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Wissenschaftliche Studie, 2008, 26 Seiten
Autor: Dipl.-LabChemiker und Fachtoxikologe (postgrad.) Bernd Tünnesen
Fach: Medizin
Details
Tags: Criminal, Autopsien, Untersuchungen, Deutschland, Schweiz
Jahr: 2008
Seiten: 26
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-03472-2
ISBN (Buch): 978-3-638-93108-3
Dateigröße: 198 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Das 17. Jahrhundert war definitiv das Jahrhundert der systematischen Giftmorde durch Arsen in Italien und Frankreich, und der Nachweis dieser Substanz war ebenfalls immer noch nicht möglich. Erst im 19. Jahrhundert etablierten sich die ersten chemischen Nachweismethoden von Giften, so die „Marsh´sche Probe“, die 1836 durch den Engländer James Marsh entwickelt wurde und mit der man jetzt Arsen-Morde aufklären konnte. Orfila hatte diese Analysemethode in dem Prozess gegen Marie Fortunée Lafarge angewendet und damit dem Gericht den entscheidenden Beweis geliefert, welcher zur Verurteilung der Lafarge führte. Man kann behaupten, dass Orfila der weltweit erste Forensische Toxikologe war, der sich mit den kriminalistischen und juristischen Aspekten von Gifteinwirkungen auf den menschlichen Organismus als auch mit der Aufdeckung von Vergiftungen beschäftigt hatte und dieses Wissen in einem Gerichtsprozess erstmalig anwendete. Bis heute ist das zentrale Thema der Forensischen Toxikologie der Nachweis, aber auch der Ausschluss von Vergiftungen. Natürlich haben sich Untersuchungstechniken, Analysemethoden und speziell das Wissen über Gifte bis heute mannigfaltig erweitert, das zentrale Thema der Forensischen Toxikologie ist aber immer noch dasselbe. In dieser Arbeit („Criminal poisoning I “) werden speziell die Möglichkeiten beschrieben, die ein hochmotivierter potentieller Giftmörder (m/w) in einer globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts hat, möchte er sein(e) Ziel(e) konsequent verfolgen. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde untersucht, inwieweit die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz das Potential besitzen, komplizierte Giftmorde mit exotischen Giften aufzuklären. Als Untersuchungsparameter wurden die Autopsieraten in den jeweiligen Ländern sowie die Untersuchungsraten an grundlegenden und erweiterten post-mortalen toxikologischen Untersuchungen herangezogen. Auch der Zustand der Rechtsmedizinischen Institute sowie Stellenwert und Zustand der „Toxikologie“ wurden in den jeweiligen Ländern untersucht. Der Faktor „Polizeiliche Emittlungsarbeit“ konnte als Untersuchungsparameter nicht mit in diese Arbeit einfließen.
Textauszug (computergeneriert)
Criminal Poisoning I:
Autopsien und toxikologische post-mortem
Untersuchungen in Deutschland, Österreich und
der Schweiz
Studie zur Ermittlung des Nachweispotentials der
Rechtsmedizinischen Institute und der Forensischen Toxikologie
bei der Verwendung exotischer Gifte
Bernd Tünnesen
März 2008
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... 2
1. Einführung ... 4
2. Globalisierung und Kriminalisierung ... 5
3. Das „ideale Gift“ ... 7
4. Die Anwendung des „idealen Gifts“: Die Troja-Methode ... 8
5. Die rechtsmedizinische und forensisch-toxikologische Landschaft: Autopsien in Deutschland, Österreich und der Schweiz ... 9
5.1 Fallstudie 1: Autopsien und Forensische Toxikologie in Deutschland ... 11
5.2 Fallstudie 2: Autopsien und Forensische Toxikologie in Österreich ... 14
5.3 Fallstudie 3: Autopsien und Forensische Toxikologie in der Schweiz ... 16
6 Diskussion und Ausblick ... 21
Literaturverzeichnis ... 23
1. Einführung
Man kann sicher behaupten, dass es Giftmörder (m/w) immer innerhalb einer Gesellschaft gab, dass sie auch heute noch unter uns sind und auch zukünftig sein werden. In vielen Kriminalromanen lenkt der Autor das Interesse seiner Leser von Zeile zu Zeile auf Giftmörder, und Geschichtsbücher belegen, dass in den unterschiedlichsten Kulturen, von der Antike bis zum Alten Rom, recht unterschiedliche Personen mit dem Wissen über die „Hohe Kunst des Giftmischens“ ausgestattet waren und nur wenige davor zurückschreckten, ihr Wissen anzuwenden. [1]
Seit vielen Jahrhunderten bis zum heutigen Tag hat sich das Wissen über Gifte, deren Wirkungsmechanismen, Handhabung und Beschaffung ständig weiterentwickelt, wenn auch die Motive von Giftmördern sich in diesem Zeitraum kaum geändert haben. Nie war es so einfach wie heute, sich innerhalb kürzester Zeit Informationen aus dem Internet zu besorgen, die sich mit Giften beschäftigen, mit deren Besorgung, Anwendung, Nachweisbarkeit oder eben ihrer Nicht – Nachweisbarkeit. Und wer im Internet das notwendige Wissen nicht ad hoc findet, kann sich die dementsprechende Literatur bei wissenschaftlichen Verlagshäusern innerhalb Europas oder in Übersee bestellen. Für potentielle Giftmörder oder an Toxikologie interessierte Personen bestehen ganz neue Möglichkeiten, die die Verwendung von Arsen oder Zyankali plötzlich als mittelalterliche Mordwaffe erscheinen lassen.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz obliegt es den jeweiligen Rechtsmedizinischen Instituten, eine mögliche Vergiftung bei einem Verstorbenen (m/w) auszuschließen oder eben zu bestätigen. Besitzen diese Rechtsmedizinischen Institute aber überhaupt noch die formalen sowie inhaltlichen Möglichkeiten, komplizierte Vergiftungen mit fremdartigen Noxen qualitativ und quantitativ nachzuweisen? Wann und wie häufig werden gezielte Autopsien in den genannten Ländern durchgeführt, einschließlich einer umfangreichen toxikologischen post-mortem Untersuchung? Wie häufig werden Forensische Toxikologen zu Autopsien hinzugerufen, besteht ein Zweifel an dem natürlichen Tod einer Person (m/w) bzw. besteht ein Anfangsverdacht auf Vergiftung?
Unter den Begriffen „fremdartige Noxe“ oder „exotisches Gift“ sollen grundsätzlich die Gifte verstanden werden, die in den o.g. Ländern nicht endemisch sind, so z.B. Afrikanische Jagd- u. Pflanzengifte und/oder Gifte, die aus anderen Teilen der Erde stammen.
Diese Publikation beschäftigt sich mit den Möglichkeiten von potentiellen Giftmördern in der heutigen globalisierten Welt und versucht, vorangegangene Fragen mittels Fallstudien zu beantworten.
2. Globalisierung und Kriminalisierung
Den wirtschaftlichen Begriff der Globalisierung prägte Theodore Levitt (1925-2006), ein deutscher Emigrant und ehemaliger Professor an der Harvard Business School, 1983 mit dem Artikel „The Globalization of Markets“ [2] in der Harvard Business Review [3]. Unter dem Begriff Globalisierung an sich ist der Prozess einer zunehmenden internationalen Verflechtung in allen Bereichen zu verstehen, der durch Staaten, Unternehmen und Institutionen, Kultur und Politik, Wirtschaft und Kommunikation, Wissen und Forschung aber auch auf der Ebene von einzelnen Individuen realisiert werden kann.
[...]
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