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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Bettina Meyer
Subject: Philosophy - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Münster (Philosophisches Seminar)
Tags: Möglichkeit, Moral, Philosophie-Unterricht, Lehren, Lernen, Philosophie
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03797-6
ISBN (Book): 978-3-638-93502-9
File size: 143 KB
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Abstract
Der römische Dichter und Philosoph Lucius Annaeus Seneca sagte vor fast 2000 Jahren: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Schule wird seit Jahrtausenden dazu benutzt, Wissen zu lehren und die Regeln einer Gesellschaft zu vermitteln. Obwohl der Sinn einer Schulbildung sein sollte, Kinder und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten, scheint Senecas Ausspruch bis heute Gültigkeit zu besitzen. In der folgenden Arbeit soll untersucht werden, ob im Philosophie-Unterricht moralische Grundwerte so vermittelt werden können, dass sie einen Einfluss auf das tägliche Dasein des Schülers nehmen. Der Begriff Bildung hat dabei eine große Bedeutung. Nicht nur die Spezifizierung der Schulbildung, sondern auch die Bildung, die ein Individuum zur Partizipation in einer Gesellschaft formt, spielt im Leben Heranwachsender eine zentrale Rolle. Interessant ist, welche Möglichkeiten dabei der Philosophie-Unterricht hat. Philosophie war ursprünglich dazu gedacht, ethische Grundwerte heraus zu kristallisieren, weswegen der Gedanke nahe liegt, dass die Auseinandersetzung dieser Werte im Philosophie-Unterricht eine Rolle spielen sollte. Aus diesem Grund soll in dieser Arbeit neben einer Definition von Bildung und Schulbildung, sowie der Vorstellung des Modells der moralischen Entwicklung nach Kohlberg, auch verschiedene methodische Möglichkeiten genannt werden, welche die Auseinandersetzung mit ethischen Legitimitäten unterstützen. Abschließend soll dann ein Vorschlag zur Gestaltung einer Unterrichtseinheit zum Thema Tugend und Moral mit einigen Textbeispielen abgerundet werden. All diesen Untersuchungen liegt die These zugrunde, dass im Fach Philosophie moralische Werte so vermittelt werden können, dass sie Einfluss auf die Lebenswelt des Schülers nehmen. Den entscheidenden Durchbruch der Bildung als Grundbegriff der deutschen Pädagogik brachte Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Nach der Französischen Revolution und ihren Auswirkungen suchte Humboldt eine Antwort auf die Frage, wie menschliche Ordnung in der Zukunft aufrechterhalten werden könne. Seine Antwort „Nur indem der Mensch als Individuum zu sich selbst findet“ basiert auf Kants Ansicht bezüglich des Menschen als Endzweck, auf Rousseaus Grundlage, dass der Mensch frei geboren werde und als Freier einen Sozialkontrakt schließt und auf der Einsicht „Nur in sich ruhende, gebildete Menschen besitzen die Kraft, geistige und gesellschaftliche Unsicherheit zu ertragen.“
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Philosophisches Seminar
Hauptseminar: Lehren und Lernen der Philosophie
WS 2006/2007
Über die Möglichkeit Moral im
Philosophie-Unterricht zu vermitteln
von
Bettina Meyer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Bildungsziele im Philosophie-Unterricht 4
3. Moral im Philosophie-Unterricht 9
3.1 Moralische Entwicklung nach Kohlberg 9
3.2 Vermittlung von Moral 11
3.2 Vermittlung von Moral 11
4. Schluss 18
Internetquellen: 19
Literatur: 19
1. Einleitung
Der römische Dichter und Philosoph Lucius Annaeus Seneca sagte vor fast 2000 Jahren:
,,Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir."1 Schule wird seit Jahrtausenden
dazu benutzt, Wissen zu lehren und die Regeln einer Gesellschaft zu vermitteln. Obwohl der
Sinn einer Schulbildung sein sollte, Kinder und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten,
scheint Senecas Ausspruch bis heute Gültigkeit zu besitzen. In der folgenden Arbeit soll
untersucht werden, ob im Philosophie-Unterricht moralische Grundwerte so vermittelt werden
können, dass sie einen Einfluss auf das tägliche Dasein des Schülers nehmen.
Der Begriff
Bildung
hat dabei eine große Bedeutung. Nicht nur die Spezifizierung der
Schulbildung
, sondern auch die Bildung, die ein Individuum zur Partizipation in einer
Gesellschaft formt, spielt im Leben Heranwachsender eine zentrale Rolle. Interessant ist,
welche Möglichkeiten dabei der Philosophie-Unterricht hat. Philosophie war ursprünglich
dazu gedacht, ethische Grundwerte heraus zu kristallisieren, weswegen der Gedanke nahe
liegt, dass die Auseinandersetzung dieser Werte im Philosophie-Unterricht eine Rolle spielen
sollte.
Aus diesem Grund soll in dieser Arbeit neben einer Definition von
Bildung
und
Schulbildung
,
sowie der Vorstellung des Modells der moralischen Entwicklung nach Kohlberg, auch
verschiedene methodische Möglichkeiten genannt werden, welche die Auseinandersetzung
mit ethischen Legitimitäten unterstützen. Abschließend soll dann ein Vorschlag zur
Gestaltung einer Unterrichtseinheit zum Thema Tugend und Moral mit einigen Textbeispielen
abgerundet werden. All diesen Untersuchungen liegt die These zugrunde, dass im Fach
Philosophie moralische Werte so vermittelt werden können, dass sie Einfluss auf die
Lebenswelt des Schülers nehmen.
1 http://www.zit.at/show_name.php3?name=646, abgerufen am 20.10.2006 um 15.43h.
2. Bildungsziele im Philosophie-Unterricht
Den entscheidenden Durchbruch der Bildung als Grundbegriff der deutschen Pädagogik
brachte Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Nach der Französischen Revolution und ihren
Auswirkungen suchte Humboldt eine Antwort auf die Frage, wie menschliche Ordnung in der
Zukunft aufrechterhalten werden könne. Seine Antwort ,,Nur indem der Mensch als
Individuum zu sich selbst findet"2 basiert auf Kants Ansicht bezüglich des Menschen als
Endzweck, auf Rousseaus Grundlage, dass der Mensch frei geboren werde und als Freier
einen Sozialkontrakt schließt und auf der Einsicht ,,Nur in sich ruhende, gebildete Menschen
besitzen die Kraft, geistige und gesellschaftliche Unsicherheit zu ertragen."3 Auf dieser
Grundlage bemühte sich Humboldt, eine Allgemeinbildung für alle durchzusetzen.
Da Bildung eine Vokabel mit sehr komplexer Bedeutung ist, kann man eine Definition am
besten beginnen, indem man sich dem Begriff Bildung von verschiedenen Eckpunkten her
nähert. Betrachtet man die historische Entwicklung von Schule, wird deutlich, dass Bildung
ursprünglich und über einen langen Zeitraum hinweg als Erwerb von Wissen und Fähigkeiten
galt, die im herrschenden Gesellschaftssystem von Nutzen waren.4 Und doch haben mehrere
bedeutende Philosophen von der Antike, über die Aufklärung und den Humanismus bis hin
zur Neuzeit den Begriff von Bildung erweitert. Bildung ist, unter anderem nach Sokrates5
und Rousseau6, nicht die wahllose Anhäufung von Fakten, sondern das auf eigenen
Erkenntnissen beruhende und verstandene Wissen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass
Wissen sich stets an der Praxis orientiert, also nicht zu abstrakt wird, da nur so der Schüler zu
eigenen Erkenntnissen gelangen und die Kenntnis auch der Gesellschaft nützen kann, in
welcher sich der Lernende schließlich zurechtfinden muss.
Um die Definition von Bildung nun zu konkretisieren, werden einige Aspekte aufgezählt, die
untrennbar mit diesem Begriff verbunden sind. Es wurde schon erläutert, dass Bildung mehr
ist als der reine Wissenserwerb. Neben dem Wissen gehört zu einer angemessenen Bildung
auch die Befähigung mit diesem umzugehen. Bildung beinhaltet also sowohl Wissen als auch
die Bewertung desselben. Dabei muss gerade in der Schule darauf geachtet werden, dass vom
Schüler nicht einfach das Wertesystem des Lehrers übernommen wird, sondern der Lehrer ihn
in die Lage versetzt, selbst begründete Wertungen zu vollziehen und den Schüler so auf den
2 http://www.didaktik.uni-jena.de/did_04/humboldt.htm, abgerufen am 21.10.2006 um 20.07h.
3 http://www.didaktik.uni-jena.de/did_04/humboldt.htm, abgerufen am 21.10.2006 um 20.07h.
4 Vgl. Hellinge, Barbara; Jourdan, Manfred & Maier-Hein, Hubertus: Kleine Pädagogik der Antike.
Erziehungskonzeptionen und Praxis Band 1 (Hrsg. Gerd-Bodo Reinert). Frankfurt am Main 1984, S. 11 ff.
5 Vgl. Hellinge u. a., Antike, S. 53 ff.
6 Rousseau, Jean-Jacques: Emil oder Über die Erziehung. UTB, Schöningh 1998, S. 100.
Weg zur selbstverantwortlichen Mündigkeit führt.7 Dadurch ist auch sichergestellt, dass sich
die Art der Bildung nicht jedes Mal ändert, wenn eine neue Regierung gewählt wird, denn sie
muss unabhängig vom herrschenden Wertesystem sein. Damit wäre ein zweiter wichtiger
Aspekt von Bildung genannt worden: sie muss unabhängig sein. Bildung, die den Anspruch
als solche erhebt, darf besonders in der Schule nicht von politischen Situationen, den
lehrenden Personen oder dem gesellschaftlichen Umfeld beeinflusst werden, sondern muss
ohne jede Einflussnahme vermittelt werden. Das heißt, dass auch verschiedene, einander
widersprechende aktuelle Theorien vorgestellt und untersucht werden können und dem
Schüler die Möglichkeit gewährt werden sollte, sich selbst eine Meinung zu bilden und diese
mit anderen zu diskutieren.
Der Oberbegriff Bildung kann wie aufgezeigt in drei Bereiche unterteilt werden. Zum einen
Wissen, das nicht auf der puren Aneignung von Fakten beruht, sondern so erfahren,
verstanden und durchdacht wurde, dass es dem Individuum und der Gesellschaft von Nutzen
ist. Des Weiteren die Fähigkeit sich selbst Wissen anzueignen; selbsttätig zu werden, indem
man Fragen stellt, Antworten auf Fragen sucht und Phänomene erforscht. Als letztes die
Reife, mit diesem Wissen umzugehen, eigene Wertmaßstäbe zu finden und zu verifizieren,
außerdem die Befähigung begründete Wertungen durchzuführen.
Dies zeigt sich auch in der Bewegung der Aufklärung, die versuchte die Lehrpraxis zu
revolutionieren. Dabei spielte der Leitspruch der Aufklärung, der von Kant geprägt wurde,
Sapere aude!
eine große Rolle. Die gängigste Übersetzung lautet
Habe Mut dich deines
eigenen Verstandes zu bedienen!
, wörtlich könnte man es aber auch mit
Riskiere zu verstehen!
übersetzen. Damit wird deutlich, dass die Aufklärer Wert darauf legten, dass Wissen
verstanden, verinnerlicht, geprüft und kritisch betrachtet wurde und sogar gegen Widerstände
zu diesem Wissen aufforderten.
Kant stellt fest: ,,Eltern erziehen ihre Kinder nur so, daß sie in die gegenwärtige Welt, sei sie
auch verderbt, passen. Sie sollten sie aber besser erziehen, damit ein zukünftiger besserer
Zustand dadurch hervorgebracht werde."8 In seiner Abhandlung über Pädagogik erklärt Kant,
dass der Mensch nur durch die Erziehung zum Menschen werden kann. ,,Er ist nichts, als was
7 Vgl. Geister, Oliver: Schule im Umbruch. Zum Problem der Werteerziehung und des Ethikunterrichts in Zeiten
der Postmoderne. Münster 2002, S. 71 f.
8 Kant, Immanuel: Über Pädagogik. in: Kants Werke. Akademie-Textausgabe. Unveränderter
photomechanischer Abdruck des Textes der von der Preußischen Akademie der Wissenschaften 1902
begonnenen Ausgabe von Kants gesammelten Schriften. Band IX.: Logik, Physische Geographie, Pädagogik.
Berlin 1968, S. 447.
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