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Scholary Paper (Seminar), 2002, 19 Pages
Author: Julia Hermanns
Subject: History - Postwar Period, Cold War
Details
Institution/College: University of Cologne (Historisches Seminar)
Tags: Fischer-Kontroverse, Beginn, Geschichtsbildes, Einführungsseminar, Bundesrepublik, Gesellschaft, Kultur
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15792-6
File size: 221 KB
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Excerpt (computer-generated)
Die Fischer-Kontroverse
- Der Beginn eines neuen deutschen Geschichtsbildes?
von Julia Hermanns
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die historische Urkontroverse der Bundesrepublik?
2. Das Deutsche Geschichtsbild 1914 bis 1960
3. Hauptthesen Fischers
3.1 Kontinuität in der deutschen Geschichte 1871 bis 1945
4. Fischer und seine Kritiker
4.1 Gerhard Ritter
4.2 Egmont Zechlin
4.3 Karl-Dietrich Erdmann
5. Schlußbetrachtung: Mehr als eine Kontroverse
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur
1 . Die historische Urkontroverse der Bundesrepublik?
"Wenn es so wäre, daß 1914 dasselbe geschah wie 1939, daß nämlich die planvolle Entfesselung eines Weltkrieges durch die Führung des deutschen Diktators stattfand, dann könnten wir das Buch der deutschen Geschichte endgültig zuschlagen, dann hätte immer Hitler über uns regiert und würde er immer über uns regieren."
Der Hamburger Historiker Fritz Fischer brach mit seinem 1959 erschienen Aufsatz
"Deutsche Kriegsziele" und dem zwei Jahre später folgendem Buch "Griff nach der Weltmacht" in die friedliche Landschaft der deutschen Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit ein. Er eröffnete mit seinen auf empirischer Arbeit basierenden Schriften zur Ursache, Schuldfrage und den deutschen Zielen des Ersten Weltkrieges eine Schlüsseldebatte der 60er Jahre, die einen Bewußtseinswandel des historischen und politischen Denkens in Deutschland vorantrieb und das bisherige Geschichtsbild in Frage stellte. Denn vor allem die älteren Historiker sahen sich durch Fischers Thesen provoziert. Sie lehnten sie ab, mußten sich aber nun mit dem neuen Quellenmaterial beschäftigen, um Fischers Thesen widerlegen zu können. Plötzlich schlug sowohl die deutsche Geschichtswissenschaft als auch die deutsche Öffentlichkeit das Buch der deutschen Geschichte wieder auf. Die Fischer-Kontroverse lieferte nun die Chance, das verlorene unmittelbare Verhältnis der Geschichtswissenschaft zum öffentlichen Leben wiederherzustellen.
War dies der Beginn einer grundlegenden Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit, die auch mentalitätsprägend war? Drang die Fischer-Kontroverse in breitere Öffentlichkeitsschichten vor und veränderte das gesellschaftliche Klima in der Bundesrepublik nachhaltig? War die Fischer-Kontroverse ein Beitrag zur Identitätsfindung Deutschlands? Beendete sie die Geschichtsverdrossenheit der deutschen Nachkriegsgesellschaft und die Krise der deutschen Geschichtswissenschaft?
Bezüglich der Fischer-Kontroverse gibt es sowohl aus linkem als auch aus rechtem Lager eine Vielzahl von publizistischen Stellungnahmen. Die Kontroverse als solche fand hauptsächlich in der Historischen Zeitung statt. Die vier Hauptkontrahenten Fritz Fischer, Gerhard Ritter, Karl Dietrich Erdmann und Egmont Zechlin veröffentlichten hier eine Vielzahl an Aufsätzen und widmeten mehrere Kapitel oder sogar ganze Bücher dieser Kontroverse. Aber sie blieb natürlich nicht auf die vier Historiker beschränkt. In- und ausländische Historiker und Journalisten gestalteten die Kontroverse lebhaft mit, und die deutschen Historikertage der 60er Jahre waren hauptsächlich von der Auseinandersetzung mit Fischers Thesen geprägt. Als gute Überblicksabhandlungen mit einem hilfreichen Literaturverzeichnis sind der Beitrag "Die Fischer-Kontoverse" von H.-J. Schröder und das Buch von Wolfgang Jäger "Historische Forschung und politische Kultur in Deutschland" zu nennen.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei wesentliche Teile. Im ersten Teil wird die Ausgangsposition der Kontroverse dargestellt. Wie sah das Geschichtsbild der Nachkriegszeit aus und wie hatte es sich seit dem späten Kaiserreich entwickelt? Wie konnte es zu dem öffentlichen Geschichtsverlust kommen? Warum hatte vor allem die junge Generation keinen Bezug mehr zu Staat und Nation? Der zweite Teil handelt von den zentralen Hauptthesen Fischers. Aus welcher Perspektive betrachtete Fischer die deutsche Geschichte? Welches Quellenmaterial benutze er? Der dritte Teil beschäftigt sich mit den darauffolgenden Reaktionen und Kritikpunkten der Historikerzunft, der Politik und der Öffentlichkeit.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich auch mit der Frage, was von der Fischer-Kontroverse übrig geblieben ist. Es soll geklärt werden, ob Fischer nicht nur die Methoden der Geschichtswissenschaft revolutioniert hat, sondern ob er auch das gesellschaftliche Geschichtsbewußtsein tiefgreifend verändert hat. Auch auf die Aktualität der Fischer-Kontroverse im Prozess der deutschen Vergangenheitsbewältigung soll eingegangen werden.
Das Ziel dieser Arbeit besteht in einer intensiven Auseinandersetzung mit der bundesdeutschen Vergangenheitsbewältigung der 60er Jahre im Focus der Fischer-Kontroverse, um die Frage zu klären, "ob ihm das gelungen ist, ob also sein Buch zum besseren Verständnis deutscher Vergangenheit beiträgt oder ob es sie mißversteht und also entstellt."
2. Das Deutsche Geschichtsbild 1914-1960
[...]
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