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Intermediate Examination Paper, 2002, 30 Pages
Author: Anna Badstübner
Subject: Pedagogy - Nursery Pedagogy
Details
Tags: Entwicklung, Freundschaft, Form, Beziehung, Kindergartenalter
Year: 2002
Pages: 30
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03511-8
File size: 188 KB
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Abstract
Kinderfreundschaften spielen eine große Rolle für die Entwicklung eines jeden Kindes. Durch die zunehmende Forschung auf diesem Gebiet ist heute bekannt, dass in den ersten Lebensjahren nicht nur die Mutter-Kind-Beziehung bestimmend ist, sondern dass auch die Gleichaltrigen eine eigenständige Rolle in der Sozialisation des Kindes einnehmen (vgl. Artikel des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW). Laut Karl Waldhecker (2001) können sich die Erfahrungen in diesen beiden Bereichen ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Freunde erfüllen Funktionen, die Eltern und Kinder anderer Altersgruppen nicht übernehmen können (Wagner 1991). Schon im Vorschulalter sind Freundschaftsbeziehungen üblich und relativ stabil (Schmidt-Denter & Zierau 1994). Der Umgang und die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen, der Gewinn spezifischer Erfahrungen und die besonderen Herausforderungen, die Freundschaften mit sich bringen, bilden einen wichtigen Ort des sozialen Lernens, losgelöst von Autoritäten und auf einer gleichwertigen Ebene, und fördern so die soziale Kompetenz der Kinder (vgl. Wagner 1994; Hoffmann 1992; Valtin 1994). „Gleichaltrige geben Kindern ein Gefühl der Sicherheit, Vertrautheit, Selbstbejahung und Emotionalität“ (Hoffmann 1992, S.45). Wagner (1991) spricht von der alltäglichen Erfahrung einer emotionalen und kognitiven Befriedigung, die Kinder und Erwachsene empfinden, wenn sie mit einem Freund zusammen sind. Freundschaftsbildungen im Kindergarten sind ein Indiz für soziale Entwicklungsfortschritte (Schmidt-Denter & Zierau 1994), denn Freundschaften tragen erheblich dazu bei, dass das Kind soziale Fähigkeiten erlernt wie anderen zuzuhören, sich in andere hineinzuversetzen, auf Schwächere Rücksicht zu nehmen, nachzugeben und anderen Hilfe, Trost und Unterstützung anzubieten (Artikel des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW). Zurückweisungserlebnisse und Eifersucht fungieren ebenso als wichtige Lernprozesse wie die Versöhnung nach einem Streit. Freunde tauschen Informationen aus, berücksichtigen die Interessen des anderen und lachen gemeinsam; das Spiel des einen motiviert das des anderen (Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. 1999). Sie lernen mit- und voneinander, üben sich im Teilen, in Kooperation, Wettbewerb, Vertrauen und Sensibilität, lernen moralische Normen kennen und verhindern, dass Konflikte in physische Aggression umschlagen (Wagner 1991, 1994; Krappmann 1994).
Excerpt (computer-generated)
Zwischenprüfungsarbeit
Magister
im HF Rehabilitationspädagogik
Thema: Entwicklung von Freundschaft als Form der sozialen
Beziehung im Kindergartenalter
Name:
Anna Badstübner
Studiengang/Fachsemester: MA
Rehabilitationspädagogik (HF), 4.FS
Psychologie (NF), 2.FS
Germanistische Sprachwissenschaft (NF), 4.FS
Abgabe:
August 2002
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung oder Zur Bedeutung von Kinderfreundschaften __________________ 3
2.
Freundschaft als Form der sozialen Beziehung ____________________________ 4
2.1
Soziale Beziehungen _____________________________________________ 4
2.2
Freundschaft als Beziehungstyp ___________________________________ 5
2.2.1
Merkmale von Freundschaften __________________________________ 6
3.
Der Freundschaftsbegriff im Laufe der kindlichen Entwicklung ______________ 7
3.1
Selmans Stufenmodell der Entwicklung des Freundschaftsverständnisses
mit Erläuterungen zu den Stufen 0 und 1 ____________________________ 8
4.
Der Kindergarten ___________________________________________________ 10
4.1
Die Bedeutung des Kindergartens _________________________________ 10
4.2
Der Eintritt in den Kindergarten__________________________________ 12
5.
Bedingungen für die Entstehung von Kinderfreundschaften ________________ 14
5.1
Personale Bedingungen__________________________________________ 15
5.1.1
Alter______________________________________________________ 15
5.1.2
Geschlecht _________________________________________________ 16
5.1.3
Ethnische Zugehörigkeit ______________________________________ 17
5.1.4
Körperliche (physische) Attraktivität ____________________________ 17
5.1.5
Intelligenz _________________________________________________ 18
5.1.6
Persönlichkeitseigenschaften, Interessen und andere Merkmale _______ 18
5.1.7
Soziale Schicht _____________________________________________ 19
5.1.8
Soziale Motive und Orientierungen _____________________________ 19
5.1.9
Soziale Erfahrungen _________________________________________ 20
5.2
Wagners Filtermodell zur Selektion potentieller Freunde _____________ 21
5.3
Situationale Bedingungen ________________________________________ 22
5.3.1
Geographisch-räumliche Struktur _______________________________ 22
5.3.2
Räumliche Nähe ____________________________________________ 22
5.3.3
Materielle Ausstattung und architektonisch-räumliche Struktur _______ 23
5.3.4
Vertrautheit ________________________________________________ 23
5.3.5
Einfluss von Eltern und Erziehern ______________________________ 24
6.
Kontaktaufnahme und Freundschaftsbeginn _____________________________ 24
7.
Literatur __________________________________________________________ 27
2
1.
Einleitung oder Zur Bedeutung von Kinderfreund-
schaften
Kinderfreundschaften spielen eine große Rolle für die Entwicklung eines jeden Kindes. Durch
die zunehmende Forschung auf diesem Gebiet ist heute bekannt, dass in den ersten
Lebensjahren nicht nur die Mutter-Kind-Beziehung bestimmend ist, sondern dass auch die
Gleichaltrigen eine eigenständige Rolle in der Sozialisation des Kindes einnehmen (vgl.
Artikel des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW).
Laut Karl Waldhecker (2001) können sich die Erfahrungen in diesen beiden Bereichen
ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Freunde erfüllen Funktionen, die Eltern und Kinder anderer
Altersgruppen nicht übernehmen können (Wagner 1991). Schon im Vorschulalter sind
Freundschaftsbeziehungen üblich und relativ stabil (Schmidt-Denter & Zierau 1994).
Der Umgang und die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen, der Gewinn spezifischer
Erfahrungen und die besonderen Herausforderungen, die Freundschaften mit sich bringen,
bilden einen wichtigen Ort des sozialen Lernens, losgelöst von Autoritäten und auf einer
gleichwertigen Ebene, und fördern so die soziale Kompetenz der Kinder (vgl. Wagner 1994;
Hoffmann 1992; Valtin 1994). ,,Gleichaltrige geben Kindern ein Gefühl der Sicherheit,
Vertrautheit, Selbstbejahung und Emotionalität" (Hoffmann 1992, S.45).
Wagner (1991) spricht von der alltäglichen Erfahrung einer emotionalen und kognitiven
Befriedigung, die Kinder und Erwachsene empfinden, wenn sie mit einem Freund zusammen
sind.
Freundschaftsbildungen im Kindergarten sind ein Indiz für soziale Entwicklungsfortschritte
(Schmidt-Denter & Zierau 1994), denn Freundschaften tragen erheblich dazu bei, dass das
Kind soziale Fähigkeiten erlernt wie anderen zuzuhören, sich in andere hineinzuversetzen, auf
Schwächere Rücksicht zu nehmen, nachzugeben und anderen Hilfe, Trost und Unterstützung
anzubieten (Artikel des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes
NRW). Zurückweisungserlebnisse und Eifersucht fungieren ebenso als wichtige Lernprozesse
wie die Versöhnung nach einem Streit. Freunde tauschen Informationen aus, berücksichtigen
die Interessen des anderen und lachen gemeinsam; das Spiel des einen motiviert das des
anderen (Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. 1999). Sie
lernen mit- und voneinander, üben sich im Teilen, in Kooperation, Wettbewerb, Vertrauen
und Sensibilität, lernen moralische Normen kennen und verhindern, dass Konflikte in
physische Aggression umschlagen (Wagner 1991, 1994; Krappmann 1994). Wagner (1994)
3
hat die Auffassung vieler Autoren, so zum Beispiel Hartup, Fine und Maas, auf den Punkt
gebracht: ,,Freundschaften in der Kindheit sollen zum Aufbau eines positiven Selbstbildes
verhelfen, zu intimen Beziehungen im Erwachsenenalter befähigen und delinquente sowie
psychotische Entwicklungen verhindern" (S.4).
2.
Freundschaft als Form der sozialen Beziehung
2.1 Soziale Beziehungen
Soziale Beziehungen entstehen aus einer Reihe von zwischenmenschlichen Interaktionen,
wobei ein bestehender Zustand zwischen Personen, die sich kennen in einen anderen
erwünschteren Zustand umgewandelt wird (Damon 1984). Damon (1984) bemerkt, dass
interpersonale Interaktionen nicht nur zum Herstellen oder Aufrechterhalten einer Beziehung
dienen, sondern auch dazu, Beziehungen zu beenden.
Eine Beziehung ist erst dann vorhanden, wenn frühere Interaktionen der Partner (vgl. Hinde
& Stevenson-Hinde 19871; Rubin, Bukowski & Parker 1998) und deren Erwartungen für
Interaktionen in der Zukunft (Rubin, Bukowski & Parker 1998) die Art und den Verlauf jeder
ihrer Interaktionen beeinflussen. Dieser Einfluss beruht darauf, dass die ,,Beziehungen für die
Beteiligten eine ihnen zugängliche soziale Realität schaffen, die gemeinsame Erfahrungen,
geteilte Bedeutungen, Erwartungen und Einschätzungen enthält" (Krappmann 1993, S.40).
Als ein weiteres Merkmal der sozialen Beziehung versteht Krappmann (1993) außer den
verlässlichen Reaktionen der Partner aufeinander die Sicherung ihres weiteren
Zusammenhalts. Er bezeichnet Beziehungen als ,,dynamische Systeme" (S.40), die ihren
Mitgliedern Aufgaben stellen, die Kompetenzen herausfordern.
Beziehungen können auch im Hinblick auf die vorherrschenden Emotionen, die die
Beteiligten in ihnen erfahren, definiert werden (Rubin, Bukowski & Parker 1998).
Ferner werden soziale Beziehungen durch eine objektivierte, institutionalisierte soziale Form
unterstützt (Rubin, Bukowski & Parker 1998).
1 nach Krappmann 1993
4
Durch bestimmte Dimensionen lassen sich verschiedene Beziehungstypen in ihrer Eigenart
charakterisieren (Krappmann 1993). Solche Dimensionen sind zum Beispiel die Themen und
Ziele der Interaktionen, das Verhalten der Partner zueinander, die freie oder nicht freie Wahl
des Beziehungspartners, die Grundlage der Beziehung oder auch die Orientierung am eigenen
oder allgemeinen Wohlergehen.
2.2 Freundschaft als Beziehungstyp
Freundschaft ist eine spezifische Form zwischenmenschlicher sozialer Beziehungen mit
besonders intensiver Kommunikation, die zumindest zwei Personen einschließt und durch
Sympathie, Zuneigung und andere positive Gefühle gekennzeichnet ist (vgl. auch Damon
1984; Clauß 1976). Sie beinhaltet eine Zuwendung zum Partner, die Attribute wie Ehrlichkeit,
Hilfsbereitschaft, Verantwortungsgefühl und Vertrauen einschließt (Clauß 1976).
Wie schon erwähnt können bestimmte Dimensionen benutzt werden, um Typen von
Beziehungen zu beschreiben. Das lässt sich am Beispiel des Beziehungstyps Freundschaft
zeigen (siehe Krappmann 1993). Im Gegensatz zur Beziehung zwischen Arbeitskollegen, bei
der eine Aufgabe oder Sache die beiden Seiten nicht durch freie Wahl zusammenführt,
können Freunde einander frei wählen. Die Basis der Beziehung bildet der langfristige
Ausgleich eigener Wünsche mit denen des Freundes oder der Freundin. Themen der
Interaktion sind unter Freunden oder Freundinnen das gemeinsame Wohlergehen wie auch
alle Arten von Unterstützung in den unangenehmen Situationen und Wechselfällen des
Lebens, dabei äußert sich das Verhalten zueinander auf eine abwechslungsreiche Art und
Weise. Ebenso vielfältig sind die Ziele dieser Interaktionen. Dazu gehört die gegenseitige
Hilfe, das Zusammensein oder auch die unterhaltsame Freizeitgestaltung. Freunde besitzen
die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen und den Standpunkt
des anderen zu erkennen und zu verstehen (vgl. auch Clauß 1976). Sie offenbaren einander
Gefühle und Verletzlichkeiten im Vertrauen auf Verständnis, Schutz und Unterstützung.
5
2.2.1 Merkmale von Freundschaften
Ich möchte nun anhand einiger weiterer Autoren die eben begonnene Auflistung der
Merkmale, die Freundschaften ausmachen, noch erweitern.
Für Damon (1984) ist das Hauptmerkmal von Freundschaft die Zuneigung zueinander, die
meist als Sympathie oder Sichgernhaben bezeichnet wird. Dieses ,,Gern-Mögen" kann sich in
vielen Formen äußern, beispielsweise in positiven Gefühlen oder in gewissen Eigenschaften
wie Vertrauen.
Reismann (1979)2 sieht wie Krappmann (1993) ein wesentliches Merkmal von
Freundschaften in der Freiwilligkeit oder Spontaneität, mit der die Gesellschaft des anderen
aufgesucht wird. Eine weitere Bedingung, die er als wichtig erachtet, ist die Gleichheit der
Beteiligten. Er spricht davon, dass Freunde gleichaltrig sind oder derselben Altersgruppe
angehören. Außerdem sollen sie nicht beziehungsweise nicht eng miteinander verwandt sein
und keine sexuellen Beziehungen zueinander haben.
Laut Hartup (1975, 1978)3 lässt sich Freundschaft vor allem durch die drei folgenden
Beziehungsmerkmale beschreiben. Die Freundschaftsbeziehung wird zum ersten durch
gemeinsame Unterhaltungen, gemeinsames Lachen und Teilen geprägt. Zweitens reagieren
Freunde in Bezug auf Trennungen ähnlich, sie zeigen beispielsweise Traurigkeit oder
Wiedersehensfreude. Das dritte Merkmal besteht für Hartup darin, dass Freundschaften durch
bestimmte Interaktionskonzepte und sprachliche Kategorien nach außen hin deutlich gemacht
werden.
Freundschaften zwischen jüngeren Kindern werden vor allem durch zwei Merkmale
ausgezeichnet (Damon 19894). Zum einen handelt es sich um das phantasiegeprägte,
reichhaltige und zum Teil rollengeleitete Spiel. Zum anderen werden im Vergleich zu nicht
befreundeten Kindern Streitigkeiten zwischen Freunden meist offen ausgetragen, sie wenden
eher Strategien an, um Konflikte zu vermeiden und erreichen so eine Stufe des gegenseitigen
Einverständnisses. Dieses zweite Merkmal bezeichnet Damon als ,,größere kommunikative
Klarheit" (S.152).
2 nach Wagner 1991
3 nach Paus-Haase 1998
4 nach Paus-Haase 1998
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