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Thesis (M.A.), 2005, 103 Pages
Author: Felix F. Falk
Subject: Musicology
Details
Tags: Electric, Ride, Einfluss, Entwicklung, Musik, Kontext, Live-Darbietung, Zeit, Elektrifizierung, Beispiele, Lautsprecher, Mikrophon, E-Gitarre
Year: 2005
Pages: 103
Grade: 1,6
Bibliography: ~ 140 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-05395-2
ISBN (Book): 978-3-638-94613-1
File size: 1136 KB
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Abstract
Die Arbeit befasst sich mit der Elektrifizierung in der populären Musik und damit mit dem Wandel, der sich mit den Worten des Sängers Captain Beefheart als "New Electric Ride" beschreiben ließe. Technik begann seine Wirkung auf die populäre Musik erst zu entfalten, als sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Elektrizität mit dem Einzug in die Haushalte verbreitete. Bei sämtlicher Musik, die zuvor stattgefunden hatte, waren die Künstlerinnen und Künstler darauf angewiesen die einzelnen Instrumente nur gemäß ihrer natürlichen Möglichkeiten einzusetzen. In der Arbeit werden die wichtigsten technischen Entwicklungen und dabei insbesondere Lautsprecher, Mikrophon und E-Gitarre beleuchtet. Darauf aufbauend wird aus soziologischer Sicht die Situation vor der Elektrifizierung der populären Musik mit der danach verglichen. Auch wenn der Aspekt der Lautstärke der wohl unmittelbarste Effekt der Elektrifizierung war, so lassen sich aus diesen technischen Entwicklungen doch so weitreichende und entscheidende Konsequenzen ableiten, dass von Sound und Effekten über Tanz und Mode bis hin zu Subkultur und Starkult die wesentlichen und bestimmenden Elemente der Popularmusik betroffen sind. Diese Arbeit macht deutlich, wie weitgehend der Wandel der populären Musik durch die technischen Entwicklungen war und bis heute ist.
Excerpt (computer-generated)
Freie wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des Grades eines Magister Artium M.A.
am Musikwissenschaftlichen Seminar,
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
der Humboldt Universität zu Berlin
zum Thema
New Electric Ride
Der Einfluss von technischer Entwicklung auf populäre Musik im Kontext der
Live-Darbietung bezogen auf die Zeit der Elektrifizierung anhand der
Beispiele Lautsprecher, Mikrophon und E-Gitarre.
Vorgelegt von
Felix F. Falk
Berlin, im Juni 2005
Gliederung
1. Einleitung 4
1.1. Problemstellung 4
1.2. Vorbemerkungen 5
2. Begriffsklärung 8
2.1. Technik 8
2.2. Technologie 10
3. Problematisierung der musikwissenschaftlichen Theoriebildung 11
4. Relevante Aspekte für eine Untersuchung 13
4.1. Der Zusammenhang in dem technische Entwicklung entsteht 13
4.2. Zu den Folgen technischer Entwicklung 14
4.3. Technik und gesellschaftliche Werte und Normen 16
4.4. Zusammenfassung des 4. Kapitels 17
5. Wo fängt Entwicklung an? 17
6. Der Lautsprecher 19
6.1. Entstehung und Entwicklung 19
6.1.1. Telegrafentechnik und Telefon 19
6.1.2. Entwicklung bis zum Public-Address-System 23
6.2. Der Raumaspekt 28
6.2.1. Zur Raumgröße 28
6.2.2. Zum Raumklang 29
6.3. Technik als Stilmittel 30
6.3.1. Allgemeines 30
6.3.2. Ein Exkurs zur Lautstärke 32
6.3.3. Der Soundaspekt 34
6.4. Berufsbilder 36
6.4.1. Das Mischpult 36
6.4.2. Der Musiker als Techniker 37
6.4.3. Der Techniker als Künstler 38
2
6.5. Der Aspekt der Kompositionstechnik 40
6.6. Zusammenfassung des 6. Kapitels 42
7. Das Mikrophon 43
7.1. Entstehung und Entwicklung 43
7.2. Folgen für den Gesang 46
7.2.1. Folgen der Lautstärke 46
7.2.2. Das Crooning 47
7.2.3. Technik vs Authentizität 49
7.2.4. Authentizität und Crooning 51
7.3. Zusammenfassung des 7. Kapitels 53
8. Die elektrische Gitarre 53
8.1. Entstehung und Entwicklung 53
8.1.1. Die Ausgangssituation 53
8.1.2. Die Elektrifizierung 55
8.2. Einflussreiche Akteure 58
8.2.1. Gitarristen und der spieltechnische Aspekt 58
8.2.2. Gitarrenbauer und der kommerzielle Aspekt 61
8.3. Die Bassgitarre 64
8.4. Der Soundaspekt bei der E-Gitarre 67
8.5. Die Stellung der Gitarre in der populären Musik 71
8.5.1. Verbreitung und Anwendung 71
8.5.2. Das Image 71
8.6. Zusammenfassung des 8. Kapitels 73
9. Schlussteil 74
9.1. Resümee 74
9.2. Bewertung 76
10. Anhang 79
10.1. Abbildungen 79
10.2. Songtexte 84
10.3. Literaturverzeichnis 89
3
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Musik durchläuft einen immerwährenden Prozess der Veränderung und Erneuerung.
Gerade in der populären Musik wechseln vorherrschende Stile innerhalb von wenigen
Jahren, unterschiedliche Musikrichtungen werden miteinander zu neuen kombiniert und
alte werden wieder neu entdeckt. Diese Entwicklung von populärer Musik ist bestimmt
durch zahlreiche Einflüsse von denen gerade die technischen immer wieder thematisiert
werden. Besonders weil sich beide, die Technik als objektivistisch, von sich aus nichts
implizierendes und der Mensch als subjektivistisch, die Technik nutzend, so bildhaft
gegenüberstehen, ergibt sich die Kontroverse, die besonders in der Popularmusik zu immer
wiederkehrender Relevanz und Resonanz fand. Hier wird augen- (und ohren-) scheinlich
ein bedeutender Teil dessen was klingt unter Verwendung von Technik erzeugt. Dabei
stand von jeher die Frage im Raum, wie viel Einfluss Technik an sich auf die Musik hat.
Kann eine Beeinflussung ausgemacht werden und wenn ja, wie sieht diese aus? Die
Untersuchung einer solchen Frage, die der Zeichnung retrospektiver Wirkungsfolgen
bedarf, muss immer Stückwerk und Indizienforschung bleiben, kann allerdings zu
aufschlussreichen Folgerungen führen, die zur Klärung beitragen, wie populäre Musik zu
dem werden konnte, was sie ist. Besonders fundamentale Änderungen in der Geschichte,
bei denen sich unter der starken Mitwirkung von technischen Aspekten ein Wandel
ausmachen lässt, eignen sich am besten, um zu möglichst deutlichen
Untersuchungsresultaten zu gelangen. Vier der für populäre Musik am relevantesten
erscheinenden Entwicklungen waren 1. die Elektrifizierung, 2. die Virtualisierung, 3. die
Digitalisierung sowie 4. die Modularisierung.1 Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der
Elektrifizierung und so mit dem Wandel, der sich mit den Worten des Sängers
Captain
Beefheart
als
New Electric Ride
2 beschreiben lässt. Worauf sich das Neue jedoch bezog
und was daraus resultierte, wie die relevanten technischen Entwicklungen aussahen und
welche Wirkung sie auf die populäre Musik im Zusammenhang der Live-Darbietung
hatten, soll anhand verschiedener zentraler Beispiele dargestellt werden. Zunächst sind
jedoch einige Vorbemerkungen von Nöten.
1 Wicke 2002.
2 Songtitel von
Captain Beefheart & His Magic Band
erschienen 1974 auf dem Album
Unconditionally
Guaranteed
. Vollständigen Songtext siehe im Anhang Songtext 1.
4
1.2. Vorbemerkungen
Um das weite Feld der Einflüsse von Technik auf populäre Musik bearbeiten zu können
und dabei die wichtigsten Bereiche einzuschließen, ist es notwendig, das Thema weiter
einzugrenzen und zu spezifizieren. Die Betrachtung bezieht sich deswegen grundlegend
erstens auf den Zusammenhang der Live-Darbietung, zweitens auf die Zeit der
Elektrifizierung sowie drittens auf einige zentrale Beispiele der Technik. Die Fokussierung
auf den Live-Zusammenhang ist nicht allein dem aus der eigenen praktischen Erfahrung
resultierenden individuellen Interesse geschuldet, sondern erscheint gerade deshalb
besonders interessant, weil es im Gegensatz zur aufgenommenen und durch Technik
reproduzierten Musik keine so starke wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem
Thema gibt. Zahlreiche Autoren haben die Bedeutung der Technik für den Zusammenhang
der Tonaufzeichnung belegt und dieselbe hat einen zu großen Stellenwert, als dass sie in
dieser Arbeit gänzlich ignoriert werden könnte, beschreibt aber dennoch etwas anderes.
Diese Musik müsste unter der gewählten Fragestellung ganz anders bearbeitet werden,
denn es scheinen zahlreiche Aspekte zu existieren, die im Gegensatz zur Aufnahme nur
oder zumindest zum großen Teil im genuinen Live-Zusammenhang von Bedeutung sind.
Auf der Basis einer kurzen grundlegenden Einschätzung sollen im Verlauf dieser Arbeit
solche Aspekte herausgearbeitet werden. Zunächst kann gesagt werden, dass viele Punkte,
die das Spezifische der Live-Musik deutlich machen, besonders gut durch ihre
Gegensätzlichkeit zur Aufnahme ersichtlich werden. Die meisten Lexika sprechen zwei
Hauptpunkte an. So benennt beispielsweise der Brockhaus als Merkmal von ,,live" erstens
die ,,Direktsendung" und zweitens die reale Anwesenheit.3 Oppositionär zur Aufnahme
gesehen liegen hier also die Kernindikatoren, die sich auf die räumliche und zeitliche
Verortung beziehen. Live produzierte Musik kann nicht wie die Aufnahme reproduziert
werden, was hier sogar unabhängig von Ort und Zeit geschehen kann. Aus diesen
gewichtigen Eigenschaften lassen sich weitere Punkte ableiten, was im Verlauf der Arbeit
und verknüpft mit den einzelnen Betrachtungen des Live-Zusammenhangs geschehen soll.
Bei der Untersuchung ermöglicht die Betrachtung der Ära der Elektrifizierung, den
Schnittpunkt zwischen einer Zeit gänzlich ohne elektrifizierte Technik und einer, aus der
jene inzwischen nicht mehr wegzudenken wäre, in den Blick zu nehmen, was möglichst
deutliche Resultate verspricht.
3 Brockhaus 1990, S. 463.
5
Um die Betrachtung zu konkretisieren, bezieht sich diese Arbeit auf einzelne
Beispiele. Mit dem Lautsprecher, dem Mikrofon und der E-Gitarre wurden drei Beispiele
ausgewählt, die als fundamental für die heutige populäre Musik gelten.4 Die beiden ersten
ermöglichen zusammen mit dem Verstärker in der Kombination prinzipiell die
Verstärkung jeder Klangquelle und stellen somit eine Vorraussetzung für elektrifizierte
Musik allgemein dar. Als Instrumente nehmen das Mikrofon, welches in diesem Sinne eine
Art Doppelcharakter hat, und die E-Gitarre jeweils eine besondere Stellung ein, die sich
zum großen Teil auf weitere Instrumente beziehen lässt. In der vorliegenden Arbeit wird
nicht versucht, anhand nur eines Beispiels alle relevanten Gesichtspunkte des Themas zu
exemplifizieren, sondern stattdessen anhand der drei aufgezählten die jeweils wichtigsten
herauszugreifen. Als Nachteil dabei könnte verstanden werden, dass beispielsweise in
Bezug auf das Mikrofon nicht alle in Frage kommenden Betrachtungsweisen angesprochen
werden. Der Vorteil allerdings, und dieser überwiegt, ist, dass die Möglichkeit besteht die
unterschiedlichen Aspekte, die bei den jeweiligen Beispielen allein aufgrund der oft
schwierigen Quellenlage verschieden deutlich ausgeprägt sind und ausgemacht werden
können, für sich klarer zu beschreiben. Da die einzelnen Resultate meist auf die anderen
bezogen werden können, ist es nicht notwendig, sie für jedes einzelne Beispiel
aufzuzeigen. Dabei muss erwähnt werden, dass das Prinzip des Lautsprechers dem des
Mikrophons und der verstärkten Gitarre gleicht. Ebenfalls hängen viele Aspekte der
technischen Entwicklung der Artefakte5 zum großen Teil voneinander ab. Dennoch sollen
sie für eine bessere thematische Abgrenzung in dieser Arbeit einzeln beschrieben werden.
Eine weitere Einschränkung muss in Bezug auf die einzelnen Musikstile und auf
den Rahmen, in dem populäre Musik stattfindet, gemacht werden. Da bei weitem nicht in
allen Stilen und in allen Situationen gleichermaßen elektrifizierte Artefakte in die Live-
Darbietung mit einbezogen wurden, schon allein aus dem Grund, weil es für kleine
Besetzungen in kleinen Räumen nicht zwangsläufig die Notwendigkeit der Verstärkung
gab, bezieht sich diese Arbeit auf den Zusammenhang, in dem Technik gebraucht wird. In
der beschriebenen Zeit stehen dabei zunächst größere Tanzorchester und Big Bands des
Swing
im Vordergrund, die in größeren Räumen und vor einem verhältnismäßig großen
Publikum auftraten. Mit der fortlaufenden Entwicklung werden jedoch weitere Stile wie
beispielsweise
Bebop
sowie Musik in kleineren Räumen relevant, bis hin zu der Situation
4 Vgl. Théberge 2001, S. 4.
5 Der Begriff
Artefakt
wird in dieser Arbeit nach seiner originären Bedeutung als ,,das durch menschliches
Können Geschaffene" (Duden Fremdwörterbuch 2001, S. 91.), was das Künstlerische zunächst nicht direkt
implementiert.
6
in der elektrifizierte Artefakte nicht mehr aus all dem wegzudenken sind, was Rock- und
Popmusik mit einschließt. Es soll also keine genrespezifische Betrachtung vorgenommen
werden, die beispielsweise nur Gültigkeit für den Stil des Jazz′ hat, sondern es werden
stattdessen Beispiele aus den jeweils interessantesten Musikarten genommen.
Schließlich soll zur Erklärung vorausgeschickt werden, dass sich der Blick nicht
allein auf ein Land begrenzen kann. Obwohl der überwiegende Teil des Gegenstands in
Amerika verortet ist, spielt die Entwicklung in Deutschland sowie in anderen europäischen
Ländern eine wichtige Rolle. In dem betrachteten Zeitraum fand bereits eine starke
gegenseitige Beeinflussung dieser Länder statt, so dass die meisten Effekte ohne oder mit
relativ geringer Zeitverzögerung vom Ursprungsort zu anderen Orten gelangten. Es
erscheint deswegen nicht notwendig, die Folgerungen, die aus den Beobachtungen gezogen
werden, außer bei großen Unterschieden, auf einzelne Länder zu beziehen.
Bevor mit der Betrachtung der Beispiele begonnen werden kann, ist es notwendig
einige theoretische Vorüberlegungen anzustellen. An erster Stelle steht dabei die
Verortung der zentralen Begrifflichkeiten. Danach soll beleuchtet werden, in welchem
Umfeld die musikwissenschaftliche Untersuchung von Technik und deren Einfluss
stattfindet, um dann ein Grundgerüst der wesentlichen Fragestellungen herauszuarbeiten,
mit denen die konkrete Untersuchung begonnen werden kann. Diese geht nicht einzig und
unmittelbar auf die Folgen der technischen Entwicklung ein, sondern legt einen ähnlich
starken Schwerpunkt auf die technische Entwicklung an sich. Einerseits ist allein zum
besseren Verständnis der Effekte von Technik die Kenntnis der Artefakte an sich
Voraussetzung, andererseits ist diese Vorgehensweise auch der Annahme geschuldet, dass
es selten einseitige Einflusswirkungen gibt und stattdessen technische Entwicklung Effekte
auslöst, die wiederum auf technische Entwicklung zurückwirken. So sollte es bereits bei
der Darstellung der einzelnen Entwicklungsschritte möglich sein, zu untersuchen, ob und
welche gegenseitige Beeinflussung stattgefunden hat.
7
2. Begriffsklärung
2.1. Technik
Um im Folgenden mit dem Begriff
Technik
umgehen zu können, muss derselbe zunächst
bestimmt und eingeordnet werden. Vom griechischen Wort
téchn
kommend, bezeichnete
er dort Handwerk, Kunst, Kunstfertigkeit und Wissenschaft. Die neulateinische Bedeutung
von
technica
bezieht sich dagegen auf Kunst, Künste sowie die Anweisung zur Ausübung
einer Kunst oder Wissenschaft.6 Leopold von Wiese weist in Bezug darauf auf ein
wichtiges Problem hin, wenn er sagt: ,,Der Terminus Technikus gehört zu jenen
sprachlichen Bildungen, die eine übergroße Last eines bald weiter, bald enger gefassten
Inhalts zu tragen haben".7
Ein
weiter Technikbegriff
lässt sich bereits im Zusammenhang mit Aristoteles
finden. Im Rückgriff auf ihn formuliert Ropohl, dass Natur all das sei, was ohne Zutun des
Menschen von sich aus besteht und Technik dagegen, was seine Entstehung dem
menschlichen Handeln verdankt.8 In einem anderen Ansatz und trotzdem ähnlich
übergreifend findet sich der Begriff bei Max Weber, der speziell den musikalischen
Zusammenhang als Beispiel einbezieht. Er beschreibt Technik als eine Form des Handelns
und somit als zweckrationalen Einsatz von Mitteln, der sich bei ihm von der Gebetstechnik
über die erotische Technik bis hin zur musikalischen Technik erstreckt.9
Zu den auf der anderen Seite eng gefassten Auslegungen zählt beispielsweise die
Definition, wie sie Friedrich Dessauer anbietet. Er beschreibt Technik als ,,reales Sein aus
Ideen durch finale Gestaltung und Bearbeitung aus naturgegebenen Beständen".10 Auch
eine Definition von Mitcham und Mackey grenzt den Begriff stark ein. Hier handelt es sich
um ,,an activity which immediately produces artefact".11 Eine Beschränkung auf den
engen
Technikbegriff
ist besonders dann anzutreffen, wenn Geräte oder gegenständliche Technik
für sich betrachtet werden, wie dies beispielsweise in den Ingenieurswissenschaften eher
der Fall ist. Zu oft geschieht dies aber auch in der populären Musikwissenschaft. Eine
Darstellung nach dieser Definition würde jedoch im Rahmen dieser Arbeit zu sehr
begrenzten Ergebnissen führen, denn die ,,Betrachtung von Technik allein ohne
6 Vgl. Duden Etymologie 1989, S. 737.
7 Leopold von Wiese zit. nach Alemann 1989, S. 14.
8 Vgl. Ropohl 1985, S. 114.
9 Vgl. Weber 1972, S. 32.
10 Dessauer 1956, S. 234f.
11 Mackey/Mitcham 1972, S. 2.
8
Berücksichtigung (...) [der] Rahmenbedingungen bleibt Fragment".12 Die weite Definition,
ist für diese Untersuchung prinzipiell eher geeignet, akzentuiert jedoch nicht genug den
Stellenwert der Sachtechnik.
Mit dem
mittelweiten Technikbegriff
wird von Autoren wie Karl Tuchel13 oder
Günter Ropohl14 ein Kompromiss vorgeschlagen. Dieser Ansatz erkennt neben den
künstlichen Gegenständen auch das damit verbundene Handeln als Technik an. Dabei
gelten die Herstellung sowie der Gebrauch und die Verwendung als
Handlungszusammenhänge.15 Ropohl kategorisiert diesen Ansatz prägnant vom
Blickwinkel der Sachtechnik aus, indem er drei Bestimmungsstücke der Kategorie Gerät
benennt:
,,(a) die Artefakte selbst,
(b) deren Herstellung durch den Menschen und
(c) deren Verwendung im Rahmen zweckorientierten Handelns"16
In der vorliegenden Arbeit soll anhand einer solchen mittelweiten Definition des
Technikbegriffes vorgegangen werden. Mit dieser Begrifflichkeit konzentriert sich die
Untersuchung auf die konkrete Sachtechnik, schließt jedoch auch Technik im weiteren
Sinne ein. So beinhaltet die Betrachtung erstens das technische Artefakt an sich, zweitens
Aspekte seiner Entstehung und Verbreitung sowie drittens Gesichtspunkte seiner
Verwendung. Dieser Blickwinkel lässt sich auch bei Lysloff und Gay finden, die fordern:
,,[W]e must examine technologies not just as things (...) but as material culture that people
use and experience in ways meaningful to their particular needs and circumstances".17
Neben der Sachtechnik spielen in dieser Arbeit die
Spieltechnik
bzw.
Gesangstechnik
eine
wichtige Rolle. Annahme ist, dass technische Aspekte des Instrumentalspiels und des
Gesangs zur Bedingung für technische Entwicklung werden und wiederum von derselben
beeinflusst sind. Ebenso sind weitere Formen von Technik bedeutsam, die von
Kompositionstechnik
und
Verkaufstechnik
über
Kulturtechnik
bis hin zu
politischer
oder
wirtschaftlicher Technik
reichen können. Im Fokus sollen jedoch immer die Sachtechnik
und deren direkt angrenzenden Technikfelder bleiben. Welche genau das sind, hängt vom
jeweiligen Untersuchungsgegenstand ab.
12 Bammé/Berger/Kotzmann 1989, S. 30.
13 Vgl. Tuchel 1967, S. 23ff.
14 Vgl. Ropohl 2001, S. 16f.
15 ebd.
16 Ropohl 1979, S. 31.
17 Gay/Lysloff 2003, S. 7.
9
Wenn auch der Begriff
Technik
, wie schon aus dem Titel der Arbeit zu ersehen ist,
die zentrale Stellung innerhalb der Untersuchung einnimmt, so liegt der Terminus
Technologie
doch zu nahe, als dass er völlig übergangen werden könnte.
2.2. Technologie
Im 19. Jahrhundert bildete sich die Besetzung des Begriffes
Technologie
als die
Wissenschaft von der Technik heraus und in diesem Sinne verwendet sie auch heute die
überwiegende Anzahl der wissenschaftlichen Autoren aus den unterschiedlichen
Forschungszweigen.18 Auf der anderen Seite werden als Argumente für eine fehlende
Unterscheidung von
Technik
und
Technologie
beziehungsweise für eine Gleichsetzung
beider Begriffe in manchen Arbeiten die zunehmende
Verwissenschaftlichung von Technik
und die
Technisierung der Wissenschaft
angeführt.19 Im Rahmen dieser Arbeit scheint die
Unterscheidung der Begriffe jedoch angebracht. Ulrich von Alemann, der ebenfalls eine
Trennung vornimmt, definiert
Technologie
als ,,Summe des Wissens über die Verbreitung
der in der Natur vorkommenden Stoffe zu Gegenständen des physischen und sinnlichen
Gebrauchs des Menschen",20 weist jedoch gleichzeitig auf das Problem der Aufweichung
des Terminus hin. Im Alltag taucht dieser immer wieder zur Beschreibung von komplexen
jedoch trotzdem technischen und nicht technologischen Zusammenhängen auf, was der
Gegenposition Tribut zollt. Besonders in der Werbesprache wird so eine neue Technik
schnell zu einer
bahnbrechenden Technologie
.21
In dieser Arbeit soll die Trennung zwischen den Begrifflichkeiten nach Möglichkeit
gewahrt bleiben. Trotzdem muss oft auf eine scharfe Unterscheidung verzichtet werden, da
die Untersuchung auch Quellen mit einbezieht, die hier keine exakte Begrifflichkeit
verwenden. Dies liegt zum einen daran, dass in Literatur von nicht wissenschaftlichen
Autoren, gerade bei praktischen Musikern oder Technikern, weniger auf eine exakte
Verwendung geachtet wird. Zum anderen trifft die Vermischung im Besonderen auf den
englischen Sprachraum zu, in dem
Technology
meist als übergreifender,
Technik
mit
18 Vgl. Alemann 1989, S. 14; Brockhaus 1993, S. 672 oder Ropohl 2001, S. 17.
19 Vgl. Degele 2002 oder Weingart 2001.
20 Alemann 1989, S. 14f.
21 So beispielsweise in einer Presseerklärung zu einem neuen Soundkartentyp (Vgl. Rosendahl 2002.).
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