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Bildung und Migration - Zum Bildungsniveau von Migranten

Termpaper, 2007, 26 Pages
Author: Mirco Rauch
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V88262
ISBN (E-book): 978-3-638-01755-8
ISBN (Book): 978-3-638-91889-3
File size: 137 KB

Abstract

Migration stellt für Bildungsinstitutionen schon seit langer Zeit eine große Herausforderung dar. Vor allem sprachliche und soziokulturelle Barrieren hemmen das Leistungsniveau von jungen Menschen nichtdeutscher Herkunft. Wie kann dieser Misere entgegengewirkt werden? Diese Frage versucht die vorliegende Darstellung zu klären. Die Überlegungen stützen sich dabei auf die Daten neuer Erhebungsverfahren, um die Probleme junger Migranten noch besser erfassen und geeignete Lösungsansätze vorstellen zu können.


Excerpt (computer-generated)

Bildung

und

Migration

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Schriftliche Seminararbeit für das Seminar

,,Einführung in die Bildungssoziologie"

Wintersemester 2006/2007

Vorgelegt von

Mirco Rauch


Inhalt

1. Einleitung

3

2. Zur Datenlage

5

2.1.

Geeignete

Erhebungsverfahren

5

2.2. (Neue) Zahlen zu Migration und Bildungsabschlüssen

6

3. Mögliche Ursachen für das Bildungsniveau von Migranten

8

3.1. Sprachliche Barrieren als wesentliches Charakteristikum

8

3.2.

Gescheiterte

Sozialisation?

10

3.3. Von der Schule in den Beruf

13

4. Migration und Bildungswesen in der bisherigen Praxis

15

4.1. Allgemein schulischer Umgang mit Migration

15

4.2.

Die

Rolle

des

Lehrers

17

5.

Fazit

und

Ausblick

19

6. Literaturverzeichnis

23

2


1. Einleitung

,,Ein Land mit nur einer Sprache und einer Sitte ist schwach und gebrechlich.

Darum ehre die Fremden und hole sie ins Land."

Mit diesen Worten sprach sich

bereits der ungarische König Stephan I. (975-1038) für eine kulturelle Vielfalt

aus. In der Tat kann es sich als positiv herausstellen, wenn Menschen auslän-

discher Herkunft in ein Land einwandern; einen entscheidenden Aspekt stellt

dabei die gegenseitige Bereicherung dar. Denn bei ihrer Zusammenkunft kön-

nen verschiedene Völker nicht nur anderen Lebensweisen gegenüber mehr To-

leranz einüben, sondern auch vieles voneinander lernen. Gerade in Zeiten der

Globalisierung, in denen eine gegenseitige Abhängigkeit einzelner Nationen

vorherrscht, ist ein solcher Prozess unerlässlich. Allerdings bringt eine Zuwan-

derung anderer Bevölkerungsgruppen auch Probleme mit sich und stellt das

Einwanderungsland vor gewisse Herausforderungen. So besteht für es eine

zentrale Aufgabe darin, die Zuwanderer aus anderen Nationen ­ die ohnehin

eine Minderheit darstellen ­ so gut wie möglich einzugliedern; unter Berücksich-

tigung wechselseitiger Beziehungen soll aus ehemals verschiedenen Teilsys-

temen eine Einheit entstehen. Dieser angestrebte Verlauf wird als

Integration

bezeichnet, die jedoch nur dann erfolgreich sein kann, wenn die zugewanderten

Gruppen in nahezu allen Lebenslagen an den Status der einheimischen Bevöl-

kerung angepasst werden. Damit die Bürger fremder Herkunft diesen Status

erlangen können, müssen sie aber auch dem Einwanderungsland gleiche oder

ähnliche Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört in erster Linie das Bildungsni-

veau: Weil generell eine gute Schul- und Berufsausbildung eine Basis darstellt,

um die spätere Existenz abzusichern, werden gerade in den Industrienationen

ein Bildungsabschluss und damit verbundene Zukunftsperspektiven als äußerst

wichtig erachtet. Doch vor allem sprachliche und kulturelle Disparitäten wirken

sich häufig ungünstig auf das Bildungsniveau von Zugewanderten im Aufnah-

meland aus.

Mit eben dieser Thematik befasst sich die vorliegende Arbeit. Insbesondere

wird hier versucht zu skizzieren, welche Probleme im Bildungswesen aufgrund

der Zuwanderung verschiedener Nationen nach Deutschland entstehen und wie

sie behoben werden könnten. (Diese Zuwanderung wird im Folgenden auch als

Migration bezeichnet.) Zuerst soll dabei aufgezeigt werden, welche gravieren-

3


den Unterschiede bezüglich ausgewählter Bildungsabschlüsse zwischen

Migranten und Deutschen ohne Migrationshintergrund zu verzeichnen sind. Als

Ausgangsbasis für die folgenden Überlegungen dient deshalb die dazugehörige

aktuelle Datenlage. Damit jedoch die Zuverlässigkeit der beschriebenen Situati-

on abgesichert werden kann, kommt vorab dem Blick auf verschiedene Analy-

severfahren zu jener Datenerhebung eine große Bedeutung zu. Weiterhin

scheint die Erläuterung möglicher Erklärungsansätze des aktuellen Zustandes

durchaus angebracht; schließlich können auftretende Probleme besser beho-

ben werden, wenn ihre Ursachen bekannt sind. Weil oft davon ausgegangen

wird, dass sprachliche Schwierigkeiten im Wesentlichen für die durchschnittlich

schlechteren Bildungsabschlüsse verantwortlich sind, die von Migranten in

Deutschland erworben werden, sollen sie zu Beginn des nächsten Abschnittes

eine relevante Rolle spielen. Jedoch kommen auch andere Faktoren in Frage,

die häufig verkannt werden: Wie sieht eigentlich die allgemeine Sozialisation

von Migranten in Deutschland aus? Vor allem soll hier das Augenmerk auf kul-

turelle Diskrepanzen gerichtet werden, die sich in der Berufsausbildungs- oder

Arbeitsplatzsuche fortsetzen und denen so eine gewisse Mitverantwortlichkeit

für das Bildungsniveau von Eingewanderten nicht abgesprochen werden kann.

Nachdem die Ursachen der beschriebenen Lage erörtert wurden, soll aufge-

zeigt werden, wie bislang versucht wird, diesen Problemen in der Praxis zu be-

gegnen. Optimierungsmaßnahmen sind aber nicht nur Aufgabe der Politik, son-

dern auch Aufgabe des einzelnen Lehrers. Aus diesem Grund werden

Schwachstellen beider Seiten herausgearbeitet, um letztendlich in der Praxis

noch nicht berücksichtigte Lösungsansätze vorzustellen, welche durchaus reali-

sierbar wären und die zuvor angesprochene Problematik noch intensiver behe-

ben könnten. Dabei soll auch ein Seitenblick auf die Ausländerpolitik anderer

Staaten als Anregung dienen.

Wörtlich oder inhaltlich entnommene Stellen anderer Beiträge sind in der vor-

liegenden Arbeit durch Verweise in Klammern kenntlich gemacht. Alle anderen

eingeklammerten Hinweise, z.B. (vgl. 2.1.), sind Binnenverweise dieser Arbeit.

4


2. Zur Datenlage

2.1. Geeignete Erhebungsverfahren

In den vergangenen Jahren berief man sich bei der Darstellung migrationsspe-

zifischer Probleme im Bildungswesen überwiegend auf amtliche Statistiken zur

Einwanderung. Offenbar wurden jener Erhebungsmethode viele Vorteile zuge-

rechnet; denn immerhin kann durch sie die Präsenz von Schülern mit Migrati-

onshintergrund an den verschiedenen Schulformen in Zahlen abgebildet wer-

den. Dabei lassen sich auch eventuelle Unterschiede zwischen einzelnen Bun-

desländern oder Landkreisen leicht nachweisen (vgl. Diefenbach 2004, S. 227).

Allerdings ist ­ wie erst später erkannt wurde ­ die Verwendung amtlicher Sta-

tistiken mit erheblichen Nachteilen verbunden: Personen mit Migrationshin-

tergrund werden darin lediglich über das sogenannte Ausländerkonzept ermit-

telt, das an der Staatsangehörigkeit orientiert ist. Deshalb können nur jene

Migranten erfasst werden, die nicht im Besitz der deutschen Staatsangehörig-

keit sind; bereits eingebürgerte Personen mit Migrationshintergrund und Spät-

aussiedler bleiben unberücksichtigt (vgl. Diefenbach 2004, S. 228; Granato

2003, S. 104; Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 139). Unter diesen

Umständen werden also bei Weitem nicht alle in Deutschland lebenden Migran-

ten aufgeführt. Umgekehrt können sie aber auch gerade als solche überbewer-

tet werden, obwohl sie hier geboren wurden und ihre gesamte Schulzeit in

Deutschland verbrachten, jedoch nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besit-

zen. Diese Migranten werden als sogenannte

Bildungsinländer

bezeichnet und

durch jene Erhebungsmethode ebenfalls nicht erkannt (vgl. Diefenbach 2004,

S. 228). Amtliche Statistiken spiegeln in dieser Hinsicht also nicht die Realität

wider und können zu einer Unterschätzung existierender Probleme beitragen.

Natürlich wirkt sich dieser Umstand auch auf deren Bearbeitung aus. Deshalb

müssen geeignete Erhebungsverfahren Zuspruch finden, die verlässlichere Da-

ten zur Einwanderung von Migranten liefern.

Der Mikrozensus bietet als ein solches Verfahren viele Vorteile. Da er per

Zufallsauswahl bei ca. 1 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung als

Haushaltsbefragung durchgeführt wird, handelt es sich dabei um repräsentative

Individualdaten. Mit dem Mikrozensus 2005 liegen diese erstmalig mit Angaben

zur eigenen Staatsangehörigkeit, Geburtsort, Zuzugsjahr, Einbürgerung sowie

5


Staatsangehörigkeit, Einbürgerung und Geburtsort beider Eltern und analogen

Angaben zu den Großeltern vor (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung

2006, S. 139). Somit ist es für die Bildungspolitik möglich, den Prozentsatz der

Schulkinder mit Migrationshintergrund noch genauer zu fassen und sich um

eine Bereitstellung entsprechender Fördermaßnahmen zu bemühen; denn dass

Migranten einen deutschen Pass besitzen, bedeutet natürlich nicht zwangsläu-

fig, dass sie ­ beispielsweise in Bezug auf die deutsche Sprache ­ keinerlei

Hilfestellungen bedürfen. Darüber hinaus verrät die Staatsangehörigkeit, welche

politischen Rechte die jeweiligen Migranten in Deutschland haben und ob ein

,,außerfamiliärer, sozialer und kultureller Kontext noch vom Herkunfts- oder

schon vom Aufnahmeland geprägt worden ist" (ebd.). Aufgrund der Angaben zu

Einbürgerung und Geburtsort der Eltern bzw. Großeltern kann auch gleichzeitig

überprüft werden, ob Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund bereits

in Deutschland geboren wurden oder gemeinsam mit ihrer Familie als ,Querein-

steiger′ zugereist sind.1 Das kann sich u. U. als ein großer Unterschied heraus-

stellen, da Kinder, die erst in einem schulpflichtigen Alter aus ihrer Heimat nach

Deutschland einwandern, schon allein aufgrund der fremden Kultur größere

Probleme im Umgang mit dem deutschen Bildungssystem aufzeigen können

(vgl. dazu 3.2.). Weil bezüglich der einzelnen Migrantenkonstellationen in

Deutschland ohnehin eine starke Heterogenität vorliegt (vgl. Diefenbach 2004,

S. 228), erlauben die o.g. Angaben außerdem eine noch genauere Binnendiffe-

renzierung des Bildungsniveaus innerhalb der einzelnen Migrantengruppen.

2.2. (Neue) Zahlen zu Migration und Bildungsabschlüssen

Aus den Daten des Mikrozensus 2005 geht hervor, dass der Migrantenanteil

aller in Deutschland lebenden Personen insgesamt bei 18,6 Prozent liegt. Damit

ist der Prozentsatz über zweimal höher als vorher durch amtliche Statistiken zur

Einwanderung nachgewiesen werden konnte (vgl. Konsortium Bildungsbericht-

erstattung 2006, S. 140). Weil eine deutlich jüngere Migrantenpopulation vor-

1 Allgemein wird zwischen Migranten der 1., 2. und 3. Generation unterschieden: Ein Migrant

der 1. Generation ist als sogenannter ,Quereinsteiger′ nach Deutschland eingewandert, wäh-

rend ein Migrant der 2. Generation zwar hier geboren wurde, aber seine Eltern zugereist sind.

Spricht man von Migranten der 3. Generation, so wanderten die Großeltern nach Deutschland

ein, doch schon die Eltern der Kinder wurden hier geboren (vgl. Konsortium Bildungsberichter-

stattung 2006, S. 141). Somit hat ein Kind, dessen Großeltern einst nach Deutschland einreis-

ten, schon einen Migrationshintergrund.

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