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Termpaper, 2003, 17 Pages
Author: Maria Lang
Subject: Communications - Media History
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Tags: Deutsche, Hörer, Thomas, Manns, Radioreden, Exil
Year: 2003
Pages: 17
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03239-1
File size: 87 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Radioreden „Deutsche Hörer!“ von Thomas Mann, die er vom Exil in Amerika aus in den Jahren 1940 bis 1945 an das deutsche Volk richtete. Um dieses Thema behandeln zu können, wird sich die Arbeit zuerst mit Thomas Manns politischer Entwicklung bzw. seinem Werdegang beschäftigen, wobei jedoch keinesfalls eine ausführliche Biographie Manns vorgenommen wird, sondern lediglich die Zeit von 1914 bis 1940 behandelt wird. Schließlich soll dieser Einstieg lediglich deutlich machen, wie es dazu kam, dass Thomas Mann im Oktober 1940 seine Laufbahn als Radiokommentator begann. Da diese Radioansprachen jedoch nicht auf Eigeninitiative Manns, sondern im Auftrag der British Broadcasting Corporation (BBC) – die während des Krieges zum wichtigsten britischen Propagandaorgan wurde – entstanden sind, folgt im zweiten Teil der Arbeit eine Erläuterung der Stellung Manns in der BBC und der Schwierigkeiten in diesem Verhältnis. Der dritte Teil, der den Kern der Arbeit bilden soll, befasst sich direkt mit den Reden. Da eine umfassende inhaltliche Analyse aller 58 Reden hier jedoch – aus Kapazitätsgründen – nicht vorgenommen werden kann, wird die Arbeit anhand einiger Themenschwerpunkte (vorrangig Manns Intentionen, sein Bild der Deutschen, die Behandlung der Schuldfrage sowie die verschiedenen „Argumentationsrollen“) versuchen, Manns Einstellungen innerhalb der Reden aufzuzeigen und zu erklären. Die sprachlich-rhetorischen Merkmale der Reden werden dabei, ebenfalls aus Platzmangel, nicht untersucht. Die Schlussbemerkungen widmen sich dann schließlich der Wirkung der Reden sowie einigen Kri-tikpunkten. Auf die Rezeption nach dem Krieg wird ebenfalls verzichtet.
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
PS Einführung in die Exilpublizistik
Thomas Manns Radioreden aus dem Exil:
,,Deutsche Hörer!"
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Die politische ,,Entwicklung" Thomas Manns 4
3. Thomas Manns und die BBC 6
4. Die Radioreden 8
5. Schlussbemerkung 15
6. Literaturverzeichnis 16
2
1. Einführung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Radioreden ,,
Deutsche Hörer!
" von Thomas
Mann, die er vom Exil in Amerika aus in den Jahren 1940 bis 1945 an das deutsche Volk rich-
tete. Um dieses Thema behandeln zu können, werde ich mich zuerst mit Thomas Manns poli-
tischer Entwicklung bzw. seinem Werdegang beschäftigen, wobei ich jedoch keinesfalls eine
ausführliche Biographie Manns vornehmen, sondern mich lediglich mit der Zeit von 1914 bis
1940 befassen werde. Schließlich soll dieser Einstieg lediglich deutlich machen, wie es dazu
kam, dass Thomas Mann im Oktober 1940 seine Laufbahn als Radiokommentator begann.
Da diese Radioansprachen jedoch nicht auf Eigeninitiative Manns, sondern im Auftrag der
British Broadcasting Corporation (BBC) die während des Krieges zum wichtigsten briti-
schen Propagandaorgan wurde entstanden sind, folgt im zweiten Teil der Arbeit eine Erläu-
terung der Stellung Manns in der BBC und der Schwierigkeiten in diesem Verhältnis.
Im dritten Teil, der den Kern der Arbeit bilden soll, werde ich mich dann mit den Reden di-
rekt befassen. Da eine umfassende inhaltliche Analyse aller 58 Reden hier jedoch aus Kapa-
zitätsgründen nicht vorgenommen werden kann, werde ich anhand einiger Themenschwer-
punkte (vorrangig Manns Intentionen, sein Bild der Deutschen, die Behandlung der Schuld-
frage sowie die verschiedenen ,,Argumentationsrollen") versuchen, Manns Einstellungen in-
nerhalb der Reden aufzuzeigen und zu erklären. Die sprachlich-rhetorischen Merkmale der
Reden werde ich, ebenfalls aus Platzmangel, nicht untersuchen.
In den Schlussbemerkungen widme ich mich dann der Wirkung der Reden sowie einigen Kri-
tikpunkten meinerseits. Auf die Rezeption nach dem Krieg werde ich jedoch auch verzichten.
Grundsätzlich muss im Voraus festgehalten werden, dass die Radioreden Manns in der wis-
senschaftlichen Betrachtung und Forschung nur oberflächlich Beachtung fanden. Die wenigen
vorhandenen Aufsätze beschäftigen sich meist unter literaturwissenschaftlichen Gesichts-
punkten mit diesem Thema oder nur mit Teilaspekten von ,,
Deutsche Hörer!
"
(wie dem
Rundfunkaspekt oder der Sprachanalyse). Deshalb werde ich mich in meiner Arbeit auch
großteils auf Heike Weidenhaupts ,,Gegenpropaganda aus dem Exil" stützen, vor allem in
dem Abschnitt über die verschiedenen Rollen Manns innerhalb der Reden.
Natürlich kann und soll meine Arbeit das Forschungsdefizit nicht ausräumen das würde
auch bei weitem den Rahmen sprengen. Aber ich hoffe, hiermit einen Einblick in den For-
schungsstand geben zu können.
3
2. Die politische ,,Entwicklung" Thomas Manns
Hineingeboren in eine gutbürgerliche Lübecker Kaufmannsfamilie und aufgewachsen im poli-
tisch ruhigen Lübeck, bestand für Thomas Mann bis 1914 keine unbedingte Notwendigkeit
für politisches oder soziales Handeln. Politik galt außerdem zu dieser Zeit in weiten Kultur-
kreisen als ,,unästhetisch, unpoetisch und gehörte in den Bereich grober Handgreiflichkeiten,
geistloser Banalität und brutaler Wirklichkeit"1. Dies änderte sich für Thomas Mann jedoch
jäh zu Beginn des Krieges: wie die Mehrzahl der Deutschen verfiel auch er in den patriotische
Begeisterung über diesen Krieg und verkündete seine Gesinnung bald öffentlich. Es erschie-
nen noch 1914 seine ,,
Gedanken zum Krieg
" und der Aufsatz ,,
Friedrich und die große Koali-
tion
". Es folgten 1918 die ,,
Betrachtungen eines Unpolitischen
", in denen seine antidemokra-
tische Haltung deutlich wurde. Die Beschäftigung mit Politik heißt aber keinesfalls, dass
Mann nun dieser gegenüber positiver eingestellt gewesen wäre; ganz im Gegenteil, heißt es in
den ,,
Betrachtungen eines Unpolitischen
" doch: ,,
Denn ich hasse die Politik und den Glauben
an die Politik, weil er dünkelhaft, doktrinär, hartstirnig und unmenschlich macht.
"2 Für ihn
bleibt Monarchie die ideale Staatsform. Im Jahre 1922, also nur vier Jahre später, tritt er in
seiner Rede ,,
Von deutscher Republik
" jedoch deutlich für die Republik im Allgemeinen und
die Weimarer Republik im Besonderen ein. Der Wandel vom Monarchie-Vertreter und De-
mokratie-Gegner zum Republik- und Demokratieverfechter war vollzogen und die Karriere
als politischer Publizist begann. Mann erklärte diese unverständlich erscheinende ,,Verwand-
lung" seinem Publikum mit der Versicherung, immer noch konservativ zu sein; seine Einstel-
lung wäre damit nicht revolutionärer, sondern erhaltender Natur und ihm gehe es allein um
den Menschen er sehe einfach die Republik als die der Humanität zuträglichste Staatsform
an3. Schon bald kommt jedoch ein weiterer Grund für sein öffentliches Auftreten hinzu: die
Warnung vor dem aufziehenden Nationalsozialismus, durch den er die Verwirklichung der
Demokratie gefährdet sah. In seiner ,,
Deutschen Ansprache
" vom Oktober 1930 attackiert er
erschüttert vom Ausgang der Reichstagswahlen deutlich die wachsende nationalsozialisti-
sche Bewegung und bezeichnet sie als ,,
exzentrische Barbarei, [...], Emanzipation der Roh-
heit [und] Diktatur der Gewalt
"4. Die Pressehetze, die auf seinen Vortrag im Februar 1933 an
der Universität München folgt, veranlasst ihn auf Anraten seiner Kinder Erika und Klaus vor-
läufig in der Schweiz zu bleiben, wohin ihn ein Erholungsurlaub nach einer Vortragsreise
1 Weidenhaupt, S. 13
2 Mann, Thomas: ,,Betrachtungen eines Unpolitischen", zitiert nach Weidenhaupt, S. 19
3 Weidenhaupt, S. 26
4 Mann, Thomas: ,,Deutsche Ansprache", zitiert nach Weidenhaupt S. 31
4
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