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Scholarly Research Paper, 2008, 26 Pages
Author: Marcel Bohnert
Subject: Psychology - Diagnostics
Details
Institution/College: Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg (Berufs- und Betriebspädagogik)
Tags: Möglichkeiten, Diagnostik, Kompetenzen, Assessment, Center, Dialogisch-orientierte, Assessment, Center
Year: 2008
Pages: 26
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-02456-3
ISBN (Book): 978-3-638-92598-3
File size: 614 KB
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Abstract
Die Arbeitswelt ist seit einigen Jahren einem radikalen Wandel ausgesetzt. Dass dies sich auch in der Arbeits- und Organisationspsychologie bemerkbar macht, zeigt sich beispielsweise in der Auswahl von Prädiktoren und Kriterien in der Personalauswahl. Veränderte Organisationen mit flachen Hierarchien, geteilter Verantwortung und Teamstrukturen verlangen nach einem neuen Mitarbeitertypus. Daher lässt sich auch in der Diskussion um die Potentialfeststellung von Personen eine Trendwende erkennen: Die Erfassung von Kompetenzen erscheint gegenüber dem einfachen Nachweis von Qualifikationen zunehmend wichtig, um aussagekräftige Prognosen über die Entwicklung des Leistungsstandes von Mitarbeitern durchführen zu können. Im Rahmen der Personaldiagnostik stehen dabei berufsrelevante Facetten der Kompetenzen, die im Vorfeld einer Maßnahme im Rahmen von Arbeits- und Anforderungsanalysen untersucht werden, im Zentrum des Interesses. Ein besonderes Forschungs- und Praxisinteresse liegt derzeit in der Erfassung sozialer Kompetenzen, da diese das zwischenmenschliche Miteinander in Unternehmen regeln und damit den wirtschaftlichen Erfolg von Organisationen wesentlich mitbestimmen. In dieser Arbeit soll untersucht werden, in wie weit es möglich ist, soziale Kompetenzen im Rahmen eines Assessment Centers zur Einstellungsuntersuchung messbar zu machen. Dabei werden zunächst grundlegende Begrifflichkeiten definiert. Anschließend wird der Frage nachgegangen, welche konkreten Konzepte es hier zur Erfassung von sozialen Kompetenzen gibt und wie diese sich in der Praxis bewähren. Dabei werden immer auch Störfaktoren aufgezeigt, die bei der Anwendung dieser Methoden Berücksichtigung finden müssen. Hierdurch bietet diese Arbeit einen Orientierungsrahmen für Personaldiagnostiker, die sich vor die Herausforderung gestellt sehen, Instrumente zur Erfassung sozialer Kompetenzen nutzbringend einzusetzen.
Excerpt (computer-generated)
Dipl.-Päd. Marcel Bohnert (Doktorand)
Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
Februar 2008, 9. Trimester, Studienjahrgang 2004
Hausarbeit
Berufs- und Betriebspädagogik
Thema
Zu den Möglichkeiten der Diagnostik
sozialer Kompetenzen im Assessment Center
Seminar:
Dialogisch-orientierte Assessment Center als zukunftsweisende
Instrumente der Management Diagnostik (S 32.509)
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung 3
2
Definitionen 4
2.1
Soziale Kompetenz 4
2.2
Assessment Center 6
3
Diagnostik sozialer Kompetenzen 8
3.1
Leistungstests 8
3.2
Verhaltensbeobachtung 11
3.3
Selbst- und Fremdeinschätzung 14
3.4
Computergestützte Verfahren 16
4. Fazit 21
Literaturverzeichnis 23
2
1
Einleitung
Die Arbeitswelt ist seit einigen Jahren einem radikalen Wandel ausgesetzt. Dass dies sich
auch in der Arbeits- und Organisationspsychologie bemerkbar macht, zeigt sich
beispielsweise in der Auswahl von Prädiktoren und Kriterien in der Personalauswahl.
Veränderte Organisationen mit flachen Hierarchien, geteilter Verantwortung und
Teamstrukturen verlangen nach einem neuen Mitarbeitertypus.1 Daher lässt sich auch in der
Diskussion um die Potentialfeststellung von Personen eine Trendwende erkennen: Die
Erfassung von Kompetenzen erscheint gegenüber dem einfachen Nachweis von
Qualifikationen zunehmend wichtig, um aussagekräftige Prognosen über die Entwicklung des
Leistungsstandes von Mitarbeitern durchführen zu können. Im Rahmen der
Personaldiagnostik stehen dabei berufsrelevante Facetten der Kompetenzen, die im Vorfeld
einer Maßnahme im Rahmen von Arbeits- und Anforderungsanalysen untersucht werden, im
Zentrum des Interesses. Ein besonderes Forschungs- und Praxisinteresse liegt derzeit in der
Erfassung sozialer Kompetenzen, da diese das zwischenmenschliche Miteinander in
Unternehmen regeln und damit den wirtschaftlichen Erfolg von Organisationen wesentlich
mitbestimmen.2
Diese Arbeit soll untersuchen, in wie weit es möglich ist, soziale Kompetenzen im Rahmen
eines Assessment Centers zur Einstellungsuntersuchung messbar zu machen. Dabei werden
zunächst grundlegende Begrifflichkeiten definiert. Anschließend wird der Frage
nachgegangen, welche konkreten Konzepte es hier zur Erfassung von sozialen Kompetenzen
gibt und wie diese sich in der Praxis bewähren. Dabei werden immer auch Störfaktoren
aufgezeigt, die bei der Anwendung dieser Methoden Berücksichtigung finden müssen.
Hierdurch bietet diese Arbeit einen Orientierungsrahmen für Personaldiagnostiker, die sich
vor die Herausforderung gestellt sehen, Instrumente zur Erfassung sozialer Kompetenzen
nutzbringend einzusetzen.
1 Vgl. Weinert 2004, S. 300f.
2 Vgl. Kanning 2004, S. 41
3
2
Definitionen
In diesem Kapitel wird zunächst eine Präzisierung der Begrifflichkeiten »Soziale Kompetenz«
und »Assessment Center« vorgenommen.
2.1
Soziale Kompetenz
Zunächst erscheint es notwendig, den Begriff der Kompetenz an sich zu präzisieren.
Kompetenzen soll man hier als ,,Fähigkeiten, Methoden, Wissen, Einstellungen und Werte
[...], [die] an das Subjekt und seine Befähigung zu eigenverantwortlichem Handeln gebunden
[sind]"3 verstehen. Friede unterscheidet dabei drei Gruppen der beruflich relevanten
Handlungskompetenzen:
-
Die Fachkompetenz,
-
die Humankompetenz und
-
die Sozialkompetenz.
Sozialkompetenz zeigt sich seiner Auffassung nach in sozialen Anforderungssituationen, die
in einen fachlichen Kontext eingebettet sind.4
Kanning definiert soziale Kompetenz als die ,,Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten und
Fertigkeiten einer Person, welche die Qualität eigenen Sozialverhaltens im Sinne der
Definition sozial kompetenten Verhaltens fördert"5. Unter sozial kompetentem Verhalten
versteht er das ,,Verhalten einer Person, das in einer spezifischen Situation dazu beiträgt, die
eigenen Ziele zu verwirklichen, wobei gleichzeitig die soziale Akzeptanz des Verhaltens
gewahrt wird"6.
Die Autoren des Projektes KomNetz verstehen unter Sozialkompetenz die ,,Bereitschaft und
Fähigkeit, soziale Beziehungen und Interessen zu erfassen, zu verstehen und zu gestalten
sowie sich mit anderen verantwortungsbewusst auseinander zu setzen und zu verständigen"7.
3 Projekt KomNetz 2004, S. 54
4 Vgl. Friede 1996, S. 6
5 Kanning 2003, S. 15
6 Kanning 2003, S. 15
7 Projekt KomNetz 2004, S. 106
4
Dabei wird insbesondere die Entwicklung sozialer Verantwortung und Solidarität mit
einbezogen.
Als verwandte Konzepte, die teilweise synonym mit sozialer Kompetenz verwendet werden,
lassen sich soziale Intelligenz, emotionale Intelligenz, soziale Fertigkeiten und interpersonale
Kompetenz anführen. Kanning sieht diese Konstrukte als Teilmengen der sozialen
Kompetenz, da diese ein höheres Abstraktionsniveau impliziert (Abbildung 1).8
Abbildung 1: Beziehung zwischen sozialer Kompetenz und verwandten Begriffen9
Auch wenn keine Einigkeit über den Begriff der sozialen Kompetenz besteht, lassen sich in
Diskussionen und den oben angeführten Definitionen immer wieder auftauchende
Kernelemente erkennen. Wegge nennt an dieser Stelle vier zentrale Komponenten:
-
Den Interaktionskontext,
-
die Situationsspezifität,
-
die Zielrealisierung und
-
die Zweckrationalität.10
Interaktionskontext meint dabei, dass menschliches Verhalten und Handeln fast immer in
sozialen Kontexten stattfindet und soziale Kompetenz deshalb in der Interaktion von
Individuen sichtbar wird. Verhält sich eine Person in diesen Interaktionen gemäß den
Rollenvorgaben und Normen der jeweiligen Situation, so zeigt sich hier sozial kompetentes
Verhalten. Dieses Verhalten ist zwar zielgerichtet, nimmt aber dennoch auf den
8 Vgl. Kanning 2003, S. 22ff.
9 Kanning 2003, S. 25
10 Vgl. Wegge 2006, S. 591
5
Gesamtkontext und die Bedürfnisse des jeweiligen Interaktionspartners Rücksicht. Deshalb
lässt sich diesbezüglich von einer situationsspezifischen, zweckrationalen Zielrealisierung
sprechen.
Auf Grund der Multidimensionaliät des Konstruktes hält Kanning es für legitim, statt von
»sozialer Kompetenz« zu sprechen, immer den Plural »soziale Kompetenzen« zu
verwenden.11 Diese Arbeit folgt diesem Vorschlag und wird »soziale Kompetenzen« im
Weiteren als Oberbegriff für die in Abbildung 1 dargestellten Konzepte nutzen.
2.2
Assessment Center
Assessment Center ist eine erstmals 1938 von Murray genutzte Bezeichnung für eine Vielfalt
von Verfahren und Beobachtern12, die einer Kompetenz- oder Potentialeinschätzung von
Kandidaten dienen.
Kanning definiert ein Assessment Center als ,,aufwändiges diagnostisches Verfahren, bei dem
die zu beurteilenden Personen unterschiedliche Übungen vor einem Beobachtergremium
absolvieren müssen. [...] Der Vorteil gegenüber anderen Verfahren besteht darin, dass das
Verhalten direkt beobachtet wird und nicht erst aus Fragebogen- oder Interviewdaten
erschlossen werden muss. Dabei wird jedes interessierende Personenmerkmal von mehreren
unabhängigen Beobachtern in mehreren unabhängigen Verhaltensübungen eingeschätzt"13.
Kleinmann beschreibt Assessment Center als ,,multiple diagnostische Verfahren, welche
systematisch Verhaltensleistungen beziehungsweise Verhaltensdefizite von Personen
erfassen. Hierbei schätzen mehrere Beobachter gleichzeitig für einen oder mehrere
Teilnehmer seine/ihre Leistungen nach festgelegten Regeln in Bezug auf vorab definierte
Anforderungsdimensionen ein"14.
Höft und Funke sehen ein Assessment Center als ,,Testbatterie [...], in der mehrere
Einzeltests für die Beschreibung von bestimmten Persönlichkeitseigenschaften verknüpft
werden"15. In Ergänzung dieser vereinfachten Definition beschreiben sie das Assessment
11 Vgl. Kanning 2003, S. 11
12 Vgl. Ebbinghaus/Walter/Schmidt 2003, S. 9
13 Kanning 2004, S. 522
14 Kleinmann 2003, S. 1
15 Höft/Funke 2006, S. 162
6
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