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Die "Casa del Fascio" in Como von Giuseppe Terragni

Subtitle: Ein Bau im Zeichen des Faschismus

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 39 Pages
Author: Janine Schöne
Subject: Art - Architecture / History of Construction

Details

Event: Italienische Kunst zwischen Futurismus und Faschismus
Institution/College: University of Passau
Tags: Casa, Fascio, Como, Giuseppe, Terragni, Italienische, Kunst, Futurismus, Faschismus
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 39
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V88508
ISBN (E-book): 978-3-638-03596-5
ISBN (Book): 978-3-638-93306-3
File size: 5970 KB

Abstract

Bis heute wird dem italienischen Architekten Giuseppe Terragni, zweifellos eine der prägenden Persönlichkeiten der avantgardistischen Baukunst Italiens, verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit zuteil. Berührungsängste sind bei der Auseinandersetzung mit einem modernen Architekten und gleichzeitig überzeugten Faschisten vorprogrammiert. Eine Architektur zu preisen, die im Sinne einer antidemokratischen und nationalistischen Ideologie entstand, widerstrebt zunächst moralischen Grundsätzen. Doch gilt es zu trennen; zwischen der politischen Überzeugung der Person Terragni einerseits und dessen Errungenschaften in der modernen Architektur andererseits, die trotz der ihnen anhaftenden Ideologie eine Revolutionierung der italienischen Baukunst beschreiben. Eine objektive Annäherung an die faschistische Architektur und deren Bedeutung in der Entwicklung architektonischer Formensprache sowie der Transformation ideologischer Grundsätze in architektonische Elemente soll am Beispiel des bedeutendsten Repräsentationsbaus des Faschismus, der "Casa del Fascio" in Como, erfolgen.


Excerpt (computer-generated)



Die "Casa del Fascio" in Como von Giuseppe Terragni

Ein Bau im Zeichen des Faschismus

Universität Passau

Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Christliche Archäologie

Hauptseminar: Italienische Kunst zwischen Futurismus und Faschismus

Wintersemester 2007/08

vorgelegt von:

Janine Schöne

Studiengang B.A. European Studies

Januar 2008


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung 2

2. Giuseppe Terragni und erste Projekte 3

2.1 "Gruppo 7" und "Architettura Razionale" 3

2.2 "Villa Saibene" und "Hotel Metropole-Suisse " 5

2.3 "Novocomum" 6

2.4 Spätere

Projekte 6

3. Die "Casa del Fascio" in Como 7

3.1 Architekturbeschreibung 8

3.1.1 Die Südwestfassade 8

3.1.2

Nordwestfassade 9

3.1.3

Nordostfassade 10

3.1.4

Südostfassade 10

3.2 Monument des faschistischen Rationalismus 11

3.2.1 Das Parteibüro als Renaissancepalazzo 11

3.2.2 Die Anforderungen des Faschismus 14

3.2.3 Rationalismus und europäische Avantgarde 16

4.

Zusammenfassung 17

LITERATURVERZEICHNIS 18

ABBILDUNGSVERZEICHNIS 20




1


1. Einleitung

Bis heute wird dem italienischen Architekten Giuseppe Terragni, zweifellos eine der prägen-

den Persönlichkeiten der avantgardistischen Baukunst Italiens, verhältnismäßig wenig Auf-

merksamkeit zuteil. Berührungsängste sind bei der Auseinandersetzung mit einem modernen

Architekten und gleichzeitig überzeugten Faschisten vorprogrammiert. Eine Architektur zu

preisen, die im Sinne einer antidemokratischen und nationalistischen Ideologie entstand, wi-

derstrebt zunächst moralischen Grundsätzen. Doch gilt es zu trennen; zwischen der politi-

schen Überzeugung der Person Terragni einerseits und dessen Errungenschaften in der mo-

dernen Architektur andererseits, die trotz der ihnen anhaftenden Ideologie eine Revolutionie-

rung der italienischen Baukunst beschreiben.

Eine objektive Annäherung an die faschistische Architektur und deren Bedeutung in der Ent-

wicklung architektonischer Formensprache sowie der Transformation ideologischer Grund-

sätze in architektonische Elemente soll am Beispiel des bedeutendsten Repräsentationsbaus

des Faschismus, der "Casa del Fascio" in Como, erfolgen. Als Begründer des italienischen

Rationalismus entwarf der Architekt Giuseppe Terragni diesen Bau zu Beginn der 1930er

Jahre ganz im Sinne der faschistischen Ideen Mussolinis. Daher soll unter der Betrachtung

des Einflusses der Architektur des europäischen Auslands folgend das Verschmelzen von

Rationalismus und Faschismus aufgezeigt werden. Trotz staatskonformer Umsetzung stehen

die Bauten Terragnis im Zeichen einer neuen Ära architektonischer Ausdrucksmittel und fin-

den nicht nur Anerkennung bei dem Bauhausgründer Walter Gropius, der den Rationalisten

Glückwunschkarten für ihre gelungenen Ausstellungen in Italien schrieb, sondern auch bei Le

Corbusier, der die Arbeit Terragnis nach dessen Tod öffentlich würdigte.1 Die Besonderheit

am Werk Terragnis sieht der italienische Architekt und Autor Daniele Vitale in dessen Hin-

gabe an seine Arbeit, nicht in seinem Dienst am Faschismus, denn "er [Terragni] ist Architekt

mit totalem Engagement, die Architektur ist seine Welt, sein Leben, seine Arbeit; sein persön-

licher Weg ist die Beschränkung, die Tiefendimension der Analyse, die Suche nach Strenge".2

1 Friedrich, Jörg/ Kasper, Dierk: Giuseppe Terragni. Modelle einer rationalen Architektur, Sulgen 1999, S. 9.

2 Sack, Manfred: Schöne Vernunft. Häuser des Rationalisten Giuseppe Terragni, in: Friedrich, Jörg/ Kasper,

Dierk (Hrsg.): Giuseppe Terragni. Modelle einer rationalen Architektur, Sulgen 1999, S. 19.

2


2.

Giuseppe Terragni und erste Projekte

Als jüngster von vier Brüdern wurde Giuseppe Terragni am 18. April 1904 in Medea, einem

kleinen Industrieort in der Nähe von Mailand, geboren (Abb. 1).3 Ende des Jahres 1909 zog

die Familie Terragni nach Como, wo der spätere Architekt die Physikalisch-Mathematische

Abteilung des Technischen Instituts am Wissenschaftlichen Lyzeum besucht.4 Im Herbst des

Jahres 1921 nimmt er sein Studium der Architektur am Polytechnikum Mailand auf und pro-

moviert dort 1926.5

2.1

"Gruppo 7" und "Architettura Razionale"

Zusammen mit Luigi Figini (1903-1984), Guido Frette (1901-1984), Sebastiano Larco, Adal-

berto Libera (1903-1963), Gino Pollini (1903-1991) und Carlo Enrico Rava, ebenfalls Archi-

tekturabsolventen des Mailänder Polytechnikums, gründet Terragni im selben Jahr noch den

"Gruppo 7".6 In ihren zwischen Dezember 1926 und Mai 1927 in der Kulturzeitschrift "La

Rassegna Italiana" veröffentlichten vier programmatischen Schriften, den "Note 4", lehnt die

avantgardistische Gruppe den in der Architektur Italiens vorherrschenden Neoklassizismus ab

und reiht sich mit diesem Standpunkt in die bereits von den Futuristen vertretene zukunftsori-

entierte Auffassung der Notwendigkeit eines neuen Stils ein.7 Dieser sei aufgrund der techni-

schen Neuerungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wie der industriellen Fertigung und neu

entwickelter Baustoffe, unumgänglich. Deshalb üben die "Razionalisti" Kritik an den traditi-

onell-akademischen Bauweisen: "Sie [die Novecentisti] sind in die reine Dekoration zurück-

gefallen, in eine unaufrichtige Architektur, die ihre Wirkung aus der Verwendung von

Versatzstücken gewinnt, mal die Fassaden aufbricht, mal Kuppeln und Kandelaber verwen-

det, mal Obelisken aufsetzt."8 Schon 1914 formulierte der futuristische Architekt Antonio

Sant′Elia (1888-1916) in ähnlicher Form seinen Unmut über diese konservative Akademiear-

chitektur in seinem Manifest "Messagio": "Ich bekämpfe und verachte: [...] Die ganze klassi-

sche, prunkvolle, priesterliche, bühnenbildnerische, dekorative, monumentale, liebliche, an-

genehme Architektur. Die Einbalsamierung, den Wiederaufbau, die Wiederherstellung von

3 Der älteste Bruder Attilo wurde Ingenieur, Alberto Buchhalter und Silvio starb 1926 bei einem Unfall. Vgl.:

Saggio, Antonio: Giuseppe Terragni. Vita e opere, Rom 1995, S. 9.

4 Saggio, (wie Anm. 3), S. 9.

5 Timmermann, Nicola: Repräsentative ′Staatsbaukunst′ im faschistischen Italien und im nationalsozialistischen

Deutschland ­ der Einfluß der Berlin-Planung auf die EUR, Stuttgart 2001, S. 310.

6 Timmermann (wie Anm. 5), S. 49.

7 Timmermann (wie Anm. 5), S. 50.

8 Schumacher, Thomas: Klassische und mittelalterliche Typologien in Terragnis Architektur, in: Germer, Stefan/

Preiß, Achim (Hrsg.): Giuseppe Terragni. 1904-43. Moderne und Faschismus in Italien, München 1991, S. 118.

3


antiken Monumenten und Palästen."9 Den Ursprung des in ihren Augen sterilen und undyna-

mischen Stils finden die Rationalisten in der vom Akademismus geprägten Ausbildung, da

"einige dieser Schulen in ihrer heutigen Gestalt ein Anachronismus sind. Heutzutage, wo alles

so neu ist, da produzieren bestimmte Lehrmethoden, die von den aktuellen Problemen mei-

lenweit entfernt sind, und ganz besonders bestimmte dogmatische Ausrichtungen mit starren

Schemata (weil sie eine falsche Gewohnheit aufrecht erhalten, die durch Beispiele belegt

werden, die man besser vergäße) einen peinlichen Eindruck von Blindheit."10 Im Mai 1927

beteiligt sich der "Gruppo 7" an der III. Biennale in Monza. 1928 formierte sich aus dem

"Gruppo 7" der "Movimento Architettura Razionale" (M.A.R.), dessen erste Ausstellung im

"Palazzo delle Esposizioni" an der Via Nazionale in Rom stattfindet.

Aufgrund des enormen Mitgliederzuwachses wird 1930 eine Umstrukturierung der Gruppe in

eine umfassende Organisation rationalistischer Architekten beschlossen, die sich im folgen-

den "Movimento Italiano per l′Architettura Razionale" (M.I.A.R) nennt.11 Als Generalsekretär

des Zusammenschlusses, der in regionale Sektionen unterteilt wurde, fungiert Adalberto Libe-

ra. Diese anfänglich durch den "Sindacato Nazionale degli Architetti"12 unterstützte, und so-

mit legitimierte, Gruppe wirkte besonders in Mailand und Turin, fand aber mit den Architek-

ten Pietro Aschieri (1889-1952) und Giuseppe Capponi (1893-1936) auch in Rom ihren An-

schluss. Als avantgardistische Strömung, die der regimegefälligen Baukunst der "Scuola Ro-

mana" und des "Novecento" gegenüberstand13, versucht der Rationalismus mit der Rückbe-

sinnung auf die elementarsten geometrischen Formen, die ihre Verwendung in der Antike

fanden, eine moderne Architektur in Anlehnung an die ruhmreiche Zeit Italiens zu schaffen.

"Man muß [!] [...] sich überzeugen von der Notwendigkeit, Typen, wenige fundamentale Ty-

pen zu schaffen [...] Blicken wir zurück: Die gesamte Architektur, die den Namen Roms in

9 Zit. nach Timmermann (wie Anm. 5), S. 44.

10 Zit. nach Pfammatter, Ulrich: Moderne und Macht, ′Razionalismo′, Italienische Architekten 1927-42, Braun-

schweig/Wiesbaden 1980 (Nachdruck 1996), S. 179.

11 Timmermann (wie Anm. 5), S. 49.

12 Der "Sindacato Nazionale degli Architetti" (Nationales Architektensyndikat) wurde 1923 von den Faschisten

mit dem Ziel unmittelbaren Einfluss auf die Architektur zu nehmen, eingeführt. Bis 1927 agierten die Syndikate,

als Vereinigung von Arbeitern, Akademikern, Freiberuflern, als auch öffentlich-rechtlichen Unternehmensver-

tretern, noch weitgehend eigenständig. Doch ein vom "Gran Consiglio del Fascismo" gefasster Beschluss be-

stimmte bereits 1923 die Eingliederung aller Syndikate in die Partei, und zog somit den vollkommenen Verlust

ihrer Autonomie nach sich. Infolge dieser Eingliederung benannte man das Syndikat der Architekten 1928 in

"Confederazione Nazionale dei Sindacati Fascisti Professionisti ed Artisti" um. Vgl. Timmermann (wie Anm. 5),

S. 16-22.

13 Die etablierte Architektengruppe "Scuola Romana", die sich ganz in den Dienst des Faschismus stellt und

damit die Gunst des Regimes genießt, empfindet den Klassizismus als ihr architektonisches Ideal und imitiert

daher größtenteils die klassizistische Formensprache. Eine Rezeption verschiedener Stile unterliegt dagegen der

Gruppe "Novecento", die nicht nur vorangegangene Epochen imitieren will, sondern diese durch Experimente

und Neuerungen an die Moderne anzupassen versucht. Dabei werden die Entwicklungen der Europäischen Mo-

derne ignoriert um eine neue nationale Baukunst in Italien zu entwickeln. Vgl. Timmermann (wie Anm. 5), S.

59ff.

4


der ganzen Welt berühmt gemacht hat, basiert auf vier oder fünf Typen: Dem Tempel, der

Basilika, dem Zirkus, der Rotunde und der Kuppel, dem Thermalbad. Und ihre ganze Kraft

liegt in der Beibehaltung dieser Schemata, in ihrer Wiederholung bis in die entferntesten Pro-

vinzen und in ihrer Perfektionierung eben durch Selektion. All das ist uns bekannt, aber nie-

mand scheint daran zu denken: Rom produzierte in Serie."14 Um genau diese Serienprodukti-

on in die Moderne zu übertragen, nutzen die rationalistischen Architekten die Innovation der

europäischen Baukunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Konstruktionen aus Stahlbeton stel-

len ihre bevorzugte Bauweise dar. In der Übereinstimmung mit dem faschistischen "ricorso

archaico", der Rückbesinnung auf das antike Rom um ein auf die römische Architektur ge-

stütztes Imperium, das "Imperium Mussolinis", zu schaffen, versuchen die "Rationalisti" den

Forderungen des Regimes nach einem "faschistischen Stil" nachzukommen.

2.2

"Villa Saibene" und "Hotel Metropole-Suisse "

Erstes Auftragswerk Terragnis ist 1926 die "Villa Saibene" bei Como, deren Bau allerdings

nicht realisiert wurde (Abb. 2).15 Der junge Architekt schöpft aus seinem akademischen Wis-

sen und greift auf klassische Elemente zurück, weshalb der Aufbau der Villa im Gegensatz zu

seinen späteren Projekten noch sehr konventionell erscheint. Rustika an den Ecken des Ge-

bäudes, Rundportale, Dreiecksgiebel und Pilaster finden Verwendung und markieren die vom

Polytechnikum gelehrte Formensprache. Als Neuerungen erscheinen sowohl die überdimen-

sionierten Rundbogenfenster, als auch der von Asymmetrie beherrschte Aufbau.

1927 eröffnet Giuseppe Terragni gemeinsam mit seinem Bruder Attilio ein Architekturbüro

im Erdgeschoss des elterlichen Hauses in Como und realisiert mit der Umgestaltung der Fas-

sade des "Hotel Metropole-Suisse", gelegen an der Piazza Cavour in Como, sein erstes Auf-

tragswerk (Abb. 3).16 Auch dieser Bau unterliegt noch klassischen Kompositionsweisen und

lässt typische Verfahren des "Novecento", wie die der Frührenaissance entlehnten Polychro-

mität durch die Verwendung grünen und weißen Marmors in den beiden ersten Geschossen,

erkennen. Terragni kombiniert bewährte Elemente wie Pilaster, Gebälk und Kapitelle, die er

abwandelt, miteinander verknüpft und so eine, im Sinne der "Novecentisti", moderne For-

mensprache schafft.

14 Zit. nach Pfammatter (wie Anm. 10), S. 167.

15 Schumacher (wie Anm. 8), S. 115.

16 Schumacher (wie Anm. 8), S. 115.

5


2.3 "Novocomum"

Schon im darauffolgenden Projekt verzichtet Terragni auf den Gebrauch dieser konservativen

Elemente. Der erst 23jährige Architekt erhält den Auftrag für die Gestaltung eines Wohnhau-

ses, das in den Jahren 1927/28 entsteht und als "Novocomum" bekannt ist (Abb. 4). Da Ter-

ragni zunächst einen ähnlich klassizistischen Entwurf, wie er den bereits genannten Bauten

zugrunde liegt, einreichte, erteilte ihm die Baukommission die Bauerlaubnis.17 Das Ergebnis

ist hingegen in keiner Weise dieser traditionellen Architektur, sondern deutlich der europäi-

schen Avantgarde zuzuordnen. Terragni experimentiert nun gänzlich mit geometrischen For-

men und lässt auf diese Art und Weise das erste im Stil des Rationalismus entworfene Gebäu-

de Italiens entstehen. Daher ist das am Comer See gelegene Mietshaus durchaus als Schlüs-

selwerk der rationalistischen Architektur Italiens aufzufassen. Von nun an gestaltet Terragni

seine Gebäude konsequent durch die Kombination räumlicher Grundkörper.

2.4 Spätere

Projekte

Nach der Teilnahme am Wettbewerb für ein Gefallenendenkmal in Como 1928, den Terragni

gewinnt, ist er bis 1933 mit dessen Umsetzung beschäftigt. Von 1932 bis 1936 wird Giuseppe

Terragni mit dem Entwurf und der Realisierung der "Casa del Fascio" in Como betraut. Daran

schließt sich 1936 die Arbeit am Kindergarten Sant′Elia, der im darauffolgenden Jahr eben-

falls in Como fertig gestellt und nach dem dort geborenen Futuristen Antonio Sant′Elia be-

nannt wurde, an. Ab 1933 plant Terragni zusammen mit seinem Büropartner und Freund Piet-

ro Lingeri (1894-1968) den Bau einiger Mailänder Mehrfamilienhäuser, bekannt als "cinque

case" ("Casa Ghiringhelli", "Casa Toninello", "Casa Lavezzari", "Casa Rustici", "Casa Rusti-

ci-Comolli"). Zeitgleich, Mitte der 1930er Jahre ist Terragni mit den Entwürfen zu einigen

Villen beschäftigt. 1934 beteiligt er sich mit anderen rationalistischen Architekten am staatli-

chen Wettbewerb für den "Palazzo del Littorio", der als Zentrale der faschistischen Partei

diente, in Rom. Auch im Rahmen der Stadtplanung ist Terragni tätig und erstellt zusammen

mit Lingeri und Pietro Bottoni (1903-1973) 1934 einen Bebauungsplan zur Neugliederung

des Comer Stadtzentrums, der jedoch unverwirklicht bleibt. In den folgenden Jahren von

1938 bis 1939 entsteht die "Casa del Fascio" in Lissone bei Mailand in Zusammenarbeit mit

Antonio Carminati, woran sich 1939 die Arbeit am Comer Mietshaus "Giuliani Frigerio" an-

schließt. Als Gruppe beteiligen sich Terragni, Lingeri und Cesare Cattaneo (1912-1943) an

dem am 20. Juni 1937 ausgeschriebenen Wettbewerb für den "Palazzo dei Ricevimenti e dei

17 Friedrich, Jörg/ Kasper, Dierk: Giuseppe Terragni. Modelle einer rationalen Architektur, Sulgen 1999, S. 48.

6



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