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Andrea Palladio und der venezianische Palast

Scholary Paper (Seminar), 2004, 36 Pages
Author: Mag. Paul Reisinger
Subject: Art - Architecture / History of Construction

Details

Event: Architektur der Renaissance in Oberitalien
Institution/College: University of Vienna (Kunstgeschichte)
Tags: Andrea, Palladio, Palast, Architektur, Renaissance, Oberitalien, Venedig
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 36
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V89868
ISBN (E-book): 978-3-638-04200-0
ISBN (Book): 978-3-638-94083-2
File size: 6802 KB
Notes :
35 Seiten, inkl. Literaturverweisen und 30 Abbildungen.


Abstract

Zehn Jahre vor seinem Tode veröffentlichte Andrea Palladio seine Überlegungen zur Architektur und prägte damit weite Bereiche der europäischen Architektur für sehr lange Zeit. Die „Quattro Libri dell’Architettura“ erschienen 1570 in Venedig, im selben Jahr, als er zum offiziellen Architekten der Republik ernannt wurde. Zusammen mit seinen Studien zum antiken Rom, „le Antichità di Roma“ (1554) bildeten die vier Bücher der Architektur die Grundlage für die große Verbreitung von Palladios Ansichten in ganz Europa. Vor allem Frankreich, Holland und England prägte der so genannte „Palladianismus“ nachhaltig. Seine Schriften wurden bereits kurze Zeit nach ihrer Veröffentlichung neu gedruckt und später in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihrer großen Verbreitung verdankt es der 1508 wahrscheinlich in Padua geborene Architekt, zum Lehrmeister des europäischen Klassizismus geworden zu sein. Palladios Schaffen wurde somit über Jahrhunderte hinweg und in den meisten Ländern Europas rezipiert. Kritik an Palladios Konzepten und Überlegungen wird dort am Lautesten, wo seine Vorschläge mit den lokalen Traditionen kollidierten, wo seine Entwürfe abgelehnt wurden. Zwei solcher Entwürfe finden sich in den oben erwähnten „Quattro Libri dell’Architettura“. Sie enthalten neben Betrachtungen zu den fünf Säulenordnungen, welche an Sebastiano Serlios Veröffentlichungen erinnern, Skizzen und kurze Kommentare zu Triumphbögen, Brücken, Basiliken, antiken Bauten und Privathäusern, darunter zwei Projekte für Palazzi in Venedig. Palladio lag viel daran, Entwürfe zu veröffentlichen, welche – laut eigener Aussage - bereits realisiert sind oder dies kurze Zeit nach Veröffentlichung sein sollten. Die zwei venezianischen Paläste bilden eine der Ausnahme dieser Behauptung. Die Beantwortung der Frage, warum es nicht zur Realisierung der Entwürfe, nicht zum Bau dieser Palazzi kam, wird einen argumentativen Raum (wieder-)eröffnen, der es ermöglichen soll Palladios Werk kritisch zu durchleuchten.


Excerpt (computer-generated)

Paul Reisinger

,,Architektur der Renaissance in Oberitalien

"

im Sommersemester 2004

Andrea Palladio

und der venezianische Palast

Zwei nie verwirklichte Paläste 2

Ein baugeschichtliches Rätsel 4

Eine Tradition venezianischer Palastarchitektur 8

Die Palazzi des Grimani und Corner 10

Palladios Zeichnungen 14

Die Ersten unter Gleichen 18

Architekturtradition als Legitimation 20

Anhang A ­ Verzeichnis verwendeter Literatur 22

Anhang B ­ Abbildungen 23


Zwei nie verwirklichte Paläste

Zehn Jahre vor seinem Tode veröffentlichte Andrea Palladio seine Überlegungen zur

Architektur und prägte damit weite Bereiche der europäischen Architektur für sehr lange Zeit.

Die ,,Quattro Libri dell′Architettura" erschienen 1570 in Venedig, im selben Jahr, als er zum

offiziellen Architekten der Republik ernannt wurde. Zusammen mit seinen Studien zum

antiken Rom, ,,le Antichità di Roma" (1554) bildeten die vier Bücher der Architektur die

Grundlage für die große Verbreitung von Palladios Ansichten in ganz Europa. Vor allem

Frankreich, Holland und England prägte der so genannte ,,Palladianismus" nachhaltig. Seine

Schriften wurden bereits kurze Zeit nach ihrer Veröffentlichung neu gedruckt und später in

zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihrer großen Verbreitung verdankt es der 1508 wahrscheinlich

in Padua geborene Architekt, zum Lehrmeister des europäischen Klassizismus geworden zu

sein. Palladios Schaffen wurde somit über Jahrhunderte hinweg und in den meisten Ländern

Europas rezipiert.

Ein so starkes Echo, wie es Palladio erhielt, kann aus der Sicht des Kunsthistorikers zu

einer die ursprünglich historischen Umstände verzerrenden Gefahr werden, welche die

richtige Perspektive zu verstellen droht. Der Fluchtpunkt unserer Betrachtungen will die

Rezeption Palladios zu seiner Zeit sein. Das Wesen eines Fluchtpunktes besteht darin,

Perspektive, Standpunkt und Ziel von sich abhängig zu machen. Zugleich ist es unmöglich,

den Fluchtpunkt zu erreichen ­ ist er doch unendlich klein und unendlich weit weg. Der

Gegenstand dieser Arbeit kann und wird sich demnach nicht erschöpfend mit unserem Thema

befassen. Vielmehr ist es unsere Absicht, an einem konkreten Sachverhalt lediglich eine

Dimension des Sujets aufzuzeigen: Kritik an Palladios Konzepten und Überlegungen wird

dort am Lautesten, wo seine Vorschläge mit den lokalen Traditionen kollidierten, wo seine

Entwürfe abgelehnt wurden.

Zwei solcher Entwürfe finden sich in den oben erwähnten ,,Quattro Libri

dell′Architettura"1 (Abb. 1 und 2). Sie enthalten neben Betrachtungen zu den fünf

Säulenordnungen, welche an Sebastiano Serlios Veröffentlichungen erinnern, Skizzen und

kurze Kommentare zu Triumphbögen, Brücken, Basiliken, antiken Bauten und Privathäusern,

darunter zwei Projekte für Palazzi in Venedig2 (Abb. 3 bis 6). Palladio lag viel daran,

1 Andrea Palladio, Die vier Bücher zur Architektur, erste deutschsprachige Gesamtausgabe, München 1983,

Übersetzung der Originalausgabe: Andrea Palladio, I Quattro Libri dell′Architettura, Venedig 1570.

2 Palladio 1983, S. 192ff.

2


Entwürfe zu veröffentlichen, welche ­ laut eigener Aussage3 - bereits realisiert sind oder dies

kurze Zeit nach Veröffentlichung sein sollten.

Die zwei venezianischen Paläste bilden eine der Ausnahme dieser Behauptung. Die

Beantwortung der Frage, warum es nicht zur Realisierung der Entwürfe, nicht zum Bau dieser

Palazzi kam, wird einen argumentativen Raum (wieder-)eröffnen, der es ermöglichen wird,

auf historischen Argumenten aufbauend, Palladios Werk kritisch zu durchleuchten. Die

Problematik in Bezug auf die Aussage Palladios zum Stellenwert der von ihm in den ,,Quattro

Libri" veröffentlichten Projekte wurde darüber hinaus bereits von Howard Burns im Katalog

zu einer Palladioausstellung in Wien und Vincenza 1975 diskutiert.4 Seine Beiträge befassen

sich mit Zeichnungen Palladios, darunter Skizzen und Entwürfe für Projekte, die auch in den

,,Quattro Libri" aufscheinen, jedoch von deren dortiger Darstellung abweichen. Sind die

Darstellungen in den ,,Quattro Libri" Ideallösungen, die dem Publikum vorgestellt werden

sollten oder handelte es sich um die tatsächlichen Konzeptionen Palladios? Diese Frage ist auf

den ersten Blick einfach zu beantworten, weichen doch nicht nur die Zeichnungen von Villen

und Palästen eindeutig von denen in den ,,Quattro Libri" ab, sondern auch deren ­ so

vorhanden ­ realisiertes Pendant. Mauerverläufe differieren in der Darstellung des Palazzo

Valmarana in Vincenza, ebenso wie die Winkel von Fassade zu Längswand, um nur ein

Beispiel zu nennen.5 Das bedeutet jedoch nicht von vornherein die Idealisierung der Projekte

in den ,,Quattro Libri", denn es kam vor, dass Konzepte erst während des Baus an die lokalen

topologischen und stadtplanerischen Gegebenheiten angepasst wurden. Die Tatsache, dass

einige der 1975 ausgestellten Zeichnungen bereits diesen lokalen Charakteristika Rechnung

tragen, lässt darauf Schließen, dass es sich in den ,,Quattro Libri" zumindest in manchen

Fällen um Versionen der Entwürfe handelt, die ,,gesäubert" wurden. Sie dienten hier nicht

einer etwaigen Verwirklichung des konkreten Projektes, sondern vielmehr der

Veranschaulichung der Theorien des Meisters.

3 Palladio 1983, S.192.

4 Howard Burns, Katalogteil, Abschnitt Zeichnungen, in: Andrea Palladio, Akademie der Bildenden Künste,

Katalog, Wien 1975, S.108.

5 siehe hierzu Martin Kubelik, Andrea Palladio, Akademie der Bildenden Künste, Katalog, Wien 1975, S.14ff,

sowie Norbert Huse, Palladio am Canal Grande, in: Städel-Jahrbuch, NF Bd. 7, München 1979, S.92 Anm. 4.

3


Ein baugeschichtliches Rätsel

Was die nicht realisierten Palazzi in Venedig betrifft, ist die Situation noch

komplizierter, Palladio selbst schreibt über sie:

,,[Es ist häufig notwendig], sich den Gegebenheiten

des Bauplatzes anzupassen, da man nicht immer an freien

Stellen baut, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es

nicht außerhalb unseres Anliegens sein würde, die

Zeichnungen einiger weniger Entwürfe ergänzend anzufügen,

die ich im Auftrag verschiedener Edelleute angefertigt habe

und die diese, aus mancherlei Gründen, schließlich nicht

ausgeführt haben. Und so glaube ich, dass ihre schwierige

Lage und die Art, wie ich an ihnen die Räume und andere

Orte aufgeteilt habe, damit sie zueinander in befriedigenden

Verhältnissen stehen, von nicht geringem Nutzen sind."6

Dieses Zitat, welches Abb. 3 in den ,,Quattro Libri" vorangestellt wird, weicht gleich

dreifach von deren üblichen Modus ab. Einerseits handelt es sich um nicht verwirklichte

Bauvorhaben, andererseits sind die Projekte aufgeführt, um eine Lösung zur ,,schwierigen

Lage und Aufteilung der Räume" zu bieten. Es handelt sich nicht um die Illustration von

theoretischen Traktaten und architektonischen Überlegungen, es handelt sich um ein sehr

konkretes Anwendungsbeispiel. Palladio ging es in diesem Fall, scheint es, um die

Dokumentation der beiden Venezianischen Bauplätze.7 Drittens erwähnt hier Palladio ganz

bewusst nicht den Namen eines Auftraggebers. Der Autor hinterlässt uns jedoch die

notwendigen Hinweise, die uns dazu befähigen werden, eine Spurensuche zu eröffnen, welche

uns zur Zuschreibung mehrerer Auftraggeber und zum genaueren Verständnis der Umstände

führen wird: Auf der einen Seite spricht er von Entwürfen im Auftrage ,,mehrerer Edelleute",

auf der anderen von einem ,,Bauplatz in Venedig"8. Obwohl sich letzteres lediglich auf Abb. 5

und 6 bezieht, lässt sich vom terminus ante 1570, von der Größe des anderen Projektes,

welche die Anzahl möglicher Bauherrn einschränkt, sowie vom Typ seines Grundrisses (Abb.

3) und seiner Fassade (Abb. 4) und deren Ähnlichkeit zu Abb. 5 resp. 6 darauf schließen, dass

6 Palladio 1983, S.192.

7 Huse 1979, S.92 Anm. 4.

8 Palladio 1983, S. 194.

4


es sich um ein Bauvorhaben in Venedig handelte.9 Wir folgen von hier aus einem

Indizienbeweis, welcher uns zur Lösung des Rätsels führen soll.

Den Namen des Auftraggebers und den genauen Ort der Grundstücke verschweigt uns

Palladio. Dies allein ist ein Faktum, welches als solches später noch zu bedenken sein wird.

Als Hauptindiz bleiben uns die Grundrisse der beiden Projekte. Wir könnten sie mit ähnlichen

venezianischen Projekten des 16. Jahrhunderts vergleichen. Im Falle von Übereinstimmungen

wären wir bereits einen großen Schritt weiter und hätten mit der Baugeschichte des

übereinstimmenden Projektes und dem eventuellen Verhältnis der Bauherrn zu Palladio gleich

zwei heiße Fährten, denen zu folgen wäre. So wie Dr. Watson sich als erstes an seinen

scharfsinnigen Freund und Lehrer wendet, um ein Geheimnis zu lüften, so wenden auch wir

uns an den Sherlock unserer Wissenschaft, die Forschungsgeschichte... und werden alsbald

fündig.

Was den ,,sito piramidale" (Abb. 3 und 4) betrifft, entdeckte bereits Lionello Puppi

eine stilistische Ähnlichkeit zu Sansovinos Palazzo Corner bei San Maurizio (Abb. 7) und

Sanmichelis Palazzo Corner bei San Paolo (Abb. 8).10 Im Grundriss erkennt er die

typologische Nachfolge des Palazzo Pisani bei Montagnana (Abb. 9 ­ Man beachte den, in

beiden Grundrissen verwandten, T-förmigen Korridor-Hallenverbund, sowie die ovale

Treppe), den er um 1552 datiert.11 Die Form des Grundstückes identifizierte Elena Bassi 1976

als das, auf dem der Palazzo Grimani bei San Luca (Abb. 10, 11) heute steht.12 Eine

Überlagerung der beiden Grundrisse (Abb. 12.) zeigt die nahe Verwandtschaft der Projekte.

Seit diesem Zeitpunkt bringt die Forschung stets Palladios ersten Entwurf mit dem Palazzo

Grimani in Verbindung.13 Die Art dieser Verbindung bleibt ambivalent und ist stellvertretend

für das grundlegende Spannungsverhältnis, welches die beiden Entwürfe kennzeichnet. Die

Grimani erwarben das Grundstück 1556, der Bau nach Sanmichelis Entwürfen begann nach

Huse noch vor 155914, nach Wolfgang Wolter ca. ein Jahr davor: 155815. Obwohl der Palazzo

9 siehe auch Huse 1979, S.61.

10 Lionello Puppi, Andrea Palladio, London 1975, S.292.

11 Ebenda.

12 Bassi, Elena, Palazzi di Venezia, Venedig 1976, S. 71, 150f. Zitiert nach Huse 1979. Siehe auch Ders., S. 61

sowie S. 92 Anm. 7.

13 zB. Huse 1979, sowie Giorgio Bellavitis, I progetti di Palladio per due palazzi a Venezia, in: Puppi (Hrsg.),

Palladio e Venezia, Venedig 1982, S. 55ff.

14 Huse 1979, S. 61, zur Baugeschichte vgl. S. 92, Anm. 8.

15 Wolfgang Wolters, Jacopo Sansovino ­ Michele Sanmicheli ­ Andrea Palladio, in: Norbert Huse und

Wolfgang Wolters, Venedig ­ Die Kunst der Renaissance, München 1986, S. 67. Auf S. 73 allerdings datiert er

Sanmichelis Gelegenheit zum Bau des Pal. Grimani mit 1559.

5


Pisani von Puppi um 1552 herum datiert wird, kann nicht zwingend entschieden werden, ob

es sich bei Palladios Version um ein Konkurrenzprojekt zu Sanmicheli handelt, oder um eine

nachgereichte Polemik.

Was das in Abb. 5 und 6 gezeigte Projekt betrifft, finden wir etwas weniger spärliche

Hinweise. Angelis d′Ossat hat 1959 auf einer Skizze in Besitz des Royal Institute of British

Architects etwas gefunden, was mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vorstufe des zweiten, in

den ,,Quattro Libri" veröffentlichten Palazzo Projektes ist.16 Eine Reproduktion des

Dokuments, des RIBA, 16, 9

v

ist Abb. 13. Die vergrößerte Darstellung des linken unteren

Ecks findet sich auf Abb. 14. Ossat vermutet, dass es sich bei der Skizze um einen Entwurf

für das Grundstück handelt, auf dem später der Palazzo Grassi errichtet wurde. Diese

Einschätzung wird weder von Puppi17 noch von Huse18 geteilt. Der Übereinstimmung der

Skizze mit dem 1570 veröffentlichten Projekt stimmen jedoch beide zu. Auf dem

Skizzendokument befindet sich ein in Palladios Handschrift gehaltener Brief an Giangiacomo

Leonardi, welcher um 1552/53 entstanden sein könnte.19 Nach Huse ist der Brieftext nach der

Palastskizze entstanden, so dass die Datierung ihrem terminus ante entspräche. 20 Forssmann

vergleicht das Projekt mit Sansovinos Palazzo des Zorzi Corner bei San Maurizio (Abb. 7,

Grundriss Abb. 15), der Palladio ,,Modell" gestanden haben soll.21 Huse sieht im Gegenteil

die Möglichkeit, dass es sich auch hier um einen tatsächlichen Bauplan oder eine für die

Veröffentlichung überarbeitete Version handeln könnte.22 Form und Maße seien stark

verwandt. Eine Überlagerung der Grundrisse veranschaulicht Abb. 16, wobei in dieser

Darstellung lediglich auf Form und Proportionen, nicht auf Maße Rücksicht genommen

wurde. Palladio hätte dann ein Projekt in Konkurrenz zu Sansovino entwickelt, welches

abgelehnt wurde. Was die Chronologie betrifft, ortet er Schwierigkeiten, denn Aretino spricht

bereits 1537 von Sansovinos Bauvorhaben. Ein Vertrag über die Festlegung der

Grundstücksgrenzen 1545 gibt wohl den frühest möglichen Baubeginn an. Dies ist eine

Vermutung, der auch Wolters zustimmt.23 1560 war der Palazzo zwar bewohnt, aber noch

16 Angelis d′Ossat, Un palazzo veneziano progettato da Palladio, in: Palladio, N.F. VI, S. 158 bis 161. Zitiert

nach Puppi 1975 und Huse 1979.

17 Puppi 1975, S. 289f.

18 Huse 1979, S. 93, Anm. 11.

19 Vgl. dazu Puppi 1975, 290ff.

20 Huse 1979, S. 93, Anm. 9.

21 Erik Forssmann, La conceszione del palazzo palladiano, in: Boll. CISA, XIV, 1972, S. 83 bis 104, 88. Zitiert

nach Huse 1979.

22 Huse 1979, S. 61ff.

23 Wolters 1986, S. 67.

6


nicht fertig.24 Um diese Zeit versuchte Palladio energisch, aber erfolglos in Venedig Fuß zu

fassen und Sansovino zu verdrängen.

Es zeigt sich folgende Quellenkonstellation: Die beiden Grundrisse mit ihren

dazugehörenden Fassadenaufrissen, wie sie in den ,,Quattro Libri" von Palladio veröffentlicht

wurden, haben eine große Affinität zu den Grundstücken am Canal Grande, auf denen sich

seit dem 16. Jahrhundert die Palazzi Grimani und Corner befinden. Möglicherweise handelt es

sich bei den Projekten um alternative Vorschläge zur Bebauung der Grundstücke, welche den

Bauherren gleichzeitig mit den Plänen Sanmichelis bzw. Sansovinos vorgelegt, aber dann

verworfen wurden. In diesem Fall ist nicht klar, ob und wie sehr die Skizzen für ihre

Veröffentlichung 1570 modifiziert wurden ­ Huse hält eine solche Abwandlung in Anbetracht

der Fassadenentwürfe Palladios für sehr wahrscheinlich25. Die ursprünglich erste Skizze zum

Palazzo Grimani (Abb. 3) wäre zwischen dem Kauf des Grundstückes 1556 und dem

Baubeginn, 1559, entstanden. Palladios Entwurf zum Palazzo Corner (Abb. 4) müsste auf

jeden Fall vor 1560 entstanden sein, denn in diesem Jahr stand schon ein Großteil von

Sansovinos Bau. Im anderen Fall hätte Palladio die Zeichnungen erst nach der Vollendung der

Palazzi konzipiert und veröffentlicht, um zu demonstrieren dass auch er, der bis 1570 keinen

einzigen Auftrag zur Realisierung eines privaten Baus in Venedig erhielt, sehr wohl imstande

war, einen solchen im Sinne venezianischer Ansprüche zu erfüllen. Es würde sich in diesem

Fall um ein Aufgreifen von Sanmichelis und Sansovinos Werk und dessen Abwandlung

handeln. Es muss auch in Erwägung gezogen werden, dass es sich in Wahrheit um eine

Kombination der beiden Thesen handeln könnte, dass Palladio erfolglos versuchte, die

Aufträge an sich zu bringen und anschließend, nach Vollendung der Bauten seine eigenen

Entwürfe entsprechend überarbeitete und veröffentlichte.

Ob es sich nun um nachträgliche Alternativen zu den durchgeführten Vorhaben

handelt oder um echte Konkurrenzprojekte, wie sie bei einem Architektenwettbewerb

entstehen und wie es Wolfgang Wolters vermutet26, kann nicht eindeutig bestimmt werden.

Eine Spannung zwischen den Konzepten Palladios und den ausgeführten Projekten

Sanmichelis und Sansovinos bleibt in jedem Fall bestehen, denn auch im ersten Fall bleibt die

Frage, warum Palladios Vorschläge auch später in keiner Weise in Venedig umgesetzt

wurden. An finanzkräftigen Bauherrn mangelte es kaum. Auf dieser Spannung bauen unsere

24 Huse 1979, S. 61ff, zur Baugeschichte vgl: S. 93, Anm. 15.

25 Huse 1979, S. 68.

26 Wolters 1986, S. 73ff.

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