Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Kunst als Gesellschaftskritik close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Kunst als Gesellschaftskritik

Termpaper, 2005, 27 Pages
Author: Jannina Gaidell
Subject: Art - Overall Considerations

Details

Event: Ethisch-Philosophisches Grundlagenstudium II
Institution/College: University Karlsruhe (TH) (Philosophisches Institut)
Tags: Kunst, Gesellschaftskritik, Ethisch-Philosophisches, Grundlagenstudium
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V90417
ISBN (E-book): 978-3-638-04516-2
ISBN (Book): 978-3-640-18094-3
File size: 187 KB

Abstract

Seit dem Bestehen der modernen menschlichen Zivilisation ist es die Aufgabe der Intellektuellen gewesen, Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Moral zu tragen. Sie sind dazu berufen, Werte und Wahrheiten hochzuhalten oder neu zu installieren, wenn diese verloren gehen, auf Veränderungen und Problematiken vorzubereiten und entsprechend Lösungen zu suchen. Die politische Meinungsbildung der Bürger bedarf einer Richtungsgebung, genauso wie die Politik auf die Legitimation durch Intellektuelle angewiesen bleibt. Diese Arbeit befasst sich zunächst mit der Rolle der Gesellschaftskritik, und beschäftigt sich dann mit einer bestimmten Gruppe von Intellektuellen, den Künstlern, und klärt inwieweit sie sich Laufe der Zeit dieser Aufgabe angenommen haben. Um die Möglichkeiten zu veranschaulichen, kläre ich die Begriffe Karikatur und Satire und untersuche die Wirksamkeit beider. Im Folgenden möchte ich den Künstler George Grosz vorstellen, und darstellen, wie er in seiner Zeit, einer höchst brisanten Zeit, politisch wirksam war. Er erscheint mir als besonders geeignetes Beispiel für einen gesellschaftskritischen Künstler, da er in seinen satirischen Bildern nicht nur die kapitalistische Gesellschaft an den Pranger stellte, sondern auch auf andere Missstände hinwies. Ohne Angst vor Strafe und Verfolgung versuchte er die Öffentlichkeit zu erreichen, und kämpfte unbeirrt für die, in seinen Augen, „gute Sache“. Zudem möchte ich die damalige Rezeption und auch die Konsequenzen, die George Grosz´ Kunst für ihn brachte, erörtern. Our country- right or wrong! - Rolle und Aufgabe des Gesellschaftskritikers Im Jahre 1872 äußerte sich Carl Schurz im Senat der Vereinigten Staaten über die Aufgabe des Gesellschaftskritikers wie folgt: „Our country, right or wrong! When right to be kept right; when wrong to be put right!“ Gesellschaften kritisieren sich nicht selbst, sondern benötigen Gesellschaftskritiker, die, als Individuen der Gesellschaft, dieselbe adäquat kritisieren. Sie versuchen die anderen Gesellschaftsmitglieder im öffentlichen Gespräch zu erreichen, und laden dazu ein, an diesem Gespräch teilzunehmen. Die Aufgabe des Gesellschaftskritikers liegt dabei primär in der Erarbeitung und Bekräftigung kultureller Werte; seine Rede stellt eine kollektive Reflexion auf die Bedingungen kollektiven Zusammenlebens dar ...


Excerpt (computer-generated)

Jannina Gaidell

PS: Ethisch-Philosophisches Grundlagenstudium II

TH Karlsruhe

30.9.2005

Kunst als Gesellschaftskritik


Einleitung 3

Our country- right or wrong! - Rolle und Aufgabe des Gesellschaftskritikers 3

Standpunkt der Kritik 4

Gesellschaftskritik als steter Prozess 4

Geschichtlicher Überblick 5

Karikatur und Satire als künstlerische Formen der Gesellschaftskritik 6

Arbeitsweise und Wirkung der Karikatur 7

Status der Karikatur 8

Die Bildsatire 9

Arbeitsweise und Wirkung der Satire 10

Die Zeit- Das Berlin der 20er Jahre 11

Der Satiriker George Grosz 11

Grosz´ kritischer Werdegang 13

Sinn oder Unsinn der Kunst 14

Der Weg über den Dadaismus 15

Die Entscheidung zur politischen Kunst 17

Die Hintergrund-Mappe 19

Rezeption 20

Der Gotteslästerungs-Prozess 21

Schluss 24

Literaturverzeichnis 26

2


Einleitung

Seit dem Bestehen der modernen menschlichen Zivilisation ist es die Aufgabe der

Intellektuellen gewesen, Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Moral zu tragen. Sie

sind dazu berufen, Werte und Wahrheiten hochzuhalten oder neu zu installieren, wenn diese

verloren gehen, auf Veränderungen und Problematiken vorzubereiten und entsprechend

Lösungen zu suchen. Die politische Meinungsbildung der Bürger bedarf einer

Richtungsgebung, genauso wie die Politik auf die Legitimation durch Intellektuelle

angewiesen bleibt.

Diese Arbeit befasst sich zunächst mit der Rolle der Gesellschaftskritik, und beschäftigt sich

dann mit einer bestimmten Gruppe von Intellektuellen, den Künstlern, und klärt inwieweit sie

sich Laufe der Zeit dieser Aufgabe angenommen haben. Um die Möglichkeiten zu

veranschaulichen, kläre ich die Begriffe Karikatur und Satire und untersuche die Wirksamkeit

beider.

Im Folgenden möchte ich den Künstler George Grosz vorstellen, und darstellen, wie er in

seiner Zeit, einer höchst brisanten Zeit, politisch wirksam war. Er erscheint mir als besonders

geeignetes Beispiel für einen gesellschaftskritischen Künstler, da er in seinen satirischen

Bildern nicht nur die kapitalistische Gesellschaft an den Pranger stellte, sondern auch auf

andere Missstände hinwies. Ohne Angst vor Strafe und Verfolgung versuchte er die

Öffentlichkeit zu erreichen, und kämpfte unbeirrt für die, in seinen Augen, ,,gute Sache".

Zudem möchte ich die damalige Rezeption und auch die Konsequenzen, die George Grosz´

Kunst für ihn brachte, erörtern.

Our country- right or wrong! - Rolle und Aufgabe des

Gesellschaftskritikers

Im Jahre 1872 äußerte sich Carl Schurz im Senat der Vereinigten Staaten über die Aufgabe

des Gesellschaftskritikers wie folgt:

,,Our country, right or wrong! When right to be kept

right; when wrong to be put right!"1

Gesellschaften kritisieren sich nicht selbst, sondern benötigen Gesellschaftskritiker, die, als

Individuen der Gesellschaft, dieselbe adäquat kritisieren. Sie versuchen die anderen

Gesellschaftsmitglieder im öffentlichen Gespräch zu erreichen, und laden dazu ein, an diesem

Gespräch teilzunehmen. Die Aufgabe des Gesellschaftskritikers liegt dabei primär in der

1

Michael Walzer

, Kritik und Gemeinsinn. Drei Wege der Gesellschaftskritik, Berlin 1990, S. 46

3


Erarbeitung und Bekräftigung kultureller Werte; seine Rede stellt eine kollektive Reflexion

auf die Bedingungen kollektiven Zusammenlebens dar.

Gesellschaftskritikern kommt daher eine Art überwachende Gewissensrolle zu: sie

beobachten Volk und Land genauestens, vor allem auf Veränderungen hin, spüren Ideale und

Ressentiments auf, sehen es als ihre Verpflichtung, extreme Strömungen und Irrungen den

Menschen bewusst zu machen, und üben so eine regulative Funktion aus.

Standpunkt der Kritik

Wenn sich also das eigene Land falsch verhält, ist man in besonderem Maße dazu

verpflichtet, seine Politik zu kritisieren. Und dennoch stellt das Possessivpronomen ein

Problem dar. Je mehr man sich nämlich mit seinem Land identifiziert, desto schwieriger ist es

zumeist, sein Unrecht zu bemerken oder anzuerkennen. Kritik verlangt kritische Distanz!

Ausübung von Kritik ist ohne Zweifel standpunktrelevant, und es stellt sich daher die Frage,

wie viel

kritische Distanz vom Gesellschaftskritiker verlangt wird.

Die übliche Auffassung ist, dass die Kritik eine Tätigkeit von außen ist, das heißt, die Kritiker

müssen von ihrer Mitgliedschaft in ihrer eigenen Gesellschaft gefühlsmäßigen Abstand

gewonnen haben. Erst wenn sie sich der Intimität und Wärme der Zugehörigkeit entwunden

haben, können sie unparteiisch und leidenschaftslos, vorurteilsfrei und objektiv beobachten.

Dieser Abstand darf jedoch nicht mit der Randständigkeit verwechselt werden, denn

Außenseitertum ist zwar oft ein Beweggrund für Kritik, aber kein Garant für Unparteilichkeit

und Objektivität.

Folglich muss ein Gesellschaftskritiker also am Rande stehen, um den nötigen Überblick zu

haben und seine Weitsicht entfalten zu können, aber er muss sich dennoch innerhalb der von

ihm kritisierten Verhältnisse befinden, und ihnen eine affirmative Einstellung

entgegenbringen, damit seine kritischen Ansätze fruchten können. Der Gesellschaftskritiker

muss sowohl über intellektuelle als auch emotionale Nähe verfügen, da er einerseits versucht,

neu gewonnene Ideen mit der heimischen Kultur zu verknüpfen , und andererseits darauf

bedacht ist, das gemeinsame Unterfangen zum Erfolg zu führen.

Gesellschaftskritik als steter Prozess

Die Schwierigkeit mit der sich der Gesellschaftskritiker konfrontiert sieht, liegt darin, dass er

die Ideen, für die er kämpft, unter Menschen vertreten muss, die ihrerseits selbst wieder über

eigene Ideen verfügen, und diese, aus guten Gründen, nicht immer sofort bereit sind

aufzugeben. Was sich daraus ergibt ist eine moralische Diskussion ohne Ende- es gibt keine

4


Antwort darauf, was besser oder schlechter ist, und die zeitweiligen Endpunkte die sich in den

Gesprächen ergeben, gelten dann als Momente moralischen Urteils, in denen man entweder

die eine Partei vom eigenen Standpunkt überzeugen kann, zu einem Kompromiss findet, oder

aber auch die Debatte von Neuem beginnen muss.

Geschichtlicher Überblick

Der französische Dichter Charles Baudelaire ließ 1860 in seiner Schrift ,,Wozu Kunst?"

verlauten, dass es ,,

Die erste Aufgabe des Künstlers, den Menschen an Stelle der Natur zu

setzen und gegen sie zu protestieren

"2 sei. Auch der, unter dem Pseudonym Stendhal

bekannte, Schriftsteller Marie Henri Beysle, verkündete: ,,

Malerei ist nichts als

formgewordene Moral. Man mag das Wort Moral nun mehr oder weniger großzügig

auslegen, ein Gleiches lässt sich von allen Künsten sagen! Da sie stets das Schöne als

Ausdruck der Empfindung, der Leidenschaft und der Träumerei eines jeden sind, das heißt

Vielfalt in der Einheit oder die verschiedenen Seiten des Absoluten, rührt die Kritik jeden

Augenblick an die Metaphysik.

"3 Betrachtet man nun die Kunst als ein archaisches Phänomen,

und erkennt sie als relativ selbständige, unabhängige Sphäre an, so wird sie nicht nur zu

einem sozialen, sondern auch einem ethischen Problem; das heißt, sie muss moralisch und

politisch gerechtfertigt werden, um Wert oder Unwert für das Gemeinwesen zu erörtern.

Im Laufe der Geschichte haben sich fast alle Kulturkreise mit dieser Aufgabe befasst,

so beschäftigte sich die griechische Lehre beispielsweise damit, dass Kunst für sie nicht nur

moralisch zu sein hatte, sondern gestand ihr vor allem auch harmonischen Ausgleich,

Reinigung, Heilung, Integration oder Vollendung der Persönlichkeit zu.

Während man in der Antike und der Renaissance noch darüber diskutierte, inwiefern die

Kunst eine Bedeutung für die Tugenden und sozialen Gefühle habe, erkannte man im

19. Jahrhundert die Erneuerung der Malerei und den daraus hervorgehenden neuen

Zusammenhang zwischen Sozialpolitik und Kunstgewerbe an. Das Verschwinden des

Auftraggebers und der Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit und die Gunst eines

anonymen Publikums führten sowohl konservative als auch progressive Künstler dazu, sich

von ihrer Bindung an die bisherigen Bildthemen zu befreien. Dies entsprach der

revolutionären Grundstimmung der Zeit und den unterschwelligen Erwartungen, die das neue

Publikum in die Kunst setzte. ,,

Deren gesellschaftliche Aufgabe bestand in erster Linie darin,

2

Charles Baudelaire,

Wozu Kunst?, In: Der Künstler und das moderne Leben. Essays, ,,Salons", Intime

Tagebücher, Leipzig 1994, S. 79

3

Charles Baudelaire,

Wozu Kunst?, In: Der Künstler und das moderne Leben. Essays, ,,Salons", Intime

Tagebücher, Leipzig 1994, S. 21

5


die mit dem sozialgeschichtlichen Wandel verbundenen Ängste zu bannen und den Entwurf

eines Selbst- und Weltbildes vorzulegen, das den narzisstischen Bedürfnissen des damaligen

Bürgertums entsprach

."4 Dies führte zur moralischen Begegnung von Bereichen wie

Theologie, politischer Philosophie und Sexualpathologie. Man bemühte sich, die Geltung

ethischer Normen zu erfassen und abzugrenzen. Die Existenz von Bedeutung, Inhalt,

Zeichenhaftigkeit und Sprache, die sowohl der Kommunikation als auch der Vermittlung

dienten, waren für ein Kunstwerk zur Prämisse geworden- die Kunst erhielt eine völlig neue

Wertschätzung, in der man ihr eine soziale Funktion zugestand, und sie zur ,,hoher Kunst"

erhöhte. Dies hatte allerdings zur Folge, dass, in den Augen der Allgemeinheit, ein Fehlen

von Geschicklichkeit Dilettantismus, und ein Fehlen von Enthusiasmus bloßes Handwerk

darstellte.

So begann sich eine Kluft zu bilden zwischen dem, was man die ,,offizielle" Kunst nannte, die

sich an der Tradition der Akademien orientierte, und den fortschrittlichen Künstlern, die neue

Ideale errichteten, neue künstlerische Themen entdeckten und neue Gestaltungsmittel

entwickelten- deren Arbeiten wurden zu Beginn jedoch oft ,,verkannt". Damit begann Ende

des 19. Jahrhunderts ein Grundzug der Moderne spürbar zu werden- das persönliche

Bekenntnis und die geistige und soziale Stellungsnahme des Künstlers, der damit die Rolle

und Funktion des Deuters übernahm, die die geistliche Oberschicht nicht mehr zu erfüllen

vermochte.

Sowohl die Aufsicht der Erziehung des Künstlers innerhalb des gesellschaftlichen

Wertesystems, als auch des Pflege- und Musealwesens lag spätestens ab diesem Zeitpunkt in

staatlicher Hand.

Karikatur und Satire als künstlerische Formen der Gesellschaftskritik

Im Folgenden möchte ich zwei kritisch eingestellte Kunstgattungen vorstellen und deren

Arbeits- und Vorgehensweise erläutern.

Der Begriff der Karikatur (Lehnwort aus dem Italienischen, caricare = übertreiben,

beladen) wurde seit dem 17. Jahrhundert auf bestimmte Porträts der Brüder Carracci

angewandt, die sich mit Übertreibung und Abstraktion arbeitenden Menschendarstellungen

befassten.

Seit der Aufklärung wollten die Künstler ihre Karikaturen dann nicht mehr als bloße

ästhetische Objekte betrachtet wissen, sondern sie wollten ihre Werke, die sich meist auf die

gesellschaftlichen Verhältnisse bezogen, gelesen und verstanden wissen. Das Grundmerkmal

4

Sandro Bocola

, Die Kunst der Moderne, München 1994, S. 69

6



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Das Internet als Distributionsinstrument der Tonträgerindustrie

Author: Frank Diedrichs
Economics / Business: Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research, 2002 Download as PDF-file for 19,99 EUR

Das Marketing von Musik im Internet - Theoretische Grundlagen und praktische Beispiele

Author: Daniel Skoda
Economics / Business: Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research, 2000 Download as PDF-file for 29,90 EUR

Gestaltung und Wirkung von Werbung

Authors: Christian Klaas, Markus Eppelmann, Stephan Keil
Psychology - Media Psychology, 2006 Download as PDF-file for 11,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/90417/kunst-als-gesellschaftskritik
please wait Please wait