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Scholary Paper (Seminar), 2007, 16 Pages
Author: Claudia Schmitz
Subject: Psychology - Miscellaneous
Details
Tags: Annäherung, Verständnis, Traumphänomene
Year: 2007
Pages: 16
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-05117-0
ISBN (Book): 978-3-638-94439-7
File size: 121 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit stellt einen ersten Einblick in das Verständnis des Traums aus tibetischer Sicht dar. Nach einer Einführung wird auf die Entstehung des Traums aus tibetischer Sicht eingegangen. Dabei findet der Energieaspekt gesonderte Beachtung. Im Anschluss erfolgt eine Vorstellung des Traum-Yogas. Die verschiedenen Arten der Träume unter besonderer Berücksichtigung luzider Träume werden behandelt. Zuletzt erfolgt die Darstellung der Nutzung der Träume und der konkreten Praxis des Traum-Yogas. Träume sind ein „universal menschliches Phänomen“ (Stubbe, 2005, S. 508) und haben daher immer wieder Anstoß zu verschiedenen Überlegungen und Theoriebildungen gegeben. Bereits in der europäischen Antike wurden „wahre“ von „falschen“ Träumen unterschieden, wobei die wahren Träume nach entsprechender Deutung wesentliche Erkenntnisse über die Zukunft verrieten (Weber, 2000; vergl. auch Walde 2001). In der islamischen Welt wurde zwischen drei verschiedenen Traumarten unterschieden, die Träume des Teufels, bei denen die Erfüllung persönlicher Wünsche leitend waren, Engelsträume, deren Bedeutung nur mit Erfahrung erschlossen werden konnte und Gottesträume, die in klaren Bildern die Zukunft vorwegnahmen (Barisch, 1977; Schimmel 1998; vergl. auch Magdi 1968). Unabhängig von einander entwickelten sich in den verschiedenen Kulturen Vorstellungen über die Traumphänomene. Diese Vorstellungen weisen teilweise interessante Ähnlichkeiten auf. Auch Psychologen bedienten sich der Träume, um mit deren Hilfe Erkenntnisse über das menschliche Seelenleben zu erhalten. Freud sah in den Träumen die „Via regia [den Königsweg] zur Kenntnis des Unbewussten“ (Freud, 1964, S. 494). Durch Analyse der Bilder und Erlebnisse, die seine Patienten aus ihren Träumen schilderten (manifester Trauminhalt), schloss er mit Hilfe der freien Assoziation der Patienten und mit Hilfe von Symboldeutung auf den verborgenen (latenten) Trauminhalt. In diesem latenten Trauminhalt glaubte Freud, stets die Erfüllung eines infantilen Wunsches zu erkennen. Da dieser Wunsch mit den bewussten Regungen des Menschen unvereinbar war, blieb er verdrängt und konnte sich nur durch die Wirkung des Zensors entstellt in den Traum einschleichen. Freud nutzte die Traumdeutung zur Behandlung seiner Patienten. Für Carl Gustav Jung (1990, 1996) war die Entdeckung der Wunscherfüllung nicht ausreichend aussagekräftig.
Excerpt (computer-generated)
Annäherung an das tibetische Verständnis der Traumphänomene
Gliederung
1
Einleitung 3
2
Traumphänomene aus tibetischer Sicht 4
2.1
Entstehung des Traums 6
2.1.1
Der Energieaspekt 8
2.2
Traum-Yoga 9
2.2.1
Verschiedene Arten von Träumen 9
2.2.2
Nutzung der Träume 11
3
Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis 15
2
1
Einleitung
Träume sind ein ,,universal menschliches Phänomen" (Stubbe, 2005, S. 508) und haben daher
immer wieder Anstoß zu verschiedenen Überlegungen und Theoriebildungen gegeben.
Bereits in der europäischen Antike wurden ,,wahre" von ,,falschen" Träumen unterschieden,
wobei die wahren Träume nach entsprechender Deutung wesentliche Erkenntnisse über die
Zukunft verrieten (Weber, 2000; vergl. auch Walde 2001).
In der islamischen Welt wurde zwischen drei verschiedenen Traumarten unterschieden, die
Träume des Teufels, bei denen die Erfüllung persönlicher Wünsche leitend waren,
Engelsträume, deren Bedeutung nur mit Erfahrung erschlossen werden konnte und
Gottesträume, die in klaren Bildern die Zukunft vorwegnahmen (Barisch, 1977; Schimmel
1998; vergl. auch Magdi 1968). Unabhängig von einander entwickelten sich in den
verschiedenen Kulturen Vorstellungen über die Traumphänomene. Diese Vorstellungen
weisen teilweise interessante Ähnlichkeiten auf.
Auch Psychologen bedienten sich der Träume, um mit deren Hilfe Erkenntnisse über das
menschliche Seelenleben zu erhalten. Freud sah in den Träumen die ,,Via regia [den
Königsweg] zur Kenntnis des Unbewussten" (Freud, 1964, S. 494). Durch Analyse der Bilder
und Erlebnisse, die seine Patienten aus ihren Träumen schilderten (manifester Trauminhalt),
schloss er mit Hilfe der freien Assoziation der Patienten und mit Hilfe von Symboldeutung
auf den verborgenen (latenten) Trauminhalt. In diesem latenten Trauminhalt glaubte Freud,
stets die Erfüllung eines infantilen Wunsches zu erkennen. Da dieser Wunsch mit den
bewussten Regungen des Menschen unvereinbar war, blieb er verdrängt und konnte sich nur
durch die Wirkung des Zensors entstellt in den Traum einschleichen. Freud nutzte die
Traumdeutung zur Behandlung seiner Patienten.
Für Carl Gustav Jung (1990, 1996) war die Entdeckung der Wunscherfüllung nicht
ausreichend aussagekräftig. Er betonte stattdessen die kompensatorische Wirkung des
Unbewussten, welche sich in den Träumen manifestierte. Extreme Einstellungen und
Handlungen des Bewusstseins sollten durch die Traumerlebnisse sozusagen ausgeglichen
werden. Zusätzlich erkannte Jung auch die prospektive Leistung von Träumen an. Er berichtet
über Träume, die die Zukunft voraussagen können und über jene, die von telepathischen
Fähigkeiten zeugen.
3
Die vorliegende Arbeit stellt einen ersten Einblick in das Verständnis des Traums aus
tibetischer Sicht vor. Die tibetischen Sichtweisen unterscheiden sich zum Teil grundlegend
von den westlichen, sodass zum wahren Verständnis ein eingehendes Studium tibetischer
Schriften notwendig wäre, welches im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden kann.
Hier soll beispielhaft anhand einer zentralen Lektüre (Wangyal 1998) vorgegangen werden.
Zudem wird davon abgesehen, auf westliche Theorien ausführlicher einzugehen, da keine
vergleichende Untersuchung angestrebt wird. Die bisherigen Ausführungen dienten lediglich
der Einleitung ins Thema. Im Folgenden soll die tibetische Sichtweise im Zentrum der
Aufmerksamkeit stehen.
Nach einer weiteren Einführung wird im Folgenden auf die Entstehung des Traums aus
tibetischer Sicht eingegangen. Dabei findet der Energieaspekt gesonderte Beachtung. Im
Anschluss wird der Weg des Traum-Yogas vorgestellt. Die verschiedenen Arten der Träume
unter besonderer Berücksichtigung luzider Träume werden behandelt. Dann erfolgt die
Darstellung der Nutzung der Träume und der konkreten Praxis des Traum-Yogas. Eine
abschließende Zusammenfassung beendet die vorliegende Arbeit.
2
Traumphänomene aus tibetischer Sicht
Der tibetische Alltag ist traditionell eng mit regional verschiedenen, mehrheitlich
buddhistischen Richtungen verknüpft, auf die in der vorliegenden Arbeit nicht näher
eingegangen werden kann. Für den westlichen Leser gestalten sich die Unterschiede der
einzelnen buddhistischen Schulen in ihren Auswirkungen auf den Alltag häufig als
geringfügig, erfolgen sie doch nach einer Grundstruktur, deren Ausprägung dem westlichen
Denken weitgehend fremd erscheint.
Seit etwa zehn Jahrhunderten beschäftigen sich die Tibeter mit der Phänomenologie der
Träume (Varela 1998). Eine erste Annäherung an ein Traumverständnis aus tibetischer Sicht
soll hier beispielhaft auf der Grundlage der Dzogchen Praxis erfolgen.
Dzogchen gilt als die höchste Stufe der Lehre und Praxis im Bön und in der Nyigma Schule
des tibetischen Buddhismus. Im Unterschied zu anderen buddhistischen Richtungen ist weder
eine Transformation der Dinge noch eine Entsagung notwendig, da alles, auch der Mensch,
bereits ganz und vollkommen ist. Lediglich die Erkenntnis dieser wahrhaftigen
Vollkommenheit wird im Dzogchen angestrebt. Es gilt folglich wie in anderen buddhistischen
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