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Termpaper, 2007, 26 Pages
Author: Tobias Bunse
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Henrik, Ibsens, Nora, Puppenheim), Konzeption, Wandel, Hauptfigur, Emanzipation, Stockholm, Ibsen, Figurenanalyse, Germanistik
Year: 2007
Pages: 26
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04876-7
ISBN (Book): 978-3-638-94269-0
File size: 252 KB
Dozent: Im Zentrum ihrer Arbeit steht eine gelungende Charakteranalyse, die sich mit einiger Textsensibilität an der Dramenpartitur abarbeitet!
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Abstract
1879 wurde das Schauspiel „Nora – Ein Puppenheim“ uraufgeführt und endete prompt mit einem Skandal. Die weibliche Hauptfigur hat es tatsächlich gewagt, ihren Mann und ihre Kinder zu verlassen. Scheint dies heut zu Tage durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen, so war ein solches Vorgehen zur damaligen Zeit schier undenkbar. Mag dieses Schauspiel zu Anfang unglaublich klingen, so muss es dennoch einen Ursprung besitzen. Was veranlasst Nora Helmer überhaupt dazu ihrem Mann und sogar ihren Kindern den Rücken zu kehren, um ein eigenes Leben führen zu wollen? Diese und andere Fragen sind es, die es zu beantworten gilt. Die Hausarbeit beschäftigt sich daher in großem Maße mit der Figur Nora Helmer. Das Hauptanliegen ist es, die Beweggründe für ihre Entscheidung herauszufinden. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass man sich dieser Figur Stück für Stück, das heißt Akt für Akt nähert, um sich ihren Charakter erschließen zu können, der in gerade einmal drei Tagen jenen gewaltigen Entwicklungsprozess durchläuft. Hat man sich von Nora Helmer ein Bild verschafft, wird man bereits eine Analyse darüber anstellen können, weshalb sie am Ende des Schauspiels derart drastische Maßnahmen unternommen hat. Um schließlich auch das Umfeld der Figur richtig einschätzen zu können, ist es wichtig, das Umfeld des Autoren und die Zeit, in der er gelebt hat, zu beleuchten. Daher bildet eine kultur- und literaturhistorische Einordnung die Einleitung dieser Hausarbeit. Des Weiteren wird die Bedeutung der Frauenemanzipation zu thematisieren sein. Es gilt zu diskutieren, ob es Henrik Ibsen bewusst darauf angelegt hat, seinen Teil zum Thema Frauenemanzipation beizutragen. Daraus ergibt sich am Ende der Hausarbeit die Frage, wie aktuell dieses Schauspiel zu jener Zeit gewesen ist ...
Excerpt (computer-generated)
Universität Paderborn
Seminar:
The Western Canon
Sommersemester 2007
Tobias Bunse
Hausarbeit:
Ibsens ,,Nora": Konzeption und Wandel
der weiblichen Hauptfigur
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kultur- und literaturhistorische Einordnung 5
3. Noras Wandlung 7
3.1 Nora zu Beginn des Stückes 7
3.2 Noras Leben und die Angst vor der Wahrheit 11
3.3. Die Bedeutung der Tarantella 13
3.4 Noras Abrechnung und ihr vollzogener Wandel 16
4. Die einstige Bedeutung als Schlüsselwerk der Frauenemanzipation 18
5. Schluss 21
6. Literaturverzeichnis 25
2
1. Einleitung
1879 wurde das Schauspiel ,,Nora Ein Puppenheim" uraufgeführt und endete
prompt mit einem Skandal. Die weibliche Hauptfigur hat es tatsächlich gewagt, ihren
Mann und ihre Kinder zu verlassen. Scheint dies heut zu Tage durchaus im Bereich
des Möglichen zu liegen, so war ein solches Vorgehen zur damaligen Zeit schier
undenkbar.
Mag dieses Schauspiel zu Anfang unglaublich klingen, so muss es dennoch einen
Ursprung besitzen. Was veranlasst Nora Helmer überhaupt dazu ihrem Mann und
sogar ihren Kindern den Rücken zu kehren, um ein eigenes Leben führen zu wollen?
Diese und andere Fragen sind es, die es zu beantworten gilt.
Die Hausarbeit beschäftigt sich daher in großem Maße mit der Figur Nora Helmer.
Das Hauptanliegen ist es, die Beweggründe für ihre Entscheidung herauszufinden.
Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass man sich dieser Figur Stück für Stück, das
heißt Akt für Akt nähert, um sich ihren Charakter erschließen zu können, der in
gerade einmal drei Tagen jenen gewaltigen Entwicklungsprozess durchläuft.
Hat man sich von Nora Helmer ein Bild verschafft, wird man bereits eine Analyse
darüber anstellen können, weshalb sie am Ende des Schauspiels derart drastische
Maßnahmen unternommen hat.
Um schließlich auch das Umfeld der Figur richtig einschätzen zu können, ist es
wichtig, das Umfeld des Autoren und die Zeit, in der er gelebt hat, zu beleuchten.
Daher bildet eine kultur- und literaturhistorische Einordnung die Einleitung dieser
Hausarbeit.
Darüber hinaus wird ein kritischer Blick in die Literatur zu werfen sein, die sich
vielfach mit der Figur der Nora auseinander gesetzt hat. Neben dem Primärtext von
Henrik Ibsen sei in diesem Zusammenhang besonders das Werk von Hans H. Hiebel:
,,Henrik Ibsen psycho-analytische Dramen" zu erwähnen. Um Noras Handeln
tiefgründig analysieren zu können, ist es bedeutsam den Zustand ihrer Psyche deuten
zu können. Dabei wird Hans Hiebels Buch eine entscheidende Rolle spielen, da viele
Aussagen und Handlungen, die Nora tätigt, in diesem Werk genauestens untersucht
worden sind. Als Beispiel sei die Bedeutung von Noras Vergangenheit zu erwähnen,
die einige Rückschlüsse auf ihr gegenwärtiges Verhalten zulässt.
3
Um das Drama entsprechend theoretisch fundieren zu können, wird wiederum das
Buch von Manfred Phister: ,,Das Drama" herangezogen.
Einen sehr guten Gesamtüberblick bezüglich dieser Thematik bietet das Buch von
Dieter Bänsch: ,,Nora oder ein Puppenheim". So findet man in diesem Werk sowohl
einige Informationen über den Autor Henrik Ibsen, als auch über das Jahrhundert, in
dem das Schauspiel ,,Nora Ein Puppenheim" geschrieben worden ist. Aber auch
Gedanken und Analysen zu den einzelnen Figuren des Stückes sind in diesem Buch
vorzufinden, wie es in den übrigen verwendeten Literaturtiteln ebenso der Fall ist. Zu
nennen sind in diesem Zusammenhang demnach die Bücher ,,Ibsens Drama in seiner
Zeit" von Käte Hamburger, ,,Henrik Ibsen. In Selbsterzeugnissen und
Bilddokumenten" von Gerd Enno Rieger, ,,Nora verlässt ihr Puppenheim" von
Waltraud Wende und schließlich der Aufsatz von Aldo Keel in ,,Risse im
Puppenheim: Nora, in: Interpretationen, Ibsens Dramen".
Des Weiteren wird die Bedeutung der Frauenemanzipation zu thematisieren sein. Es
gilt zu diskutieren, ob es Henrik Ibsen bewusst darauf angelegt hat, seinen Teil zum
Thema Frauenemanzipation beizutragen. Daraus ergibt sich am Ende der Hausarbeit
die Frage, wie aktuell dieses Schauspiel zu jener Zeit überhaupt gewesen und welche
Bedeutung ,,Nora Ein Puppenheim" noch in der heutigen Zeit einnimmt.
4
2. Kultur- und literaturhistorische Einordnung
Norwegen besaß im 19. Jahrhundert eine Reihe renommierter Literaten und das bei
gerade einmal zwei Millionen Einwohnern. Gründe dafür lassen sich schnell finden.
Lange Zeit war Norwegen der schwächere Teil einer Zwangsunion mit Dänemark
gewesen. Doch in den Jahren nach 1814 und der folgenden Zwangsunion mit
Schweden konnte sich Dänemark allmählich von den Nachbarländern emanzipieren.
Die Folge war, dass sich die norwegische Literatur in den folgenden Jahren vermehrt
Themen wie ,,romantischen Freiheitsideen"1 oder dem ,,politisch-moralischen Erbe
der Aufklärung"2 zuwendete. In jener Literatur wurde verstärkt das Leben unter der
Fremdherrschaft Dänemarks thematisiert, in der die Gesellschaft im Gegensatz zu
anderen Ländern der damaligen Zeit dennoch ein Leben in Freiheit führen konnte.
Der Industriekapitalismus und soziale Frage haben Dänemark verhältnismäßig spät
erreicht, so dass der Zusammenstoß mit den erhaltenen vorkapitalistischen
Lebensformen und der altbürgerlichen Moralität vielfach höher war, als in anderen
europäischen Ländern.3 Natürlich beeinflusste auch das die Literatur in Norwegen. In
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befasste sie sich daher vielfach mit der
Aufdeckung ,,sozialer und sozialethischer Probleme"4.
Auch Henrik Ibsen gehörte zu jenen Schriftstellern, die sich dieser Thematiken
annahmen.
Nach ,,Stützen der Gesellschaft" (1877), wandte er sich mit ,,Nora" (1879) zum
zweiten Mal dem realistischen Drama zu, in dem er die Probleme und Widersprüche
der sich in Norwegen entfaltenden bürgerlichen Gesellschaft aufzeigte, die sich
allmählich von der vorindustriellen Großfamilie hin zur Kleinfamilie reduzierte.5
Ibsen selbst wuchs in einem ,,Milieu aus Armut, Abhängigkeit und Bildungsferne"6
auf, in dem er als mittelloser Apothekerlehrling die Seiten der Armut zu spüren
bekam. Dies scheint ein Grund zu sein, weshalb er später vorwiegend ,,traumatisch
1 BÄNSCH, Dieter: Nora oder ein Puppenheim. Grundlagen und Gedanken, Frankfurt a. M. 1998. S. 6.
2 Ebd., S.6.
3 BÄNSCH, Dieter: Nora oder ein Puppenheim. Grundlagen und Gedanken, S. 6f.
4 Ebd., S. 6.
5 KEEL, Aldo: Risse im Puppenheim: Nora, in: Interpretationen, Ibsens Dramen, Stuttgart 2005. S. 70.
6 BÄNSCH, Dieter: Nora oder ein Puppenheim. Grundlagen und Gedanken, S. 7.
5
verschattete Figuren"7 in seinen Werken darstellte, in deren Vergangenheit häufig
eine Katastrophe verborgen lag, die sich allmählich in die Gegenwart vorarbeitete.
Bestes Beispiel hierfür ist das Schauspiel ,,Nora". Ibsen hat mit diesem Stück der
damaligen Gesellschaft gewissermaßen den Spiegel vor ihr Gesicht gehalten hat. Es
beinhaltet nämlich eine Hauptfigur, die sich gegen die gängigen Konventionen der
bürgerlichen Gesellschaft auflehnt, aber dennoch die Sympathisantin dieses Werkes
ist, obwohl sie gegen das Gesetz handelt. Auf diese Weise wurde ganz offensichtlich
Kritik an der damaligen Gesellschaft geübt. Zielscheibe war in erster Linie die
moderne Kleinfamilie des 19. Jahrhunderts, in der der Mann das Familienoberhaupt
war und die Frau als Beiwerk des Gatten fungierte.
Obwohl sich viele Kritiker direkt nach der Uraufführung des Stückes echauffierten,
war doch gerade die Problematisierung der Kleinfamilie und die Rolle der Frau in
der Gesellschaft die Themen, die den Nerv der Zeit trafen. Vor allem aber die
Thematik der Frauenemanzipation war wohl der Hauptgrund des großen Erfolges
von Henrik Ibsens ,,Nora". Daher wird im weiteren Verlauf näher auf dieses Thema
einzugehen sein. Aus welchem Grund haben unzählige Frauen des 19. Jahrhunderts
derart mit Nora Helmer sympathisiert? Diese Frage sollte Antworten bekommen.
Doch zuvor bedarf es einer Analyse der Hauptfigur.
7 Ebd., S.7.
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