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Termpaper, 2004, 27 Pages
Author: Theresia Friesinger
Subject: Politics - Political Systems - General
Details
Tags: Agenda, Sozial
Year: 2004
Pages: 27
Grade: 2,2
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-02475-4
ISBN (Book): 978-3-638-92433-7
File size: 232 KB
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Abstract
Von der Alternativlosigkeit der Agenda 2010 „Es gibt gelegentlich Maßnahmen die ergriffen werden müssen und die keine Begeisterung auslösen“, sagte Gerhard Schröder in seiner wohl populärsten Rede im Bundestag, bei der Premiere der Agenda 2010. „Trotzdem müssen sie sein!“ (Schröder, 2003) Und es scheint so, als werden all diese Maßnahmen mit aller Härte und allen Konsequenzen durchgezogen, ohne sich im Nachhinein noch mal die Frage zu stellen – mussten und müssen diese Maßnahmen wirklich genau so sein oder hätten sie nicht doch auch etwas anders, dezenter, gerechter ausfallen können. Es wird beharrt auf dem Weg, den man eingeschlagen hat – sei er auch ein Irrweg, Hauptsache die Richtung stimmt. Ist diese Rot-Grüne Politik wirklich die Innovativste und Ausschlaggebenste seit Jahrzehnten, wie es von den Verfechtern der Agenda 2010 immer beteuert wird? Ist diese Agenda wirklich alternativlos? Die Melodie dieser Alternativlosigkeit wird durch die Reform-Oper ins ganze Land getragen und alle – arm und reich - hören sie tagtäglich, tun sich das an, obwohl kaum einer von den Zuhörern zu einem wahren „Opern“-Liebhaber gehört. Andere Melodien werden kaum gehört – sind nahezu unbekannt. Gerade eine innovative Politik sollte für Neues offen sein, andere Modelle zulassen, zumindest sich mit ihrer Werthaltigkeit beschäftigen. Sinnvoll wäre es auch, mal über den Tellerrand zu schauen, da wird schon einiges angeboten, z.B. das Schweizer Modell der Sozialversicherungen, der schwedische Wohlfahrtsstaat, die französische Familien- und Frauenpolitik, die dänischen Arbeitsgesetze usw. Kontrastprogramme im eigenen Lande sind nicht unbedingt bei der Opposition zu finden, die sich schon beim Sozialabbau auf der Überholspur befindet, aber es gibt Ecken und Winkel in den eigenen Reihen der SPD und außerhalb, in denen soziale Gerechtigkeit und Solidarität noch ihren Platz finden. Auf der Suche nach Alternativen stolpert man über die „Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit“ (WASG) innerhalb der SPD, über prickelnde Ideen einer Gebührengesellschaft, über das 8-Punkt-Modell des DGB und zahlreiche andere Denkmodelle bis man auf das Gegenkonzept, die Agenda Sozial stößt.
Excerpt (computer-generated)
Hausarbeit in Sozialpolitik
hfs Esslingen
von
Theresia Friesinger
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Von der Alternativlosigkeit der Agenda 2010
3
1. Agenda 2010
4
1.1 Peter Hartz
Initiator und prominentester Mitgestalter der Agenda 2010
4
1.2 Das Konzept der Agenda 2010 Ziele und Maßnahmen
4
1.3 Staatliche Maßnahmen der Agenda 2010
5
1.3.1 Maßnahmen im Bereich der Steuern ..
5
1.3.2 Maßnahmen im Bereich der Wirtschaft ..
6
1.3.3 Maßnahmen im Bereich des Arbeitsmarktes 6
1.3.4 Maßnahmen im Bereich der Bildung ..
7
1.3.5 Maßnahmen im Bereich der Ausbildung
8
1.3.6 Maßnahmen im Bereich der Gesundheit
8
1.3.7 Maßnahmen im Bereich der Rente
8
1.3.8 Maßnahmen im Bereich der Familie
9
1.4 Harscher politischer Richtungswechsel durch die Agenda 2010
10
2. Das Pendant Die Agenda Sozial
10
2.1 Ein sozial gut durchdachtes aber nicht erprobtes Konzept
10
2.2 Das Konzept der Agenda Sozial Ziele und Vorschläge
10
2.3 Sozialpolitik ist Verteilungspolitik
11
2.3.1 Vorschläge im Bereich der Steuern
11
2.3.2 Vorschläge im Bereich der Wirtschaft
12
2.3.3 Vorschläge im Bereich des Arbeitsmarktes
12
2.3.4 Vorschläge im Bereich der Bildung
13
2.3.5 Vorschläge im Bereich der Ausbildung
13
2.3.6 Vorschläge im Bereich der Gesundheit
13
2.3.7 Vorschläge im Bereich der Rente
14
2.3.8 Vorschläge im Bereich der Familie
15
3. Auswertung, Vergleich und Folgen der vorgestellten Konzepte
15
3.1 Agenda 2010 Umverteilung von unten nach oben
15
3.2 Agenda Sozial Umverteilung von oben nach unten
17
3.3 Der Solidaritätsbegriff und die getarnte neue Solidarität
18
3.4 Stimmen zum sozialen Kahlschlag
19
4.
Kritik und eigene Bewertung
20
2
Vorwort
Von der Alternativlosigkeit der Agenda 2010
,,
Es gibt gelegentlich Maßnahmen die ergriffen werden müssen und die keine Begeisterung
auslösen
", sagte Gerhard Schröder in seiner wohl populärsten Rede im Bundestag, bei der
Premiere der Agenda 2010. ,,
Trotzdem müssen sie sein
!" (Schröder, 2003)
Und es scheint so, als werden all diese Maßnahmen mit aller Härte und allen Konsequenzen
durchgezogen, ohne sich im Nachhinein noch mal die Frage zu stellen mussten und müssen
diese Maßnahmen wirklich genau so sein oder hätten sie nicht doch auch etwas anders,
dezenter, gerechter ausfallen können. Es wird beharrt auf dem Weg, den man eingeschlagen
hat sei er auch ein Irrweg, Hauptsache die Richtung stimmt. Ist diese Rot-Grüne Politik
wirklich die Innovativste und Ausschlaggebenste seit Jahrzehnten, wie es von den Verfechtern
der Agenda 2010 immer beteuert wird? Ist diese Agenda wirklich alternativlos? Die Melodie
dieser Alternativlosigkeit wird durch die Reform-Oper ins ganze Land getragen und alle arm
und reich - hören sie tagtäglich, tun sich das an, obwohl kaum einer von den Zuhörern zu einem
wahren ,,Opern"-Liebhaber gehört. Andere Melodien werden kaum gehört sind nahezu
unbekannt. Gerade eine innovative Politik sollte für Neues offen sein, andere Modelle zulassen,
zumindest sich mit ihrer Werthaltigkeit beschäftigen. Sinnvoll wäre es auch, mal über den
Tellerrand zu schauen, da wird schon einiges angeboten, z.B. das Schweizer Modell der
Sozialversicherungen, der schwedische Wohlfahrtsstaat, die französische Familien- und
Frauenpolitik, die dänischen Arbeitsgesetze usw. Kontrastprogramme im eigenen Lande sind
nicht unbedingt bei der Opposition zu finden, die sich schon beim Sozialabbau auf der
Überholspur befindet, aber es gibt Ecken und Winkel in den eigenen Reihen der SPD und
außerhalb, in denen soziale Gerechtigkeit und Solidarität noch ihren Platz finden. Auf der Suche
nach Alternativen stolpert man über die ,,Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit"
(WASG) innerhalb der SPD, über prickelnde Ideen einer Gebührengesellschaft, über das 8-
Punkt- Modell des DGB und zahlreiche andere Denkmodelle bis man auf das Gegenkonzept,
die Agenda Sozial stößt.
Nicht nur, dass die Agenda Sozial der Agenda 2010 im Umfang nicht nachsteht, hat mich
beeindruckt, sondern auch die konsensuellen und inhaltlichen Vorschläge haben mich
überrascht. Da der Überraschungseffekt in mir Spuren hinterlassen hat, habe ich mich
entschlossen mich diesem Thema insbesondere zu widmen. In den ersten zwei Kapiteln
werden die beiden unterschiedlichen Konzepte dargestellt, im dritten Kapitel wird es sich um die
Auswertung und den Vergleich der beiden Konzepte handeln, wobei auch die Folgen ihrer
Einführung angeschnitten werden. Die Folgen der Agenda 2010, wenn Hartz IV erst mal ,,greift",
wie es immer so schön heißt, werden demnächst ca. 300.000 Betroffene am eigenen
Leib spüren. Positive und negative Folgen einer Agenda Sozial, falls Teile daraus tatsächlich
irgendwann entnommen werden sollten, ab- und einzuschätzen, ist ebenfalls Teil der
3
Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich werde Vor- und Nachteile abwägen, aber eindeutig
Position für ein bestimmtes Konzept beziehen, weil viele Vorschläge komplett meiner
Überzeugung entsprechen und ich in ihnen einiges wiedergefunden habe, was ich schon immer
für unser Land gedacht und gewünscht habe.
1. Agenda 2010
1.1 Peter Hartz Initiator und prominentester Mitgestalter der Agenda 2010
,,Hartz IV" ist das wohl frequentierteste politische Wort seit der Regierungserklärung des
Bundeskanzlers Gerhard Schröder am 17. März 2003. Es wurde von einer neunköpfigen Jury,
der Gesellschaft für deutsche Sprache, am 10.12.2004 zum
Wort des Jahres
gewählt.
(Vergl. Pietschmann, 2004)
Hartz IV ist in aller Munde und doch ist vielen Menschen auf der Straße nur wage bewusst,
welche Inhalte dahinter stecken und noch weniger die Person, nach deren Namen das Konzept
benannt ist. Wer ist eigentlich Peter Hartz? Peter Hartz, 62 Jahre alt, neben vielen Aufgaben,
wie z.B. auch Ehrendoktor der Universität Trier, Vorstandsmitglied mehrerer AG′s, ist er VW-
Personal-Vorstand und Vorsitzender der Arbeitsmarkt-Kommission. Diese Kommission wurde
bekannt unter dem Motto ,,Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt". Er wird auch als ,,
Vater
der Vier-Tage-Woche und des VW-Tarifmodells 5000 mal 5000
" (Brechtel, 2002) bezeichnet,
da er vor gut 10 Jahren mit einem neuen Arbeitszeitmodell und Vorruhestandsregelungen
nahezu 30.0000 Arbeitsplätze bei VW gerettet hat. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
verbindet mit Peter Hartz eine besonders nachhaltige Freundschaft. Sie kennen sich aus alten
Zeiten, während Schröder noch Ministerpräsident in Niedersachsen war und parallel dazu im
Aufsichtsrat von VW saß. So war es nahezu selbstverständlich, dass Peter Hartz den
damaligen Ministerpräsidenten in seiner Wahl-kampagne der Reduzierung der Arbeitslosenzahl
unterstützte. Peter Hartz als sturmerprobter Reformer und kongenialer Gegenspieler zum CDU-
Wirtschaftsexperten Lothar Späth. Damit wäre die SPD Nasenlängen allen anderen voraus. Ob
diese Agenda 2010 mit dem eingegossenen Hartz-IV-Gesetz wirklich die richtige und die
alternativlose Politik ist, wie es aus den eigenen Reihen immer wieder betont wird, wird
spätestens das Jahr 2005 zeigen, wenn das Hartz-IV-Gesetz am 1.1.2005 in Kraft tritt. Peter
Hartz selbst hat sich am 16.08.02 dahingehend geäußert: ,,
Ziel des Masterplans ist es, die Zahl
der Arbeitslosen in drei Jahren um 2 Millionen zu reduzieren
". Auf die Frage, ob dieses Ziel
gelungen ist, werde ich in der Auswertung der beiden Konzepte näher eingehen und
unterschiedliche Stimmen zur Bewertung heranziehen.
1.2 Das Konzept der Agenda 2010 Ziele und Maßnahmen
Mit Agenda ist eine To-Do-Liste gemeint, eine Liste in der alle erforderlichen Schritte zum
Erreichen eines Zieles aufgelistet sind. Die Jahreszahl steht für das Jahr 2010, in der die
formulierten Ziele der Agenda umgesetzt sein sollen. Die Agenda 2010 besteht nicht nur aus
einem Konzept, sondern ist ein mehrgliedriges Konzept der deutschen Bundesregierung. Damit
4
soll unser Sozialsystem, der Arbeitsmarkt wie auch die Bildung und andere Bereiche reformiert,
umstrukturiert und verändert werden.
Ein Hauptziel
der Agenda 2010 ist, das wirtschaftliche Wachstum anzukurbeln und die seit
Jahren andauernde weltweite wirtschaftliche Rezession erfolgreich zu bewältigen. Ein wichtiges
Ziel ist ebenso der Abbau der strukturellen Arbeitslosigkeit und somit die Schaffung von neuen
Arbeitsstellen. Als Folgeziel ist gleich im Anschluss der Umbau der
Sozialversicherungssysteme zu nennen. Sie sollen reformiert werden und dadurch gesunden.
In diesem Ziel steckt auch die Herausforderung des demografischen Wandels erfolgreich zu
bewältigen. Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerte sich in der Regierungserklärung zur
Zielsetzung wie folgt: ,,
Wir werden Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern
und mehr Eigenleistung von den Einzelnen fordern
." Mit diesem freigewordenen Kapital, sollen
dann die Lohnnebenkosten gesenkt werden, Subventionen gestrichen werden, rote Zahlen der
Sozialversicherungssysteme in schwarze Zahlen umgefärbt werden, Steuern für die Stärkung
der Kaufkraft gesenkt werden usw. All diese geplanten Maßnahmen sollen den Weg zur
,,Vollbeschäftigung" ebnen und Deutschland weltweit wieder wettbewerbsfähig machen. Ein
weiteres Ziel der Agenda 2010 ist die Bildungsförderung. Es wurden spezielle Bildungs-
programme gestartet, damit Deutschland, das lt. Pisa-Studie I und nun auch II im Vergleich mit
anderen Ländern schlecht abgeschnitten hat, demnächst wieder ganz vorne mitmischen kann.
Außerdem wurde parallel dazu ein weiteres wichtiges Ziel, die Verbesserung der
Familienpolitik, in der Agenda 2010 angeschnitten. Viele Veränderungen in der Sozial-,
Gesundheits-, Renten-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik wurden schon durchgeführt, Teilziele
wurden erreicht aber vieles muss noch in Angriff genommen werden. Natürlich kann der Staat
in einer freien Marktwirtschaft nicht per Befehl an die Wirtschaft neue Arbeitsplätze schaffen. Er
hat aber die Möglichkeit indirekt mit entsprechenden
Maßnahmen
auf die Wirtschaft und auf die
Gesellschaft einzuwirken.
1.3 Staatliche Maßnahmen der Agenda 2010
Die Maßnahmen der Agenda 2010 wurden in 8 Bereiche eingeteilt, die wiederum aus 30
Einzelvorhaben bestehen, die ich jedoch nicht alle detailliert aufzeigen werde, sondern mich auf
die Bereiche beschränke, die mir besonders nennenswert erschienen sind. (Vergleich Deutsche
Enzyklopädie, 2004, S. 1)
1.3.1 Maßnahmen im Bereich der Steuern
Die Spitzensteuersätze wurden von 53% auf 45% gesenkt aber auch im Niedriglohnsektor fiel
der Eingangssteuersatz von 26% auf nun 16%. Das Drehen dieser Stellschraube soll die
Kaufkraft erhöhen, was wiederum die Produktion ankurbeln soll und somit neue Arbeitsplätzen
erschaffen werden können. Als gleichwertige Maßnahme ist zu erwähnen, dass auch das
steuerfreie Jahreseinkommen von 5.565 auf 7.663 gestiegen ist.
5
Die umstrittene Steueramnestie fällt ebenso unter diese Maßnahme. Der Bund wollte Gelder
eintreiben, an die gar nicht oder nur schwer heranzukommen sind. Die wenigen bekannten
Verfahren der Steuerhinterziehung, lässt die Dunkelziffer der nicht gezahlten Steuern nur
erahnen.
1.3.2 Maßnahmen im Bereich der Wirtschaft
Neben der Lockerung des Kündigungsschutzes, damit Arbeitgeber mehr Wahlfreiheit in ihren
Personalentscheidungen gewährt werden kann, wurde noch die Handwerksordnung geändert.
Heute kann ein Handwerker in bestimmten Branchen auch ohne Meisterbrief ein Betrieb
gründen und Lehrlinge ausbilden. Eine Berufsausbildung kann auch durch einen geeigneten
fachlichen und berufserfahrenen Facharbeiter in den Betrieben abgeschlossen werden. Um die
Wirtschaft zu entlasten, bekommen Arbeitnehmer Lohnnebenkosten auf ihre Lasten umgelegt.
Ein weiteres Förderprogramm sind die ,,
Job-Floater
". Wörtlich übersetzt ,,Kapital für Arbeit".
(Reformportal, 2004 Stichwort Job-Floater) Mittelständische Unternehmer und Freiberufler in
strukturschwachen Regionen, bekommen Fördermittel von der ,,
Kreditanstalt für Wiederaufbau
"
(KfW) bis zu 50.000 als Eigenkapitalspritze, wenn sie Arbeitslose einstellen und zusätzlich
einen Kredit in dergleichen Höhe von der Hausbank zu marktüblichen Konditionen. Das
jährliche Fördervolumen beträgt zur Zeit 10 Mrd. .
1.3.3 Maßnahmen im Bereich des Arbeitsmarktes
Was allen schon bekannt ist und wovor viele sich fürchten geschieht nun ab dem 1.1.2005.
Langzeitarbeitslose, damit sind nach Hartz IV, alle Arbeitslosen die länger als ein Jahr
arbeitslos sind und die Sozialhilfeempfänger gemeint. Sie werden zum Arbeitslosengeld II-
Empfänger zusammengefügt. Es gibt keine Arbeitslosenhilfe und keine Sozialhilfe mehr.
Nur noch ALG-II-Empfänger in Höhe des Sozialhilfesatzes. Nur Menschen ab 55 Jahren
können Arbeitslosengeld I bis zu 18 Monate, also ein halbes Jahre länger beziehen. Die
Leistung wird nach Bedürftigkeit erteilt. Erwerbsfähige Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger
beziehen ALG-II und nicht erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger, die in der Bedarfsgemeinschaft
leben, erhalten Sozialgeld. Diese neuen ALG-II-Bezieher müssen im vollen Umfang ihre
Vermögensverhältnisse offen legen, einschließlich der Rücklagen für die Altersvorsorge und der
Kindersparbücher, in denen ein Freibetrag bis zu 750,- gewährt wird. Für die Altersrücklagen
werden pro Lebensjahr ein Freibetrag von 200,- zugelassen, aber nur wenn die Auszahlung
erst im Rentenalter erfolgt. Zusätzlich darf jeder ebenso ein Vermögen von 200,- pro
Lebensjahr verwalten, d.h. mindestens 4100 und maximal 13.000 pro Person. Werden diese
Grenzen überschritten, erfolgt keine Auszahlung von ALG II bis das Privatvermögen abzüglich
der Freibeträge aufgebraucht ist. (Vergleich Hartz IV: Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe
und Sozialhilfe) Ist die Verwertung von Vermögen, z.B. bei einer Lebensversicherung
unwirtschaftlich, kann ALG II als Darlehen ausbezahlt werden, wobei jedoch der
Krankenversicherungsschutz entfällt.
6
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