreibung heutiger Antisemiten endet, nämlich so ,, (...)

wie Irans

Staatschef Ahmadinejad

!

Immer wieder leugnet er vor aller Welt den Holocaust. An seinem

Gängelband hängt die libanesische Hisbollah.

" Und so schließt sich der Kreis. Dies ist nur

ein Beispiel für die Instrumentalisierung des Mythos al-ÍusainÐ .

In der arabischen Literatur lässt sich dagegen wenig über al ËusainÐs Zeit in Deutschland

lesen, was wiederum daran liegt, dass die Quellen meist mangelhaft sind1 (und die Araber

kein wirkliches Interesse daran haben an diese Zeit zu erinnern).

Doch war al-ÍusainÐ ein ,,

Judenhasser

", oder sogar ein ,,

Nazi

"? Um dies ansatzweise

beantworten zu können und die vorliegende Hausarbeit überhaupt möglich zu machen,

bestand der größte Teil meiner Arbeit darin, glaubwürdige Quellen zu finden. Die Person

AmÐn al-ÍusainÐ wird von vielen so dargestellt, wie es in ihre politische bzw. subjektive

historische Sicht passt. Von den Einen verharmlost und von den Anderen dämonisiert.

1 1 Das z.B. kürzlich erschienene Buch ,,Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina"

von Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers, das erstmalig ausführlich (laut Autoren) dieses Thema

behandelt, wird aufgrund des Heranziehens umstrittener Quellen und der Subjektivität der Autoren kritisiert

(s. ,,DAVO-Nachrichten", Band 25, August 2007, S.72)

1


Deshalb warnt René Wildangel in einer Anmerkung:2 ,,Populäre wie wissenschaftliche

Darstellungen sind z.T. fehlerhaft bzw. stellen Behauptungen auf, für die keine Quellenbelege

geliefert werden können (z.B. ËÁÊÊ AmÐns angebliche Besuche in verschiedenen

Konzentrations- und Vernichtungslagern, u.a. Auschwitz), oder sie enthalten unhaltbare

Übertreibungen (der Mufti habe eine zentrale Rolle in der Vernichtungspolitik gespielt)."

Diese Hausarbeit behandelt das politische Leben al-ËuainÐs und wird verdeutlichen, dass

seine Person zu Unrecht nur auf ,,den Freund der Nazis" reduziert wird.

2.

Al ÍÁÊÊ

MuÎammad AmÐn al-ÍusainÐ

,,Hadsch Mohammed Amin al-Husaini", in der westlichen Welt bekannt als ,,der Großmufti

von Jerusalem", wird im Jahre 1893 in Jerusalem geboren und gilt als der bekannteste

arabische Nationalist zur Mandatszeit in Palästina.

Den Titel des ,,ÍÁÊÊÐ" erhielt al-ÍusainÐ nach seiner ersten Pilgerfahrt nach Mekka (dem

ÍaÊÊ) im Jahre 1913 und verdiente sich den Status eines islamischen Gelehrten Dank eines

Studiums der SarÐÝah (islam. Recht) an der Al-Azhar Universität in Kairo.3 Nicht unbedeutend

ist auch seine ,,nachweisliche Abstammung"4 von Íusain ibn ÝAlÐ, dem zweiten Sohn

Fatimas, der Tochter des Propheten MuÎammads, auf den sich schon mancher Herrscher in

der islamischen Welt berufen hat (wie noch heute der König von Marokko oder die

Haschemiten in Jordanien), um seine Führungsposition zu legitimieren.

Viel ist über die Jugend al-ÍusainÐs nicht veröffentlicht (bzw. schwer zu ermitteln), jedoch

bekannt, dass er bis zu Beginn des ersten Weltkriegs studierte und 1914 in die osmanische

Armee eintrat. 1917 verließ er die Armee wieder aus gesundheitlichen Gründen und zog aus

der Stadt Izmir, in welcher er stationiert war, zurück nach Jerusalem, wo er bis zum Ende des

Krieges verweilte und sich dann dem ,,Arabischen Aufstand" anschloss, indem er z.B. mehr

als zweitausend Freiwillige für die britische Armee organisierte.5

2 ,,Blind für die Geschichte?" Hrsg. Gerhard Höpp, S. 151

3 Tom Segev ,,Es war einmal ein Palästina" , S.114

4 Aharon Moshel ,,...in einer Hand den Ölzweig" S.48

5 Tom Segev ,,Es war einmal ein Palästina" , S.114

2


2.1 Der Traum von Groß-Syrien (BÐlÁd al-SÁm)

1919 nimmt al-ÍusainÐ am Pan-Syrischen Kongress in Damaskus teil. Er setzt sich stark für

die Ernennung des Emirs Faisal I. zum König von Syrien ein, welcher durch den syrischen

Nationalkongress am 7. März 1920 auch zum König proklamiert wird.

Faisal I, der ein Mitglied der Dynastie der Haschemiten war, unterzeichnete am 3. Januar

1919 gemeinsam mit dem Präsident des Zionistischen Weltkongresses (WZO), Dr. Chaim

Weizmann, das Faisal-Weizmann-Abkommen6, in dem die arabische Seite die Balfour-

Deklaration akzeptiert. Die Balfour-Deklaration unterstützt die zionistische Bestrebung, in

Palästina eine "nationale Heimstätte" des jüdischen Volkes zu errichten. Faisal sollte im

Gegenzug die Herrschaft über die restlichen Länder des Nahen Ostens erlangen. Bis heute

lastet seit diesem Abkommen der Ruf an den Haschemiten, sie hätten Palästina ,,verkauft".7

Al ËusainÐs Unterstützung des einflussreichen Emirs rührte ebenfalls daher, seine Pan-

arabischen Interessen und die vieler anderer in die Realität umsetzen zu wollen: Nämlich die

Errichtung des arabischen Staates Großsyrien, jedoch mit Palästina als Südprovinz und

Damaskus als Hauptstadt. Großsyrien sollte ein Territorium umfassen, das die heutigen

Staaten Syrien, Libanon, Jordanien und Israel, sowie die besetzten Gebiete beinhaltet.

So trat al-ÍusainÐ um 1919 dem arabischen Nationalistenverein al-NÁdÐ al-ÝArabÐ (,,Der

arabische Verein") in Jerusalem bei und schrieb politische Artikel für die erste

palästinensische Zeitung SÙrÐya al-ÉanÙbÐya (,,Süd-Syrien").8

Was bis dato den Arabern noch nicht bewusst war, ist, dass es bereits ein Abkommen gegeben

hat, welches das laut dem ,,Faisal-Weizmann-Abkommen

"

vorhergesehene arabische

Königreich schon Jahre vorher zum Scheitern verurteilte.

Bereits am 16. Mai 1916 kam es nämlich schon zu einer geheimen Übereinkunft zwischen

den Regierungen Englands und Frankreichs, durch die ihre Einflusssphären im Nahen Osten

nach dem Ersten Weltkrieg festgelegt wurden: Das Sykes-Picot-Abkommen.9

6 Janet u. John Wallach ,,Jassir Arafat ­ Die Biographie", S.78

7 auch sein Vater, Hussein ibn Ali (* 1856; 1931) kämpfte an der Seite der Briten gegen die Osmanen, was ihm

das Königtum über den Hedschas (1917-1924) zusicherte. Außerdem sagten ihm die Briten im Januar 1916 zu,

nach dem Krieg ein unabhängiges Königreich Arabien unter Einschluss des Iraks und Syriens zu unterstützen. (s.

Janet u. John Wallach ,,Jassir Arafat ­ Die Biographie", Heyne Verlag S.75

Olaf Köndgen ,,Jordanien" S.49 ff.)

8 SÙrÐya al-ÉanÙbÐya stand in der Jerusalemer Anfangszeit ab September 1919 unter der Leitung des

Rechtsanwalts Mohammed Hassan al-Budairi, und wurde herausgegeben von Arif al-Arif (AmÐns älterer

Bruder), beide prominente Mitglieder von al-NÁdÐ al-ÝArabÐ. (Tom Segev ,,Es war einmal ein Palästina" S.143)

9 Das Abkommen wurde im November 1915 von dem französischen Diplomaten François Georges-Picot und

dem Engländer Mark Sykes ausgehandelt. England wurde die Herrschaft über ein Gebiet zuerkannt, das

3


Frankreich besteht nach neuen Verhandlungen mit den Briten10 auf die Erfüllung des Vertrags

woraufhin sich letztere aus Syrien und dem Libanon zurückzogen und die Franzosen mit der

Besetzung Damaskus, dem Sieg über König Faisal I und der damit verbundenen Auflösung

Großsyriens, sich diese Gebiete sichern. Großbritannien kontrolliert das heutige Jordanien,

Palästina und auch den Irak (in dem, zur Beendigung schwerer Aufstände, Faisal I. später

durch die Briten wieder zum Königtum verholfen werden soll und die Haschemiten somit

wieder im Nahen Osten ,,mitregieren" können).

2.2 AmÐn al ÍusainÐ ­ Politiker und Führer in Palästina

Nachdem der Traum von Groß-Syrien vorerst nicht mehr umsetzbar schien, konzentrierte sich

AmÐn al-ÍusainÐ auf das Geschehen in seinem Heimatland Palästina. Unter den

Palästinenserarabern entwickelte sich immer mehr das Bewusstsein, eine eigenständige

Nation zu sein, was sich als eine Antwort auf die hohe Einwandererzahl der Juden und die

massiven zionistischen Bestrebungen erklären lässt.11 Die Reaktion auf einen drohenden

jüdischen Nationalstaat war zwangsläufig das Festhalten an der Erhaltung eines

palästinensischen Nationalstaats.

Am 4. April 1920, an dem wie jedes Jahr die traditionelle Prozession der Muslime zum

Schrein des Propheten Moses (NabÐ MÙsÁ) stattfand, kam es während einer antizionistischen

Kundgebung zu schweren Ausschreitungen zwischen Muslimen und Juden.12

Das Resultat dieser Unruhen waren fünf Tote, 216 Verletzte und 18 Schwerverletzte auf

jüdischer Seite, sowie vier Tote, 23 Verletzte und ein Schwerverletzter auf arabischer Seite.13

Als Reaktion darauf wurden mehr als zweihundert Personen vor das britische Militärgericht

gestellt, darunter 39 Juden. AmÐn al-ÍusainÐ wurde wegen Anstiftung zu zehn Jahren Haft

verurteilt.14 Dieses Urteil wurde jedoch in Abwesenheit al-ÍusainÐs gefällt, denn er floh

bereits nach den Aufständen nach Syrien.

ungefähr dem heutigen Jordanien, dem Irak und dem Gebiet um Haifa entspricht. Frankreich sollte die

Herrschaft über die Südost-Türkei, den Nordirak, Syrien und den Libanon ausüben. Jedes Land sollte die

Staatsgrenzen innerhalb seiner Einflußzone frei bestimmen dürfen. (s. Francesco Gabrieli ,,Die arabische

Revolution", Verlag M. DuMont Schauberg Köln)

10 bei der Konferenz von San Remo vom 19. bis zum 26. April 1920 im italienischen Sanremo

11 Einwanderungsskala s. Anhang

12 Tom Segev ,,Es war einmal ein Palästina" - (Pantheon Verlag Juli 2006) S.142 ff.

13 Ebenda S.155

14 Ebenda

4



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