Untertitel: Herausforderung und Chance für den Markterfolg umweltverträglicher Güter
Autor: Babette Kuhfahl
Fach: Wirtschaft - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität München
Jahr: 2007
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 27 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 93 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-02601-7
Zusammenfassung / Abstract
Damit Märkte funktionieren können, müssen Anbieter und Nachfrager über ausreichend Informationen verfügen. Markttransparenz und Information sind somit zentrale Voraussetzungen, um Güter mit zusätzlichen Umweltqualitäten am Markt absetzen zu können. Unternehmen verschiedenster Branchen setzen verstärkt Label als Marketinginstrument ein, um dem Konsumenten die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte und Produktionsprozesse zu signalisieren. In Deutschland gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Labeln, von denen sich nur wenige erfolgreich am Markt etabliert haben. Im vorliegenden Beitrag wird diskutiert, wie und unter welchen Bedingungen Label zum erfolgreichen Informationsinstrument werden. Zunächst wird das Problem asymmetrischer Informationsverteilung zwischen Anbietern und Nachfragern auf dem Markt für umweltverträgliche Güter näher erläutert. Anhand dieser theoretischen Erklärungsansätze werden Anforderungen abgeleitet, die Label erfüllen müssen, um als wirkungsvolles Informationsinstrument dienen zu können. In einem weiteren Schritt werden die theoretischen Erklärungsansätze spezifiziert, indem zwei Label, die auf dem deutschen Markt zu finden sind, auf die Fragestellungen hin untersucht werden.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität München
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Professur für Betriebswirtschaftslehre Brau- und Lebensmittelindustrie
Masterstudiengang Consumer Science
Seminar: Nachhaltiger Konsum WS 2006/07
SEMINARARBEIT
Abbau von Informationsasymmetrien durch Label
Herausforderung und Chance für den Markterfolg umweltverträglicher Güter
Eingereicht von:
Babette Kuhfahl
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Informationsasymmetrien: Beschreibung und Erklärung 4
2.1 Unsicherheiten 4
2.2 Typologisierung von Produkteigenschaften 5
3. Label als Mittel zur Überwindung von Kaufbarrieren 6
3.1 Begriffsbestimmung 6
3.2 Wirkmechanismen von Labeln 7
1.1. Erfolgsfaktoren für die Marktakzeptanz von Labeln 7
3.4 Kritische Aspekte 9
4. Exemplarische Untersuchung von Labeln 11
4.1 Das Bio-Siegel 11
4.2 Das Europäische Umweltzeichen (Euro-Blume) 11
4.3 Vergleichende Bewertung der Label 12
5. Fazit 15
6. Literatur und Quellen 16
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1. Einleitung
Neben den klassischen Merkmalen wie Gebrauchsnutzen und Preis fließen zunehmend auch
Umweltkriterien in die Kaufentscheidungsprozesse der Konsumenten ein. Die wachsende
Umweltsensibilität der Konsumenten äußert sich in der verstärkten Nachfrage nach umwelt-
und sozialverträglich erzeugten Produkten.
Damit Märkte funktionieren können, müssen Anbieter und Nachfrager über ausreichend In-
formationen verfügen. Markttransparenz und Information sind somit zentrale Voraussetzun-
gen, dass Güter mit zusätzlichen Umweltqualitäten, die in der Regel kostenintensiver in der
Produktion sind, am Markt abgesetzt werden können (Kaas 1992, S. 476). Akerlof (1970, S.
489f.) beschreibt, wie Märkte für Produkte guter Qualität zusammenbrechen können, wenn
für die Anbieter keine Möglichkeit besteht, den Nachfragern diese Qualität glaubwürdig zu
signalisieren. Für den Konsumenten, der auf der Suche nach umweltverträglich erzeugten
Produkten ist, besteht das Problem der Identifikation der ökologischen Qualitäten (Hansen
und Kull 1994, S. 268).
Um den gewachsenen Ansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden, setzen Unternehmen
verschiedenster Branchen verstärkt Label als Marketinginstrument ein, um dem Konsumenten
die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte und Produktionsprozesse zu signalisieren. Label
sollen als Informationshilfe und als Abgrenzung gegenüber Konkurrenzangeboten dienen, die
in ihrem Gebrauchsnutzen zwar vergleichbar, aber nicht unter dem Aspekt der Umweltver-
träglichkeit erzeugt worden sind. In Deutschland gibt es mittlerweile eine Vielzahl von La-
beln, von denen sich nur wenige erfolgreich am Markt etabliert haben.
Daraus lassen sich folgende Fragen ableiten, die im vorliegenden Beitrag diskutiert werden.
Wie und unter welchen Bedingungen werden Label zum erfolgreichen Informationsinstru-
ment? Können Label Informationsdefizite auf der Seite der Konsumenten tatsächlich abbau-
en?
Zur Erörterung der Fragestellungen wird wie folgt vorgegangen: Zunächst wird das Problem
asymmetrischer Informationsverteilung zwischen Anbietern und Nachfragern auf dem Markt
für umweltverträgliche Güter näher erläutert. Anhand dieser theoretischen Erklärungsansätze
werden Anforderungen abgeleitet, die Label erfüllen müssen, um als wirkungsvolles Informa-
tionsinstrument dienen zu können. In einem weiteren Schritt werden die theoretischen Erklä-
rungsansätze spezifiziert, indem zwei Label, die auf dem deutschen Markt zu finden sind, auf
die Fragestellungen hin untersucht werden. Abschließend werden die gewonnenen Erkennt-
nisse in einem Fazit diskutiert.
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2. Informationsasymmetrien: Beschreibung und Erklärung
Stellt man Umweltbewusstsein und tatsächliches Marktverhalten von Konsumenten gegen-
über, lässt sich feststellen, dass es häufig erhebliche Diskrepanzen zwischen Lippenbekennt-
nissen und tatsächlichem Verhalten gibt (Kaas 1992, S. 474). Erklärungsansätze für diese
Diskrepanz lassen sich aus der Informationsökonomik ableiten. Die Informationsökonomik
analysiert unvollkommene Märkte, in denen die Informationen zwischen den Marktteilneh-
mern asymmetrisch verteilt sind (Kaas 1991, S. 359). Informationsasymmetrien liegen vor,
wenn Anbieter und Nachfrager bei einer Markttransaktion nicht die gleichen Informationen
besitzen und somit das Wissen über das Produkt ungleich verteilt ist (Adler und Weiber 1995,
S. 47).
2.1 Unsicherheiten
Verhaltensbarrieren durch Unsicherheiten und unvollkommene Informationen bestehen be-
sonders auf Märkten für umweltfreundliche Produkte (Kaas 1992, S. 474). Konsumenten, die
umweltfreundliche Produkte kaufen wollen, haben hohe Informationskosten zu tragen, denn
die Unsicherheit über umweltrelevante Eigenschaften von Produkten ist meist sehr groß (Kaas
1992, S. 478).
Kaas (1992) definiert verschiedene Arten von Unsicherheiten.
Die exogene Unsicherheit
(auch
Umweltunsicherheit
nach Adler und Weiber [1995, S. 47]) bezieht sich auf die Um-
weltwirkungen der Produkte, die extrem vielschichtig und komplex sein können. Konsumen-
ten können in der Regel nur vage Einschätzung zu den Umweltwirkungen treffen. Selbst die
Meinungen von Experten und Wissenschaftlern zu speziellen Fragen gehen in vielen Berei-
chen weit auseinander, wie in der aktuellen Diskussion zur Gentechnik sehr anschaulich zu
beobachten ist.
Die
endogene Unsicherheit
(auch
Markttunsicherheit
nach Adler und Weiber [1995, S. 47])
bezieht sich auf Informationen innerhalb der Austauschbeziehung. Es ist für den Konsumen-
ten schwer, sich einen zutreffenden Überblick über die umweltrelevanten Qualitäten des Pro-
dukts und deren Kosten zu verschaffen (Kaas 1992, S. 478). Die Produzenten haben hier ei-
nen Informationsvorsprung und können diese Informationsasymmetrie für sich ausnutzen.
Beispielsweise kann ein Konsument in der Regel nicht überprüfen, ob ein bestimmtes Le-
bensmittel tatsächlich nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erzeugt wurde. Die
Gefahr des opportunistischen Verhaltens des Herstellers also eine mögliche Täuschung des
Konsumenten führt zur
Verhaltensunsicherheit
des Konsumenten. Je besser der Konsument
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in der Lage ist, seine Unsicherheit hinsichtlich des Verhaltens des Produzenten zu reduzieren,
desto eher wird er sich zum Kauf entschließen (Weiber und Adler 1995, S. 48).
Nicht nur Konsumenten, sondern auch die Anbieter von umweltfreundlich erzeugten Gütern
stehen vor der Herausforderung, wie sie die asymmetrische Informationsverteilung überwin-
den können. Sie müssen die Umweltqualitäten ihrer Produkte glaubhaft vermitteln, um öko-
nomisch bestehen zu können.
2.2 Typologisierung von Produkteigenschaften
Ob und wie sich Informationsasymmetrien auf Märkten überwinden lassen, hängt neben den
spezifischen Marktbedingungen wesentlich von den Produkteigenschaften ab, die subjektiv
für den Konsumenten von Bedeutung sind. Als hilfreich stellt sich eine informationsökonomi-
sche Typologisierung der Produkteigenschaften heraus in Abhängigkeit davon, wie gut
(schnell, sicher, kostengünstig) Produktqualitäten überprüfbar sind (Kaas und Busch 1996, S.
243).
Eingeführt wurde das theoretische Konzept der informationsökonomischen Unterscheidung
von Produkteigenschaften von Nelson (1970, 1974). Er unterschied zunächst in Such- und
Erfahrungsgüter, abhängig davon ob die Qualität schon vor dem Kauf durch Inspektion des
Produktes oder erst nach dem Kauf durch Erfahrung beurteilt werden kann. Die meisten Güter
können jedoch gleichzeitig Eigenschaften aufweisen, von denen die einen vor dem Kauf, die
anderen jedoch erst nach dem Konsum beurteilt werden können. Diese Einsicht führt zu der
Unterscheidung in Such- und Erfahrungseigenschaften (Nelson 1974). Darby und Karni
(1973) erweiterten dieses Konzept um die Vertrauenseigenschaften. Vertrauenseigenschaften
lassen sich weder vor noch nach dem Kauf und Konsum eines Produktes vom Konsumenten
vollständig beurteilen (Darby und Karni 1973, S. 69).
Die verschieden Eigenschaftstypen lassen sich am Beispiel eines Bioapfels veranschaulichen:
Die Frische des Apfel kann ein Konsument schon vor dem Kauf beurteilen, sie ist eine Such-
eigenschaft. Der spezifische Geschmack als Erfahrungseigenschaft lässt sich erst nach dem
Kauf bzw. während des Konsums beurteilen. Ob der Apfel tatsächlich aus ökologischem An-
bau stammt, also z.B. ungespritzt ist, kann der Konsument zu keinem Zeitpunkt sicher beur-
teilen. Dieser Information muss er vertrauen. Das Qualitätsmerkmal ,,aus ökologischem An-
bau" ist somit eine Vertrauenseigenschaft.
Das theoretische Konzept der Unterscheidung von Such-, Erfahrungs- und Vertrauenseigen-
schaften wurde in einer Studie von Kaas und Busch (1996) untersucht und empirisch validiert.
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