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Termpaper, 2001, 26 Pages
Author: Kai Bieler
Subject: Communications: Print Media, Press
Details
Institution/College: University of Leipzig (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften)
Tags: Entwicklungslinien, Feuilletons, Tagespresse, Beispiel, Berliner, Zeitung, Seminar, Feuilletonjournalismus
Year: 2001
Pages: 26
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15698-1
ISBN (Book): 978-3-638-64071-8
File size: 229 KB
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Abstract
Es soll um das Feuilleton gehen. Nicht um das Genre, angesiedelt im Niemandsland der Kategorien zwischen Journalismus und Literatur. Auch nicht um die Stilform, jenes scheinbar an der Oberfläche verbleibende, das die Schwierigkeiten und Komplexität des Daseins dem Leser unterhaltend und anschaulich nahe bringt. Gegenstand der Untersuchung ist das Ressort „Feuilleton“ als „Bezeichnung für den kulturellen Teil der Zeitungen(...)Seiner Zusammensetzung nach enthält es die traditionelle Mischung von kulturellen Nachrichten, Berichten, Kritiken und schöpferischer Unterhaltung.“ Am Beispiel des Feuilletons der regionalen Tageszeitung „Berliner Zeitung“ soll dabei zwei Fragestellungen nachgegangen werden: Erstens, welche Entwicklungslinien kennzeichnen die Kulturseiten der deutschen Tagespresse in den letzten Jahren? Im Mittelpunkt werden hier der Begriff des „politischen Feuilletons“ und der aktuelle Streit um die thematischen Grenzen der Kulturberichterstattung stehen. Und zweitens: Welche Rolle spielt das Feuilleton im speziellen Fall der „Berliner Zeitung“, für deren Entwicklung, verlegerische Zielstellung und Perspektive? Wie zu zeigen sein wird, gibt es zwischen beiden Komplexen verschiedene Parallelen und Schnittpunkte.
Excerpt (computer-generated)
Die Entwicklungslinien des Feuilletons der deutschen Tagespresse
seit 1989 - nachgezeichnet am Beispiel der Berliner Zeitung
von Kai Bieler
Inhaltsverzeichnis
Um welches Feuilleton geht es?
Leben mit dem "Lügenblatt"
Hauptstadtzeitung statt "Washington Post
Relaunch - das Feuilleton wird zum Aushängeschild
Mit politischen Feuilleton zur Meinungsführerschaft?
Was kann, was darf das Feuilleton?
Themenseiten und Beilagen- Ausweg aus dem Dilemma
Viel Theater auf dem "Rezensionsfriedhof"
Fazit und Ausblick auf den "Ort der Utopie"
Anlagen
Um welches Feuilleton geht es?
"Das Feuilleton ist, ganz allgemein, der Teil der Zeitung, in dem nichts Wichtiges steht, und den ein ernsthafter Mann dann am besten gar nicht liest."
Um diese Arbeit zu schreiben, musste ich mich zwangsläufig über die Mahnung des Herrn Schlaikjer hinwegsetzen. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich es auch schon vorher getan. Ein Gutes allerdings hat der vergebliche Ruf, da er gleich auf die Zielstellung der folgenden Seiten verweist.
Es soll um das Feuilleton gehen. Nicht um das Genre, angesiedelt im Niemandsland der Kategorien zwischen Journalismus und Literatur. Auch nicht um die Stilform, jenes scheinbar an der Oberfläche verbleibende, das die Schwierigkeiten und Komplexität des Daseins dem Leser unterhaltend und anschaulich nahe bringt. Gegenstand der Untersuchung ist das Ressort "Feuilleton" als "Bezeichnung für den kulturellen Teil der Zeitungen(...)Seiner Zusammensetzung nach enthält es die traditionelle Mischung von kulturellen Nachrichten, Berichten, Kritiken und schöpferischer Unterhaltung.".2
Am Beispiel des Feuilletons der regionalen Tageszeitung "Berliner Zeitung" soll dabei zwei Fragestellungen nachgegangen werden: Erstens, welche Entwicklungslinien kennzeichnen die Kulturseiten der deutschen Tagespresse in den letzten Jahren? Im Mittelpunkt werden hier der Begriff des "politischen Feuilletons" und der aktuelle Streit um die thematischen Grenzen der Kulturberichterstattung stehen. Und zweitens: Welche Rolle spielt das Feuilleton im speziellen Fall der "Berliner Zeitung", für deren Entwicklung, verlegerische Zielstellung und Perspektive? Wie zu zeigen sein wird, gibt es zwischen beiden Komplexen verschiedene Parallelen und Schnittpunkte.
Das sich das Feuilleton der "Berliner Zeitung" als Gegenstand der Untersuchung in besonderem Maße eignet, hängt maßgeblich mit der wechselvollen Geschichte der ältesten deutschen Tageszeitung der Nachkriegsgeschichte zusammen. Am Anfang soll deshalb ein Portrait des regionalen Blattes stehen, von dem sein derzeitiger Chefredakteur Martin E. Süskind behauptet, es zähle zu den fünf besten Tageszeitungen in Deutschland.
Leben mit dem "Lügenblatt"
Die "Berliner Zeitung" erschien erstmals am 21.Mai 1945, also nur zwei Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands. Seinen einfachen wie schlüssigen Titel verdankt das Blatt Oberst Alexander W. Kirsanow, der von der sowjetischen Stadtkommandantur den Auftrag erhielt, eine Zeitung für Berlin ins Leben zu rufen- die "Berliner Zeitung" eben.
Ihre erste Ausgabe hatte einen Umfang von vier Seiten, eine Auflage von 100 000 Exemplaren und besaß weder ein Impressum, noch eine Mitteilung des Herausgebers. Dafür vermittelte ihre Schlagzeile "Berlin lebt auf!" den Einwohnern der zerstörten Stadt wieder etwas Hoffnung für den Neuanfang nach dem Krieg. Mit ihrem ununterbrochenen Erscheinen seit knapp 56 Jahren ist die "Berliner Zeitung" die älteste deutsche Zeitung der Nachkrieggeschichte. Noch im Jahr 1945 übergab die sowjetische Militärverwaltung die Zeitung an den Magistrat von Groß-Berlin, der vom Juni 1945 bis zum September 1947 als Herausgeber und Gesellschafter der Berliner Verlag GmbH fungierte. In dieser Zeit arbeiteten neben aus der Moskauer Emigration zurückgekehrten Redakteuren auch parteiunabhängige Journalisten wie der junge Reporter Egon Bahr oder der spätere Münchner Verleger Helmut Kindler beim Blatt. Nachdem die Stadt durch Blockade, Währungsreform und Spaltung des Magistrats 1948 de facto gespalten war, geriet die Zeitung immer mehr unter die Kontrolle der SED. Zwar war sie im Gegensatz zum "Neuen Deutschland", der "Jungen Welt" oder den 14 Bezirkszeitungen der SED bis 1989 auf dem Papier "unabhängig". Doch auch wenn sie nie offizielles Organ einer Partei oder Massenorganisation war, gab es mehrere Institutionen die über ihren Inhalt wachten und mitbestimmten. Seit 1953 unterstand die "Berliner Zeitung" dem Zentralkomitee der SED. Daneben übten die Bezirksleitung der Partei und die Kommission für Agitation und Propaganda des Politbüros, der auch die Chefredaktion angehörte, großen Einfluss auf die Gestaltung des Blattes aus.
Der Umfang betrug zur DDR-Zeiten acht bis zwölf, am Wochenende waren es 16 Seiten. Das dabei die "Berliner Zeitung" wie andere Tageszeitungen der DDR meist von hinten nach vorn gelesen wurde, lag daran, dass dort der weniger politische Sport- und Lokalteil zu finden war. Eine Tradition im Osten Deutschlands, der auch heute noch von den Herausgebern Rechnung getragen wird. Aber dazu später mehr. Auch gab es Versuche, durch unpolitische Sonderseiten und Beilagen wie "Frau und Familie" oder "Wissenschaft und Technik" die Lesbarkeit der Zeitung zu erhöhen. Das änderte aber nichts an der Linientreue des Blattes im normalen Zeitungsalltag. Und der sah zum Beispiel bei der Berichterstattung über die Leipziger Messe im Jahre 1988 folgendermaßen aus: Von den acht Zeitungsseiten wurde auf sage und schreibe fünf Seiten über den Eröffnungsrundgang Erich Honeckers berichtet. Dazu gab es 14 Photos des "Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Generalsekretärs des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates".
Das dabei nicht jeder Journalist täglich ein "Parteipressesprecher" war, dass es genauso kompetente Berichterstattung gab und manchmal auch das Schreiben und Lesen zwischen den Zeilen, soll damit nicht bestritten werden. In diesem Lesen der Leerräume versuchten sich im Schnitt
439 000 Ostberliner.
[...]
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