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Subtitle: Möglichkeiten, Ziele und Anwendungsbeispiele
Examination Thesis, 2007, 83 Pages
Author: Theresa Linnéa Müller
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Tags: Bilderbuch, Literaturunterricht, Grundschule
Year: 2007
Pages: 83
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 88 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01501-1
ISBN (Book): 978-3-638-91769-8
File size: 837 KB
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Abstract
„Bilderbücher sind Teil der frühen ästhetischen Erfahrungen, die Kinder in ihrer Sozialisation sammeln.“ (Thiele 2000b, 238). Das Bilderbuch im Literaturunterricht der Grundschule ist ein weitläufiges Thema, über das es leider nur wenige wissenschaftliche Arbeiten gibt. Das Bilderbuch wird oftmals mit dem „kommerziellen Bilderbuch“ gleichgesetzt und als Trivialliteratur abgetan. Wer so denkt und handelt urteilt vorschnell über dieses so umfangreiche Gebiet der Bilderbücher. Dies führt dazu, dass diese so vielseitige und wichtige Gattung der Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht oft vernachlässigt wird. Natürlich ist darauf hinzuweisen, dass trotzdem eine positive Entwicklung stattgefunden hat, da das Nutzen von Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht allgemein und im Deutschunterricht speziell zugenommen hat. Des Weiteren ist in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung das Thema Kinder- und Jugendliteratur fest verankert und auch die Literaturdidaktik beschäftigt sich in zunehmendem Maße mit Themen wie literarische Sozialisation und Lesemotivation. (vgl. Rank 1999, 5). Trotzdem ist gerade die Thematik Bilderbuch nur selten Gegenstand didaktischer Lehrbücher oder Lehrveranstaltungen.
Excerpt (computer-generated)
Wissenschaftliche Hochschule
Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen
nach GHPO I vom 01. Oktober 2003
Das Bilderbuch im Literaturunterricht der Grundschule -
Möglichkeiten, Ziele und Anwendungsbeispiele
Theresa Linnéa Müller
Pädagogischen Hochschule Heidelberg
Mannheim, den 26.08.2007
I. EINLEITUNG... 5
II. THEORETISCHER TEIL ... 7
1. HISTORISCHES ZUM BILDERBUCH ... 7
1.1. Ursprünge des Bilderbuchs und das Bilderbuch in der Aufklärung ... 7
1.2. Bilderbücher in der Romantik ... 8
1.3. Die Entstehung des erzählenden Bilderbuches... 8
1.4. Das Bilderbuch im 20. Jahrhundert... 9
1.4.1. Bis 1939 ... 9
1.4.2. 1939 - 1945 ... 10
1.4.3. Nach 1945... 11
1.4.3.1. Die antiautoritäre Bewegung... 11
1.4.3.2. Entstehung der problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur ... 12
1.4.3.3. „Neue Erzählformen im Bilderbuch“ und Einflüsse von Kunst und Medien ... 12
1.4.3.4. Das Bilderbuch im 21. Jahrhundert... 14
2. DEFINITION BILDERBUCH...15
2.1. Abgrenzung vom illustriertem Buch ... 15
2.2. Einteilung von Bilderbüchern nach Qualitätsmerkmalen ... 15
2.3. Typologien nach Thiele (vgl. Thiele 2000b, 237) ... 16
2.3.1. Das Sachbilderbuch... 16
2.3.2. Das problemorientierte Bilderbuch ... 17
2.4. Das erzählende Bilderbuch in der Wissenschaft ... 18
3. DAS BILDERBUCH IM UNTERRICHT DER GRUNDSCHULE...21
3.1. Das Bilderbuch im Fremdsprachenunterricht... 21
3.2. Das Bilderbuch im Sachunterricht ... 21
3.3. Das Bilderbuch als Beitrag zur ästhetischen Erziehung und zur Bildkompetenz... 22
3.4. Das Bilderbuch im Religionsunterricht... 23
3.5. Das Bilderbuch im Mathematikunterricht ... 23
3.6. Das Bilderbuch als Beitrag für fächerübergreifende Bereiche ... 23
3.6.1. Medienerziehung ... 23
3.6.2. Interkulturelle Erziehung ... 24
3.6.3. Umwelterziehung... 24
3.6.4. Soziale Erziehung... 25
3.7. Das Bilderbuch im Deutschunterricht... 25
3.7.1. Erstlesen ... 25
3.7.2. Weiterführendes Lesen... 26
4. ZIELE EINES LITERATURUNTERRICHTES MIT BILDERBÜCHERN...27
4.1. Grundlagen und Begriffe des Literaturunterrichtes ... 27
4.2. Leseförderung ... 28
4.2.1. Das Konzept und seine Ziele... 28
4.2.2. Leseförderung durch Bilderbücher ... 30
4.3. Literarische Bildung... 31
4.3.1. Das Konzept literarische Bildung... 31
4.3.2. Ziele der literarischen Bildung... 33
4.3.3. Literarische Bildung durch Bilderbücher ... 34
4.4. Ästhetische Bildung & visual literacy ... 36
4.4.1. Das Konzept und seine Ziele... 36
4.4.2. Ästhetische Bildung & visual literacy durch Bilderbücher... 38
5. AUSWAHL ...41
5.1. Generelle Problematik... 41
5.2. Bilderbücher analysieren ... 42
5.2.1. Inhaltliche, sprachliche und erzählerische Ebene... 42
5.2.2. Visuelle Ebene ... 45
5.2.3. Typographische Gestaltung... 45
5.3. Bilderbücher auswählen und präsentieren ... 46
III. PRAKTISCHER TEIL...47
6. ANTHONY BROWNE: STIMMEN IM PARK...47
6.1. Biografisches zu Anthony Browne... 47
6.2. Inhalt & Typografie ... 48
6.3. Analyse & Deutung... 49
6.3.1. Inhaltliche Ebene ... 49
6.3.2. Bildliche Ebene... 49
6.4. Legitimation für den Einsatz des Buches... 52
6.4.1. Literarische Qualität... 52
6.4.2. Pädagogische Qualität... 53
6.4.3. Bildqualität ... 53
7. ARMIN GREDER: DIE INSEL. EINE TÄGLICHE GESCHICHTE...55
7.1. Biografisches zu Armin Greder ... 55
7.2. Inhalt & Typografie ... 56
7.3. Analyse & Deutung... 57
7.3.1. Inhaltliche Ebene ... 57
7.3.2. Bildliche Ebene... 58
7.4.1. Literarische Qualität... 60
7.4.2. Pädagogische Qualität... 61
7.4.3. Bildqualität ... 62
8. UMSETZUNG IN DEN LITERATURUNTERRICHT ...63
8.1. Grundlegendes ... 63
8.1.1. Klassenzuordnung „Stimmen im Park“ ... 63
8.1.2. Klassenzuordnung „Die Insel“... 63
8.2. Hinführung zum Bilderbuchinhalt ... 64
8.2.1. Einstieg... 64
8.2.1.1. „Stimmen im Park“... 64
8.2.1.2. „Die Insel“ ... 65
8.1.2. Erlesen des Bilderbuches ... 65
8.1.2.1. „Stimmen im Park“... 65
8.1.2.2. „Die Insel“ ... 66
8.3. Literarisches Unterrichtsgespräch... 66
8.4 Handlungs- und produktionsorientierte Umsetzung... 68
8.4.1. „Stimmen im Park“ ... 70
8.4.2. „Die Insel“ ... 71
8.5. Textanalytische Verfahren... 72
8.6. Fächerübergreifende Verfahren... 74
IV. FAZIT...75
V. LITERATURVERZEICHNIS...77
a) Primärliteratur... 77
b) Sekundärliteratur ... 78
I. EINLEITUNG
„Bilderbücher sind Teil der frühen ästhetischen Erfahrungen, die Kinder in ihrer Sozialisation sammeln.“ (Thiele 2000b, 238).
Das Bilderbuch im Literaturunterricht der Grundschule ist ein weitläufiges Thema, über das es leider nur wenige wissenschaftliche Arbeiten gibt. Das Bilderbuch wird oftmals mit dem „kommerziellen Bilderbuch“ gleichgesetzt und als Trivialliteratur abgetan. Wer so denkt und handelt urteilt vorschnell über dieses so umfangreiche Gebiet der Bilderbücher. Dies führt dazu, dass diese so vielseitige und wichtige Gattung der Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht oft vernachlässigt wird.
Natürlich ist darauf hinzuweisen, dass trotzdem eine positive Entwicklung stattgefunden hat, da das Nutzen von Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht allgemein und im Deutschunterricht speziell zugenommen hat. Des Weiteren ist in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung1 das Thema Kinder- und Jugendliteratur fest verankert und auch die Literaturdidaktik beschäftig sich in zunehmendem Maße mit Themen wie literarische Sozialisation und Lesemotivation. (vgl. Rank 1999, 5). Trotzdem ist gerade die Thematik Bilderbuch nur selten Gegenstand didaktischer Lehrbücher oder Lehrveranstaltungen.
Die Ursache liegt meines Erachtens in der Tatsache begraben, dass der Bilderbuch- Markt von Werken beherrscht wird, die Thiele „Kaufhausbilderbücher“ nennt und die „künstlerisch und inhaltlich anspruchsvollen Bilderbücher“ oft keine Aufmerksamkeit erlangen (vgl. Thiele 1986, 144). Dies führt zu einem Gros an Bilderbüchern, die klischeehaft und platt daher kommen. Eine genauere Abgrenzung dieser beiden Kategorien erfolgt im Kapitel Definitionen.
Diese Arbeit beginnt damit, die Geschichte des Bilderbuches abzureißen und dann im Folgenden klar zu definieren, was in dieser Arbeit und in didaktischen Texten mit dem Begriff „Bilderbuch“ gemeint ist im Unterschied zu anderen Definitionen und Untergattungen. Im weiteren Verlauf wird darauf eingegangen, welche Einsatzmöglichkeiten das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule bietet. Nach einem knappen Überblick über verschiedene Fächer und fächerübergreifende Aspekte, rückt der Literaturunterricht in den Fokus der Arbeit. Es wird besprochen, welche Ziele man als Lehrer im Literaturunterricht erreichen kann und soll und wie dies umgesetzt werden kann. Es wird näher erläutert inwiefern Bilderbücher zur literarischen Bildung, zur Leseförderung und zur ästhetischen Bildung beitragen können.
Nachdem das Theoretische ausgiebig erläutert worden ist, beschäftigt sich der zweite Teil der Arbeit, wie der Titel schon verrät, mit praktischen Beispielen. Die Bilderbücher „Stimmen im Park“ von Anthony Browne und „Die Insel“ von Armin Greder werden vorgestellt, analysiert, gedeutet und ihre Möglichkeiten zum Einsatz im Unterricht nahe gebracht und fachdidaktisch begründet. Außerdem soll an den Beispielen aufgezeigt werden, wie die im theoretischen Teil beschriebenen Ziele erreicht werden.
II. THEORETISCHER TEIL
1. Historisches zum Bilderbuch
1.1. Ursprünge des Bilderbuchs und das Bilderbuch in der Aufklärung
Die ersten bebilderten Bücher erschienen kurz nach der Erfindung des Buchdruckes 1445 durch Gutenberg, jedoch waren sie nicht an Kinder adressiert, sondern an leseunkundige Erwachsene. Gedruckt wurden vor allem ABC-Bücher zum Lesenlernen, Fabelbücher und Bücher religiösen Inhalts, wie zum Beispiel Bilderbibeln.
Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde dieses Angebot ergänzt durch illustrierte Sachbücher. Als Beispiel für ein frühes Bilderbuch ist das meist verbreitete und nachgeahmte Lehrbuch „Orbis sensualium pictus“ (1658) des tschechischen Pädagogen Jan Amos Komensky (Johann Amos Comenius) zu nennen. In 150 Kapiteln präsentiert Comenius die Welt in Wort und Bild. Das Wissen wird eingeordnet in einen größeren Zusammenhang und somit den Kindern „die ganze Welt“ dargestellt. Nach Comenius pädagogischer Vorstellung wollte er den Lesern Sinnzusammenhänge aufzeigen, man sollte die Welt als eine Ordnung begreifen. Der „Orbis sensualium pictus“ war nicht nur die erste Enzyklopädie, sondern gleichzeitig ein Lehrbuch und eine Lateinfibel. Comenius wollte durch seinen Stil die Leser mit allen Sinnen ansprechen und ihnen das Lernen vergnüglicher gestalten.
In den folgenden Jahren wurde das Werk oft kopiert. Es entstanden zahlreiche gut gemeinte Bilderbücher, die den Kindern die Welt näher bringen sollten: die illustrierten Elementarwerke von Johann Bernhard Basedow (ab 1770), Johann Sigismund Stoy (1784), Christian Gotthilf Salzmann (1785) bis hin zu Friedrich Justin Bertuchs, der sein Werk sogar ausdrücklich „Bilderbuch für Kinder“ nannte (1790- 1830) und Thesen für die Erstellung eines guten Bilderbuches festhielt.
Im Zeitalter der Aufklärung (Epoche des 18. Jahrhunderts) galt das Kind als „Erziehungsobjekt, das auf die Zeit als Erwachsener vorbereitet wird“ (Richter 2001 ,5), in der Kinder- und Jugendliteratur schlugen sich dementsprechend insbesondere pädagogische Ziele nieder. In dieser Epoche konnte man erstmals von einer spezifischen Kinder- und Jugendliteratur reden. Dichter und Denker in Deutschland und Europa versuchten, dem Kind mit „kindgerechter“ Literatur zu begegnen. DieLiteratur als solche gehörte sogar zu einem wichtigen Instrument der Erziehung. Diese Tendenzen und Erkenntnisse sollten aber schon bald Gegner finden.
1.2. Bilderbücher in der Romantik
Die Vertreter der Romantik (Ende des 18. Jahrhunderts bis erstes Drittel des 19. Jahrhunderts) setzten der „pädagogischen Instrumentalisierung“ das der Literatur Eigene, das Künstlerische, das Poetische und Fantastische entgegen. „Man trat nicht mehr von der moralischen, sondern von der ästhetisch-sinnlichen Seite an das Kind heran, lockte sein Interesse, seine natürliche Neugierde mit der Buntheit, der Komik oder der Sentimentalität der Bilddarstellung." (Niermann 1979, 56). Auch das Kindheitsbild der Romantik war ein ganz anderes: Kinder wurden als göttliche unschuldige Wesen gehandelt, die Kindheit wurde idealisiert. In der Frühromantik wurde kaum Kinderliteratur geschaffen, da die Frühromantiker der Meinung waren, Kinder sollten Volkspoesie rezipieren. Dies führte zu poetischen Bilderbüchern in denen Volkslieder, Kinderreime, Märchen und Gedichte illustriert worden sind. Die Spätromantiker hingegen schrieben Texte für Kinder, als Beispiel ist E.T.A. Hoffmanns „Das fremde Kind“ (1817) zu nennen, das als Märchen der neuen Kindheit gilt.
Die wachsende Schaulust in der Romantik führte zu illustrierten Büchern und zu Berufszeichnern. Die Bilder dienten überwiegend als Beigabe und Ergänzung von Massenartikeln, „die Berufszeichner arbeiteten bildnerische Standards heraus, die zum Inbegriff der leicht fassbaren, gefälligen Buchillustration wurden.“ (Thiele 2000c, 18).
In der Biedermeierzeit (1815 - 1848) gipfelte die Vorstellung vom Bilderbuch als Unterhaltungsmedium: Es entstanden unrealistische, groteske und kitschige Bilder, die sogar in Kinderenzyklopädien keine Wirklichkeit mehr darstellten.
[...]
1 Im Weiteren soll die maskuline Form als Universalbegriff verwendet werden
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