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"Mit lobelîchen êren unz an ir endes zît" oder: Das Museum, das keines ist

Subtitle: Porträt des Nibelungenmuseums in Worms

Scholary Paper (Seminar), 2002, 35 Pages
Author: Diplomgermanistin Dorothee Noras
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Mediävistik II
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Museum, Mediävistik
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 35
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V89217
ISBN (E-book): 978-3-638-04383-0
ISBN (Book): 978-3-638-94041-2
File size: 11186 KB
Notes :
Ein Museum, das keines ist #Rundgang #Der Rütelin im Sehturm #Im Hörturm #Die Schatzkammer #Die Multimediapräsentation eines mittelalterlichen Textes #Schrift und Bild #Die Verbindung von Hören, Sehen und Computer-Animation #Zusammenfassung


Abstract

Warum ist es so schwierig, darüber zu schreiben? Das Nibelungenlied ist bekannt, aber ob es je in der Art erlebt wurde, weiß keiner. Man durch-wandert ein einem Liede, wenngleich Nationalepos der Deutschen, gewidmetes Museum ohne ein einziges, wirklich „primäres“ Exponat, recherchiert quasi ohne Sekundärliteratur, sucht die Stadt Worms nach Beweisen ab und findet stetige Hinweise auf „könnte hier...“, „ist wahrscheinlich hier...“, „...soll hier versenkt...“ – nichts, was bewiesen ist. Und schreibt dann über dieses Museum, das keines ist - zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Weil jedoch nicht immer nur interessant sein muß, was zugleich herkömmlich ist, beschäftigt sich diese Arbeit mit den Dingen jenseits da-von. Es sollen daher folgende Punkte besonders herausgestellt werden: Ein Museum, das keines ist Statt Wandeln zwischen Vitrinen virtuelle und visuelle Wahrnehmung - vor dem Hintergrund des Nibelungenliedes, seiner Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte, seinen Umsetzungen und Deutungen und dem Ansinnen des museologischen Programms (jeweils eingebunden in die einzelnen Kapitel).


Excerpt (computer-generated)

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Mediävistik II

WS 2001/2002,

,,Mit lobelîchen êren unz an ir endes zît" oder:

Das Museum, das keines ist

- Ein Porträt des Nibelungenmuseums in Worms -

Dorothee Kruppe

1


Inhaltsverzeichnis und Gliederung

Inhaltsverzeichnis und Gliederung 2

Literaturverzeichnis und Aufstellung der Anlagen 3

Vorwort in eigener Sache 5

I. Einführung 6

II. Ein Museum, das keines ist 7

II.1. Rundgang 7

II.2. Der Rütelin im Sehturm 10

II.3. Im

Hörturm 12

II.4. Der

Schatzraum 14

III. Die Multimediapräsentation eines mittelalterlichen Textes 16

III.1. Schrift

und

Bild 16

III.2.

Die Verbindung von Hören, Sehen und Computeranimation 18

III.3. Zusammenfassung 18

2


Literaturverzeichnis und Aufstellung der Anlagen

Aufgrund der Besonderheit der mangelnden Sekundärliteratur habe ich mir gestattet, das von

mir verwendete Material in der Anlage beizufügen und in den Fußnoten jeweils auf diese zu

verweisen.

Zeitungsmaterial:

Anlage

- Rhein-Neckar-Zeitung

vom

16.08.2001

2

- Badisches

Tagblatt

vom

18.08.2001

2

b

- Rhein-Neckar-Zeitung

vom

20.08.2001

3

- Hildesheimer

Zeitung

vom

24.08.2001

4

- Frankfurter

Neue

Presse

vom

18.08.2001

5

- Darmstädter

Echo

vom

20.08.2001

6

-

Neue Zürcher Zeitung vom 19.09.2001

7

-

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21.08.2001

9

Internetmaterial

:

- http://perso.wanadoo.fr/aplush/nibelungenmuseum

1

- http://www.swr.de/rp/treffpunkt/freizeit /2001/10/04/

beitrag4.html

1

a

- http://www.worm-city.de/museum.htm 2

a

- http://www.uni-bayreuth.de/departments/aedph/2001

8

- http://www.welt.de/daten/2001/08/20/0820ku276062.thx

10

- http://km2.net/aplush/nibelungemuseum/Pressemitteilung

11

- http:www.pm-magazin.de/de/medientipps

12

- http://www.servus.at/ILIAS/flusser.htm

5

- http://www.schmidt.uni-halle.de/essays/texte/scheff2.htm

13

Material,

vom

Museum

angeboten

A-D

,,Das Buch des anonymen Dichters", Museumsführer,

X

Nibelungenmuseum-Betriebs-GmbH

3


Sowie

-

Belting, Hans: Das Bild als Text. Wandmalerei und Literatur im Zeitalter Dantes.

In: Belting, Hans/Blume, Dieter (Hg.): Malerei und Stadtkultur in der Dantezeit.

München

1989

-

De Boor, Helmut: Das Nibelungenlied. 22. Auflage. Wiesbaden: Heinrich Albert

Verlag

1996

-

Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mit

telalter.

München: Beck Verlag 1995

4


Vorwort in eigener Sache

,,Ze Wormez bî dem Rîne si wonten mit ir chraft

in diente von ir landen vil stolziu ritterscaft..."1

Sollte der zum Besuch des Nibelungenmuseums Geneigte diese Worte im Ohr haben, während

er über die Rheinbrücke und durch das Nibelungentor die Stadtgrenze zu Worms passiert,

würde es ihn nicht weiter verwundern, dass diese Stadt voll ist von Kriemhildsstuben, Nibe-

lungenhotels, Brünnhildsklausen, Siegfriedsalleen, Gernotsecken. Immerhin jedoch gibt es ein

richtiges

Denkmal am Rheinufer, just an der Stelle, an welcher der legendäre Schatz der Nibe-

lungen von Hagen, dem Grimmen und dort Verewigten, versenkt worden sein soll.

Ein wenig in die Jahre gekommen zwar, doch liebevoll gepflegt und immer wieder erwähnt,

präsentiert sich Hagen dem Spaziergänger, genau wie all´ jene Relikte der burgundischen Zei-

ten, in denen die Stadt der Mittel- und Ausgangspunkt des gnadenlosen Umgangs mit dem ei-

genen und dem Leben anderer war, schrecklicher Leiden, die in einem Blutbad sondergleichen

endeten ­ so zumindest nach dem zum deutschen Nationalepos erkorenen Nibelungenlied.

Da hier von Relikten die Rede ist, muß hinzugefügt werden, dass die Wormser in ihrer Ver-

zweiflung ob des Nichtvorhandenseins spezifischer geschichtlicher Artefakte alles vermarkten

und als ,,nibelungig" präsentieren, was auch nur im Entferntesten mit dem Nibelungenlied in

Zusammenhang gesetzt werden könnte.

Jetzt besitzen sie ein Nibelungenmuseum ­ eins der modernen Art, was äußerlich so gar nicht

zum Habitus ,,derer von Burgund" passt, sieht man einmal von den Kabinen aus Edelstahl ab,

dessen Eigenschaften vielleicht so manches Schwert zur Mordwaffe mutieren ließen

Direkt hinter und an der Stadtmauer gelegen, versteckt sich das Museum vor dem Ortsunkun-

digen. Es bedarf schon der Nachfrage, die auch prompt und freundlich beantwortet wird - die

Wormser sind stolz auf ihr Museum.

Vor dem Museum stehend, erlebt der Besucher eine ­ individualgeschmacklich sicher ver-

schiedenartig beurteilte ­ Symbiose aus Alt und Neu.2

1 Das Nibelungenlied, 1. Âventiure, Str. 6, S. 4

2 Zur Anschaulichkeit: Anlage 1

5


Vielleicht ist er dadurch jetzt, sofern er davon weiß, in der Lage, zu verstehen, warum sich

viele der Wormser 1998 zu einem Bürgerentscheid formierten, der den Bau des Museums un-

terbinden wollte. Spätestens nach dem Rundgang kann er den Gedanken nachvollziehen, der so

manchen Wormser veranlasste, sich dem Aufbegehren anzuschließen. Die Stadtmauer, die man

während des Rundganges betritt und einen nicht unerheblichen Teil des gesamtmuseologischen

Anliegens darstellt, war es, die geschützt werden sollte, immerhin eines jener Artefakte aus

Wormser Kaiser-, Investiturstreit- und Lutherzeiten.

Immerhin gelang es den Gegnern des Museumsprojektes, ganz nach Art ,,küener recken

strîten", den Baufortgang für elf Monate zu stoppen; auf den in Anlage 2 enthaltenen Artikel-

ausschnitt der Rhein-Neckar-Zeitung sowie auf den letzten Absatz des in Anlage 4 beigefügten

Artikels der Hildesheimer Zeitung sei verwiesen.

Jetzt steht das Museum, wenn auch nicht minder umstritten, und all´ den bösen Zungen zum

Trotz, die meinen, eine Museumsstätte, die sich der Veranschaulichung und Rezeption

des

deutschen Nationalepos widme, sei nicht von Wert und habe daher keine Daseinsberechtigung,

kann der Besucher gespannt das Museum betreten und Teilnehmer einer Multimediashow wer-

den, die einen einzigartigen Eindruck hinterlässt.

Nach dem ca. 70-minütigen Rundgang bleibt dann immer noch die Möglichkeit, ein Stück vom

Schatz der Nibelungen zu erwerben und mit dem Geschmack von schmelzender Schokolade

zum Dom zu wandern ­ denn der ist echt.

I. Einführung

Warum ist es so schwierig, darüber zu schreiben? Das Nibelungenlied ist bekannt, aber ob es je

in der Art erlebt wurde, weiß keiner. Man durchwandert ein einem Liede, wenngleich Natio-

nalepos der Deutschen, gewidmetes Museum ohne ein einziges, wirklich ,,primäres" Exponat,

recherchiert quasi ohne Sekundärliteratur, sucht die Stadt Worms nach Beweisen ab und findet

stetige Hinweise auf ,,könnte hier...", ,,ist wahrscheinlich hier...", ,,...soll hier versenkt..." ­

nichts, was bewiesen ist. Und schreibt dann über dieses Museum, das keines ist - zumindest

nicht im herkömmlichen Sinne.

6


Weil jedoch nicht immer nur interessant sein muß, was zugleich herkömmlich ist, beschäftigt

sich diese Arbeit mit den Dingen jenseits davon. Es sollen daher folgende Punkte besonders

herausgestellt werden:

II. Ein Museum, das keines ist

Statt Wandeln zwischen Vitrinen virtuelle und visuelle Wahrnehmung - vor dem Hin-

tergrund des Nibelungenliedes, seiner Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte, seinen

Umsetzungen und Deutungen und dem Ansinnen des museologischen Programms (je-

weils eingebunden in die einzelnen Kapitel)

Die Multimedia-Präsentation

eines mittelalterlichen Textes unter Einbeziehung der Symbio-

se der Wechselwirkung von Hören und Sehen

Sollte für den Leser ein Museum beschrieben und untersucht worden sein, das seinen Platz

trotz Umstrittenheit seiner Daseinsberechtigung unter all´ den Museen, die Geschichte und

Tradition vermitteln, getrost einnehmen kann, das außerdem die Kluft zwischen Fiktion und

Imagination geschickt zu überbrücken versteht, ist das Ziel dieser Arbeit erreicht.

II.1. Rundgang

Nach einer ,,Wegbeschreibung" werden nachfolgend die einzelnen Stationen näher erläutert,

um so eine Vorstellung zu erleichtern.

Am Eingang erhält der Besucher Kopfhörer und eine Art Walkman ­ für das Verständnis des

Museumszweckes unerlässlich. Zu Beginn des Rundganges findet er sich einem riesigen ,,tan-

nenzapfenartigen Gebilde"3 gegenüber, das von der ,,von der Decke baumelt: die Manifestation

eines Leitgedankens des Ausstellungsprinzips"4.

Es handelt sich dabei um das sogenannte Rütelin, das später noch näher beschrieben wird. Von

hier aus geht es nur noch treppauf in den sogenannten Sehturm, einem von zwei in das Muse-

um integrierten ehemaligen Wachtürmen, die Bestandteil der Stadtmauer sind, während der

Ton einsetzt und die Stimme Mario Adorfs den Besucher begrüßt: ,,Willkommen in meiner

neuen Bleibe Die Welt sah anders aus als heute, damals, vor achthundert Jahren, als ich die-

3 FAZ v. 21.08.2001, S.2, Anlage 9

4 ebenda

7



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