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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 33 Pages
Author: Juliane von Heimendahl
Subject: Communications - Media History
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft)
Tags: Johannes R. Becher
Year: 2002
Pages: 33
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15782-7
File size: 270 KB
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Excerpt (computer-generated)
So bleibt denn nichts als ein Versuchen. Johannes R. Becher
und die Theorie des Sozialistischen Realismus
von Juliane Thiessen
"So bleibt denn nichts als ein Versuchen"
Johannes R. Becher und die Theorie des Sozialistischen Realismus
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Sozialistische Realismus in der Theorie
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
2.2. Inhalt der Theorie. Allunionskongress 1934 in Moskau
3. Johannes R. Becher
3.1. Biographischer Hintergrund
3.2. "Das große Bündnis." Johannes R. Bechers Rede
auf dem Allunionskongreß 1934
4. Johannes R. Bechers Interaktion
mit dem Sozialistischen Realismus
4.1. Lexikalischer Exkurs:
Johannes R. Becher, sozialistisch, realistisch?
4.2. Stil und Ausdruck Johannes R. Bechers
4.3. Anfänge der DDR-Kulturpolitik unter Johannes R. Becher
4.4. Entwicklungen und Wandlungen Johannes R. Bechers
4.5. Bemerkungen zur Entstehung eines "Großen Bündnisses"
für die deutsche Literatur
5. Schlussbemerkung
6. Bibliographie
"Revolutionäre Schriftsteller aller Länder, vereinigt euch!"
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Johannes R. Bechers kulturpolitischem Verständnis auf dem Hintergrund des Sozialistischen Realismus. Dabei soll sich auf die Darstellung in Bechers Werken konzentriert werden. Wie war das Verhältnis von Becher zu der Theorie des Sozialistischen Realismus? Wie wurden seine Erfahrungen aus dem Exil in seinen literaturpolitischen Ansichten aufgegriffen, wie umgesetzt? Welche Positionen ergaben sich daraus und wieweit haben diese sich verselbstständigt bzw. wurden selbst inszeniert? Ziel dieser Arbeit soll sein, einen Einblick in das Leben und Schaffen von Johannes R. Becher zu bekommen. Dadurch wird auch ein Einblick in die konkrete Umsetzung der Theorie des Sozialistischen Realismus ermöglicht.
Johannes R. Becher ist in der DDR-Literatur ausgiebig behandelt worden. Dabei macht sich aber eine symptomatische Entwicklung deutlich: Die Lebensgeschichte des in der DDR sehr hoch geschätzten Minister für Kultur scheint sehr subjektiv dargestellt zu sein und es ist nicht gesichert, ob alle Facetten seiner Person aufgegriffen worden sind. Es soll hier versuchte werden, sich sowohl auf Bechers Selbstdarstellung, als auch auf die Widersprüchlichkeiten in seinem Leben zu konzentrieren. Die Theorie des Sozialistischen Realismus soll hierbei als Orientierungs- und Mittelpunkt dienen.
Als Untersuchungsgegenstand haben besonders Reden, Gedichte, Briefe, Kongressbeiträge und kurze Aufsätze gedient. Diese Quellen sind aufgrund der oben genannten Position Bechers in der DDR erfreulicherweise sehr einfach zugänglich.
2. Der Sozialistische Realismus in der Theorie
Im Folgenden werden in kurzen Zügen die Anfänge der sowjetischen Kulturpolitik erläutert. Daran lässt sich später im Bezug auf die DDR und Bechers weiteres Schaffen erkennen, ob es Parallelen bzw. einen Transfer dieser Theorie nach Deutschland gegeben hat und was Bechers Rolle bei diesem Prozess gewesen ist.
Die direkte Einflussnahme auf die Art, die Form und die Gestaltung der Kunst, war keine Neuerscheinung der dreißiger Jahre in der Sowjetunion. Vielmehr hatte es Bemühungen um die Instrumentalisierung der Kunst bereits vorher gegeben, wie zum Beispiel im nach-revolutionären Sowjetrussland. Auch wenn die Stoßrichtung teilweise eine andere war, war der Grundsatz, direkten Einfluss auf die Künstler zu haben, doch der gleiche.
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
Im Zuge der strukturellen Neugestaltung der Gesellschaft in den ersten Jahren nach der Russischen Revolution, wandelte sich auch die Rolle und Aufgabe der Kunst. Der theoretischen Analyse von Marx und Engels bzw. dem Anspruch der Bolschewiki entsprechend, sollte sich die Rolle der Kunst grundlegend von der Funktion der Kunst im Kapitalismus unterscheiden. Während in der kapitalistischen Gesellschaft die meisten kulturellen Erzeugnisse am Profit ausgerichtet waren, sollte sich die revolutionäre Kultur der Sowjetrusslands an den Bedürfnissen des Volkes und den Erfordernisse des sozialistischen Staates orientieren. "In Abgrenzung zur elitären, in der Regel nur einer kleinen wohlhabenden Schicht zugänglichen Kunst zu Zeit des zaristischen Systems betonte Lenin die Notwendigkeit einer engen Verbundenheit zwischen der Kunst und dem Volk in der sozialistischen Gesellschaft."
"Die Kunst gehört dem Volke. Sie muss ihre tiefsten Wurzeln in den breiten schaffenden Massen haben. Sie muss von diesen verstanden und geliebt werden. Sie muss in ihrem Fühlen, Denken und Wollen verbinden und emporheben. Sie muss Künstler in ihnen erwecken und entwickeln.(...)."
Um die Annäherung der Werktätigen an die Kunst einzuleiten, wurde im Juni 1918 das Volkskommissariat für das Bildungswesen (Narkompros) gebildet. Dessen Leiter, Anatoli Lunacarski, fasste 1920 die Aufgabe des Narkompros folgendermaßen zusammen:
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