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Caesars nächtliche Adria-Odyssee auf Amyclas' Fischkutter

Hauptseminararbeit, 2006, 14 Seiten
Autor: Daniel Knauer
Fach: Latein

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 14
Note: 2,00
Literaturverzeichnis: ~ 20  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V90263
ISBN (E-Book): 978-3-638-05119-4
ISBN (Buch): 978-3-638-94567-7
Dateigröße: 151 KB

Zusammenfassung / Abstract

Der römische Dichter Lucan (39–65 n. Chr.) schrieb zu Zeiten Neros ein Epos über den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompejus, der 48 v. Chr. bei Pharsalus zu Gunsten von Caesar entschieden wurde – daher der Titel des Werks: „Pharsalia“. Im fünften Buch geht Lucan auf eine Anekdote ein, die auch von vielen anderen griechischen und römischen Historikern überliefert wird. Die Situation lässt sich wie folgt rekonstruieren: Caesar lagert mit seinen Eliteeinheiten bei Dyrrachium (Durrës) im heutigen Albanien in der Nähe von Pompejus’ Heer. Es ist Winter. Der zahlenmäßig größere Teil von Caesars Truppen befindet sich noch auf der italienischen Seite der Adria bei Brundisium (Brindisi) und zögert, überzusetzen. In einer stürmischen Nacht versucht der große Feldherr in einer waghalsigen Aktion, seine Männer bei rauer See zu sich zu „holen“: Er will mit einem kleinen Nachen übersetzen, bevor sich der Sturm legt und Pompejus’ Wachtposten wieder Stellung an der Küste beziehen. Natürlich geht der Plan schief, denn gegen das Wetter ist Caesar machtlos, auch wenn er dies zunächst nicht wahrhaben will. Neben der berühmten Textstelle, wo Caesar dem Fischer Amyclas erklärt, er solle trotz Sturm losfahren, da er ja schließlich „Caesars Glück“ mit an Bord habe, wird auch der Rest der Anekdote mit den sechs Paralleltexten verglichen. Es fällt auf, dass keiner der anderen Autoren Caesars Überheblichkeit so fokussiert wie Lucan. Betrachtet werden zudem gattungsspezifische Merkmale (z.B. Ausführlichkeit), Besonderheiten der Textstelle innerhalb der „Pharsalia“ (z.B. dass Lucan nur hier die Götter ins Spiel bringt, was er – im Gegensatz zur epischen Tradition – sonst nicht tut), sowie die in den stilvollen Reden Lucans zu Tage tretenden Charaktere der Beteiligten Caesar und Amyclas. Die Interpretation dieser (vom Dichter sehr amüsant gestalteten) Anekdote erfolgt dabei nicht nur unter philologischen, sondern vor allem unter humorwissenschaftlichen Aspekten.


Textauszug (computergeneriert)

Caesars nächtliche Adria-Odyssee

auf Amyclas′ Fischkutter

Seminararbeit von Daniel Knauer

im Rahmen eines lateinischen Hauptseminars

unter dem Titel ,,Lucans Caesarbild"

vorgelegt am 16. Mai 2006

an der KU Eichstätt-Ingolstadt,

Lehrstuhl für Klassische Philologie


Inhaltsverzeichnis

1

Lucans Motiv

4

Lucan, der Anti-Caesarianer .

4

Humor als `Waffe′ gegen Unterdrückung .

4

Ausführlichkeit .

5

Stilmittel .

6

2

Amyclas′ Bedenken und Caesars vermessene Zuversicht

7

`Sola . . . causa′? .

7

Vergleich mit Parallelquellen .

7

Gewichtung .

9

3

Lucans Darstellung von Caesars Verhalten

10

Überheblichkeit .

10

Kontrastfigur Amyclas .

10

Irrationalität .

11

4

Zusammenfassung

12

5

Bibliographie

13

3


1 Lucans Motiv

Lucan, der

Die Lucanforschung hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit dem Aspekt be-

Anti-Caesarianer

schäftigt, wie der Diktator- und somit Caesar-feindlich gesinnte junge Dichter das Kai-

sertum mit (zum Teil verkappten) Pointen brüskiert.1 Quintilian schrieb seinerzeit über

den jungen Dichter, er sei `magis oratoribus quam poetis imitandus′2, und in der Tat

wird Lucan heute vielfach nachgesagt, er habe die Wirklichkeit zugunsten der Rheto-

rik in den Hintergrund gestellt:

It should be noted that, as history, Lucan′s work is far from being scrupu-

lously accurate, frequently ignoring historical fact for the benefit of drama

and rhetoric. For this reason, it should not be read as a reliable account of

the Roman Civil War. However, as a work of poetic literature, it has few ri-

vals; its powerful depiction of civil war and its consequences have haunted

readers for centuries, and prompted many Medieval and Renaissance poets

to regard Lucan among the ranks of Homer, Virgil, and Ovid.3

Auch wirft man Lucan gern vor, er habe zu unausgewogen geschrieben, Nebensäch-

lichkeiten viel zu umfangreich geschildert.4 Dem ist jedoch entgegenzusetzen, dass hu-

morvolle Verwendung und quantitative Gewichtung von einzelnen Textteilen in einem

unmittelbaren Zusammenhang stehen, was gerade bei dieser Textstelle (Phars. V, 504 ­

678) hervorsticht. Dass Lucan Caesar hier lächerlich machen will, darf wohl als unbe-

stritten gelten. Ebendieses Motiv soll im Laufe der vorliegenden Arbeit zum zentralen

Aspekt werden.

Im Rom der Kaiserzeit war freie Meinungsäußerung nicht zugelassen, was sich auf

die damalige Literatur gravierend auswirkte. Pfligersdorffer formuliert dies folgender-

maßen:

. . . für die Menschen der julisch-claudischen war die Kaiserzeit als die Zeit

ohne Freiheit die perpetuierte Frucht der Bürgerkriegssiege.5

Humor als `Waffe′

Es ist in entmündigten oder sonstwie unterdrückten Völkern ein immer wieder vor-

gegen Unterdrückung

zufindendes Phänomen, dass die Menschen sich mit Humor gegen das zur Wehr set-

zen, was sie sonst nicht abwenden können.6 Jüngere Beispiele hierfür sind die poli-

tischen Witze aus der ehemaligen DDR.7 Dieser subversive Humor ist uns aber auch

schon aus der Antike überliefert (aus der römischen Kaiserzeit z.B. Phaedrus′ lateini-

sche Fassung der Fabeln Aesops8). Anekdoten sind als nicht-fiktionales Pendant zum

1Sogar beim Nerolob (Phars. I, 23-66) lesen einige Forscher einen ironischen Unterton heraus; zur Dis-

kussion vgl. Lebek 1976: 81-83, 102.

2Quint. inst. X, 1, 90; vgl. hierzu Heitland 1897 (Einl.): lxx.

3Killings 1996: `Preparer′s Notes′. Vgl. auch Duff 1977 (Einl.): xii f. `To him [Lucan] the narrative is of

secondary importance: his interest lies elsewhere; the words said matter more in his view than the

things done.′

4Vgl. Heitland 1897 (Einl.): xxiii f., xxxiii, lxxii.

5Pfligersdorffer 1959: 345.

6Zu Humor als Defensivmechanismus im Allgemeinen siehe Nezlek/Derks 2001: 395.

7Vgl. Damm 1990.

8Vgl. Henderson 2001: 4; auch die Interpretation von Phaedr. 4, 13 auf S. 180.

4



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