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Verbale Kommunikation im Unterricht

Bachelor Thesis, 2005, 33 Pages
Author: Mathias Mayrbäurl
Subject: Art - Pedagogy

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V88216
ISBN (E-book): 978-3-638-02386-3
ISBN (Book): 978-3-638-92414-6
File size: 295 KB

Abstract

Mit dieser Arbeit wird der Kommunikationsaspekt in der Unterrichtspraxis beleuchten. Empirische Forschungen haben bewiesen, dass der Mensch etwa 70-80 % seines wachen Lebens mit Kommunikation verbringt. Auch im Musikunterricht nimmt das Kommunizieren fast zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit in Anspruch. Weiters führen oft zwischenmenschliche Probleme, die meistens auf mangelnde Kommunikationsfähigkeiten zurückzuführen sind, zum Abbruch einer Lehrer-Schüler-Beziehung. Genug Gründe, sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Eine weitere Legitimation liefert der anerkannte Pädagoge Anselm ERNST: „Fachliteratur, die sich ausschließlich und umfassend mit gekonnten Sprachverhalten im Unterricht beschäftigt, liegt nicht vor.“ Es war mir ein besonderes Anliegen, kommunikationspsychologische Thesen mit praktischen Beispielen aus dem Musikschulalltag zu verbinden und so einen Bezug zur Unterrichtspraxis herzustellen. Ich hoffe, dem geneigten Leser Denkanstöße mitgeben zu können und ihm Mut zu machen, seine eigenen Kommunikationsformen zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern.


Excerpt (computer-generated)

Verbale Kommunikation im Unterricht

B A C H E L O R A R B E I T

an der Anton-Bruckner Privatuniversität Linz
Studienrichtung: IGP Jazz-Saxophon

Eingereicht von:

Mathias Mayrbäurl

Steyr, im Februar 2005

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

0.Einleitung ...  4

1. Allgemeines  ...  5
1.1 Die vier Seiten einer Nachricht  ...  5
1.2 Empfangsfehler ...  8

2. Unterrichtssprache  ...  9
2.1 Personen- oder sachbezogener Unterricht  ...  9
2.2 Die Aufforderung  ...  10
2.3 Sprachmenge  ...  11
2.4 Verständlichkeit ...  11

3. Sprachbilder ...  14
3.1 Situative und dynamische Assoziationen  ...  15

4. Das Fragen  ...  17
4.1 Inhalts- und Formfragen  ...  17
4.2 Offene und geschlossene Fragen (nach Schwarzenbach)  ...  18
4.3 Fragetechnik:  ...  19
4.4 Die Gesprächs- und Diskussionsleitung ...  20

5. Zuhören  ...  21
5.1 Das WIBR-Modell ...  22

6 Die „Familienkonferenz“ nach GORDON ...  25
6.1 Du-Botschaften und Ich-Botschaften  ...  26
6.2 Problembesitz: Wer hat das Problem?  ...  28
6.3 Kommunikationssperren ...  

Quellenverzeichnis:  ...  31

 

 

0. Einleitung

Mit dieser Arbeit möchte ich den Kommunikationsaspekt in der Unterrichtspraxis beleuchten. Empirische Forschungen haben bewiesen, dass der Mensch etwa 70-80 % seines wachen Lebens mit Kommunikation verbringt. (Ausnahme: Man ist mit der Erstellung seiner Diplomarbeit beschäftigt.) Auch im Musikunterricht nimmt das Kommunizieren fast zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit in Anspruch. Weiters führen oft zwischenmenschliche Probleme, die meistens auf mangelnde Kommunikationsfähigkeiten zurückzuführen sind, zum Abbruch einer Lehrer-Schüler- Beziehung. Genug Gründe, sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen.

Eine weitere Legitimation liefert der anerkannte Pädagoge Anselm ERNST: „Fachliteratur, die sich ausschließlich und umfassend mit gekonnten Sprachverhalten im Unterricht beschäftigt, liegt nicht vor.“1

Mein erster Entwurf beinhaltete auch die nonverbale Kommunikation, doch bald stellte ich fest, dass die verbale Kommunikation allein viele interessante Ansätze bietet. So beschloss ich, mich auf den sprachlichen Aspekt im Unterrichtswesen zu konzentrieren.

Es war mir ein besonderes Anliegen, kommunikationspsychologische Thesen mit praktischen Beispielen aus dem Musikschulalltag zu verbinden und so einen Bezug zur Unterrichtspraxis herzustellen. An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Schülern für die gewonnene Inspiration und das Aufzeigen von Problemfeldern herzlichst bedanken.

Ich hoffe, dem geneigten Leser Denkanstöße mitgeben zu können und ihm Mut zu machen, seine eigenen Kommunikationsformen zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern.

Steyr, am 11. Februar 2005

1. Allgemeines

Täglich sehen wir uns damit konfrontiert Wünsche, Bedürfnisse oder Gedanken unseren Mitmenschen verbal mitteilen zu müssen. Doch manches kann schiefgehen, wenn wir miteinander reden. Oft fühlt man sich falsch verstanden oder sucht verzweifelt nach passenden Worten um der jeweiligen Situation gerecht zu werden. So kann eine ungeschickte Formulierung eines Staatsmannes schon reichen um eine diplomatische Verstimmung auszulösen oder ein falsches Wort unter Ehepartnern zur Beziehungskrise führen.

Mit der Phrase „Etwas in die falsche Kehle bekommen“ beschreiben wir Kommunikationsmomente in denen der Empfänger der Nachricht das Gesagte anders wahrnimmt als der Sender dies beabsichtigt hatte. Wie kann man solche Irritationen vermeiden und seine Fähigkeiten zur zwischenmenschlichen Kommunikation verbessern oder effizienter gestalten?

1.1 Die vier Seiten einer Nachricht

Schulz von Thun beschreibt vier Seiten einer (verbalen) Nachricht1:


[...]

Ich werde dieses Modell anhand einer Situation, wie sie desöfteren im Musikunterricht vorkommt, veranschaulichen:

Lehrer: „Im zweiten Takt steht vor der Note C ein Auflösungszeichen.“
Schülerin: „Öha, das hatte ich glatt übersehen.“

Diese Nachricht enthält einen Sachinhalt: Wir erfahren etwas über das Musikstück das soeben durchgespielt wurde. Im zweiten Takt steht ein aufgelöstes C notiert – eine klare, unverrückbare Tatsache. Jedoch ist diese Feststellung nur ein kleiner Teil dessen, was sich gegenwärtig zwischen Sender und Empfänger abspielt.

Die Nachricht enthält auch Informationen über den Sender – den Selbstoffenbarungsaspekt. Wir können grundsätzlich herauslesen, dass der Lehrer des Notenlesens mächtig ist und die Funktion und Wirkung des Auflösungszeichens versteht. Weiters hat er am Spiel des Schülerin gehört, das diese eine falsche Note spielte. Neben jenen sehr offensichtlichen Informationen können noch einige versteckte Botschaften mitgeliefert werden. Vielleicht möchte der Lehrer seiner Schülerin seine musiktheoretische Kompetenz beweisen, insgeheim auf sein gutes Gehör hinweisen, oder demonstrieren wie konzentriert er ihr Spiel verfolgt?

Die Beziehungsseite der Nachricht enthält zumindest zwei Botschaften. Erstens geht daraus hervor, wie der Sender den Empfänger sieht, wie er ihn wertschätzt und was er von ihm hält. Bezogen auf obiges Beispiel kann man folgendes herauslesen: Der Lehrer geht davon aus, dass seiner Schülerin nicht aufgefallen ist dass sie den Notentext nicht korrekt wiedergegeben hat und versucht sie darauf hinzuweisen. Hierbei ist der Tonfall der Aussage von entscheidender Bedeutung. Spricht der Lehrer herablassend und ungeduldig könnte er sich denken: „Jetzt spielt sie schon zum zehnten Mal ein C, warum nur muß ich mich tagaus tagein mit dermaßen untalentierten Schülern abgeben, die ohnehin nichts lernen wollen?“ Spricht er jedoch mit ruhiger, sanfter Stimme denkt er vielleicht „Das hat sie wirklich toll gespielt, nur die falsche Note im zweiten Takt stört noch.“.

Der zweite Beziehungsaspekt gibt uns darüber Auskunft wie der Sender seine Rolle zur Empfängerin sieht: Aufgrund der im Beispiel gegebenen Lehrer-Schüler Beziehung hat der Sender kein Problem damit, den Empfänger zu korrigieren. Sie stehen so zueinander, das Berichtigungen möglich sind, damit der Lehrer überhaupt seinem Lehrauftrag nachkommen kann. Erhält die Schülerin jedoch zuviele Nachrichten dieser Art kann es leicht passieren, dass sie die ständigen Richtigstellungen und Besserwisserei satt hat und ihre Aufnahmebereitschaft abnimmt.

[....]


1 ERNST, 1991 S. 161

---

1 SCHULZ VON THUN 1992, S. 13


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