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Termpaper, 2007, 25 Pages
Author: Johannes Pretzsch
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Case, Management, Koordination
Year: 2007
Pages: 25
Grade: 1,6
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03552-1
ISBN (Book): 978-3-638-93256-1
File size: 142 KB
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Abstract
Das Case Management stellt einen Ansatz der fall- bzw. personenorientierten sozialpädagogischen Arbeit dar, welcher in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt. In vielen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesen steigt das Interesse an dieser Form der Arbeit an. Die positive Resonanz auf das Case Management beruht vor allem auf der Flexibilität, Effektivität, sowie der Vielseitigkeit hinsichtlich der Anwendbarkeit auf die unterschiedlichsten komplexen Problemlagen. Aktuell ist das Thema vor allem wegen der Umbrüchen in der sozialen Arbeit, wie dem Trend hin zur Verlagerung von Dienstleistungen auf freie Träger, die zunehmende Differenzierung und Spezialisierung der Leistungen sowie die, infolge der Spezialisierung und Verlagerung, mangelnde Kooperation der Träger in Hinsicht auf den individuellen Bedarf des Klienten. Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Fähigkeiten des Case Management in dem Bereich der multidisziplinären Koordination zwischen den sozialen Diensten bzw. zwischen den Diensten und den Klienten zu untersuchen, denn gerade die multikomplexen Probleme, welche sich den Klienten heute stellen, erfordern multidisziplinäre Lösungen. Aus diesem Grund sollen in dem ersten Teil dieser Arbeit die Ziele und die Arbeitsweise des Case Management-Ansatzes im Allgemeinen betrachtet werden, um die Aufgabenstruktur deutlich zu machen, unter welcher die multidisziplinäre Koordination statt finden soll. Wo liegen die Chancen, die Grenzen und die Probleme des Case Managements hinsichtlich der Koordination von multidisziplinären Hilfenetzwerken? Welche Probleme stellen sich dem Case Manager entgegen wenn er zwischen den unterschiedlichen Trägern der Dienst-leistungen und dem Klienten vermitteln muss? Wo liegen die Stärken und die Zukunft eines Hilfesystems, in welchem alle Teilleistungen auf die Erfüllung eines Zieles ausgerichtet werden? Dies sind die Fragen, denen im zweiten Teil dieser Arbeit nachgegangen werden soll.
Excerpt (computer-generated)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Erziehungswissenschaft
Seminar: Sozialpädagogische Methoden in Geschlechter- und Lebenslaufperspektiven
SoSe 2007
Case Management
als multidisziplinäre Koordination
Abgabedatum: 24.09.2007
Inhalt:
1. Einleitung _______________________________________________________________ 3
2. Case Management als fallbezogene Methode der sozialen Arbeit ____________________ 4
2.1 Die Ziele des Case Management-Ansatzes __________________________________ 5
2.2 Case Management als Phasenmodell _______________________________________ 7
3. Case Management als multidisziplinäre Koordination ____________________________ 10
3.1 Der Case Manager als Vermittler im Netzwerk ______________________________ 11
3.2 Die Ebenen der multidisziplinären Arbeit___________________________________ 13
3.3 Chancen, Grenzen und Probleme _________________________________________ 15
3.4 Über die Zukunft des Case Management-Ansatzes ___________________________ 19
4. Fazit___________________________________________________________________ 22
Literatur__________________________________________________________________ 24
2
1. Einleitung
Das Case Management stellt einen Ansatz der fall- bzw. personenorientierten
sozialpädagogischen Arbeit dar, welcher in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt.
In vielen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesen steigt das Interesse an dieser Form der
Arbeit an, wobei es trotzdem als ein noch immer zu selten praktiziertes Verfahren angesehen
wird (vgl. Hansen, 2006, S. 17).
Die positive Resonanz auf das Case Management beruht vor allem auf der Flexibilität,
Effektivität, sowie der Vielseitigkeit hinsichtlich der Anwendbarkeit auf die unter-
schiedlichsten komplexen Problemlagen.
Aktuell ist das Thema vor allem wegen der Umbrüchen in der sozialen Arbeit, wie dem Trend
hin zur Verlagerung von Dienstleistungen auf freie Träger, die zunehmende Differenzierung
und Spezialisierung der Leistungen sowie die, infolge der Spezialisierung und Verlagerung,
mangelnde Kooperation der Träger in Hinsicht auf den individuellen Bedarf des Klienten.
Die Komplexität des Hilfeangebotes, welches zunehmend bei den Klienten zu
Orientierungsproblemen führt, sowie der zunehmende Zwang Kosten einsparen zu müssen,
macht die personen- und fallorientierte Hilfe zu einem wichtigen Element im sozialen
Unterstützungsmanagement. Denn: ,,In der Komplexität heutiger Lebensführung wird das
Zurechtkommen einer Person oder Familie zu einer Managementaufgabe" (Löcherbach u.a.,
2005, S. 10).
Besonders die Aktivierung von individuellen Selbsthilfefähigkeiten, die Vermittlung eines
niedrigschwelligen Zugangs zu den Diensten, sowie die Erstellung eines Hilfenetzwerkes
unter der Mitarbeit des Klienten, des auch über den Fall hinaus genutzt werden kann, sind die
Vorteile gegenüber anderen Modellen. Gleichzeitig wird durch den Ansatz auch
sichergestellt, dass weder doppelt noch unnötige Leistungen erbracht werden.
Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Fähigkeiten des Case Management in dem Bereich der
multidisziplinären Koordination zwischen den sozialen Diensten bzw. zwischen den Diensten
und den Klienten zu untersuchen, denn gerade die multikomplexen Probleme, welche sich den
Klienten heute stellen erfordern multidisziplinäre Lösungen.
Die Aufgabe des Case Managements liegt hierbei vor allem in der Teamkoordination von
einzelnen Disziplinen in Hinsicht auf ein ganzheitliches Ziel, in dessen Zentrum der Klient
steht. Damit der Ansatz erfolgreich ist muss der Case Manager den Dienstleister die
Bedeutung der Zusammenarbeit deutlich machen.
Aus diesem Grund sollen in dem ersten Teil dieser Arbeit die Ziele und die Arbeitsweise des
Case Management-Ansatzes im Allgemeinen betrachtet werden, um die Aufgabenstruktur
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deutlich zu machen, unter welcher die multidisziplinäre Koordination statt finden soll.
Wo liegen die Chancen, die Grenzen und die Probleme des Case Managements hinsichtlich
der Koordination von multidisziplinären Hilfenetzwerken? Welche Probleme stellen sich dem
Case Manager entgegen wenn er zwischen den unterschiedlichen Trägern der Dienst-
leistungen und dem Klienten vermitteln muss? Wo liegen die Stärken und die Zukunft eines
Hilfesystems, in welchem alle Teilleistungen auf die Erfüllung eines Zieles ausgerichtet
werden? Dies sind die Fragen, denen im zweiten Teil dieser Arbeit nachgegangen werden
soll.
2. Case Management als fallbezogene Methode der
sozialen Arbeit
Der in den 70er Jahren entstandene und aus dem amerikanischen Sprachraum übernommene
Begriff des ,,Case Management", für personenbezogenes Fallmanagement, stellt eine
problematische Benennung dar, da die Bezeichnung Fall für manch einen Klienten
erniedrigend wirken kann, wie bereits 1991 das US-amerikanische Gesundheitsministerium
feststellte. So kann es zu Missverständnissen kommen, wenn sich der Klient durch die
Bezeichnung als Fall sieht, welcher zu managen ist (vgl. Hansen, 2006, S. 17).
Zur Entlastung der Bezeichnung des Case Managements muss jedoch gesagt werden, dass
sich der Begriff des Case (Fall) nicht auf das Individuum bezieht, welches die
Unterstützungsleistung in Anspruch nimmt. Die Bezeichnung als Fall bezieht sich vielmehr
auf die problematische Situation, denn: ,,Sie (die Situation) ist ,,der Fall" und Gegenstand des
Bewältigungsverhaltens und der Selbsthilfe der zu versorgenden Person" (Löcherbach u.a.,
2005, S. 15f.). Weniger anstößig ist der, nach 1990 in Großbritannien eingeführte Begriff des
,,Care Management", also des Hilfemanagements bei der überindividuellen Versorgungs-
steuerung und Versorgungsgestaltung im Gesundheitswesen, und der eingedeutschte Begriff
des Unterstützungsmanagement.
Case Management wird als Weiterentwicklung der Einzelfallhilfe verstanden, wobei sich der
Sozialarbeiter nicht mehr ,,in den Strudel der psychohygienischen, therapeutischen
Beziehungsarbeit" stürzt (Galuske, 2005, S. 202). Im Zentrum der systematischen und
geschlossenen Tätigkeit stehen vielmehr die sachlichen Bezüge, welche durch die individuelle
Lebenssituation des Klienten bestimmt werden. Zu ihnen gehören unter anderem die Wohn-
und Arbeitssituation, mögliche Eingliederungsschwierigkeiten, eventuelle Benachteiligung
4
usw. Innerhalb dieser Bezüge ist es die Aufgabe des Case Managers zu organisieren,
koordinieren, planen und kontrollieren, immer im Hinblick auf die individuelle Problemlage.
Die Komplexität dieser Situationen macht dabei zunehmend die Einbeziehung sehr
unterschiedlicher Träger von Dienstleistungen notwendig. Deren Koordination, aufgrund ihrer
Unterschiedlichkeit, für den Erfolg der Einzelfallhilfe eine große Bedeutung hat.
2.1 Die Ziele des Case Management-Ansatzes
Case Management soll vor allem die Chance bieten ,,einzelfallorientiertes Vorgehen mit
personeller Netzwerkarbeit und Sozialorientierung ganzheitlich verbinden zu können"
(Neuffer, 2002, S. 19). Das Ziel ist es hierbei die gewohnte Lebenswelt des Klienten so wenig
wie möglich zu verändern. Dazu ist neben der Inanspruchnahme von externer Hilfe auch die
Stärkung und das Aufzeigen von, dem Klienten häufig noch unbekannten oder ungenutzten
Möglichkeiten notwendig.
Die eigenen, bisher ungenutzten Ressourcen und das den Klienten umgebende soziale
Netzwerk werden zum Ausgangspunkt für die Förderung der Fähigkeit zur Selbsthilfe. Neben
der Stärkung von Ressourcen und die Beziehungsarbeit im privaten Netzwerk steht aber auch
die Koordinierung, Beratung und die Schaffung eines Zuganges zu den notwendigen
Dienstleistungen durch den Case Manager.
Das langfristige Ziel des Case Managements ist es also, den Klienten zu befähigen
Unterstützungsleistungen selbstständig einzufordern und eigene Fähigkeiten zu nutzen,
wodurch nur in einem geringen Maß in seine Lebenswelt eingegriffen wird.
Die konkreten Ziele, welche zur staatlichen Förderung und Ausbreitung des Case
Management-Ansatzes führen, waren und sind jedoch eher pragmatischer Natur.
Im Zentrum, besonders der Förderung durch die Politik, steht dabei das Ziel die steigenden
Kosten für soziale Dienstleistungen einzudämmen, die Wirksamkeit der vorhandenen
Leistungen so weit wie möglich zu steigern und eventuelle Folgekosten zu minimieren.
Effizienz und Effektivität sollen durch den Einsatz eines Case Manager gefördert werden,
denn hinsichtlich der Effektivität ergibt sich ein zwingender Zusammenhang zwischen den
Aufwand der Dienstleistung und dem messbaren Effekt. In Hinsichtlich auf die Steigerung
der Effizienz übernimmt der Case Manager eine Kontrollfunktion, denn er kann klären,
welcher Klient welche Dienstleistung nutzen sollte bzw. welche Lösung die kostengünstigste
und angemessenste darstellt (vgl. Löcherbach, 2005, S. 43f.).
5
Neben dem Ziel der Kostensenkung bei gleichzeitiger Effektivitätssteigerung steht auch die
Möglichkeit zur Qualitätssicherung der Tätigkeit der Dienstleister durch den Case Manager,
wobei nicht nur die von dem Klienten benötigten Prozesse, sondern auch die Dienste selber
hinsichtlich ihrer Qualität ständig überprüft werden. Dies wird möglich, da der Case Manager
selbst nach der Beendigung des Falls hinsichtlich der Qualität seiner Arbeit überprüft wird. Es
ist für ihn deshalb unabdingbar innerhalb seiner Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass die von
ihm eingeschalteten Dienstleister ebenfalls qualitativ hochwertig arbeiten. Eine ständige
übergreifende Qualitätsoptimierung der sozialen Arbeit wird so durch die überprüfbaren
Qualitätsstandards des Case Managements erst möglich (vgl. Löcherbach, 2005, S. 44).
Ein weiteres Ziel des Case Management-Ansatzes ist die Orientierung auf den Klienten und
das Empowerment, womit die fallorientierte sozialpädagogische Hilfe zu einem ressourcen-
orientierten Ansatz wird. Die Methode setzt eine enge Zusammenarbeit von Case Manager
und Klienten voraus, da nur durch die Suche nach der Problemdefinition mit dem Klienten
und dessen subjektiven Einschätzung der Lage eine individuelle, effektive und effiziente
Lösung möglich wird. Ein Abkapseln von dem Klienten ist dem Manager deshalb nicht
möglich. Gleichzeitig wird durch die Einbeziehung des Klienten auch subjektiv und objektiv
seine Situation gestärkt, denn einerseits kann durch die Einbeziehung seine rechtliche
Situation gestärkt werden, zum anderen vermindert sich durch die Beteiligung das Gefühl
extern kontrolliert zu werden.
Zugleich sollen durch das Empowerment die Klienten dazu befähigt werden Komplikationen
und Belastungen sowie zuerst unüberschaubare Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen.
Der Case Manager hat deshalb die Aufgabe dem Klienten dabei zu helfen die vorhandenen
Stärken bzw. Ressourcen wieder zu entdecken und zu kräftigen sowie sie in den Hilfeprozess
einzubinden (vgl. Neuffer, 2002, S. 21f.). Die Selbsthilfefähigkeit soll dem Klienten dabei
helfen langfristig die Kontrolle über seine Umwelt wieder zu erlangen. Aus diesem Grund ist
es auch notwendig, dass der Klient in allen Phasen der fallorientierten Unterstützung selbst
bestimmt, kollektive Erfahrungen sammelt, sowie zwischen externen und internen Aspekten
des Problems unterscheiden lernt.
Die Reduktion der Komplexität sowohl der Situation, als auch der Leistungen durch einen
objektiven Sozialarbeiter sollen den überforderten Klienten eine differenzierte Sicht
ermöglichen.
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