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Hausarbeit, 2008, 27 Seiten
Autoren: Christina Wimber, Robert Bliedung
Fach: Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik
Details
Tags: Schild, Kunden, Vergleichende, Analyse, Werbeanzeigen, Ritter, Sport, Lindt
Jahr: 2008
Seiten: 27
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 24 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-02905-6
Dateigröße: 141 KB
Eine sehr gründliche, detaillierte und reflektierte Analyse! Sehr gut (1,0)!
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Zusammenfassung / Abstract
Im Kern dieser Seminararbeit steht die vergleichende Analyse der aktuellen Anzeigenwerbung der Schokoladenfabrikanten Lindt und Ritter Sport. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nun, diese vagen Annahmen über das Selbstbild der Marken, deren Werbestrategien und jeweiligen Zielgruppen zu untersuchen und entweder zu verifizieren oder zu falsifizieren. Dazu stützen wir uns in erster Linie auf Klaus Brinker, der in seinem Buch Linguistische Textanalyse die grundlegenden Schritte zur Text- bzw. Werbeanalyse beschreibt. Darüber hinaus liefert Ingrid Hantsch ein systematisches Analyserepertoire aus welchem wir schöpfen können. Zentral für unsere Arbeit sind außerdem die Ausführungen Helene Karmasins zum sogenannten elitären Code und seinen Realisationsformen.
Textauszug (computergeneriert)
1
Fakultät:
FB II (Germanistische Linguistik)
Proseminar II:
Einführung in die gegenwartsbezogene Sprachwissenschaft am Beispiel der
Stilistik
Semester:
Winter 2006/2007
Das Schild ist′s, das die Kunden lockt.
(Jean de La Fontaine: Fabeln VII, 15; KP)
Vergleichende Analyse zweier Werbeanzeigen
von
Ritter Sport
&
Lindt
vorgelegt von:
Robert Bliedung
Christina Wimber
2
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Die Textsorte
Werbeanzeige
4
III. Beschreibung der beiden Anzeigen 6
III. 1. Lindt 6
III. 2. Ritter Sport 7
IV. Vergleichende Analyse zweier Werbeanzeigen 8
IV. 1. Slogan und Logo von Lindt und Ritter Sport 8
IV. 1. 1. Lindt 8
IV. 1. 2. Ritter Sport 9
IV. 2. Der Anzeigentext 11
IV. 2. 1. Lindt 11
IV. 2. 2. Ritter Sport 17
IV. 3. Der Gewährsmann von Lindt & von Ritter Sport 19
IV. 4. Versuch einer Zielgruppenbestimmung 21
V. Fazit 24
VI. Literaturverzeichnis 25
VI. 1. Literatur 25
VI. 2. Quellen 25
3
I. Einleitung
Im Kern dieser Seminararbeit steht die vergleichende Analyse der aktuellen
Anzeigenwerbung der Schokoladenfabrikanten
Lindt
und
Ritter Sport
.
Die
Lindt
Anzeige entstammt der Frauenzeitschrift
Für Sie1,
die
Ritter Sport
Anzeige dem
Magazin
Der Spiegel2.
Beide Anzeigen füllen je eine Seite und haben ein entsprechendes
Pendant auch in der Fernsehwerbung. Bei einer ersten Betrachtung der beiden Anzeigen fällt
vor dem Hintergrund des Weltwissens über Marken und deren Werbestrategien auf, dass
Lindt
versucht, ein eher edles Bild vom Produkt zu zeichnen. Dies wird z.B. an der farblichen
Gestaltung der Anzeige deutlich, welche vorwiegend durch warme Braun- und Goldtöne
bestimmt ist. Außerdem stechen die auffallend traditionell gekleideten
Chocolatiers
und die
Abbildung der sogenannten
Conche
hervor.
Lindt
scheint folglich eine gehobenere
Zielgruppe mit besonderem Qualitäts- und Traditionsbewusstsein ansprechen zu wollen. Die
Ritter Sport
Anzeige hingegen erweckt einen anderen Eindruck: Sie ist bestimmt durch einen
kräftigen Orangeton, einen
kurzen und knackigen
Text, eine jugendlich anmutende Sprache
und einen entsprechend jungen Gewährsmann. Die Zielgruppe der
Ritter
Sport
Anzeige
scheint also ein eher junges und modernes Publikum zu sein.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nun, diese vagen Annahmen über das Selbstbild der
Marken, deren Werbestrategien und jeweiligen Zielgruppen zu untersuchen und entweder zu
verifizieren oder zu falsifizieren. Dazu stützen wir uns in erster Linie auf Klaus Brinker, der
in seinem Buch
Linguistische Textanalyse3
die grundlegenden Schritte zur Text- bzw.
Werbeanalyse beschreibt. Darüber hinaus liefert Ingrid Hantsch ein
systematisches
Analyserepertoire4
aus welchem wir schöpfen können. Zentral für unsere Arbeit sind
außerdem die Ausführungen Helene Karmasins zum sogenannten
elitären Code5
und seinen
Realisationsformen.
Vor der eigentlichen Analyse der Anzeigen möchten wir uns einführend mit der Textsorte
Werbeanzeige
beschäftigen. Als Nächstes erfolgt eine Beschreibung der beiden
1
Für Sie
. Nr. 21 vom 29.09.2007. S. 131.
2
Der Spiegel
. Nr. 16 vom 16.04.2007. S. 35.
3 Klaus Brinker: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 5. Aufl. Berlin
2001 (Grundlagen der Germanistik 29).
4
Ingrid Hantsch: Textformanten und Vertextungsstrategien von Werbetexten. Ein systematisches
Analyserepertoire. In: Peter Nusser (Hrsg.): Anzeigenwerbung. Ein Reader für Studenten und Lehrer der
deutschen Sprache und Literatur. Müchen 1975. S. 160-166.
5 Karmasin: Produkte als Botschaften. S. 314.
4
Werbeanzeigen, um den jeweiligen Aufbau und die grafische Gestaltung zu erfassen.
Anschließend folgt die eigentliche kontrastive Werbeanalyse, welche sich wiederum in vier
Unterpunkte gliedern lässt. Wir behandeln zunächst Slogan und Logo von
Lindt
und
Ritter
Sport
, um dann auf den Textteil der Anzeigen einzugehen. Die vielfältigen Abbildungen der
Anzeigen behandeln wir nicht losgelöst von Fließtext, Slogan und Logo, sondern setzen sie an
passender Stelle in Beziehung zum Text. Ein eigenes Kapitel widmen wir der Untersuchung
des jeweiligen Gewährsmannes der Anzeigen, da beide Werbeanzeigen mit auffallend
unterschiedlichen Gewährsmännern arbeiten. Ausgehend von den bis dahin erlangten
Erkenntnissen stellen wir eigene Hypothesen bezüglich der jeweiligen Zielgruppe auf.
Abschließend fassen wir unsere Ergebnisse in einem Fazit zusammen und entscheiden, ob
unsere Ausgangsannahmen zur Selbstdarstellung von
Lindt
und
Ritter Sport
, zu deren
Werbestrategien und Zielgruppen zutreffen, oder zu korrigieren sind.
II. Die Textsorte Werbeanzeige6
Die Textsorte
Werbeanzeige
ist der appellativen Textsortenklasse zuzuordnen, denn die
appellative Grundfunktion
7 ist dominierend. Durch sie gibt der Emittent
dem Rezipienten zu
verstehen, dass er ihn dazu bewegen will, eine bestimmte Einstellung einer Sache gegenüber
einzunehmen und/oder eine bestimmte Handlung zu vollziehen.
8 Diese Textfunktion wird
normalerweise nicht explizit ausgedrückt, aber vom Rezipienten durch die Sprache, aber auch
durch sein Weltwissen über die Textsorte
Werbeanzeige
mitverstanden9. Als weiterer Hinweis
für die Textfunktion kann der häufige Vermerk
Anzeige
oberhalb der Seite betrachtet werden,
der so auch in der analysierten
Lindt
Anzeige auffindbar ist.
Im Zentrum dieser Analyse stehen die durch die Kommunikationsform ,,Schrift" realisierten
Werbeanzeigen der Firmen
Lindt
und
Ritter Sport
, die, wie in der Regel jede Werbeanzeige,
durch Abbildungen ergänzt sind. Andere Umsetzungsformen von Werbung sind außerdem
sogenannte Rundfunk- und Fernsehspots.10 Alle diese Realisierungsmöglichkeiten sind dem
öffentlichen Bereich zuzuordnen. Das Thema ist der Emittent bzw. sein angebotenes Produkt
(= lokale Orientierung) und ist unter dem Aspekt der temporalen Orientierung durch das
6 Die folgende Zuordnung der Textsorte
Werbeanzeige
zu einer Textsortenklasse beruht auf den fünf
Schritten zur Differenzierung von Textsorten aus Klaus Brinkers Linguistische Textanalyse, speziell benutzt
wurde hier das Kapitel 5.5 Darstellung der Analyseschritte an einem Beispiel.
7 Brinker: Linguistische Textanalyse. S.112.
8 Ebd. S.112.
9 Ebd. S.116.
10 Entsprechende Fernsehspots von
Lindt
und
Ritter Sport
existieren; auf sie wird in der vorliegenden Arbeit
jedoch nicht eingegangen.
5
Merkmal
vorzeitig
gekennzeichnet, denn der Kauf soll nachfolgen.11 Die vorliegenden
Anzeigen thematisieren also die Produkte
Excellence
von
Lindt
bzw.
Voll Erdnuss
von
Ritter
Sport.
Die Themenentfaltung ist argumentativ und hat
persuasive
, also überredende Funktion.12 Bei
informativen Textteilen überwiegt meist die meinungsbetonte sprachliche Darstellung, die
dadurch wiederum
Appellcharakter
erhält13, oder es wird eine Verbindung von
Appellfunktion und evaluativer, also bewertender Einstellung geschaffen.14 Die
Werbeanzeige bedarf keiner örtlichen oder zeitlichen Situierung. Eine Spezifizierung erfolgt
lediglich in einer Präzisierung des beworbenen Produkts. Die Anordnung von Teilthemen ist
frei; R. Dietrich und K. Peter stellen jedoch heraus, dass in einem argumentativen Text
mit
zwei inhärenten Gliederungs- und Linearisierungsordnungen zu rechnen
ist, nämlich mit der
′logisch′ orientierten Grund-Folge-Reihung innerhalb eines Arguments
oder mit
vielerlei
kommunikationspsychologischen Ordnungen im Falle mehrerer Argumente.15
Speziell in der
Lindt
Anzeige ist diese Hintergrund-Folge-Ordnung deutlich zu erkennen. In der
Ritter Sport
Anzeige besteht sie ebenso, jedoch in einer weniger offensichtlichen Weise.
Charakteristisch für die Textsorte
Werbeanzeige
sind auf sprachlich-grammatischer Ebene
alle Wendungen, die die Appellfunktion indizieren. Dazu gehören Imperativ- und
Infinitivkonstruktionen und der Interrogativsatz. Die vorliegenden Beispiele verzichten
jedoch weitgehend auf solche Formulierungen. Performative Verben, die die appellative
Textfunktion eindeutig signalisieren würden, werden generell kaum in Werbeanzeigen
verwendet und auch die Kaufaufforderung wird nicht expliziert. Positiv wertende Wortwahl
und rhetorische Figuren wie Ellipsen und Alliterationen sowie Wortspiele, wie etwa
Kau-
Boys
bei
Ritter Sport
, sind oft genutzte Stilmittel. Gerne wird auch ein sogenannter
Gewährsmann
eingeführt, der das Produkt empfiehlt. Diese Leitfigur kann sowohl aus einer
gleichwertigen als auch aus einer (scheinbar) höheren sozialen Schicht rekrutiert sein,
abhängig davon, wen die Werbenden ansprechen möchten. Die Produktempfehlung wird
zumeist indirekt, etwa
in Form von Einstellungsbekundungen
, realisiert.16 Schließlich wird
häufig versucht, den Rezipienten emotional anzusprechen.17
11 Brinker: Linguistische Textanalyse. S.142.
12 Ebd. S.143.
13 Brinker: Linguistische Textanalyse. S.110f.
14 Ebd. S.115f.
15 Dietrich et al.: Zum Aufbau von argumentativen Texten Am Beispiel Werbung. S.26.
16 Brinker: Linguistische Textanalyse. S.116.
17 Ebd. S.117.
6
Zuletzt soll hier noch auf die Unterscheidung nach Brinker zwischen
Handlungsabsicht
und
wahrer Absicht
eingegangen werden: Erstere ist argumentativ und will den Rezipienten vom
beworbenen Produkt überzeugen; sie ist also eine sprachliche Handlung des Behauptens oder
Feststellens. Letztere ist appellativ und will zum Kauf bewegen, damit ist sie eine sprachliche
Handlung des Aufforderns.18 Beide Handlungen erfolgen jedoch gleichzeitig und der Leser
versteht sie beide, bewusst oder auch unbewusst.
Eine Überprüfung der ausgewählten Textbeispiele im Hinblick auf ihre Zuordnung zur
Textsorte
Werbeanzeige
wurde im Vorfeld der Analyse durch die Verfasser dieser Arbeit
vollzogen, jedoch nicht weiter schriftlich ausgewertet. Dieser Beleg schien unnötig, da nicht
nur durch die oben gezeichnete Charakterisierung der Textsorte, sondern auch allein durch
das Weltwissen die ausgewählten Texte intuitiv der Klasse
Werbeanzeige
zugeordnet werden
konnten.
III. Beschreibung der beiden Anzeigen
III. 1. Lindt
Die Firma
Lindt
arbeitet seit Jahren mit dem gleichen Werbekonzept im Mittelpunkt stehen
dabei die sogenannten
Maîtres Chocolatiers
, die das jeweils beworbene Produkt scheinbar
herstellen. Neue Produkte werden in dieses Muster integriert.
Die
Lindt
Werbeanzeige für das Produkt
Lindt Excellence 70%
(eine Edelbitter-Schokolade)
enthält insgesamt sechs Abbildungen (davon fünf Fotos und ein Logo) und im Vergleich zu
anderen Werbeanzeigen verhältnismäßig viel Text. Die Anzeige lässt sich grob in vier Teile
gliedern. Im oberen Viertel befindet sich die Überschrift (Headline) der Anzeige mit der
Produktbezeichnung
Excellence
, die durch einen Untertitel noch näher beschrieben wird. Die
große Abbildung rechts neben der Überschrift zeigt drei sogenannte
Chocolatiers
bei einer
Kakaoprobe. Darunter, im zweiten Viertel, der Anzeige befindet sich zentral eine zweite
hervorgehobene Textzeile19
:
70% IST NICHT GLEICH 70%.
Diese zweite Überschrift
(Headline) ist im Blocksatz verfasst, fett gedruckt und durch eine große Schriftgröße extrem
hervorgehoben. Auch hier findet sich wie bei der ersten Überschrift ein mehrzeiliger
18 Brinker: Linguistische Textanalyse. S. 86f.
19 Dietrich et al.: Zum Aufbau von argumentativen Texten Am Beispiel Werbung. S. 17.
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