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"Ich fühle mich Mutter"

Subtitle: Die erste Geburt in Memoiren und Briefen von Margarethe Milow und Therese Huber

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Pamela Bastuck
Subject: Women Studies / Gender Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V88612
ISBN (E-book): 978-3-638-02513-3
ISBN (Book): 978-3-638-92476-4
File size: 320 KB

Abstract

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ist in Deutschland vom Zeitalter der Empfindsamkeit und Aufklärung geprägt. Unter den Frauen der gebildeten Mittelklasse ist das Briefeschreiben weit verbreitet, doch wird die Schriftkultur weiterhin von Männern dominiert. Männer sind es auch, die sich über das Frauenthema schlechthin ausführlicher äußern als die Frauen selbst: Die Geburt. Dennoch existieren auch Zeugnisse von Frauen, die sich schriftlich mit dieser Erfahrung auseinandersetzen. Die Arbeit vergleicht zwei verschiedene Quellen miteinander: Die Lebenserinnerungen der Margarethe Elisabeth Milow und Briefe von Therese Huber, geb. Heyne. Ausgewählte Zitate zu Schwangerschaft und Geburt werden vorgestellt und anhand von Leitfragen kommentiert: Wie äußern sich die Frauen über körperliche Vorgänge wie die Schwangerschaft? Was wird über die Geburt berichtet, was nicht? Wie gehen die beiden Frauen mit ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter um?


Excerpt (computer-generated)

Universität Oldenburg

Studiengang Frauen- und Geschlechterstudien

WiSe 05/06

Seminar: Geschichte der Geburt in der Neuzeit

,,Ich fühle mich Mutter"

Die erste Geburt in Memoiren und Briefen

von

Margarethe Milow

und

Therese Huber

vorgelegt von

Pamela Bastuck


/

Inhaltsverzeichnis

I.

Einleitung 3

II.

Margarethe Milow 4

II.1 Vorstellung

4

II.2

Das Gedenkbuch 5

II.3

Die erste Schwangerschaft 6

II.4

Die erste Geburt 7

III.

Therese Huber 9

III.1 Vorstellung

9

III.2 Die Briefe 11

III.3 Die erste Schwangerschaft 12

III.4 Die erste Geburt 14

IV.

Vergleich 16

V.

Anhang 19

1. Zeittafel Margarethe Milow 19

2. Zeittafel Therese Huber 20

VI.

Literatur- und Bildnachweis 21

2


I. Einleitung

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ist in Deutschland vom Zeitalter der Empfindsamkeit

und Aufklärung geprägt. Unter den Frauen der gebildeten Mittelklasse ist das Briefeschreiben

weit verbreitet, doch wird die Schriftkultur weiterhin von Männern dominiert. Männer sind es

auch, die sich über

das

Frauenthema schlechthin ausführlicher äußern1 als die Frauen selbst:

Die Geburt. Dennoch existieren auch Zeugnisse von Frauen, die sich schriftlich mit dieser

Erfahrung auseinandersetzen.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich zwei verschiedene Quellen miteinander vergleichen:

Die Lebenserinnerungen der Margarethe Elisabeth Milow und Briefe von Therese Huber, geb.

Heyne. Ich beschränke mich dabei auf einige Auszüge, die sich inhaltlich mit der jeweils

ersten Schwangerschaft und Geburt der beiden Frauen beschäftigen.

Die beiden Teile meiner Arbeit sind identisch aufgebaut: Zunächst stelle ich den Lebenslauf

und die Person von Margarethe Milow und Therese Huber kurz vor. Die Zeittafeln im

Anhang bieten einen ergänzenden Überblick über ihr Leben, beschränken sich jedoch auf

weitere Geburten und familiäre Todesfälle. Jeweils ein Kapitel ist den Quellen gewidmet und

informiert über die Entstehung und Intention des Gedenkbuches, bzw. über die Adressaten der

Briefe. Im jeweiligen Hauptteil sammle und kommentiere ich die von mir ausgewählten Zitate

zu Schwangerschaft und Geburt.

Zum Abschluss vergleiche und interpretiere ich die beiden Frauenschicksale anhand einiger

Leitfragen: Wie äußern sich die Frauen über körperliche Vorgänge wie die Schwangerschaft?

Was wird über die Geburt berichtet, was nicht? Wie gehen sie mit ihrer Rolle als Ehefrau und

Mutter um?

1 Vgl. Dawson 1995, S. 102

3


II. Margarethe

Milow

Abb.1

II.1 Vorstellung

Margarethe Elisabeth Milow wird am 02. Oktober 1748 in Hamburg geboren. Ihr Vater ist ein

angesehener Geschäftsmann, dennoch lebt die Familie offenbar relativ bescheiden.

Margarethes Kindheit und Jugend verläuft ihrer eigenen Schilderung nach sehr behütet. Ihre

Erziehung ist für diese Zeit typisch: Als älteste Tochter wird sie zusammen mit ihren

Schwestern von einer französischen Gouvernante betreut und beschäftigt sich überwiegend

innerhalb des Hauses mit Handarbeiten. Es gibt allerdings auch einen Hauslehrer, der die

Mädchen unterrichtet ­ in welchen Gebieten bleibt leider unerwähnt. Abwechslung bringen

nur gelegentliche Ausflüge oder Bälle, zu denen die älteren Mädchen gehen dürfen. Insgesamt

ist Margarethe Milow sehr auf ihre Tugend und Sittsamkeit bedacht und wertet solche

gesellschaftlichen Ereignisse im nachhinein als Ausschweifungen, die die Bildung ihres

Charakters ihrer Meinung nach negativ beeinflusst haben.

Ein großer Teil ihrer Schilderungen dreht sich um ihre Jugendzeit, in der sie ihre Gefühle zu

entdecken beginnt und erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht sie immer wieder in

moralische Bedrängnis bringen. Eine über mehrere Jahre währende Jugendliebe zu einem

Freund ihres Bruders bringt sie in schwere Gefühlskonflikte. Er erwidert ihre Liebe, doch die

Eltern missbilligen die Verbindung und so dürfen sie nicht heiraten. Da sie sich dennoch

heimlich treffen, ist Margarethes Ehre schwer angeschlagen und kann nur durch eine

standesgemäße Verheiratung gerettet werden. Obwohl es ihr sehr schwer fällt, wendet sie sich

schließlich von ihrer Jugendliebe ab und beugt sich dem Willen ihrer Eltern. Am 17. 10. 1769

4


heiratet sie den Pastor Johann Nicolaus Milow und verlässt ihr Elternhaus, um mit ihm in

Lüneburg zu leben. Diese Ehe wird von ihr im nachhinein als sehr glücklich beschrieben, über

ihr weiteres Leben ist jedoch wenig bekannt. Margarethe bringt insgesamt acht Kinder zur

Welt, das letzte im Alter von 35 Jahren. Mit 46 stirbt sie schließlich an ihrem langjährigen

Brustkrebsleiden.

II.2 Das

Gedenkbuch

Als Margarethe Elisabeth Milow die beiden ersten Teile ihres Gedenkbuches niederschreibt,

ist sie 31 bzw. 32 Jahre alt. Diese Aufzeichnungen umfassen jedoch nur die ersten 22-23

Jahre von ihrer Geburt 1748 bis zu den Anfangsjahren ihrer Ehe mit Johann Nicolaus Milow.

Weitere Teile sollen angeblich von Angehörigen vernichtet worden sein, da sie Ungünstiges

über einzelne Familienmitglieder enthalten haben sollen.2 In einem Anhang beschreibt ihr

ältester Bruder Johann Michael Hudtwalcker ihre weitere Lebensgeschichte, die 1794 mit

ihrem Tod endet.

Religion spielt in Margarethe Milows Leben eine entscheidende Rolle. Die Schilderung ihres

Lebens liest sich wie ein beständiger Kampf darum, Gottes Wille in ihrem Schicksal zu

erkennen und sich ihm unterzuordnen. Offenbar hilft ihr der Glauben dabei, Konflikte zu

bewältigen und sich mit ihrem Schicksal auszusöhnen. Ihre Memoiren, die sie als

Vermächtnis für ihren Mann und ihre Kinder hinterlassen möchte, schreibt sie mit der

Absicht, Gottes Wille in ihrem Leben erkennbar zu machen. Dabei geht es ihr offenbar nicht

darum, ihre Geschichte romantisch zu verklären und sich selbst als besonders tugendhaft

darzustellen ­ im Gegenteil: Sehr offen und schonungslos berichtet sie von Fehlern, die sie

begangen hat und von Charakterschwächen, die sie sich selbst attestiert. Jede Episode endet

aber mit dem Hinweis darauf, dass Gott sie wieder auf den rechten Weg geführt und es immer

gut mit ihr gemeint habe.

Oft spricht sie ihre Kinder direkt an und ermahnt sie, aus den Erfahrungen ihrer Mutter zu

lernen. In den einleitenden Worten benennt sie selbst den Hauptzweck ihrer Aufzeichnungen:

Die religiöse Erbauung ihres Mannes und ihrer Kinder nach ihrem Tod. Selbstbewusst

2 Vgl. Milow 1987, S. 3

5



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