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Seminararbeit, 2008, 22 Seiten
Autor: Markus Rinner
Fach: Latein
Details
Tags: Privatleben, Kaiser, Suetons, Viten
Jahr: 2008
Seiten: 22
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-04740-1
ISBN (Buch): 978-3-638-94367-3
Dateigröße: 178 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Wenn römische Imperatoren oder Kaiser in ihren Eigenarten und Gewohnheiten beschrieben werden, handelt es sich dabei in Grundzügen nicht selten um ein mehr oder weniger verstecktes Spiegelbild der öffentlichen Meinung. Diese bildete sich hauptsächlich das stadtrömische Volk aufgrund der Art und Weise, wie ihre Kaiser sie regierten. Gemessen an den damaligen Wertvorstellungen, dem "mos maiorum" , und Verdiensten für den Staat, der "res publica" , wurden prägnante Ereignisse oder Charakteristika der Herrschaftszeit propagiert und somit besonders in der Literatur und in der Architektur mit ihren Inschriften hervorgehoben und überliefert. Verloren gehen uns aber bei einem solchen Prozess der Geschichtsschreibung gewiss viele Auskünfte über das alltägliche Leben der Kaiser, die dem Bedürfnis nach Überlieferung der Menschen nicht standhielten. So werden banale Lebensgewohnheiten oder Vorgänge, die für einen Römer selbstverständlich und folglich nicht erwähnenswert galten, nur nebenbei schriftlich vermerkt. Größere Aufmerksamkeit als dem einfachen Mann widmete man den Angehörigen der Oberschicht, besonders aber den Kaisern. Sie wurden als Amtpersonen in einer strengen Einheit von öffentlichem Bemühen und personeller Erhabenheit (maiestas), die ihrer Position als Staatsmann gerecht wird, gesehen. Meistens sogar wurden die Gestalten der Cäsaren als eine rein öffentliche Macht ohne jeglichen „privaten“ Bereich gesehen . Einblicke in ihren Alltag dienten nicht nur als Bestätigung der geformten Meinung, sondern befriedigten auch schlechthin die Neugierde der unwissenden Bevölkerungsschicht. Sueton berichtet uns teils detailiert über ihr Privatleben.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Augsburg
Lehrstuhl für Klassische Philologie, insbesondere Latein
Proseminar ,,Texte zum römischen Alltag"
Wintersemester 2007/2008
Der Alltag der Kaiser in Suetons Viten
Rinner Markus
Studiengang: Klassische Archäologie, Klassische Philologie, Alte Geschichte
5. Semester
Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG
3
1.1 GEGENSTAND DER ARBEIT
3
1.2 WISSENSCHAFTLICHE UNTERSUCHUNGEN
4
2. SUETON UND SEINE KAISERVITEN
5
2.1 DE VITA CAESARUM
5
2.2 GLIEDERUNG UND DARSTELLUNG DES KAISERLICHEN LEBENS
6
3. DAS PRIVATLEBEN UND DER ALLTAG
8
3.1 SEXUALITÄT
8
3.2 SPIEL- UND TISCHKULTUR
11
3.3 KÖRPERPFLEGE
13
3.4 BILDUNG
14
3.5 CHARAKTEREIGENSCHAFTEN
16
3.6 TAGESABLAUF
17
4. SCHLUSS
19
5. BIBLIOGRAPHIE
21
5.1 QUELLEN:
21
5.1 LITERATUR:
21
2
1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
Divitiarum et pecuniae fructum non alium putabat quam profusionem.1
Wenn römische Imperatoren in ihren Eigenarten und Gewohnheiten beschrieben
werden, wie hier Kaiser Nero (54 68 n. Chr.) bei Sueton, handelt es sich dabei in
Grundzügen nicht selten um ein mehr oder weniger verstecktes Spiegelbild der
öffentlichen Meinung. Diese bildete sich hauptsächlich das stadtrömische Volk
aufgrund der Art und Weise, wie ihre Kaiser sie regierten2. Gemessen an den damaligen
Wertvorstellungen, den
mos maiorum
3
,
und Verdiensten für den Staat, der
res publica
4,
wurden prägnante Ereignisse oder Charakteristika der Herrschaftszeit propagiert und
somit besonders in der Literatur und in der Architektur mit ihren Inschriften
hervorgehoben und überliefert. Verloren gehen uns aber bei einem solchen Prozess der
Geschichtsschreibung gewiss viele Auskünfte über das alltägliche Leben der Kaiser, die
dem Bedürfnis nach Überlieferung der Menschen nicht standhielten. So werden banale
Lebensgewohnheiten oder Vorgänge, die für einen Römer selbstverständlich und
folglich nicht erwähnenswert galten, nur nebenbei schriftlich vermerkt. Größere
Aufmerksamkeit als dem einfachen Mann widmete man den Angehörigen der
Oberschicht, besonders aber den Kaisern. Sie wurden als Amtpersonen in einer strengen
Einheit von öffentlichem Bemühen und personeller Erhabenheit (
maiestas
), die ihrer
Position als Staatsmann gerecht wird, gesehen. Meistens sogar wurden die Gestalten der
Cäsaren als eine rein öffentliche Macht ohne jeglichen ,,privaten" Bereich gesehen5.
Einblicke in ihren Alltag dienten nicht nur als Bestätigung der geformten Meinung,
sondern befriedigten auch schlechthin die Neugierde der unwissenden
Bevölkerungsschicht.
1 Suet., Nero 27,1.
Den Nutzen von Reichtum und Geld glaubte er in nichts anderem als in der
Verschwendung.
2 Durch Schenkungen machten sich die Kaiser beim Volk beliebt.
3 Die
mos maiorum
galt als die Grundlage des traditionellen Handelns in allen Lebensbereichen.
Manchmal auch
mos patrius
(z.B. Cic. rep. 5,1) genannt, bezeichnet sie den ,,Kernbegriff des römischen
Traditionalismus" als ein verpflichtender Brauch zu einem bestimmten Verhalten in privaten und
öffentlichen Abläufen. Vgl. Der Neue Pauly, hg v. H. Cacik / H. Schneider, s. v.
mos maiorum
, Stuttgart
1996 - 2007.
4 ,,Die öffentliche Sache" als ein Sammelbegriff für allgemeine Interessen, die die Gesamtheit aller
Bürger umfasst. Vgl. DNP, s. v.
res publica
.
5 vgl. Ovid, Tristien IV 4,15 f.
3
Das Fach der Klassischen Philologie hat sich zur Aufgabe gesetzt, erhaltene Texte zu
analysieren und zu einer objektiven Rekonstruktion der antiken Welt, den
wissenschaftlichen Grundsätzen entsprechend, beizutragen. Dabei werden unter
Umständen Texte verschiedener Autoren über ein gewisses Thema verglichen und auf
ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht. In meinem Themenbereich des Alltags der
römischen Kaiser bei Sueton, werde ich nicht grundlegend den Beweis für die
Richtigkeit seiner Beschreibungen suchen, denn genauso wichtig wie der Vergleich ist
die Darlegung und Beschreibung eines Gegenstandes, wie ihn ein einzelner Autor
vollzieht und vermittelt. In groben Zügen werde ich versuchen zu skizzieren wie Sueton
an den Alltag der Kaiser herangeht, ihn beschreibt und vor allem was er dem Leser
vermitteln will. Auf dieser Grundlage könnte man nun in einem weiteren Schritt
Vergleichstexte heranziehen und den Wahrheitsgehalt, die Verlagerungen von
inhaltlichen Dingen auf andere Ebenen und die Fehlinterpretation von Suetons Quellen
analysieren.
1.2 Wissenschaftliche Untersuchungen
Meine Arbeit stützt sich im Wesentlichen auf die Ausführungen von Otto Wittstock6,
Helmut Gugel7 und Wolf Steidle, der mit seinem Werk ,,Sueton und die antike
Biographie" von 1951 eine wichtige Grundlage für die weitere Suetonforschung
geschaffen hat8. Diese Werke stehen in enger Diskussion mit einigen Abhandlungen
über die ,,Gattung"9 der Biographie, da diese natürlich durch ihre Merkmale und der
daraus resultierenden inhaltlichen Forderungen im Kontext des damaligen literarischen
Verständnisses gesehen werden muss10. Das Standardwerk über das Privatleben
römischer Kaiser ist von Alexander Demandt11. Es glänzt durch seine facettenreiche
Auseinandersetzung mit dem Thema, indem es teilweise außergewöhnliche Episoden
oder Verhaltensmuster römischer Imperatoren aus verschiedenen Textquellen aufnimmt
6 O. Wittstock, Sueton Kaiserbiographien, Berlin 1993. [Wittstock].
7 H. Gugel, Studien zur biographischen Technik Suetons, in: Wiener Studien, Zeitschrift für klassische
Philologie und Patristik, Beiheft 7, Graz 1977. [Gugel].
8 W. Steidle, Sueton und die antike Biographie, in: Zetemata, Monographien zur klassischen
Altertumswissenschaft, Heft 1, München 1951. [Steidle].
9 Von Gattungen kann man noch nicht sprechen. Obwohl vorhandene Wesenszüge und Charakteristika
sich im Wesentlichen glichen, fehlte es noch an einem einheitlichen Verständnis.
10 Zu nennen ist vor allem F. Leo, Die griech. - röm. Biographie, 1901.
11 A. Demandt, Das Privatleben der römischen Kaiser, München 1996. [Demandt].
4
und eine fabelhafte Beschreibung kaiserlicher Sitten liefert. Interessant ist dabei auch
die sehr gute Vermittlung des antiken Verständnisses eines besprochenen
Themenbereiches an den heutigen Leser.
2. Sueton und seine Kaiserviten
2.1 De vita Caesarum
Gaius Suetonius Tranquillus (ca. 70 - 145 n. Chr.) war wohl daran interessiert
verschiedene berühmte Manneswürden aus der damaligen Welt der lesenden
Bevölkerung12 vorzustellen. Neben seinem Hauptwerk, den Kaiserviten13, sei noch sein
anderes Werk,
De viris illustribus
, ein Sammelwerk von Biographien berühmter
Persönlichkeiten, zu erwähnen14. Diese Form der Geschichtsschreibung wird heutzutage
als eine ,,kleine Geschichtsschreibung" empfunden, da durch die biographische
Darstellung historisch sukzessiver Amtspersonen zwar faktische Zeitabschnitte
überliefert werden, jedoch ein ausreichend detaillierter Rahmen fehlt15. Daraus resultiert
meiner Meinung nach, dass Sueton nicht an erster Stelle an der Darstellung des
Zeitgeschehens, sondern an der Unterhaltung des Lesers durch Vermittlung von
Informationen interessiert war16. Die Geschichtsschreibung, wie zum Beispiel bei
Tacitus, galt als eine angesehene Gattung, die allein schon durch ihre Art glänzte.
Dennoch erlangten Suetons Kaiserviten große Aufmerksamkeit, da sie uns erhalten
12 Sueton wendete sich vorrangig an den Kreis der Senatoren und Ritter. Vgl. Wittstock S. 17.
13 Gaius Suetonius Tranquillus
, De vita Caesarum
. Durch seine Tätigkeiten am kaiserlichen Hof unter
Hadrian, gewann Sueton durch seine Posten
a bibliothecis
und
ab epistulis
tiefgründige Einblicke in
wissenschaftliche Studien und den kaiserlichen Briefverkehr.
14 Gaius Suetonius Tranquillus,
De viris illustribus
. Überliefert sind davon leider nur einige
Dichterbiographien (z.B. von Terenz und Horaz) und ein Teil über Grammatiker und Rhetoren.
De viris
illustribus
bezeichnet auch weitere schriftliche Aufzeichnungen und Ausführungen verschiedener
Persönlichkeiten, die seit hellenistischer Zeit angefertigt wurden und ,,dem exemplarischen,
persönlichkeitsorientierten Denken der Römer entsprachen." (Gugel S. 12). Zur Geschichte und
Entwicklung der antiken Biographie vgl. Gugel S. 11 ff.
15 Wie oben schon erwähnt wendet sich Sueton an den gehobenen Adelsstand, dem das geschichtliche
Umfeld sicherlich nicht fremd gewesen sein dürfte. Sueton verzichtet deshalb auf detailliertere
Ausführungen nach Art eines Geschichtsschreibers. Vgl. Wittstock S. 17.
,,In konsequenter Folge unternimmt Sueton zum erstenmal in der römischen Literatur eine chronologisch
zusammenhängende Reihe geschichtlicher Persönlichkeiten, eben die zwölf Kaiser von Caesar bis
Domitian, zu schaffen, damit aber gleichzeitig auch die Geschichte dieser Zeit in der Form von
Biographien als durchgehende Einheit darzustellen" Gugel S. 145.
16 Viele wissenschaftliche Arbeiten versuchten schon eine Darlegung über die Intension Suetons.
5
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