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Subtitle: Ein Pro ohne Contra
Scholary Paper (Seminar), 2007, 31 Pages
Author: Katharina Theilen
Subject: German Studies - Didactics
Details
Tags: Vorlesen, Lesen, Vorlesen, Literaturunterricht
Year: 2007
Pages: 31
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04753-1
ISBN (Book): 978-3-638-94413-7
File size: 347 KB
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Abstract
Le droit de lire à voix haute. Das Recht, laut zu lesen.“ Sie kennen Ihre Rechte? Sind Sie sich sicher? Wussten Sie, dass dem Leser, das Recht, laut zu lesen zusteht? Nicht? D. Pennac spricht es jedem Leser zu und diese Hausarbeit tut es ihm gleich. Allerdings möchte sie dabei noch wesentlich darüber hinausgehen. Lautes Lesen als erster Schritt, Texte zum Ausdruck zu bringen und ihn damit im zweiten Schritt zu einem audiovisuell wahrnehmbaren Teil der Kultur zu erheben, darum soll es hier gehen. Vorlesen als explizite Form des Lesens vereinigt Sprechen zu/vor/mit anderen, Zuhören und begrenztes szenisches Spiel. Genau dieser Fähigkeitenbereich findet sich in den niedersächsischen Kerncurrikula für das Fach Deutsch als erwartete Kompetenzen. Diese Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Handlungsfelder des Literaturdidaktik“ (AM4) soll daher nicht nur das Recht des Lesers, laut zu lesen, auf das Recht, vorleserisch tätig zu sein, ausweiten, sondern, und das in erster Linie, die didaktische Sinnhaftigkeit des Vorlesens im Literaturunterricht schlaglichtartig beleuchten. Aber was genau ist mit ‚Vorlesen’ gemeint und warum und nicht zuletzt wie sollte es als häufig ‚einfache’ Vorform des selbstständigen, stillen Lesens im Schulunterricht praktiziert werden?
Excerpt (computer-generated)
Fakultät III Institut für Germanistik
CvO Universität Oldenburg
WS 06/07
AM 4 ,,Sprachlich-literarische Sozialisation"
Seminar/Übung: Handlungsfelder der Literaturdidaktik
Vorlesen ist mehr als lautes Lesen!
Was kann das Vorlesen im Literaturunterricht leisten?
Ein Pro ohne Contra
Les droits du lecteurs; Die Rechte des Lesers von
Daniel Pennac, Darstellung Jean-Claude Rolland.1
1
Bild dem Internet entnommen:
http://eppee.ouvaton.org/article.php3?id_article=413 (22.03.2007).
Vorlesen ist mehr als lautes Lesen!
2
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
,,Le droit de lire à voix haute"
3
2. Vorlesen ist nicht nur lautes Lesen!
Formen und Funktionen, Realisationsmöglichkeiten und
Rahmenbedingungen des Vorlesens im Literaturunterricht
4
2.1. Sprechen und Dichtung = Vorlesen?
Eine kontextabhängige Gegenstandsdefinition
5
2.2. Formen und Funktionen des Vorlesens
7
2.2.1. Lautes Lesen von Wörtern, Sätzen und Texten
8
2.2.2. Deutendes Vorlesen
8
2.2.3. ,,Szenisches Vortragen" und Inszenieren
9
2.2.4. Der Lehrervortrag und die Vorlesestunde -
,,Kulturelles Muster utopischer Qualität"?
11
2.3. Rahmenbedingungen und Realisationsmöglichkeiten
12
3. Was kann das Vorlesen im Literaturunterricht leisten?
13
3.1. (Vor-)Lesen bildet! Aber was und wie?
13
3.1.1. Merkmale und Funktionen des Leseaktes
14
3.1.2. Brückenfunktion des Vorlesens
17
3.1.3. Kommunikative Aspekte
18
3.2. ...und gemessen an den Zielen des Literaturunterrichts?
19
(nach Kasper H. Spinner)
4.
Exkurs:
Vorlesen
-
Ein
Handwerk?
Sprechen als Leistung und ausgewählte sprecherische Teiltechniken
24
4.1. Überblick über grundlegende Kriterien einer Sprechleistung
24
4.2. Intonation: Tonhöhen und Tonschweren Vom Thema zum Rhema
25
4.3. Der ,,Vorlesewerkzeugkasten" für Lehrende
27
5. Fazit
Lesen? Ja! Vorlesen? Auch!
27
6. Literaturverzeichnis
29
6.1. Quellen
29
6.2. Sekundärliteratur
29
6.3. Internetressourcen
30
6.4. Bildquellen
30
Vorlesen ist mehr als lautes Lesen!
3
1. Einleitung
,,Le droit de lire à voix haute"
"9. Le droit de lire à voix haute.
Das Recht, laut zu lesen."2
Sie kennen Ihre Rechte? Sind Sie sich sicher? Wussten Sie,
dass dem Leser, das Recht, laut zu lesen zusteht?
Nicht?
D. Pennac spricht es jedem Leser zu und diese Hausarbeit tut es ihm gleich.
Allerdings möchte sie dabei noch wesentlich darüber hinausgehen. Lautes Lesen als
erster Schritt, Texte zum Ausdruck zu bringen und ihn damit im zweiten Schritt zu
einem audiovisuell wahrnehmbaren Teil der Kultur zu erheben, darum soll es hier
gehen.
Erwartete
Kompetenzen
in den Kerncurricula
des Landes
Niedersachsen für das
Fach Deutsch.
Hier Gymnasium.
Vorlesen als explizite Form des Lesens vereinigt Sprechen zu/vor/mit anderen,
Zuhören und begrenztes szenisches Spiel.
Genau dieser Fähigkeitenbereich findet sich in den niedersächsischen Kerncurrikula
für das Fach Deutsch3 als erwartete Kompetenzen.4
2
Pennac, Daniel: Wie ein Roman. Von der Lust zu Lesen. Köln: Kiepenheuer & Witsch GmbH 2001.
Bild dem Internet entnommen: http://eppee.ouvaton.org/article.php3?id_article=413 (22.03.2007).
3
Die Kerncurricula des Landes Niedersachsen für das Fach Deutsch, Schuljahrgänge 5-10, Gymnasium,
Realschule und Hauptschule sind im Internet einzusehen unter:
http://www.nibis.de (22.03.2007).
4
Kerncurricula des Landes Niedersachsen für das Fach Deutsch:
Gymnasium S.12.
Realschule S.10.
Hauptschule S.10.
Vorlesen ist mehr als lautes Lesen!
4
Diese Hausarbeit im Rahmen des Seminars ,,Handlungsfelder des Literaturdidaktik"
(AM4) soll daher nicht nur das Recht des Lesers, laut zu lesen, auf das Recht,
vorleserisch tätig zu sein, ausweiten, sondern, und das in erster Linie, die didaktische
Sinnhaftigkeit des Vorlesens im Literaturunterricht schlaglichtartig beleuchten.
Aber was genau ist mit ,Vorlesen′ gemeint und warum und nicht zuletzt wie sollte es
als häufig ,einfache′ Vorform des selbstständigen, stillen Lesens im Schulunterricht
praktiziert werden?
Zunächst soll daher im Verlauf dieser Arbeit der Gegenstand ,Vorlesen′ eingrenzend
bestimmt werden und darauf aufbauend, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sollen
Aspekte der didaktischen Sinnhaftigkeit der Einbindung von vorleserischen
Tätigkeiten dargelegt werden.
Im Exkurs sollen an- und abschließend einige Techniken des Vorlesens und
Vortragens als praktische Beispiele für den Umgang mit den erläuterten Aspekten
vorgestellt werden. Dieser Exkurs trägt dabei weniger zum
argumentativen Verlauf dieser Hausarbeit bei, als dass er zum
abrundenden Abschluss dem interessierten Leser anschaulich
machen soll, mit welchen Mitteln wie verfahren werden kann.
Hier gilt also:
"2. Le droit de sauter des pages.
Das Recht, Seiten zu überspringen."5
2. Vorlesen ist nicht nur lautes Lesen!
Formen und Funktionen, Realisationsmöglichkeiten und
Rahmenbedingungen des Vorlesens im Literaturunterricht
Eintrag im Wörterbuchartikel aus dem WDG6:
,,
vorlesen
(er liest vor), las vor, hat vorgelesen (jmdm.) etw. v.
etw. Gedrucktes,
Geschriebenes
(
für jmdn.
)
laut wiedergeben
: einen Text deutlich, laut, vollständig,
ausdrucksvoll v.; sie hat den Kindern Märchen vorgelesen; man bat den Schriftsteller,
aus eigenen Arbeiten vorzulesen; er ließ sich /
Dat.
/ einen Artikel aus der Zeitung v.;
Vorleser,
der; -s,"7
Vorlesen kann, wie der Lexikoneintrag zeigt, in vielen Kontexten geschehen. Ob im
familiären Umfeld, in der frühkindlichen Erziehung, in der Schule, in der Uni, im
5
Pennac, Daniel: Wie ein Roman. Von der Lust zu Lesen. Köln: Kiepenheuer & Witsch GmbH 2001.
Bild dem Internet entnommen: http://eppee.ouvaton.org/article.php3?id_article=413 (22.03.2007).
6
Wörterbuchartikel aus dem Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, einzusehen in: Das digitale
Wörterbuch der deutschen Sprache des 20.Jahrhunderts, eingerichtet im Internet durch die Berlin-
Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Zu erreichen im Internet unter:
http://www.dwds.de (19.03.2007).
7
[Art.] Vorlesen. In: Das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache.
http://www.dwds.de/?woerterbuch=1&qu=vorlesen (19.03.2007).
Vorlesen ist mehr als lautes Lesen!
5
Berufsleben oder in der Freizeit Vorlesen ist immer mehr als einfaches lautes
Lesen und dass es seine jeweils situationsspezifischen Ziele erfüllt ist immer von
bestimmten Bedingungen abhängig. Ziel dieses Kapitels ist es daher einerseits den
Gegenstand dieser Hausarbeit näher in seinem Kontext zu bestimmen und
andererseits die in diesem Kontext häufigsten Formen des Vorlesens zu betrachten
sowie eine Auswahl von Rahmenbedingungen und Realisationsmöglichkeiten zu
beleuchten.
2.1. Sprechen und Dichtung = Vorlesen?
Eine kontextabhängige Gegenstandsdefinition
Vorlesen ist eine hörbare Variante des Lesens als kulturelle, kulturdeutende,
kultureinführende und kulturerhaltende Tätigkeit. Damit ist es wie das stille Lesen
eine Kulturtechnik.8
Wobei berücksichtigt werden muss, dass es sich genau genommen um zwei
Techniken handelt: dem Vorlesen/Vortragen und dem Zuhören.9
Konstituierend für die Vorlesesituation sind immer Vortragende als Sender und
Zuhörer als Rezepient. Daher ist das Vorlesen in jeder Form als ein ,,dialogischer
Prozess"10 zu betrachten, der sich in einer sozialen Situation, welche signifikant für
die Aneignung literarischer Kultur ist, vollzieht und dem Verstehen dient.11
Damit ist eine Vorlesesituation auch immer eine personen-, sach- und
situationsbezogene, intentionale, zielgerichtete Kommunikationshandlung im Sinne
eines ,,doppelten kommunikativen Prozesses".12
Doppelt dadurch, dass der Vorlesende im Dialog zum literarischen Gegenstand und
zum Zuhörer steht und prozessartig dadurch, dass dieser Doppeldialog ein teilweise
simultaner, teilweise aber auch nacheinander ablaufender, komplexer Vorgang ist.13
Das hier gemeinte Vorlesen ist nicht einfach Ablesen eines Textes als Einstieg ins
literarische Gespräch. Es ist vielmehr eine ,,Reziprokhandlung, die
- situativ
gesteuert
- personengebunden
8
Baurmann, Jürgen u. Wolfgang Menzel: Vorlesen Vortragen. In: Praxis Deutsch 199 (2006). S.7 und
Ahrens-Drath, Regine: Leseinfo 5: Vorlesen? Vorlesen!
http://lernarchiv.bildung.hessen.de/reposit2/12131/Leseinfo_5c.pdf?user_id=Anonymous+User&is_viewab
le=1&digest=d0a835c04086dce4d75a2bd69ec90495 (21.03.2007). S.6.
9
Ebendar.
10
Ockel, Eberhard: Leselehre. In: Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. Hrsg. von
Marita Papst-Weinschenk. München: UTB 2004. S.85.
11
Baurmann, Jürgen u. Wolfgang Menzel: Vorlesen Vortragen. In: Praxis Deutsch 199 (2006). S.6.
12
Draeger, Barbara u.a.: Sprechen mit Fassung Sprechfassungen. In: Deutschunterricht 2 (2004). S.13
und Kopfermann, Thomas: Lesen. Sprechen. Lesen. In: Deutschunterricht 2 (2004). S.5f.
13
Kopfermann, Thomas: Lesen. Sprechen. Lesen. In: Deutschunterricht 2 (2004). S.6.
Vorlesen ist mehr als lautes Lesen!
6
- sprachbezogen
- formbestimmt
- und leibhaft vollzogen
Sinn konstituiert und Handlungen auslöst."14
Reziprokhandlung meint das Zusammen- und Wechselspiel von Sprecher und
Zuhörer, von dem der Zugang und die Gestaltung eines Textes abhängig sind.15
Der Sprecher mit seinen Begabungen, seinen lebensgeschichtlichen und
lebensweltlichen Voraussetzungen und als auftretende Person steht vor den
Zuhörern als zweiter unabdingbarer Teil der Handlung. Ihre Beteiligung,
Konzentration und ihre verbalen und körpersprachlichen Rückmeldungen tragen
ebenso zur Sinnkonstitution bei.16
Daraus ergibt sich, dass das hier betrachtete Vorlesen als eine reziproke,
sinnstiftende dialogische Rückmeldeschleife im Sinne eines sozialen
Kommunikationsprozess in Auseinandersetzung mit und Tradierung von Kultur zu
verstehen sein soll.
Dieses Vorlesen findet in verschiedensten Kontexten und mit verschiedensten Zielen
statt. Umso wichtiger ist die genauere Eingrenzung des hier betrachteten
Vorlesekontextes.
Betrachtet werden soll vorrangig Vorlesen in schulischen Zusammenhängen und
dabei insbesondere das Vorlesen im Literaturunterricht. Die hier vorgestellten
Formen und Funktionen beziehen sich zwar vor allem auf Schülervorträge, allerdings
können sie konzeptionell auch für Lehrervorträge genutzt werden.
Da literarisch-didaktische Auseinadersetzung in seinen verschiedenen Formen durch
Vorlesen in allen Schulstufen erfolgen kann17, wird diese Arbeit eine eher
umfassendere, schulform- und schulstufenunabhängige Perspektive auf das
Phänomen und seine möglichen Bedingungen, Realisationen und Folgen werfen.
Auch muss berücksichtigt werden, dass hier nicht das laute Lesen einzelner Wörter
im frühen Schriftsprachenerwerb betrachtet werden soll, sondern vielmehr
14
Geißner, Hellmut K.: Kommunikationspädagogik. Transformation der ,,Sprech"-Erziehung. St. Ingbert:
Röhrig Universitätsverlag 2000. S. 91. Zitiert nach: Kopfermann, Thomas: Lesen. Sprechen. Lesen. In:
Deutschunterricht 2 (2004). S.6.
15
Kopfermann, Thomas: Lesen. Sprechen. Lesen. In: Deutschunterricht 2 (2004). S.6.
16
Ebendar.
17
Baurmann, Jürgen u. Wolfgang Menzel: Vorlesen Vortragen. In: Praxis Deutsch 199 (2006). S.10.
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