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"als diu âventiure giht" - Die Kommunikation als zentrales Element und Handlungsauslöser im Artusroman

Subtitle: Dargestellt an Hartmanns von Aue "Iwein"

Termpaper, 2006, 23 Pages
Author: Regina Männle
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 29  Entries
Language: German
Archive No.: V90526
ISBN (E-book): 978-3-638-04657-2
ISBN (Book): 978-3-640-31987-9
File size: 119 KB

Abstract

[...]. Im Folgenden soll es darum gehen, welche Rolle das Kommunizieren, das Hartmann im Prolog quasi auf einer Metaebene bereits thematisiert, im Werk selbst spielt. Im Zentrum wird die Frage stehen, welche Bedeutung das verbale Interagieren für die Artusgemeinschaft einerseits und für die Entwicklung der gesamten Handlung andererseits hat. In einem ersten Schritt wird dabei etwas genauer auf den Beginn des Artusromans eingegangen, da es sich bei diesem, insbesondere dem Prolog, – um erneut mit HAUG zu sprechen – nicht um eine „beiläufige Einleitung [… handelt, sondern dort bereits] mit programmatischen Implikationen“ zu rechnen ist. Als Grundlage für das dritte Kapitel werden sodann die mit dem Bereich des Erzählens verbundenen, sehr facettenreichen Begriffe des ‚maere’ und der ‚âventiure’ von Interesse sein. Schließlich wird, basierend auf diesen Ergebnissen, der Text selbst im Vordergrund stehen: Einige zentrale Stellen, insbesondere die Kalogrenant-Erzählung und Iweins zweiter ‚âventiure’-Weg, werden auf ihre Relation zum Bereich der verbalen Interaktion hin untersucht. Als ein Ausgangspunkt für diese Arbeit dient WANDHOFFS Aufsatz „‚Âventiure’ als Nachricht für Augen und Ohren“, in dem die Bedeutung der Kommunikation im Zusammenhang mit Iweins Initialâventiure untersucht wird. Ebenso ist HENNIGS Dissertation „‚maere' und ‚werc'. Zur Funktion von erzählerischem Handeln im ‚Iwein' Hartmanns von Aue“, in der es besonders um den Prolog und um sogenannte Sprechhandlungen im „Iwein“ geht, von Interesse. Die vorliegende Arbeit wird sich jedoch nicht nur auf den Prolog und Iweins erste ‚âventiure’ beschränken, sondern einige weitere Textstellen und die dortige Funktion des Kommunizierens untersuchen. Zu diesem Zweck erwies sich auch RUBERGS Habilitationsschrift „Beredtes Schweigen in lehrhafter und erzählender deutscher Literatur des Mittelalters“ als hilfreich, die sich mit dem genauen Gegenteil, nämlich der Funktion des Schweigens am Artushof, auseinandersetzt. Ob HENNIG Recht hat, wenn sie behauptet, dass „[s]prachliche Interaktionen […] im ganzen „Iwein“ der Motor für das Geschehen [sind]“, ob der Kommunikation also wirklich eine solch zentrale Rolle zukommt, soll am Ende begründet entschieden werden.


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.

Deutsches Seminar I ­ Ältere Sprache und Literatur

Proseminar: Der ,,Iwein" Hartmanns von Aue

Sommersemester 2006

,,als diu âventiure giht"

Die Kommunikation als

zentrales Element und Handlungsauslöser

im Artusroman.

Dargestellt an

Hartmanns von Aue ,,Iwein".

Vorgelegt von:

Regina Männle

1


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1

Einleitung 3

2

Vorüberlegungen und Begriffsklärungen 5

2.1

Hartmanns Aufwertung des Erzählens 5

2.2

Die Begriffe der ,âventiure′ und des ,maere′ 7

3

Kommunikation und Schweigen im ,,Iwein" 10

3.1

Kalogrenants Erzählung in der Erzählung 10

3.2

Iweins ,âventiuren′ und die verbale Interaktion 12

3.2.1 Kalogrenant, Iwein und das Brunnenreich 12

3.2.2 Iweins Krise und das Schweigen 15

3.2.3 Der Weg aus der Krise und die Reintegration in die Kommunikations-

gemeinschaft 16

4

Schluss 19

5

Literaturverzeichnis 20

5.1

Primärliteratur 20

5.2

Sekundärquellen 20

2


1 Einleitung

Ichn wolde dô niht sîn gewesen,

daz ich nû niht enwaere,

dâ uns noch mit ir maere

sô rehte wol wesen sol.

(>Iwein<, V.54-57)1

Dieser Ausschnitt aus dem Prolog des ,,Iwein" von Hartmann von Aue, diese ­ wie HAUG

meint ­ ,,verblüffende Wende der Laudatio temporis acti"2 stand bereits im Zentrum zahlrei-

cher Untersuchungen zu Hartmanns Artusroman.3 Für die vorliegende Betrachtung dient

dieses Prolog-Zitat insofern als Ausgangspunkt, als dass es den besonderen Stellenwert des

Erzählens und Kommunizierens für das gesellschaftliche Miteinander anspricht. Im Folgen-

den soll es darum gehen, welche Rolle das Kommunizieren, das Hartmann im Prolog quasi

auf einer Metaebene bereits thematisiert, im Werk selbst spielt. Im Zentrum wird die Frage

stehen, welche Bedeutung das verbale Interagieren für die Artusgemeinschaft einerseits und

für die Entwicklung der gesamten Handlung andererseits hat.

In einem ersten Schritt wird dabei etwas genauer auf den Beginn des Artusromans einge-

gangen, da es sich bei diesem, insbesondere dem Prolog, ­ um erneut mit HAUG zu spre-

chen ­ nicht um eine ,,beiläufige Einleitung [... handelt, sondern dort bereits] mit programma-

tischen Implikationen"4 zu rechnen ist. Als Grundlage für das dritte Kapitel werden sodann

die mit dem Bereich des Erzählens verbundenen, sehr facettenreichen Begriffe des ,maere′

und der ,âventiure′ von Interesse sein. Schließlich wird, basierend auf diesen Ergebnissen,

der Text selbst im Vordergrund stehen: Einige zentrale Stellen, insbesondere die Kalogre-

nant-Erzählung und Iweins zweiter ,âventiure′-Weg, werden auf ihre Relation zum Bereich

der verbalen Interaktion hin untersucht.

Als ein Ausgangspunkt für diese Arbeit dient WANDHOFFS Aufsatz ,,,Âventiure′ als Nachricht

für Augen und Ohren"5, in dem die Bedeutung der Kommunikation im Zusammenhang mit

1 Alle Zitate und deren Übersetzungen stammen aus: HARTMANN VON AUE (a): Iwein. Text und Übersetzung, hg.

von Georg Benecke [u.a.], Berlin [u.a.] 42001 (de Gruyter Texte). Die Übersetzung dieser Passage lautet fol-

gendermaßen: ,,Ich hätte damals nicht leben mögen, / so daß ich heute nicht existierte, / da uns mit der Erzäh-

lung von ihnen / wahres Vergnügen bereitet wird."

2 HAUG, Walter (a): Programmatische Fiktionalität. Hartmanns von Aue ′Iwein′-Prolog, in: Literaturtheorie im

deutschen Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Eine Einführung, hg. von Walter

Haug, Darmstadt 21992, S.118-130, hier S.125.

3 Eine Auswahl von Aufsätzen, die sich mit dem ,,Iwein"-Prolog beschäftigen, findet sich in den Fußnoten zu

Kapitel 2.1.

4 HAUG, Walter (b): ,Der aventiure meine′, in: Strukturen als Schlüssel zur Welt. Kleine Schriften zur Erzähllitera-

tur des Mittelalters, hg. von Walter Haug, Tübingen 1989, S.447-463, hier S.448.

5 WANDHOFF, Haiko: ,Âventiure′ als Nachricht für Augen und Ohren. Zu Hartmanns von Aue ,Erec′ und ,Iwein′,

Zeitschrift für deutsche Philologie 113 (1994), H.1, S.1-22.

3


Iweins Initialâventiure untersucht wird. Ebenso ist HENNIGS Dissertation ,,,maere′ und ,werc′.

Zur Funktion von erzählerischem Handeln im ,Iwein′ Hartmanns von Aue"6, in der es beson-

ders um den Prolog und um sogenannte Sprechhandlungen im ,,Iwein" geht, von Interesse.

Die vorliegende Arbeit wird sich jedoch nicht nur auf den Prolog und Iweins erste ,âventiure′

beschränken, sondern einige weitere Textstellen und die dortige Funktion des Kommunizie-

rens untersuchen. Zu diesem Zweck erwies sich auch RUBERGS Habilitationsschrift ,,Beredtes

Schweigen in lehrhafter und erzählender deutscher Literatur des Mittelalters"7 als hilfreich,

die sich mit dem genauen Gegenteil, nämlich der Funktion des Schweigens am Artushof,

auseinandersetzt. Ob HENNIG Recht hat, wenn sie behauptet, dass ,,[s]prachliche Interaktio-

nen [...] im ganzen ,,Iwein" der Motor für das Geschehen [sind]"8, ob der Kommunikation also

wirklich eine solch zentrale Rolle zukommt, soll am Ende begründet entschieden werden.

6 HENNIG, Beate: ,maere′ und ,werc′. Zur Funktion von erzählerischem Handeln im ,Iwein′ Hartmanns von Aue,

Göppingen 1981 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 321).

7 RUBERG, Uwe: Beredtes Schweigen in lehrhafter und erzählender deutscher Literatur des Mittelalters, Mün-

chen 1978 (Münstersche Mittelalter-Schriften 32).

8 HENNIG, S.80.

4


2

Vorüberlegungen und Begriffsklärungen

2.1 Hartmanns Aufwertung des Erzählens

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, nimmt der vielfach analysierte Beginn des ,,Iwein"9 in

vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung ein. Für die vorliegende Arbeit sind vor allem folgende

Aspekte des Romaneingangs interessant: Zum einen formuliert Hartmann an dieser Stelle

deutlich, dass für ihn das Erzählen nicht nur einen hohen Stellenwert hat, sondern dass ,,der

poetischen Gestaltung [...] sogar der Vorzug [...] vor den Taten selbst"10 einzuräumen sei.

HENNING, die für diesen Sachverhalt zentralen Begriffe aus dem Prolog zitierend, fasst diese

komplexe Verbindung von Geschehnissen einerseits und dem Berichten von diesen Ge-

schehnissen andererseits folgendermaßen zusammen: ,,Die ,werc′ können nur durch das

,maere′, durch das Erzählen von ihnen, erlebt werden; und das ,maere′ wird selbst zum

,werc′ dadurch, dass es dieses Erleben bewirkt."11 Zum anderen, und das soll im Folgenden

im Mittelpunkt stehen, zeichnet sich der ,,Iwein"-Prolog zusammen mit der sich daran an-

schließenden Kalogrenant-Erzählung dadurch aus, dass das Thema der Kommunikation auf

zweierlei Ebenen ­ nämlich der Ebene der realen Leser bzw. Zuhörer Hartmanns sowie der

Ebene des fiktiven Publikums im Roman selbst ­ angeschnitten wird.12 Auf diese Weise er-

gibt sich eine reizvolle Verschränkung zwischen der historischen Kommunikationssituation

Hartmanns13 und der fiktiven Welt des Artushofs.

Sicherlich zu Recht wird die höfische Gesellschaft meist als eine von ,,Erzähl- und Redefreu-

de"14 geprägte Gemeinschaft beschrieben. Wie jede Gruppe, in der kommuniziert wird, stellt

auch sie eine ,,begrenzte Kommunikationsgemeinschaft [...mit] engem Verständigungsrah-

9 Eine detaillierte Analyse des Aufbaus des ,,Iwein"-Prologs und seiner Funktion findet sich beispielsweise bei

HENNIG, S.52-77. Mit der Funktion von Prologen im Allgemeinen beschäftigt sich z. B. BRINKMANN, der den

Prolog als ,,Eröffnung eines Gesprächs" bezeichnet, BRINKMANN, Hennig: Der Prolog im Mittelalter als literari-

sche Erscheinung. Bau und Aussage, Wirkendes Wort 14 (1964) H.1, S.1-21, hier S.6.

10 MERTENS, Volker (a): Der deutsche Artusroman. Stuttgart 1998 (RUB 17609), S.80. Ähnliche Äußerungen sind

auch in folgenden Betrachtungen enthalten: HAUG (a), S.124; HARTMANN VON AUE (b): Iwein, aus dem Mittel-

hochdeutschen übertragen, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Max Wehrli, Zürich 1988.

(Manesse-Bibliothek der Weltliteratur), S.534; MERTENS, Volker (b): Imitatio Arthuri. Zum Prolog von Hart-

manns ,Iwein′, Zeitschrift für deutsches Altertum 106 (1977), S.350-385, hier S.357; HENNIG, S.75 bzw. S.80;

CORMEAU, Christoph/STÖRMER, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche, Werk, Wirkung, München 21993 (Ar-

beitsbücher zur Literaturgeschichte), S.202.

11 HENNIG, S.250.

12 HENNIG meint außerdem, dass bereits der Beginn des Romans ,,auf den kommunikativen Charakter dieses

Textes hin[weist]." HENNIG, S.53.

13 Eine ausführlichere Darstellung der historischen Literatur- und Kommunikationssituation findet sich beispiels-

weise bei BUMKE, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, Bd.II, München

21986 (dtv 4442), S.595-784, besonders S.700-734.

14 RUBERG, S.223. Auch BÄTZ sieht das so und sagt, Erzählen sei ein ,,[wichtiger] Bestandteil de[r] gesellschaftli-

chen Unterhaltung am Hofe", BÄTZ, Oliver: Konfliktführung im ,Iwein′ des Hartmann von Aue, Aachen 2003

5



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