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Hausarbeit, 2007, 23 Seiten
Autor: Caroline Dorn
Fach: Theologie - Systematische Theologie
Details
Tags: Schuld, Fragen, Rechtfertigungslehre, Luther
Jahr: 2007
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-01781-7
Dateigröße: 176 KB
Kommentar des Professors: "Sie haben eine überzeugende Arbeit vorgelegt. Gut ist insbesondere die Kontextualisierung der Rechtfertigungslehre und die gedankliche Auseinandersetzung mit ihr."
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Zusammenfassung / Abstract
Die Erkenntnisse der Rechtfertigungslehre sollten eigentlich für alle Christen von Bedeutung sein. Aber wie gut weiß man darüber eigentlich Bescheid und wie stark nimmt man diese Lehre in seinem Leben an? Schnell stellt sich im Alltag das schlechte Gewissen ein, wenn man falsch gehandelt oder das gute Handeln unterlassen hat und man stellt sich die Frage, ob man damit vor Gott bestehen kann. Es fehlt häufig das Bewusstsein darüber, was uns mit der Rechtfertigungslehre genommen ist, nämlich der ständige Zweifel, ob unsere Taten und unser Leben gut genug sind, um uns für das ewige Seelenheil zu qualifizieren. Diese Hausarbeit möchte deshalb die Rechtfertigungslehre Luthers in ihren wichtigsten Punkten darstellen und sich mit den Fragen beschäftigen, die sich bei der Auseinandersetzung ergeben. 2. Ausgangspunkt 2.1. Allgemeine Heilsgedanken Um die Entstehung und Ausbildung der Rechtfertigungslehre zu verstehen, ist es unerlässlich, die Verhältnisse zu schildern, in denen die Menschen um 1500 lebten und glaubten. Das geistliche Leben, der Glaube, Gott und alle kirchliche Lehre nahmen einen erheblich größeren Raum ein, als dies heute der Fall ist. Der Glaube war eine die gesamte Lebenswelt durchdringende Angelegenheit und lief nicht, wie man es in unserer Zeit häufig antrifft, nur als „Sonntags- und Feiertagssache“ nebenher. Im diesseitigen Leben war doch im Glauben alles auf das Jenseits ausgerichtet und oberstes Ziel musste sein, beim Jüngsten Gericht nicht zu den zur Hölle verdammten Sündern zu gehören, sondern als Seliger ins Paradies einziehen zu können. Dazu bedurfte es eines gottesfürchtigen und gottwohlgefälligen Lebens. Allgegenwärtig war dabei die Angst vor der Verfehlung und vor den Strafen, welche schon zu Lebzeiten vollzogen wurden. Zu solchen Grausamkeiten wie Brandmarkung, Vierteilung, Rädern und dergleichen mehr, kam die Deutung von Unglück als Zeichen von Gottes Zorn, der mit ausbleibender Ernte, Unwettern und ähnlichem auf die Sündhaftigkeit der Menschheit antwortet.[...]
Textauszug (computergeneriert)
Institut für evangelische Theologie
Philosophische Fakultät
TU Dresden
HS: Glaube und Handeln
SoSe 2005
,,...und vergib uns unsere Schuld"
Fragen an die Rechtfertigungslehre
Caroline Dorn
MA Germ.-Lit./ Kunstgeschichte/ Theologie
Sem. 12/12/6
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
3
2.
Ausgangspunkt 3
2.1.
Allgemeine
Heilsgedanken
3
2.2.
Zweifel
Luthers 5
3.
Kurze Erläuterung der Rechtfertigungslehre
7
4.
Fragen an die Rechtfertigungslehre
9
4.1.
Wollen wir guter Dinge sein und nichts tun?
9
4.2.
Muss man und wie kann man gut handeln vor Gott?
10
4.3. Welche Probleme birgt die Rechtfertigungslehre
für
den
Glaubenden?
12
4.4.
Wie verhält es sich mit den Ungläubigen?
16
4.5.
Wie können wir die Rechtfertigungslehre wertschätzen
und
für
uns
fruchtbar
machen? 18
5.
Schluss 19
2
1. Einleitung
Die Erkenntnisse der Rechtfertigungslehre sollten eigentlich für alle Christen von
Bedeutung sein. Aber wie gut weiß man darüber eigentlich Bescheid und wie stark
nimmt man diese Lehre in seinem Leben an? Schnell stellt sich im Alltag das schlechte
Gewissen ein, wenn man falsch gehandelt oder das gute Handeln unterlassen hat und
man stellt sich die Frage, ob man damit vor Gott bestehen kann. Paul Tillich beklagt,
dass die ,,Gebete um Vergebung [...] für viele Menschen keine andere Funktion [haben],
als die, ihr unruhiges Gewissen zu erleichtern, das die Folge ihres Verstoßes gegen
traditionelle und oft lächerliche Vorschriften, meist in Form von Verboten, ist."1 Es
fehlt häufig das Bewusstsein darüber, was uns mit der Rechtfertigungslehre genommen
ist, nämlich der ständige Zweifel, ob unsere Taten und unser Leben gut genug sind, um
uns für das ewige Seelenheil zu qualifizieren. Diese Hausarbeit möchte deshalb die
Rechtfertigungslehre Luthers in ihren wichtigsten Punkten darstellen und sich mit den
Fragen beschäftigen, die sich bei der Auseinandersetzung ergeben.
2. Ausgangspunkt
2.1. Allgemeine Heilsgedanken
Um die Entstehung und Ausbildung der Rechtfertigungslehre zu verstehen, ist es
unerlässlich, die Verhältnisse zu schildern, in denen die Menschen um 1500 lebten und
glaubten.
Das geistliche Leben, der Glaube, Gott und alle kirchliche Lehre nahmen einen
erheblich größeren Raum ein, als dies heute der Fall ist. Der Glaube war eine die
gesamte Lebenswelt durchdringende Angelegenheit und lief nicht, wie man es in
unserer Zeit häufig antrifft, nur als ,,Sonntags- und Feiertagssache"2 nebenher. Im
diesseitigen Leben war doch im Glauben alles auf das Jenseits ausgerichtet und oberstes
Ziel musste sein, beim Jüngsten Gericht nicht zu den zur Hölle verdammten Sündern zu
gehören, sondern als Seliger ins Paradies einziehen zu können. Dazu bedurfte es eines
gottesfürchtigen und gottwohlgefälligen Lebens. Allgegenwärtig war dabei die Angst
vor der Verfehlung und vor den Strafen, welche schon zu Lebzeiten vollzogen wurden.
1 Tillich, S. 14.
2 Borst, S. 588.
3
Zu solchen Grausamkeiten wie Brandmarkung, Vierteilung, Rädern und dergleichen
mehr, kam die Deutung von Unglück als Zeichen von Gottes Zorn, der mit
ausbleibender Ernte, Unwettern und ähnlichem auf die Sündhaftigkeit der Menschheit
antwortet.3
Weiterhin ist eine starke Dinglichkeit des Glaubens auszumachen. Diese äußerte sich
nicht nur in einer starken Bindung zur Kirche als Ort der Gottesdienste, sondern auch in
Passionsspielen oder der Reliquienverehrung. Die Heiligengläubigkeit spiegelt wieder,
wie sehr die Menschen eines bestimmten Bezugspunktes bedurften, um mit ihren
Sorgen nicht ganz hilflos dazustehen. Obwohl in erster Linie Gott Gnadenspender war,
beruhigte es, für ein bestimmtes Problem auch einen bestimmten ,Ansprechpartner′ zu
haben. So wurde der Heilige Bartholomäus wegen seines Martyriums der Häutung als
Schutzpatron der Gerber angesehen, und die Hilfe des Christopherus bei der
Flussüberquerung Jesu machte ihn zum Nothelfer und Schutzheiligen der Reisenden.
Bei dieser Bindung an Stoffliches oder heilige Personen wird deutlich, wie wichtig
fassbare Dinge für den Glauben waren. Die Menschen benötigten etwas, woran nicht
nur der Glaube festzumachen war. Auch das Heil der eigenen Seele im Jenseits musste
von bestimmten Regeln und fassbaren Anweisungen abhängig und dadurch für den
Einzelnen bestimmbar und vor allem beeinflussbar sein. Es herrschte die Vorstellung
von einer Werkgerechtigkeit, welche die Menschen dazu antrieb, schlechte Taten
möglichst zu vermeiden und gute Taten anzuhäufen, sodass bei der Aufrechnung am
Ende der Tage das Gute das Böse aufzuwiegen vermochte und man sich die
Rechtfertigung verdient hatte. Diese Vorstellung von einer Art ,,Buchhaltergott"4, der
säuberlich gute von schlechten Taten trennt und gegeneinander aufrechnet, trieb im
mittelalterlichen Streben nach einer Schadensminimierung nicht nur gute Blüten. Neben
der Entscheidung zwischen Hölle und Paradies war die Bestrafung der Sünden,
beziehungsweise die Läuterung der Seele im Fegefeuer von Interesse. Der
Gnadenschatz, den die Kirche durch die Heiligen angehäuft hatte, ermöglichte es ihr,
Ablässe zu verwalten. Damit ist der Erlass oder die Verminderung der Strafzeit auch im
Fegefeuer gemeint. Diese Zeitstrafe war Teil des Beichtsystems. Einer Sünde hatte
demnach zuerst die Reue des Herzens, dann das mündliche Bekenntnis und zuletzt auch
3 Vgl. Borst, S. 582f.
4 Schäfer (Internetlink, Katholische Sicht auf Rechtfertigungslehre)
4
die Genugtuung des Werkes zu folgen.5 Letzteres wurde durch eine diesseitige
Bestrafung und/oder eine bestimmte Zeit im Fegefeuer abgeleistet. Einen Ablass konnte
man zum Beispiel durch die Teilnahme an einem Kreuzzug oder wie beim Jubelablass
im Jahre 1300 durch einen Besuch Roms und die dortige Ausübung von
Andachtsübungen erwerben.
Die Kirche erkannte aber bald den wirtschaftlichen Nutzen, den man aus dem Verkauf
von sogenannten Ablassbriefen ziehen konnte. Diese konnte man nicht nur als direkte
Reaktion auf eine Sünde erwerben, sondern auch im Voraus, um den Brief im Notfall
wie einen Scheck einlösen zu können oder sogar für bereits Verstorbene, um deren Zeit
im Fegefeuer zu verkürzen. Auf die Spitze getrieben wurde dieser Handel durch den
Ablassprediger Johann Tetzel, aus dessen Predigten sich wohl das geflügelte Wort
,,Sobald das Geld im Kasten springt, die Seele aus dem Fegfeuer springt" entwickelte.
Abschließend kann also gesagt werden, dass die Menschen auf das Jenseits hin lebten
und dadurch unter dem stetigen Druck standen, durch gute Taten und eben auch
Erwerbung von Ablässen ihre Chance auf eine kurze Fegefeuerzeit und den Einzug ins
Paradies zu verbessern. Bei alledem ist zu bedenken, dass es sich beim Seelenheil um
einen äußerst dringlichen Wunsch handelt. ,,Ohne ihre Höllenangst (und andererseits
ihre Heilsbesessenheit) wird man die Wesenart dieser Menschen von damals kaum ganz
begreifen können."6
2.2. Zweifel Luthers
In der oben geschilderten Gedankenwelt war auch Luther gefangen. Mit seinem
Klostereintritt im Jahre 1505 war nicht nur das Versprechen eingelöst, dass er der
Heiligen Anna bei einem schweren Gewitter gegeben hatte, auch das Erlangen der
Seligkeit spielte eine Rolle. Er befolgte gewissenhaft die Regeln, um dieses Ziel zu
erreichen. ,,Ich war ein heiliger Mönch und wollte Gott zwingen, daß er mich
rechtfertigte um meiner Werke und meines harten Lebens willen."7 Aber dieser Plan
schien nicht aufzugehen, stattdessen geriet Luther in einen ständig nagenden Zweifel an
sich und seinen Taten. Er befürchtete, nicht gut genug zu sein, etwas Falsches zu tun
5 Vgl. Loewenich, S. 104.
6 Borst, S. 585.
7 Loewenich, S. 69.
5
Kommentare
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