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Scholary Paper (Seminar), 2004, 23 Pages
Author: Andrea Wildt
Subject: Film Science
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Filmwissenschaft )
Tags: Essayistische, Bill, Violas, Hatsu-Yume, Essayfilm
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03107-3
ISBN (Book): 978-3-638-92943-1
File size: 146 KB
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Abstract
Mithilfe der Theorie von Christina Scherer zum Essayfilm wird die Videoarbeit von Bill Viola Hatsu-Yume untersucht. Die vorliegende Hausarbeit hat sich zur Aufgabe gestellt, das Essayistische in den Arbeiten von Bill Viola zu untersuchen. Zu Beginn werden mittels einer Analyse des VideosHATSU-YUME ( First Dream ) aus dem Jahre 1981 die formalen Mittel dieses Werkes herausgearbeitet, um dann anhand der von Christina Scherer bestimmten Merkmale eines Essayfilmes zu prüfen, welche ihrer erarbeiteten Punkte auch bei Violas Werken eine Rolle spielen und auf eventuelle Unterschiede hinweisen. Dabei werden folgende, wesentliche Kennzeichen eines Essayfilms diskutiert: die Thematisierung und Inszenierung von subjektiver Sicht, die Selbstreferentialität und - reflexivität sowie die Mittel der Intertextualität und Intermedialität und deren Wirkung auf Rezipienten und Film. Da sich nicht alle der angeführten Kennzeichen des Essayfilms an nur dem einen Werk Violas festmachen lassen, wird an gegebener Stelle auch auf andere seiner Videoarbeiten Bezug genommen werden. Als zusätzliche theoretische Basis zum Essay wird mir für diese Hausarbeit der Text von Theodor W. Adorno "Der Essay als Form" dienen, denn der Begriff Essayfilm entstand aus einer Transformation des Wortes aus der Literatur auf den Film, wobei, trotz genreunterschiedlichen Dominanzen der vermittelnden Medien, von einer Übereinstimmung spezifischer Merkmale des literarischen und des filmischen Essays ausgegangen wird. Die im filmwissenschaftlichen Diskurs diskutierte Problematik der Gattungsdefinitionen des Genres Essayfilm wird in dieser Arbeit größtenteils unbeachtet lassen. Nur zu gegebenen Anlässen wird in Form von Randbemerkungen auf bestimmte Diskurse aufmerksam gemacht. Am Ende der Erörterung dieser Kriterien wird noch auf die besondere Stellung Violas als eben kein Filmemacher, sondern Künstler und sein bevorzugtes Medium das Video einzugehen sein.
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Institut für Theaterwissenschaft
Seminar für Filmwissenschaft
Hausarbeit zum HS: Der Essayfilm
SS 2004
Über das Essayistische in Bill Violas HATSU-YUME.
Autorin: Andrea Wildt
Über das Essayistische in Bill Violas HATSU-YUME. Autorin: Andrea Wildt
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2
2. Analyse von HATSU-YUME (First Dream)
2.1. Inhalt und Handlung
3 4
2.2. Kameraposition, -einstellung, -bewegung
4 6
2.3. Bildgeschwindigkeit
6
2.4. Licht
6 - 7
2.5. Ton
7
2.6. Montage
7 - 8
3. Merkmale eines Essayfilms
9
3.1. Der subjektive Blick
9 13
3.2. Selbstreflexivität und die Selbstreferentialität
13 16
3.3. Intertextualität und Intermedialität
16 17
4. Schlusswort
17 20
5. Literaturverzeichnis
21
Über das Essayistische in Bill Violas HATSU-YUME. Autorin: Andrea Wildt
2
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit hat sich zur Aufgabe gestellt, das Essayistische in
den Arbeiten Bill Violas zu untersuchen. Zu Beginn soll mittels einer Analyse des
Videos HATSU-YUME ( First Dream ) aus dem Jahre 1981 die formalen Mittel dieses
Werkes herausgearbeitet werden, um sodann anhand der von Christina Scherer
bestimmten Merkmale eines Essayfilmes zu prüfen, welche ihrer erarbeiteten Punkte
auch bei Violas Werken eine Rolle spielen sowie auf eventuelle Unterschiede
verweisen. Dabei werden folgende wesentliche Kennzeichen eines Essayfilms diskutiert
werden: die Thematisierung und Inszenierung von subjektiver Sicht, die
Selbstreferentialität und -reflexivität, sowie die Mittel der Intertextualität und
Intermedialität und ihre Wirkungen auf den Rezipienten und den Film. Es werden nicht
alle der angeführten Kennzeichen des Essayfilms in nur dem einen Werk Violas zu
finden sein, daher wird an gegebener Stelle auch auf andere seiner Videoarbeiten Bezug
genommen werden. 1
Als zusätzliche theoretische Basis zum Essay wird mir für diese Hausarbeit der
Text von Theodor W. Adorno "Der Essay als Form" 2 dienen, denn der Begriff
Essayfilm entstand aus einer Transformation des Wortes aus der Literatur auf den Film,
wobei, trotz genreunterschiedlichen Dominanzen der vermittelnden Medien, von einer
Übereinstimmung spezifischer Merkmale des literarischen und des filmischen Essays
ausgegangen wird. 3
Die im filmwissenschaftlichem Diskurs diskutierte Problematik der
Gattungsdefinitionen des Genres Essayfilm wird in dieser Arbeit größtenteils
unbeachtet gelassen. Nur zu gegebenen Anlässen wird in Form von Randbemerkungen
auf bestimmte Diskurse aufmerksam gemacht. Am Ende der Erörterung dieser Kriterien
wird noch auf die besondere Stellung Violas als eben kein Filmemacher, sondern
Künstler und sein bevorzugtes Medium das Video einzugehen sein.
1 Als Videomaterial sind mir folgende Arbeiten von Viola zugänglich: I DO NOT KNOW WHAT IT IS I AM
LIKE. 1986. THE PASSING. 1991. THE REFLECTING POOL. 1977-79. ANCIENT OF DAYS. 1979-81. CHOTT EL-
DJERID (A PORTRAIT IN LIGHT AND HEAT). 1979.
2 Theodor W. Adorno: Der Essay als Form. In: Ebd.: Noten zur Literatur. 1981, S.9-33.
3 Christina Scherer: Ivens, Marker, Godard, Jarman. Erinnerung im Essayfilm. 2001, S.21.
Über das Essayistische in Bill Violas HATSU-YUME. Autorin: Andrea Wildt
3
2.
Analyse von HATSU-YUME ( First Dream )
2.1.
Inhalt und Handlung
Das Geschehen in HATSU-YUME kann zur Übersicht grob in fünf
Themenkomplexe unterteilt werden. Das Video beginnt mit Bildern aus der Natur, dem
folgt ein thematischer Bruch zu Bildern eines Hafen- und Schiffbetriebes, darauf
schließt ein Einschub von mehreren Einstellungen schwimmender Kerzen an. Danach,
um den zweiten inhaltlichen Bruch zwischen den Themenkomplexen zu vollziehen,
sieht man Bilder einer asiatischen Großstadt (Tokio). Am Ende des Videos kehren die
Bilder zum Anfangsthema der Natur zurück, indem lebende Fische und ein Mensch im
nächtlichen Wald gezeigt werden. Der bildliche Inhalt von HATSU-YUME bewegt sich
demzufolge zwischen den Polen Natur, Industrie und Grosstadt und den damit
verbundenen Assoziationen, wobei keines der Themen die anderen überwiegt.4 Diese
von mir benannten Themenkomplexe werden sporadisch von kurzen Einschüben aus
anderen Themenbereichen unterbrochen. So werden beispielsweise im ersten
Bilderkomplex für einen Moment Bilder einer am Wasser liegenden Stadt
zwischenmontiert oder im Grosstadtkomplex kurz das Bild eines in den nächtlichen
Wald gehenden Mannes. Dadurch verbinden sich die sonst klar voneinander getrennten
Bereiche und geben einen kurzen Vorausblick auf Bevorstehendes. Innerhalb der
einzelnen Motive werden mehrere, meist zwei, Unterthematiken miteinander
verhandelt. So mischen sich in den ersten Komplex der Naturbilder Darstellungen von
Menschen in der Natur. Anfangs wird die Landschaft noch allein und rein gezeigt, aber
später drängen sie sich in ihre Einsamkeit, mal spazierend, arbeitend oder betend, aber
immer in Harmonie mit ihrer Umgebung und im Hintergrund der Szenerie. Das
dominierende Motiv des ersten Themenkomplexes bleibt aber die Natur.
Im zweiten Teil bilden die Arbeit der Fischer auf den Schiffen und die gezeigten
toten Fische die beiden thematischen Pole. Was die Anzahl der Bilder betrifft besteht
zwischen ihnen eine ungefähre Ausgeglichenheit, in der emotionalen Wirkung aber
dominieren die Bilder der toten und sterbenden Fische und lassen die schwere Arbeit
der Fischer in den Hintergrund treten.
Der Bilderkomplex zwischen Hafen- und Grosstadt, die schwimmenden Kerzen,
ist ohne Einschübe gestaltet.
4 "Er ( Der Essay ) koordiniert die Elemente, anstatt sie zu subordinieren." Adorno, S.31.
Über das Essayistische in Bill Violas HATSU-YUME. Autorin: Andrea Wildt
4
Im Großstadtkomplex verschwinden die Menschen und der Verkehr der Stadt
hinter Licht- und Wasserreflexionen. Sie werden zu Statisten in ihrer eigenen
Umgebung. Die Dominanz der Bilder liegt hier eindeutig bei den Licht- und
Wasserexperimenten. Die Rückkehr zum Anfangsmotiv der Natur wird im langsamen
Übergang von Wasserspiegelungen an einer Autoscheibe zu Wasserspiegelungen eines
Fischteiches vollzogen. Darauf erfolgt nochmals ein kurzes Intermezzo der
Stadtszenerie. Ein Mann holt sich Nachschub am Zigarettenautomaten, dabei wird das
Anzünden der ersten Zigarette zu einem Tanz des Feuers inszeniert. Der letzte Komplex
zeigt in zwei Einstellungen wie eine Lichtquelle sich den Weg durch den nächtlichen
Wald bahnt. Zuerst weist das Licht dem Zuschauer den Weg und später schaut er dem
Licht von weiten zu, wie es aus dem Bild verschwindet.
In HATSU-YUME wird keine Geschichte erzählt, in dem Sinne nicht, dass es weder
wiederkehrende Protagonisten, noch die Entwicklung eines kausalen Geschehens gibt.
Es handelt sich bei den gezeigten Bildern eher um Beobachtungen von Menschen und
Landschaften, die gewiss auch auf einer anderen Eben ihre Geschichten vermitteln. Dies
erreicht, dass der Zuschauer sich selbst eine Geschichte aus den vorhandenen
Bildmaterial konstruieren muss, was ganz im Sinne des Autors steht:
"I´m interested in perceiving people from an outside point of view. Being unem-
cumbered by a plot, you´re allowed to have your own individualized relationship
with them. The emotions they´re going through become yours as well."5
Aber dennoch sind die Bilder nicht beliebig zusammengesetzt, sondern folgen
einer bedeutsamen Absicht des Autors, die in ihrer Ganzheit eine Vielzahl an
unabschließbaren Deutungen eröffnen, ein weiteres Merkmal des Essays.6
2.2.
Kameraposition, Kameraeinstellung, Kamerabewegung
Die Position der Kamera verhält sich in fast allen Einstellungen "neutral" zu
ihrem Gegenstand. Mit neutral ist vor allem gemeint, dass Viola sich beim Filmen auf
die Höhe seiner Gegenstände begibt und nicht die Kamera die Position des Menschen
einnehmen lässt. So ist denn auch die frontale Stellung zum Objekt die am häufigsten
5 Ellen Wolff: Digital Cathedral. www.billviola.com 31.10.2004.
6 Scherer, S.379 und Adorno S.20.
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