Details

Veranstaltung: Hauptseminar: Die Tyrannis bei den Griechen
Institution/Hochschule: Technische Universität Berlin (Institut für Geschichte und Kunstgeschichte)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 42
Note: 1+ (sehr gut plus)
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3252 KB
Archivnummer: V8847
ISBN (E-Book): 978-3-638-15709-4

Textauszug (computergeneriert)

Die Wesenszüge der peisistratidischen Herrschaft

von Michael Leissner



Inhalt

1 Eine Einleitung: Die Tyrannis der Peisistratiden
im Spiegelbild antiker Quellen 4

2 Die Ausgangssituation 7

3 Der Weg zur Macht 9

4 Der Machterhalt 15

5 Zusammenfassung 35

6 Abbildungsverzeichnis 37

7 Ausgewählte Bibliographie 38

 

 

1 Eine Einleitung: Die Tyrannis der Peisistratiden im Spiegelbild antiker Quellen

In einer Hauptseminararbeit allein auf die Wesenszüge der peisistratidischen Herrschaft in Athen einzugehen, ohne zumindest einige kurze Bemerkungen auf die Quellenlage einzubringen, erschiene dem Verfasser fragwürdig. Denn hier liegen die Grundlagen für jegliche Diskussion der Problematik. So wird zunächst auf die Quellensituation, darauf folgend auf die politische Ausgangssituation des Peisistratos einzugehen sein. Ohne die ist ein Verständnis der Wesenszüge seiner Herrschaft recht schwierig.
Im auffallenden Gegensatz zur Zeit der persischen Kriege und der nachfolgenden Ereignisse der athenischen Geschichte sind für die Zeit des sechsten Jahrhunderts schriftliche Zeugnisse kaum überliefert. Es gibt keinen einzigen Augenzeugenbericht bis zur Zeit des Aischylos und seiner Werke ein gutes Jahrhundert später, abgesehen von ein paar autobiographischen Fragmenten Solons.
Zusammenfassend wird nun auf diese wenigen, aber umso wichtigeren Quellen eingegangen.
Solon ist der erste Athener, dessen Persönlichkeit für die Forschung greifbar ist, vor allem dank seiner überlieferten Gedichte, aber auch der von Plutarch verfassten Biographie. Letztere stützt sich allerdings eindeutig auf frühere Quellen.
Für die zwei Jahrzehnte nach Solons Rückzug aus der Politik - ca. 580 bis 560 v. Chr. - weiß man wenig über die athenische Geschichte. Und für die nachfolgenden fünfzig Jahre, die von Peisistratos und seinen Söhnen (abgesehen von zwei Perioden im Exil) dominiert wurden, ist die originäre Quellensituation nicht viel besser.
Die früheste Quelle, die sich en détail mit den Tyrannen beschäftigt hat, ist das Werk des Herodotos von Harlikarnassos, der ungefähr 150 Jahre später als Solon schrieb. Herodots Abhandlung ist leider keine zusammenhängende Darstellung. Die längste geschlossene Passage, die sich mit Peisistratos auseinandersetzt (1.59-1.64), endet mit dem erfolgreichen dritten Versuch der Errichtung einer Tyrannis im Jahr 546 v. Chr.. anschließend erfolgen nur noch vereinzelte Erwähnungen von Peisistratos und seinen Söhnen.
Thukydides hingegen überliefert wertvolle Details an Informationen (z. B. 1.20; 3.104; 6.53-54), allerdings in wenig zusammenhängender Form, wie es Herodot vorzog.
Einzig und allein die "Athenaion Politeia" (13-19) des Aristoteles oder eines seiner Schüler bietet eine mehr oder weniger zusammenhängende Darstellung dieser Zeit, aber nur in sehr komprimierter Form, oftmals in anekdotischem Stil und, wie es scheint, unter starker Bezugnahme auf das Geschichtswerk des Herodot. Die Erinnerung an die Tyrannis in Athen blieb hauptsächlich durch mündliche Tradierung und durch die Anekdoten späterer Autoren wie Plutarch und Athenaios erhalten, ebenso durch Fragmente nachfolgender Scholia und Lexikographen.
Doch auch bei der Zusammenfassung aller Informationen aus den erhaltenen Quellen ist kein persönliches Profil des Menschen Peisistratos fassbar, wie das von Solon oder später Themistokles, Kimon und Perikles, obwohl Peisistratos die Geschicke Athens länger als irgendeiner von den letztgenannten lenkte und für ebenso wesentliche Wandlungen in Athen die Verantwortung trug.

Die wenigen Fakten, die aus dem Leben des Peisistratos bekannt sind, lassen sich schnell zusammenfassen. Seine Familie stammte aus dem späteren Demos Phalidai an der Ostküste Attikas aus der Gegend um Brauron. Ihr frühester nachweisbare Vorfahr, ebenfalls ein Peisistratos, war im Jahr 669/8 v. Chr. Archon. Auch wenn sie nicht direkt zu den Eupatriden zählten, leiteten die Peisistratiden ihre Herkunft von den Neleiden aus Pylos ab. Der Name des Vaters des Peisistratos, Hippokrates , weist auf mögliche frühe und nahe Verbindungen zu der vielleicht bekanntesten Familie Athens hin, den Alkmeoniden. Denn dieser Name war dort ebenfalls sehr geläufig.
Die Namen, der Stand und das relative Alter der Frauen und Kinder des Peisistratos sind umstritten. Klar wiederum ist, dass seine beiden ältesten Söhne Hippias und Hipparchos möglicherweise die einzigen legitimen Nachkommen - im perikleiischen Sinne von einer athenischen Mutter geboren- waren, die folgerichtig seine Nachfolge antraten, als der Tyrann im Jahr 528/7 v. Chr. verstarb.
Die gemeinsame Herrschaft der zwei dauerte bis zum Mord an Hipparchos im Jahr 514 durch Harmodios und Aristogeiton , drei Jahre später vertrieben die Athener den Hippias endgültig. Dieser überlebte jedoch und nahm auf Seiten der Perser an der letztendlich gescheiterten Invasion der Perser im Jahr 490 teil. Andere Mitglieder der Familie blieben zunächst in Athen unter der neuen demokratischen Staatsform.
Die Chronologie der drei Herrschaftsperioden des Peisistratos und seiner zwei Exile ist eines der kompliziertesten Problemstellungen zur athenischen Geschichte. Endgültig gelöst wird es wohl nie, zumal die chronologischen Indikatoren, die Herodot und Aristoteles aufzeigen, sich teilweise widersprechen und daher der eine oder der andere Text bei einer Lösung missachtet werden müsste.

Die Ausgangssituation

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