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Scholary Paper (Seminar), 2005, 30 Pages
Author: Dargleff Jahnke
Subject: History - 19. Century
Details
Institution/College: University of Freiburg (Historisches Seminar)
Tags: Beförderung, Naturwissenschaften, Naturforschende, Gesellschaft, Freiburg, Zeit, Hauptseminar
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 67 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04567-4
ISBN (Book): 978-3-638-94147-1
File size: 252 KB
Neu bearbeitet und gekürzt erschienen in: Berichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg, Bd. 96 (2006), S. 1-18.
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Abstract
Mit der Reichsgründung von 1871 veränderte sich auch das Vereinswesen. Bereits zuvor haben die Universitäten die führende Rolle im deutschen Wissenschaftssystem von den Sozietäten übernommen. Trotzdem schaffte es die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg, nach ihrer Neukonstituierung 1846, sich in der Freiburger Öffentlichkeit, und darüber hinaus, zu etablieren. Dies gelang aber nicht ohne strukturelle Veränderungen. Die Herausgabe einer eigenen wissenschaftlichen Zeitschrift besaß dabei eine hervorzuhebende Bedeutung.
Excerpt (computer-generated)
Albert - Ludwigs - Universität Freiburg i. Br.
Historisches Seminar
Seminar für Neuere und Neueste Geschichte
Sommersemester 2005
Hauptseminar: Die Entwicklung der Naturwissenschaften und die Expansion der Freiburger
Universität 1805-1945
,,... die Beförderung der Naturwissenschaften..."
Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. Br. in der
Zeit von 1871 1914
Inhaltsverzeichnis
Seite
1.
Einleitung
2
2.
Das frühe Vereinswesen
4
2.1. Das
naturwissenschaftliche
Vereinswesen im 19. Jahrhundert
5
2.2. Geschichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br. bis zur
Reichsgründung 1871
6
3.
Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg in der Zeit des Kaiserreiches
11
3.1. Zunehmende
Wissenschaftlichkeit,
Professionalisierung und Spezialisierung
12
3.2.
Nähe zur Universität
14
3.3.
Die NFG zwischen Universität und Bürgertum die öffentliche Darstellung
16
3.4.
Differenzierung der Disziplinen
19
4.
Zusammenfassung
21
5.
Quellen- und Literaturverzeichnis
24
5.1. Quellenverzeichnis
24
5.1.1. Ungedruckte Quellen
24
5.1.2. Gedruckte Quellen
24
5.2. Literaturverzeichnis
25
1
1.
Einleitung
Vereine sind aus unserem heutigen gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die
naturwissenschaftlichen Vereinigungen sind dabei ein Teil der umfassenden
Assoziationsbewegung und stellen einen wesentlichen Faktor im Wissenschaftsleben dar,
auch wenn sie noch immer nicht ausreichend untersucht wurden.1
Mit dem Begriff der Assoziation entwickelte sich im 18. Jahrhundert eine neue
Organisationsform, die sich abhob vom mittelalterlichen Korporationswesen.2 Werner
Conze definiert das moderne Vereinswesen ,,als vereinbarter Verband", dessen gesatzte
Ordnung nur für die Mitglieder galt.3 Wichtige Elemente waren die freiwillige
Vereinigung der Personen und eigene Regeln. Die Entwicklung des Vereinswesens im 18.
Jahrhundert war eine Voraussetzung zur Modernisierung der Gesellschaft im 19.
Jahrhundert.4 Beteiligt an diesem Prozess waren zunächst die bürgerlichen
Bevölkerungsschichten.
Vereine besitzen zudem eine besondere Rolle, da sie als ,,intermediäre Systeme
fungieren".5 In den Vereinen, in denen es zu einem Zusammentreffen gesellschaftlich
verschiedener Standespersonen kam,6 konnten die Mitglieder nicht nur eine eigene
Identität entwickeln, sondern es wurden komplexe Verflechtungen zwischen den
1 Vgl. Helmut Siefert, Das naturwissenschaftliche und medizinische Vereinswesen im deutschen
Sprachgebiet (1750-1850), Hannover 1969, S. 6. Sieferts Darstellung ist die einzige über die Entwicklung des
naturwissenschaftlichen und medizinischen Vereinswesen für die Zeit von 1750-1850. Für die folgende Zeit
existiert bis heute kein vergleichbarer Überblick, lediglich eine große Anzahl von historischen Darstellungen
einzelner Vereine. Weiter grundlegend für die Entwicklung des allgemeinen Vereinswesens Thomas
Nipperdey, Verein als soziale Struktur in Deutschland im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Eine
Fallstudie zur Modernisierung I, in: Gesellschaft, Kultur, Theorie. Gesammelte Aufsätze zur neueren
Geschichte, hg. von ders.., Göttingen 1974 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 18), S. 175-
205. Zum politischen Vereinswesen Otto Dann, Die Anfänge politischer Vereinsbildung in Deutschland, in:
Soziale Bewegung und politische Verfassung. Beiträge zur Geschichte der modernen Welt, hg. von Ulrich
Engelhardt u.a., Stuttgart 1976, (S. 197-232).
2 Von Zeitzeugen wurde der Entwicklung des Vereinswesens zugetraut, daß sie die Korporationen auflösen
und so die bis dahin existierende Einteilung des Volkes aufheben konnten. Vgl. Mone, Ueber das deutsche
Vereinswesen, in: Deutsche Vierteljahrsschrift, 10. Jg., (1840), 3. Heft, (S. 287-330), S. 294f..
3 Vgl. zu dieser Definition Werner Conze, Der Verein als Lebensform des 19. Jahrhunderts, in: Die innere
Mission, Bd. 50 (1960), (S. 226-234), S. 226f.; ähnlich Otto Dann, Anfänge politischer Vereinsbildung, S.
198f..
4 Neben den Assoziationen führten zudem die Eigeninteressen des Staates zu einer Modernisierung, vgl.
Friedrich H. Tenbruck, Modernisierung Vergesellschaftung Gruppenbildung Vereinswesen, in
Gruppensoziologie. Perspektive und Materialien, hg. von Friedhelm Neidhardt, (Sonderhefte der KZSS, Heft
25 (1983)), (S. 65-74), S. 74.
5 Siewert, H.-Jörg, Zur Thematisierung des Vereinswesens in der deutschen Soziologie, in Vereinswesen und
bürgerliche Gesellschaft in Deutschland, hg. von Otto Dann, München 1984 (HZ Beihefte; Heft 9), (S. 151-
180), S. 172.
6 Vgl. Dann, Anfänge politischer Vereinsbildung, S. 199f..
2
Individuen hergestellt, die sich zu Großstrukturen der Gesellschaft verbreiten konnten.7
Mone trennt begrifflich noch in Korporationen und Vereine. Erste sind natürliche
Gesellschaften, Vereine künstlich geschaffene.8 Heute werden Begriffe, wie Verein, Bund,
Sozietät, Assoziation und Gesellschaft weitgehendst synonym benutzt.9
Das Jahr 1871 erweist sich bei der Themenstellung als doppelt wichtig. Es war zum einen
der Zeitpunkt der Reichsgründung und zugleich das 50-jährige Jubiläum der
,,Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg".10 Diese besteht heute noch, tief verankert
mit der Universität. Um zu verstehen, wie sich das Vereinswesen nach 1871 entwickelte,
scheint zunächst einmal die Entwicklung des frühen Vereinswesens wichtig. Die
Vereinsgeschichte der NFG selbst wurde bereits zu den großen Jubiläen durch August
Gruber 1891 und Ludwig Neumann 1921 ausführlich dokumentiert.11 Deren
Veröffentlichungen bilden eine wichtige Grundlage dieser Arbeit. Deshalb soll hier, im
Hinblick auf das Thema, nur einführend auf die Gründungsgeschichte bis 1871
eingegangen werden.
Hier soll eine differenzierte Betrachtung der Vereinsgeschichte erfolgen. Neumann und
Gruber beschrieben vornehmlich die großen Ereignisse und Verdienste des Vereins, wie es
bei Festzeitungen üblich war. Insgesamt wird bei ihnen die NFG als eine selbständige und
ehrenhafte Organisation beschrieben, mit einem hohen Einfluß im Freiburger
Wissenschaftsleben. Die Vermutung liegt nahe, daß die Mitgliedschaft eng an die
Berufung des Universitätsdozenten gekoppelt war, da am Anfang und in der Folgezeit
diese die NFG bestimmten, wie ein Blick in die ausführlich aufgearbeiteten
Mitgliederlisten bei Neumann und Gruber zeigen. Durch die gemeinsame Arbeit im Verein
verfestigte sich die Struktur der naturwissenschaftlich arbeitenden Dozenten. Zudem kam
es durch die doppelte institutionelle Verankerung innerhalb der NFG zu einer Anpassung
7 Vgl. Siewert, Thematisierung des Vereinswesens, S. 172.
8 Vgl. Mone, Ueber das deutsche Vereinswesen, S. 294f..
9 Diese gleichbedeutende Verwendung der Begriffe soll im folgenden verwandt werden. Vgl. zur
sprachlichen Entwicklung der Begriffe z.B. Otto Dann, Vereinsbildung in Deutschland in historischer
Perspektive, in: Vereine in Deutschland. Vom Geheimbund zur freien gesellschaftlichen Organisation, hg.
von Heinrich Best, Bonn 1993, (S. 119-142), S. 126.
10 Aus Gründen der Vereinfachung wird die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg in weiterer Folge mit
NFG abgekürzt.
11 Gruber, August (Hg.), Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. B. in den siebzig Jahren ihres
Bestehens. Nebst einem Register ihrer sämtlichen Publicationen und einem Mitgliederverzeichnisse, in: Ber.
der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br., 5. Bd. (1891), S. 200-276 und Ludwig Neumann (Hg.),
Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. Br. in den hundert Jahren ihres Bestehens 1821 1921,
Freiburg 1921.
3
an den universitären Organisationsablauf. Somit würde sich zeigen, daß die Gesellschaft
weniger selbständig war als es in den Jubiläumsschriften beschrieben wurde.
Die Universität unterlag im späten 19. Jahrhundert starken Veränderungen, wie
Differenzierungs- und Spezialisierungsprozessen. Wenn diese bei der NFG ebenfalls zu
beobachten wären, würde das noch einmal den dominanten Einfluß der Institution
Universität auf den Verein beweisen. Deshalb scheint es wichtig, bestimmte
Veränderungen innerhalb der Organisation der NFG näher zu untersuchen. Das wären zum
einen interne Prozesse, wie die zunehmende Verwissenschaftlichung oder die
Herauslösung der medizinischen Abteilung aus der NFG. Da sich in dieser ein Großteil des
Freiburger Bürgertums widerspiegelte, soll in einem weiteren Kapitel betrachtet werden,
wie genau sich die Gesellschaft zwischen Universität und Bürgertum positionierte und wie
sie sich selber öffentlich darstellte.
2.
Das frühe Vereinswesen
Der Beginn des Vereinswesen lag im 17. Jahrhundert, in den Sprachgesellschaften,
Akademien und anderen Gelehrtensozietäten, während ab dem 18. Jahrhundert die frühen
Vereine das Sozietätsbild bestimmten.12 Bereits zum Ende des 19. Jahrhundert war es
selbstverständlich, daß sich jeder Bürger, zur Verfolgung und Verwirklichung
irgendwelcher Ziele oder Interessen, zu Gruppen oder Vereinen zusammenschloß.13 Der
Verein diente zur Erlernung von Konfliktaustragung und regulierung in einer Zeit, in der
sich der Staat erkennbar aus gesellschaftsordnenden Funktionen zurückzog. In dieser Phase
der Dekorporierung konnte der Staatsbürger diese Lücke schließen, indem er sich z.B. in
Assoziationen selbst organisierte.14 Der Verein entwickelte sich so zum Strukturprinzip der
industriebürgerlichen Gesellschaft,15 in der sich die Ebenen des Privaten und des
Öffentlichen miteinander verbanden.16
12 Vgl. Siewert, Thematisierung des Vereinswesens, S. 154f..
13 Vgl. Tenbruck, Modernisierung, S. 74.
14 Zu den soziologischen Betrachtungen des Vereinswesens vgl. Tenbruck, Modernisierung und ebd.,
Friedrich H., Freundschaft. Ein Beitrag zu einer Soziologie der persönlichen Beziehungen, in: KZSS, 16.
Jahrgang (1964), (S. 431-456), S. 436f..
15 Besonders die sich rasch beschleunigende Industrielle Revolution in den deutschen Ländern nach 1850
setzte einen schnellen Konjunkturaufschwung in Gange, die zu einer Beschleunigung der
Organisationsbewegung führte. So kam es nach der Jahrhundertmitte zu einem starken Aufschwung im
Vereinswesen. Vgl. Tenfelde, Modernisierung, S. 68f
16 Vgl. Friedrich Schmoll, Erinnerung an die Natur. Die Geschichte des Naturschutzes im deutschen
Kaiserreich, Frankfurt/ New York 2004 (Geschichte des Natur- und Umweltschutzes, Bd. 2), S. 181f..
4
,,Erst gegen das Ende dieses Zeitraums >d. Verfasser: gemeint war die
Auflösung des Reiches um 1806@ tritt der Gedanke der modernen freien
Assoziationen in seinen Anfängen auf, um dann in unserem Jahrhundert eine so
gewaltige umbildende und neuschaffende Kraft zu entwickeln, daß es
gerechtfertigt erscheint, in ihm das gestaltende Prinzip der fünften Periode, in
deren Beginn wir stehen, zu erblicken."17
Zu Zeiten Gierkes stand die Vereinsbewegung noch am Anfang ihrer Entwicklung, doch
war, trotz dessen neuem Wesen, ihr Aufstieg und zunehmender Einfluß schon den
Zeitzeugen durchaus bewußt.18 Nach der Reichsgründung ließ die Vereinseuphorie stark
nach,19 was aber nicht heißt, daß die Quantität abnahm. Es kam weiterhin zu einer Vielzahl
von Neugründungen, so daß der Bürger des 19. Jh. geradezu zum ,,Vereinsmensch in
einem fürchterlichen, nie geahnten Maße" wurde.20
2.1.
Das naturwissenschaftliche Vereinswesen im 19. Jahrhundert
Die älteste naturwissenschaftliche Vereinigung auf späterem deutschen Reichsgebiet war
die 1622 in Rostock privat gegründete ,,Societas Ereunetica".21 Sie existiert heute noch als
,,Deutsche Akademie der Naturforscher", kurz ,,Leopoldina" genannt. Bereits zum Ende
des 18. Jahrhunderts entstanden in weiteren Städten privat initiierte naturforschende
Gesellschaften22. Diese hatten durch Pflege und Befriedigung der naturkundlichen
Interessen zum einen die Selbstbildung und Selbstkultivierung der Mitglieder zum Ziel,
17 Otto von Gierke, Rechtsgeschichte der deutschen Genossenschaft, (Das Deutsche Genossenschaftsrecht, 1.
Bd.), Berlin 1868, S. 638.
18 Vgl. ebd., S. 652; dazu auch Mone, Ueber das deutsche Vereinswesen, S. 287, der das Vereinswesen
bereits um 1840 als Erscheinung charakterisierte, welches sich dazu eigne, die damalige Zeit von allem
Vergangenen abzuheben.
19 Vgl. Klaus Tenfelde, Die Entfaltung des Vereinswesens während der industriellen Revolution in
Deutschland (1850-1873), in: Vereinswesen und bürgerliche Gesellschaft in Deutschland, hg. von Otto Dann,
München 1984 (HZ Beihefte, Beiheft 9), (S. 56-114), S. 56.
20 Weber, Max, Geschäftsbericht, in: Verhandlungen des 1. Deutschen Soziologentages vom 19. bis 22. Okt.
1910 in Frankfurt a.M., Tübingen 1911, S. 52-62, S. 52.
21 Vgl. zum frühesten wissenschaftlichen Vereinswesen und deren Veröffentlichungen Siefert, Das
naturwissenschaftliche Vereinswesen, S. 18-59 und Martha Ornstein, The Role of the Scientific Societies in
the Seventeenth Century, New York 1913.
22 So z.B. 1773 Naturforschenden Freunde in Berlin, 1779 Halle, 1789 Leipziger Linneische Sozietät, 1793
Jena. Vgl. zu den einzelnen Sozietäten Holger Zaunstock, Untersuchungen zur Struktur naturforschender
Gesellschaften im 18. Jahrhundert: Die Sozietäten in Halle, Leipzig und Jena, in: Naturwissenschaften um
1800. Wissenschaftskultur in Jena-Weimar, hg. von Olaf Breidbach und Paul Ziche, Weimar 2001, S. 155-
175; zur Geschichte der Naturforschenden Freunde zu Berlin Katrin Böhme, Im
Tempel der Natur
.
Naturgeschichte, Esoterik und Traditionen in der
Gesellschaft Naturforschender Freunde
zu Berlin, in:
Sozietäten, Netzwerke, Kommunikation. Neue Forschungen zur Vergesellschaftung im Jahrhundert der
Aufklärung, hg. von Holger Zaunstöck und Markus Meumann, Tübingen 2003 (Hallesche Beiträge zur
Europäischen Aufklärung, Bd. 21), S. 57-83.
5
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