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Intermediate Diploma Thesis, 1999, 19 Pages
Author: Evi Goldbrunner
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Frauen, Trägerinnen, Kultur
Year: 1999
Pages: 19
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-02642-0
ISBN (Book): 978-3-638-92560-0
File size: 124 KB
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Abstract
Bereits im Frühmittelalter stellt eine von Frauen praktizierte Schriftlichkeit keine Ausnahme, sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit dar. Mehr als ihnen bisher von der (älteren) Forschung vielleicht zugestanden wurde, traten Frauen als Rezipierende, Sendende, Lesende, Schreibende, Gestaltende, Benutzende und Verfassende von Schriftstücken in der frühmittelalterlichen Gesellschaft in Erscheinung. Ausgehend von einem anhand zweier Quellen dokumentierten Briefwechsel zwischen Bonifatius und Eadburg, Äbtissin des Kenter Marienklosters "Beata Dei Genetrix Maria", der vermutlich den Jahren 735/736 entstammt, soll die Bedeutung von Frauen als Trägerinnen frühmittelalterlicher Kultur, dabei besonders der Schriftkultur, aufgezeigt werden. Während die Quellengrundlage direkte Hinweise auf die Tätigkeiten von Frauen als Rezipientinnen und Senderinnen, Leserinnen und Schreiberinnen sowie Gestalterinnen von Texten geben kann, läßt sich die tatsächliche Benutzung von Schriftstücken durch Frauen sowie weibliche Verfasserschaft immerhin mittelbar erschließen. Dabei wird der Beitrag von Frauen zur frühmittelalterlichen Kultur am dafür wohl maßgeblichsten Bereich, der Schriftlichkeit, aufgezeigt, in ihren funktionalen und ihren intellektuell-kreativen Ausprägungen unterschieden und sowohl in rein methodisch-quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht untersucht. Ferner werden die hierbei angestellten Beobachtungen vor dem Hintergrund der jeweiligen sozialen Stellung der Frau gesehen und im Verhältnis zu den Leistungen männlicher Gelehrter bewertet. Ziel dieser Arbeit ist es, den bislang vielleicht unterbewerteten Anteil von Frauen an der Kultur des Frühmittelalters herauszuarbeiten und in (nach vorherrschender Meinung) männlich dominitierten Kulturbereichen auch und spezifisch über weibliches Wirken zu informieren.
Excerpt (computer-generated)
LMU München
H a u s a r b e i t
Frauen als Trägerinnen
frühmittelalterlicher
Kultur
Verfasserin:
Evelyn
Goldbrunner
Proseminar:
Das
Frühmittelalter
Inhaltsverzeichnis:
I. Funktionale Ausprägungen weiblich beeinflußter Kultur 3
1. Kulturelle Relevanz von Frauen auf der Basis des Rezipierens und
Sendens von Schrifttexten 3
2. Kulturelle Relevanz von Frauen auf der Basis des Lesens und
Schreibens von Schrifttexten 4
II. Intellektuell-kreative Ausprägungen weiblich beeinflußter Kultur 7
1. Künstlerisches Wirken von Frauen auf der Basis des Gestaltens von
Schrifttexten 7
2. Autonomes Wirken von Frauen auf der Basis des Benutzens von
Schrifttexten 9
3. Schriftstellerisches Wirken von Frauen auf der Basis des Verfassens
von Schrifttexten 10
Anmerkungen 13
Quellenverzeichnis 16
Literaturverzeichnis 17
1
Bereits im Frühmittelalter stellt eine von Frauen praktizierte Schriftlichkeit
keine Ausnahme, sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit dar. Mehr
als ihnen bisher von der (älteren) Forschung vielleicht zugestanden wurde,
traten Frauen als Rezipierende, Sendende, Lesende, Schreibende,
Gestaltende, Benutzende und Verfassende von Schriftstücken in der
frühmittelalterlichen Gesellschaft in Erscheinung.
Ausgehend von einem anhand zweier Quellen1 dokumentierten
Briefwechsel zwischen Bonifatius (Winfried; 672/675 - 05.06.754) und
Eadburg, Äbtissin des Kenter Marienklosters "Beata Dei Genetrix Maria"
(gestorben ca. 751)2, der vermutlich den Jahren 735/736 entstammt3, soll
im folgenden die Bedeutung von Frauen als Trägerinnen
frühmittelalterlicher Kultur, dabei besonders der Schriftkultur, aufgezeigt
werden. Während die Quellengrundlage direkte Hinweise auf die
Tätigkeiten von Frauen als Rezipientinnen und Senderinnen, Leserinnen
und Schreiberinnen sowie Gestalterinnen von Texten geben kann, läßt
sich die tatsächliche Benutzung von Schriftstücken durch Frauen sowie
weibliche Verfasserschaft immerhin mittelbar erschließen. Dabei soll der
Beitrag von Frauen zur frühmittelalterlichen Kultur am dafür wohl
maßgeblichsten Bereich, der Schriftlichkeit, aufgezeigt, in ihren
funktionalen und ihren intellektuell-kreativen Ausprägungen unterschieden
und sowohl in rein methodisch-quantitativer als auch in qualitativer
Hinsicht untersucht werden. Ferner sollen die hierbei angestellten
Beobachtungen vor dem Hintergrund der jeweiligen sozialen Stellung der
Frau gesehen und im Verhältnis zu den Leistungen männlicher Gelehrter
bewertet werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, den bislang vielleicht unterbewerteten Anteil von
Frauen an der Kultur des Frühmittelalters herauszuarbeiten und in (nach
vorherrschender Meinung) männlich dominitierten Kulturbereichen auch
und spezifisch über weibliches Wirken zu informieren.
2
I. Funktionale Ausprägungen weiblich beeinflußter Kultur
1. Kulturelle Relevanz von Frauen auf der Basis des
Rezipierens und Sendens von Schrifttexten
Bei den beiden vorliegenden Quellenzeugnissen, den Bonifatius-Briefen
Nummer 35 und 304, stellt die Kenter Äbtissin Eadburg jweils die
Empfängerin der Schrifttexte dar.
Mit dem Empfang von Schriftstücken verbindet sich der Besitz von Texten
und damit die Macht über Texte bzw. die Entscheidungsbefugnis über
deren Verwendung oder Verbleib, indem man etwa ein Buch verleihte
oder verschenkte. So konnte Eadburg als Besitzerin von (religiösen)
Schriftstücken ("solamine librorum"5; "sanctorum librorum munera
transmittendo"6) diese Bonifatius und damit auch dem heidnischen
"exulem Germanicum"7 zugänglich machen.
Die Nennung weiblicher Namen in Widmungen, etwa in Florilegien,
bibelexegetischen Schriften und geistlichen Ermahnungen, in Dokumenten
(als Eigentümerinnen), Testamenten (als Vererbende, Erbende) oder in
Urkunden (als (Mit-)Schenkerinnen, Wohltäterinnen, Beschenkte,
Zeuginnen) belegt darüberhinaus aber auch die Relevanz von geistlichen
wie adligen Frauen - sei es als Sendende oder als Rezipierende -
bezüglich der konkreten Inhalte von Schriftlichkeit.8
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