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Krise der deutschen Gewerkschaften - Symptome, Ursachen und Lösungsansätze

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 26 Pages
Author: Torsten Kühne
Subject: Politics - Political Systems - Germany

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 26
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V90497
ISBN (E-book): 978-3-638-04779-1
ISBN (Book): 978-3-638-94343-7
File size: 166 KB
Notes :
Die hier vorliegende Version wurde nachträglich anhand der Korrekturen des Professors überarbeitet. D.h. sie sollte jetzt etwa einer 1,3 entsprechen.


Abstract

Die tief greifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gehen auch an den Gewerkschaften der Bundesrepublik Deutschland nicht spurlos vorüber. Ganz im Gegenteil, sie werden heftig gebeutelt und zum Sündenbock für die schlechte wirtschaftliche Lage gemacht. Woher kommt das? Die Gewerkschaften waren doch lange Zeit eine anerkannte Größe in der deutschen politischen Landschaft. In der letzten Dekade fiel es ihnen jedoch immer schwerer innovative Ergebnisse zu liefern und sie beschränkten sich darauf lauthals aufzuschreien, wenn neue Einschnitte im Sozialsystem verkündet wurden. In den Medien ist „Gewerkschafts-bashing" zur Mode geworden. (Klingenburg 2003, S.1). Es ist nicht zu übersehen, die Gewerkschaften machen eine schwierige Zeit durch. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Krise der deutschen Gewerkschaften und geht der Frage nach: was sind die Symptome und Ursachen dafür? Mit welchen Korrekturen könnten sich die Gewerkschaften daraus befreien und welche Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich für die Zukunft an? Ziel ist es die gewonnenen Erkenntnisse thematisch zu sortieren und mögliche Lösungen aufzuzeigen. Zur Ausarbeitung wurde einschlägige Sekundärliteratur verwendet wobei darauf geachtet wurde, dass möglichst alle Sichtweisen auf das Thema durch eine Quelle vertreten sind. So fanden sowohl Werke aus dem gewerkschaftsnahen Umfeld als auch aus der wirtschaftsliberaleren Ecke Eingang, auch der politikwissenschaftliche Blickwinkel wurde berücksichtigt. Wenn im folgenden Text der Begriff Gewerkschaften verwendet wird meint dieser, soweit nicht anders erwähnt, die deutschen lndustriegewerkschaften und ihre Dachverbände, mit Schwerpunkt auf dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem ihm angehörigen Gewerkschaften. Aufgebaut ist die Arbeit folgendermaßen: Als Hinführung zum Thema werden die Gewerkschaften und der rechtliche Rahmen, in dem sie sich bewegen, kurz skizziert. In Kapitel drei werden die aktuellen und schwerwiegendsten Probleme, vor denen die Gewerkschaften stehen, dargestellt und es wird erläutert in wie weit sich diese Probleme auf die Gewerkschaften auswirken und wie sie entstanden sind. Erster Punkt ist dabei der drastische Verlust von Mitgliedern, mit dem die Arbeitnehmerverbände seit Jahren kämpfen. Die Auswirkungen und Ursachen der veränderten Mitgliederstruktur, des soziokulturellen und sozioökonomischen Wandels und des aktuellen Weltbildes der Gewerkschaften kommen zur Sprache.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Institut für Politische Wissenschaft

Hauptseminar: Staat und Verbände

Sommersemester 2007

Krise der deutschen Gewerkschaften ­

Symptome, Ursachen und Lösungsansätze

Vorgelegt von:

Torsten Kühne

Politikwissenschaft (Dipl.)

Wirtschaftswissenschaften

5.Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Gewerkschaften 5

3. Probleme 6

3.1. Mitgliederschwund 7

3.1.1 Mitgliederstruktur 9

3.1.2 Soziokulturel er Wandel 10

3.1.3 Sozioökonomischer Wandel 11

3.1.4 Weitbild / Kommunikationsdefizit 12

3.1.5 Fusionen 14

3.2 Finanzprobleme 15

3.3 Fehlen der Antagonisten 16

3.4 Globalisierung 17

4. Gegenmaßnahmen 20

5. Schlussbetrachtung 22

Literaturverzeichnis: 24

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mitgliederentwicklung des DGB von 1994 ­ 2006

8

2


1. Einleitung

Die tief greifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gehen auch an den

Gewerkschaften der Bundesrepublik Deutschland nicht spurlos vorüber. Ganz

im Gegenteil, sie werden heftig gebeutelt und zum Sündenbock für die

schlechte wirtschaftliche Lage gemacht. Woher kommt das? Die

Gewerkschaften waren doch lange Zeit eine anerkannte Größe in der

deutschen politischen Landschaft. In der letzten Dekade fiel es ihnen jedoch

immer schwerer innovative Ergebnisse zu liefern und sie beschränkten sich

darauf lauthals aufzuschreien, wenn neue Einschnitte im Sozialsystem

verkündet wurden. In den Medien ist ,,Gewerkschafts-bashing" zur Mode

geworden. (Klingenburg 2003, S.1). Es ist nicht zu übersehen, die

Gewerkschaften machen eine schwierige Zeit durch. Die vorliegende Arbeit

beschäftigt sich mit der aktuel en Krise der deutschen Gewerkschaften und geht

der Frage nach: was sind die Symptome und Ursachen dafür? Mit welchen

Korrekturen könnten sich die Gewerkschaften daraus befreien und welche

Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich für die Zukunft an? Ziel ist es die

gewonnenen Erkenntnisse thematisch zu sortieren und mögliche Lösungen

aufzuzeigen.

Zur Ausarbeitung wurde einschlägige Sekundärliteratur verwendet wobei darauf

geachtet wurde, dass möglichst al e Sichtweisen auf das Thema durch eine

Quel e vertreten sind. So fanden sowohl Werke aus dem gewerkschaftsnahen

Umfeld als auch aus der wirtschaftsliberaleren Ecke Eingang, auch der

politikwissenschaftliche Blickwinkel wurde berücksichtigt. Wenn im folgenden

Text der Begriff Gewerkschaften verwendet wird meint dieser, soweit nicht

anders

erwähnt,

die

deutschen

lndustriegewerkschaften

und

ihre

Dachverbände, mit Schwerpunkt auf dem Deutschen Gewerkschaftsbund

(DGB) und dem ihm angehörigen Gewerkschaften.

3


Aufgebaut ist die Arbeit folgendermaßen: Als Hinführung zum Thema werden

die Gewerkschaften und der rechtliche Rahmen, in dem sie sich bewegen, kurz

skizziert. In Kapitel drei werden die aktuel en und schwerwiegendsten

Probleme, vor denen die Gewerkschaften stehen, dargestel t und es wird

erläutert in wie weit sich diese Probleme auf die Gewerkschaften auswirken und

wie sie entstanden sind. Erster Punkt ist dabei der drastische Verlust von

Mitgliedern, mit dem die Arbeitnehmerverbände seit Jahren kämpfen. Die

Auswirkungen und Ursachen der veränderten Mitgliederstruktur, des

soziokulturel en und sozioökonomischen Wandels und des aktuel en Weltbildes

der Gewerkschaften kommen zur Sprache. Gesondert wird der Versuch, dem

Mitgliederschwund durch Fusionen entgegenzuwirken, behandelt, zudem wird

dargelegt, wie die einzelnen Problemfelder, die für den Verlust der Mitglieder

verantwortlich sind, miteinander in Verbindung stehen. Im Weiteren werden die

finanziel e Krise und ihre Korrelation mit dem Mitgliederschwund, sowie die

Auswirkungen der abnehmenden Bindekraft der Arbeitgeberverbände und die

der Globalisierung der Weltwirtschaft, auf die Gewerkschaften behandelt. Dabei

wird versucht möglichst unterschiedliche Aspekte, Sichtweisen und Prognosen

vorzustel en.

Kapitel vier beinhaltet eine Übersicht über die Maßnahmen, die den

Gewerkschaften vorgeschlagen werden, um die aktuel e Krise zu überwinden.

Es werden Vorschläge genannt, die es den Gewerkschaften ermöglichen sol en

sowohl im Bereich der Mitgliederentwicklung, als auch in den sich ändernden

wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wieder das Heft in die Hand zu

bekommen. Im Schlussteil folgen noch einige Gedanken wie es den

Gewerkschaften möglich wäre nicht nur aus der Krise heraus zu kommen,

sondern auch für die Zukunft wieder zu einem ernst zu nehmenden

sozialpolitischen Akteur zu werden und es zu bleiben.

4


2. Gewerkschaften

Im Folgenden werden kurz das Wesen und die Funktionen der Gewerkschaften

skizziert. Gewerkschaften sind auf Freiwil igkeit basierende Vereinigungen von

Arbeitnehmern, die dazu dienen, die Interessen der Mitglieder im Arbeitsleben,

sowie in sozial- und wirtschaftspolitischen Belangen zu artikulieren und

durchzusetzen. Sie basieren auf Artikel 9, Absatz 3 des Grundgesetzes.

Im Speziel en nehmen die Gewerkschaften zwei unterschiedliche Arten von

Aufgaben wahr stel en, ökonomisch betrachtet, ihren Mitgliedern zwei Arten von

Gütern zur Verfügung. Zum einen exklusive Güter, die nur ihren Mitgliedern

zugute kommen, zum anderen Aufgaben und Güter, die zwar im Interesse ihrer

Mitglieder liegen, von deren Nutzung Nichtmitglieder aber nicht ausgeschlossen

werden können. Unter Erstgenannte fal en besonders Dienstleistungen wie

Rechtsberatung und juristischer Beistand, beziehungsweise juristische

Vertretung. Sie bieten selektive Anreize für eine Mitgliedschaft. In ihrer zweiten,

wesentlichen Funktion treten die Gewerkschaften im Arbeitsmarkt als

Tarifvertragspartner gemäß Paragraph 2 Tarifvertragsgesetz auf. Sie handeln

mit der Arbeitgeberseite die Tarifverträge aus. Von diesen profitieren

üblicherweise auch Nichtmitglieder. Gegenüber dem Staat fungieren

Gewerkschaften als Interessenverbände, nehmen aber darüber hinaus auch

staatsentlastende Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Mitwirkung im System der

sozialen Absicherung war (Funk 2003, S.14). In Deutschland lassen sich zwei

Arten von Gewerkschaften

unterscheiden:

a)

die

großen

Industriegewerkschaften und ihre Dachverbände, in denen eine Vielzahl von

Berufsgruppen vertreten sind und b) die kleineren Spartengewerkschaften, die

nur eine sehr speziel e Klientel ansprechen.

Um den Machtfaktor einer Gewerkschaft beurteilen zu können, ist es sinnvol ,

zu überprüfen, wie es um ihre Artikulationsfähigkeit, ihr Mobilisierungspotential

und ihre Konfliktfähigkeit bestel t ist. So ist die Artikulations- und

Organisationsfähigkeit der großen Gewerkschaften deutlich besser, da sie

althergebrachte politische Schwergewichte mit einer hohen Mitgliederzahl sind.

5


Bei der Konfliktfähigkeit sind ihnen die Spezialgewerkschaften jedoch oft

voraus, da deren Mitglieder oft Höherqualifizierte sind. Diese können durch

einen Ausstand empfindlich in das System eingreifen. So zum Beispiel die im

Marburger Bund organisierten Klinikärzte.

3. Probleme

Die Gewerkschaften haben in der Vergangenheit viel erreicht und sich eine

starke Stel ung im deutschen politischen System erarbeitet. Diese beruht auf,

und äußert sich in stark organisierten Sozialpartnern und der Fähigkeit der

Gewerkschaften, makroökonomisch sowie politisch mitzugestalten, bei

gleichzeitiger Verankerung in den Betrieben (Schroeder 2003, S.12).

Unterstützend hinzu kam ein Quasizwang zur Gewerkschaftsmitgliedschaft in

manchen lndustriezweigen (Alemann 200 S.3). Lange Zeit galt dieses System

international aufgrund ,,seiner friedensstiftenden und produktivitätssteigernden

Wirkung" als Erfolgsmodel (Funk 2003, S.14f).

Doch in den letzten Dekaden begann diese starke Position der Gewerkschaften

zu bröckeln und sie sahen sich mit Vorwürfen und Problemen konfrontiert,

deren Aufarbeitung nicht entschlossen genug angegangen wurde, und die so zu

einer ,,Thematisierungs- und Gestaltungskrise"(Schroeder 2003, S. 12) führten

(ebda.). Nicht nur Vorwürfe wie der, die Situation der Arbeitslosen durch zu

hohe Tarifabschlüsse weiter zu verschlechtern (Schroeder 2003, S.8), sondern

auch die zunehmende Heterogenität der Berufsbilder und --situationen, sowie

der Lebensstile der Berufstätigen stel en Herausforderungen dar (Schroeder

2003, S.8). Hinzu kommt, dass die Gewerkschaften oft nur reaktiv tätig werden

und wurden, dies hat ihnen den Ruf Blockierer und Neinsager zu sein,

eingebracht (RP online).

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Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification, 1998 Download as PDF-file for 6,99 EUR

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