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Subtitle: Eine empirische Untersuchung zum Nutzungsverhalten der BesucherInnen des Inhalationsraumes im Drogenkonsumraum des Vereins Krisenhilfe Essen e.V.
Diploma Thesis, 2003, 145 Pages
Author: Stefan Berger
Subject: Sociology - Medical Care
Details
Tags: Drogenkonsumraum
Year: 2003
Pages: 145
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 70 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04968-9
ISBN (Book): 978-3-638-94379-6
File size: 3390 KB
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Abstract
Probleme mit illegalen Drogen gibt es in Deutschland nun seit einigen Jahrzehnten. Die in Großstädten existierenden offenen Drogenszenen und die damit im Zusammenhang stehende Beschaffungskriminalität verunsichern die Bevölkerung und rufen auch die Medien auf den Plan, welche zum Beispiel von immer jünger werdenden Drogenkonsumenten und einer extremen Brutalität der Drogenszene berichten. Dass dies aber nur eine mögliche Seite der Betrachtung darstellt, vergessen dabei viele. Tatsächlich geht es um Drogenkonsumenten, die teilweise unter unvorstellbar menschenunwürdigen Bedingungen auf der Straße leben, verelendet konsumieren müssen und in der Regel von großen Teilen der Bevölkerung kein Verständnis für ihre Situation erhoffen können. So steigen nicht nur die Kosten für die allgemeine Bevölkerung, welche darum bemüht ist Drogensucht zu behandeln oder gar zu verhindern, sondern auch die Kosten auf Seiten der Konsumenten, die aktuell nicht dazu bereit oder befähigt sind ihren Suchtmittelkonsum aufzugeben. Infektionskrankheiten, Überdosierungen, eine verminderte Lebenserwartung sind Konsequenzen, welche die Gruppe dieser Konsumenten dafür selbst tragen muss. Es stellt sich die Frage, ob dies auch notwendigerweise so sein muss? Mit dieser Frage setzt sich unter anderem die vorliegende Diplomarbeit auseinander, deren Aufbau sich dabei wie folgt gliedert: Wie der Titel der Arbeit vermuten lässt, steht im Zentrum des Interesses eine bestimmte Art Heroin zu konsumieren. Die Rede in Kapitel VI ist vom „Drachen jagen“, einer wesentlich „risikoärmeren“ Konsumform als beispielsweise die in Deutschland weitaus häufigere intravenöse Applikation. Dargestellt werden Geschichte und Hintergründe einer Konsumart, welche in Deutschland aus verschiedenen Ursachen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine größere Verbreitung finden konnte. Schließlich folgt in Kapitel VII der empirische Anteil der vorliegenden Diplomarbeit, der sich vorrangig auf die zuvor angesprochene Konsumentengruppe der Heroinraucher bezieht. Mit einem pädagogischen Fazit schließt die vorliegende Arbeit in Kapitel VIII. Hier werden die wesentlichen Erkenntnisse dargestellt, wie auch neue wichtige Fragestellungen aufgeworfen, die besonders für die weitere Arbeit im tertiären, präventiven Bereich der Suchthilfe Relevanz besitzen.
Excerpt (computer-generated)
Auf ,Drachenjagd′ im Drogenkonsumraum
Eine empirische Untersuchung zum Nutzungsverhalten
der BesucherInnen des Inhalationsraumes im
Drogenkonsumraum des Vereins Krisenhilfe Essen e.V.
Diplomarbeit
Im Fachbereich Erziehungswissenschaft
An der Universität Duisburg-Essen
Vorgelegt von:
Stefan Berger
Oberhausen, 20.12.2003
Inhaltsverzeichnis
Kapitel I
1.
Einleitung
1
Kapitel II
2.
Daten zum Drogenkonsum in der Bundesrepublik
Deutschland Zahlen und Tendenzen im Überblick
...
4
2.1
,,Legale" und ,,illegale" Drogen
4
2.2
Konsum ,,legaler" Drogen
5
2.2.1 Alkohol
5
2.2.2 Medikamente
7
2.3
Konsum betäubungsmittelrechtlich unterstellter
,,illegaler" Drogen
9
2.3.1 Cannabisprodukte
9
2.3.2 Synthetische Drogen
11
2.3.3 Heroin
13
2.3.4 Kokain
14
2.3.5 Crack
16
2.4
Trendwende im Drogenkonsum
18
2.5
Rauschgifttote
19
Kapitel III
3.
Das Drogenhilfesystem der BRD
21
3.1
Ziele und Grundsätze
21
3.2
Handlungsfelder der Suchtkrankenhilfe
23
3.2.1 Prävention
23
3.2.2 Betreuung
25
3.2.3 Beratung
25
3.2.4 Rehabilitation
26
3.2.5 Integration
27
3.2.6 Selbsthilfe
28
II
Kapitel IV
4.
Konzept einer akzeptanzorientierten Drogenarbeit
29
4.1
Entstehung, Geschichte und Gegenwart
30
4.1.1 Kritik an den Grundsätzen der klassischen
Drogenarbeit
32
4.1.2 Selbstverständnis akzeptanzorientierter
Drogenarbeit
35
4.1.3 Arbeitsschwerpunkte akzeptanzorientierter
Drogenarbeit
40
4.1.4 Drogenkonsumräume
43
4.1.4.1 Entstehungsgeschichte und rechtliche
Grundlagen
43
4.1.4.2 Zielsetzungen der Drogenkonsumräume
47
4.1.4.3 Umsetzung
49
Kapitel V
5.
Vorstellung einer akzeptanzorientiert arbeitenden
Einrichtung Die Krisenhilfe Essen e.V.
54
5.1
Drogenkonsum- und Inhalationsraum
56
5.1.1 Zielsetzung und inhaltliche Gestaltung
57
5.1.2 Zielgruppe
58
5.1.3 Örtliche Lage, Räumlichkeiten und Ausstattung
59
5.1.4 Öffnungszeiten
62
5.1.5 Hausordnung und Benutzerregeln
62
5.2
Statistische Auswertung
63
Kapitel VI
6.
,,Den Drachen jagen" Das Inhalieren von Heroin
67
Kapitel VII
7.
Empirischer Teil Ergebnisse der Untersuchung zum
Nutzungsverhalten der BesucherInnen des
Drogenkonsumraumes und Inhalationsraumes des
Vereins Krisenhilfe Essen e.V.
70
7.1
Einleitung
70
7.2
Methodische Vorgehensweise
71
III
7.2.1 Stichprobe
71
7.2.2 Fragebogen
71
7.2.3 Versuchsplan
72
7.3
Ergebnisse
74
7.3.1 Struktur der Gesamtstichprobe
74
7.3.1.1 Soziodemographische Daten 74
7.3.1.2 Drogenkonsummuster
80
7.3.2 Inhalativ und intravenös konsumierende
Drogengebrauche
85
7.3.2.1 Soziodemographische Daten
86
7.3.2.2 Drogenkonsummuster
93
7.3.2.3 Nutzung des Drogenkonsumraumes
98
7.3.2.4 Verlauf der Konsumformwahl und
Gründe
dafür
101
7.3.2.5 Angaben zum gesundheitlichen Zustand
106
7.3.2.6
Schließende
Frage
109
7.4
Zusammenfassung und Diskussion der
Fragebogenergebnisse
110
Kapitel VIII
8. Pädagogisches
Fazit
115
Kapitel IX
9. Zusammenfassung
120
Literatur
122
Materialanhang
128
IV
Kapitel I
1. Einleitung
Probleme mit illegalen Drogen gibt es in Deutschland nun seit einigen
Jahrzehnten. Die in Großstädten existierenden offenen Drogenszenen und die
damit im Zusammenhang stehende Beschaffungskriminalität verunsichern die
Bevölkerung und rufen auch die Medien auf den Plan, welche zum Beispiel von
immer jünger werdenden Drogenkonsumenten1 und einer extremen Brutalität der
Drogenszene berichten. Dass dies aber nur eine mögliche Seite der Betrachtung
darstellt, vergessen dabei viele. Tatsächlich geht es um Drogenkonsumenten, die
teilweise unter unvorstellbar menschenunwürdigen Bedingungen auf der Straße
leben, verelendet konsumieren müssen und in der Regel von großen Teilen der
Bevölkerung kein Verständnis für ihre Situation erhoffen können. So steigen nicht
nur die Kosten für die allgemeine Bevölkerung, welche darum bemüht ist
Drogensucht zu behandeln oder gar zu verhindern, sondern auch die Kosten auf
Seiten der Konsumenten, die aktuell nicht dazu bereit oder befähigt sind ihren
Suchtmittelkonsum aufzugeben. Infektionskrankheiten, Überdosierungen, eine
verminderte Lebenserwartung sind Konsequenzen, welche die Gruppe dieser
Konsumenten dafür selbst tragen muss. Es stellt sich die Frage, ob dies auch
notwendigerweise so sein muss? Mit dieser Frage setzt sich unter anderem die
vorliegende Diplomarbeit auseinander, deren Aufbau sich dabei wie folgt gliedert:
Der Konsum von Suchtmitteln ist nicht nur auf einen kleinen Teil der deutschen
Bevölkerung beschränkt. Substanzen wie Alkohol und Nikotin dienen in breiten
Teilen der Gesellschaft als legale Genussmittel, deren ebenfalls riskanter und
folgenreicher Konsum lange nicht so negativ behaftet ist wie zum Beispiel der
von Heroin. Über die Verbreitung, Wirkung und Folgen des Konsums, wie auch
die Festlegung dessen, was überhaupt als legale und illegale psychoaktive
Substanzen gehandelt wird, gibt Kapitel II Aufschluss.
Um den Folgen des Drogenkonsums in der Bundesrepublik Deutschland
begegnen zu können, ist ein komplexes Drogenhilfesystem geschaffen worden,
1 Ich verzichte auf die zusätzliche Nennung der weiblichen Endung ,-In-′. Selbstverständlich beziehe ich mich
gleichermaßen auf männliche UND weibliche Personen.
1
welches in Kapitel III näher dargestellt werden soll. Am besten charakterisiert
durch ein engmaschiges Netz von Angeboten, in dem möglichst alle Betroffenen
aufgefangen werden, hält es eine Vielzahl von individuellen Wegen aus der Sucht
bereit, mildert die negativen Konsequenzen für das Individuum oder versucht
Suchtbildung schon im vorhinein ganz und gar zu vermeiden. Dabei sieht es sich
ständig wechselnden Anforderungen gegenüber, auf die es in seiner
Angebotsstruktur reagieren muss.
Ein Bestandteil des Drogenhilfesystems ist die akzeptanzorientierte Drogenarbeit,
welche als ein möglicher Arbeitsansatz in Kapitel IV vorgestellt wird. Aus der
Kritik an der klassischen abstinenzorientierten Drogenarbeit hervorgegangen, ist
ihr Ziel nicht vorrangig die völlige Suchtmittelabstinenz, sondern vielmehr die
Schaffung niedrigschwelliger und schadensminimierender (harm-reduction)
Angebote für Konsumenten, die ihren Suchtmittelkonsum zum gegenwärtigen
Zeitpunkt nicht aufgeben wollen oder können. Um möglichst alle Betroffenen zu
erreichen ist ihre Haltung notwendigerweise akzeptanzorientiert gegenüber dem
Konsumenten und seiner Entscheidung zu einem möglicherweise extremen
Konsumverhalten. Aus diesem Blickwinkel ist auch die Einrichtung von so
genannten Drogenkonsumräumen zu sehen, dessen vorrangige Aufgabe es ist,
durch die Bereitstellung von hygienischen Konsumbedingungen Risiken der
Drogenapplikation, die sonst möglicherweise auf der Straße vorgenommen würde,
zu minimieren.
Im Mittelpunkt von Kapitel V steht die Einrichtung Krisenhilfe Essen e.V., die
stellvertretend für andere akzeptanzorientiert arbeitenden Einrichtungen des
Drogenhilfesystems betrachtet werden kann. Als Bestandteil der
niedrigschwelligen Abteilung und Teil ihres komplexen Gesamtangebots wird
hier ebenfalls der in das Drogenhilfezentrum auf der Hoffungstrasse integrierte
Drogenkonsumraum vorgestellt.
Wie der Titel der Arbeit vermuten lässt, steht im Zentrum des Interesses eine
bestimmte Art Heroin zu konsumieren. Die Rede in Kapitel VI ist vom ,,Drachen
jagen", einer wesentlich ,,risikoärmeren" Konsumform als beispielsweise die in
Deutschland weitaus häufigere intravenöse Applikation. Dargestellt werden
Geschichte und Hintergründe einer Konsumart, welche in Deutschland aus
2
verschiedenen Ursachen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine größere
Verbreitung finden konnte.
Schließlich folgt in Kapitel VII der empirische Anteil der vorliegenden
Diplomarbeit, der sich vorrangig auf die zuvor angesprochene
Konsumentengruppe der Heroinraucher bezieht. Zu ihrem Konsum- und
Nutzungsverhalten, aber auch zu dem der intravenös applizierenden Gruppe im
Drogenkonsumraum und Inhalationsraum der Krisenhilfe Essen e.V. wurden
Besucher des Cafés und Drogenkonsumraumnutzer befragt. Die daraus
gewonnenen Ergebnisse sollen dazu dienen, mögliche Unterschiede zwischen
beiden Konsumentengruppen zu erkennen, Ursachen für die Wahl einer mehr
oder weniger riskanten Konsumform und damit die nötigen Bedingungen für
einen risikominimierten Konsum zu ermitteln.
Mit einem pädagogischen Fazit schließt die vorliegende Arbeit in Kapitel VIII.
Hier werden die wesentlichen Erkenntnisse werden hier dargestellt, wie auch neue
wichtige Fragestellungen aufgeworfen, die besonders für die weitere Arbeit im
tertiären Präventionsbereich Relevanz besitzen.
3
Kapitel II
2. Daten zum Drogenkonsum in der Bundesrepublik Deutschland
Zahlen und Tendenzen im Überblick
Zunächst sollen einige Zahlen folgen, die den aktuellen Stand des
Drogenkonsums in Deutschland widerspiegeln. Nicht nur ,,illegale", sondern auch
einige ,,legale" Substanzen und deren Wirkungsweisen werden dabei Beachtung
finden, welche in der Drogenszene teilweise permanent konsumiert werden.
2.1 ,,Legale" und ,,illegale" Drogen
Unter dem Begriff Drogen werden alle pflanzlichen und chemischen Substanzen
zusammengefasst, die durch Einwirkung auf das zentrale Nervensystem das
subjektive Empfinden des Konsumenten beeinflussen. Man spricht deshalb auch
von psychoaktiven Subtanzen. Dazu zählen viele alltägliche Genussmittel, wie
zum Beispiel Kaffee, Tabak oder Alkohol, aber auch Medikamente und andere
Substanzen aus dem alltäglichen Gebrauch, die zweckentfremdet auf diese Art
und Weise bei dem Konsumenten wirken. Die meisten dieser genannten
Substanzen zählen zu den so genannten ,,legalen" Drogen. Laut dem neuen
Jugendschutzgesetz, welches im April 2003 in Kraft getreten ist, ist dem
Alkoholverbot unter 16 Jahren ein generelles Rauchverbot und Abgabeverbot von
Tabakwaren in der Öffentlichkeit hinzugefügt worden.2 Das
Betäubungsmittelgesetz (BtMG) bildet die rechtliche Grundlage für den Verkauf,
Erwerb und Konsum ,,illegaler" Drogen. Diese werden darüber hinaus in
,,weiche" Drogen, wie Cannabis, Ecstasy und ,,harte" Drogen, wie zum Beispiel
Heroin, Kokain und LSD unterteilt.3 Nur am Rande soll darauf hingewiesen
werden, dass diese Differenzierung im BtMG zwischen ,,harten" und ,,weichen",
sowie ,,legale" und ,,illegale" Drogen nicht unumstritten ist. Sie bietet zwar eine
klare und sicherlich auch notwendige gesetzliche Regelung für die
Zulässigkeit verschiedener Substanzen, jedoch wird bei der genaueren
Betrachtung einiger legaler und illegaler Substanzen deutlich, dass ihre
Einstufung nicht nur unter dem Gesichtspunkt der tatsächlichen ,,Gefährlichkeit"
2 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2003
3 Stimmer 2000, S. 113
4
erfolgt sein konnte. Um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: Die körperlichen
Folgeschäden von langwierigem und exzessivem Alkoholkonsum (Leberzirrhose,
bösartige Neubildungen der Leber- und Gallengänge, Bauchspeicheldrüse) sind
allgemein bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass der Konsum von
hochwertigem Heroin dagegen erwiesener Maßen keinerlei dauerhafte körperliche
Schäden verursachen würde. Die dennoch unabhängig davon bestehen bleibende
Gefahr der Atemdepression oder des Atemstillstandes soll dabei nicht
verschwiegen werden. Aber der mit Heroinkonsum häufig in Verbindung
gebrachte körperliche Verfall ist weitestgehend auf die chemische
Zusammensetzung des straßenüblichen Heroins, welches völlig unberechenbar
von Zwischenhändlern gestreckt und gepanscht wird, zurückzuführen.4 Wir
sehen, dass andere Gründe für die Illegalisierung gewisser Substanzen
ausschlaggebend sein müssen: ,,Welche Drogen legal, illegal, ,,hart" oder ,,weich"
sind, unterliegt immer dem gesellschaftlichen Wandel."5
Liegt das Augenmerk folgender Ausführungen zwar auf den Drogen selbst und
deren Verbreitung, so sollte nicht vergessen werden, dass es sich dabei nur um
einen Ausschnitt aus einem sich bedingenden Gefüge von Droge, Person und
Umwelt handelt.
2.2 Konsum ,,legaler" Drogen
2.2.1 Alkohol
Wirkstoff ist das Äthanol. Alkohol wird durch Vergärung organischer Stoffe
gewonnen und gehört gesetzlich als Genussmittel zu den Lebensmitteln. Es wird
in alkoholischen Getränken mit unterschiedlich hohen Alkoholanteilen
konsumiert. Bier hat einen alkoholischen Anteil zwischen 3% und 8,5%, Wein
zwischen 12% und 13,5% und höherprozentige Getränke oder Spirituosen von bis
zu 80%. Die Wirkungsweise des Alkohols richtet sich nach der Intensität des
Rauschzustandes. Bei leichten bis mittleren Rauschzuständen der
Blutalkoholgehalt beträgt zwischen 0,5 bis 2,5 Promille kann es zu einer
Enthemmung aggressiver und sexueller Impulse, zu erhöhtem Redebedürfnis,
Verminderung der Selbstkritikfähigkeit, Euphorie und Heiterkeit, einhergehend
mit einer Steigerung des Selbstwertgefühls kommen. Später wird die anfängliche
4 vgl. Zurhold 1995, S. 5
5 Wierling 2002, S. 8
5
euphorisierende Wirkung zunehmend durch sedierende Effekte ersetzt.
Reaktionsgeschwindigkeit, Schmerzempfindlichkeit und die intellektuelle
Leistungsfähigkeit werden abhängig von der Stärke des Rausches erheblich
vermindert. Liegt der Blutalkoholgehalt über 2,5 Promille, so spricht man von
einem schweren Rauschzustand, der nun bereits eine narkotisierende Wirkung auf
den Konsumenten entfaltet. Die intellektuelle Leistungsfähigkeit nimmt weiter ab
und äußert sich in Gedächtnis- und Gleichgewichtsstörungen, deutliche
Verlangsamung des Redeflusses, Verlust der Selbstkontrolle, Angst und
Erregung. Ab einem Blutalkoholgehalt von etwa 4 Promille ist die tödliche Dosis
erreicht. Todesursache ist eine zentrale Atemlähmung. Lang anhaltender
Alkoholkonsum führt zu einer Reihe körperlicher und psychischer Folgeschäden,
welche zum Teil bleibend sind. Teilweise können körperliche Schädigungen, wie
sie an Leber, Magen-Darm-Trakt, dem Herzen und dem Nervensystem auftreten
können, auch psychische Veränderungen (z.B. Störungen der geistigen
Leistungsfähigkeit, Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen, Psychosen,
Eifersuchtswahn) bewirken. Eine körperliche Abhängigkeit tritt nach etwa 6-18
Monaten fortgesetzten Alkoholkonsums ein und führt bei Unterbrechung mitunter
zum lebensgefährlichen Entzugssyndrom, dem Alkoholdelir. Langanhaltender
Alkoholkonsum kann außerdem die Entwicklung sozialer Kompetenzen, wie die
Gestaltung von Beziehungen, Umgang mit Konflikten und Problemen negativ
beeinflussen.6
Der durchschnittliche Alkoholverbrauch im Jahre 2001 lag in der BRD bei 10,5
Litern je Einwohner und blieb im Vergleich zu den Vorjahren relativ konstant.
Bei den alters- und geschlechtsspezifischen Angaben lassen sich unter den
Gesichtspunkten Prävalenz und Konsumfrequenz einige Unterschiede aufweisen.
Dabei fällt auf, dass vor allem Männer dazu neigen eher Bier zu trinken, während
Frauen dagegen zu weinartigen Getränken tendieren. Männer und Frauen haben
diesbezüglich in der Alterskategorie 25-39 Jahre eine durchschnittliche Prävalenz
von 85%. Auch greifen eher Männer als Frauen zu höherprozentigen Getränken.7
Nach Hochrechnungen geht man davon aus, dass 1997 etwa 9,3 Mio. deutsche
Einwohner (16%) einen riskanten Alkoholkonsum aufwiesen. Darunter befanden
sich etwa 2,7 Mio. (5%) mit missbräuchlichem und etwa 1,6 Mio. (3%) mit
abhängigem Konsum (definiert nach DSM-IV)8. Etwa 42.000 Personen sterben
6 vgl. Blum 2002, S. 79f
7 Kraus/Augustin/Töppich 2003, S. 126ff
8 Merfert-Diete 2003, S. 9
6
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