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Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen – eine Möglichkeit der Präventionsarbeit

Research Paper, 2007, 95 Pages
Author: Anett Stromer
Subject: Pedagogy - Adult Education

Details

Category: Research Paper
Year: 2007
Pages: 95
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 55  Entries
Language: German
Archive No.: V91136
ISBN (E-book): 978-3-638-03614-6
ISBN (Book): 978-3-638-93342-1
File size: 253 KB

Abstract

Alkoholische Getränke – besonders Bier und Wein – stellen, uralte Genussmittel dar, die schon seit Jahrtausenden von Menschen hergestellt und konsumiert werden. Alkohol ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz und auch die Alkoholabhängigkeit ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen (vgl. Bellutti 2006, S. 63). In Deutschland trinken mehr als zehn Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form und überschreiten damit regelmäßig die empfohlenen Grenzen des Konsums. Als alkoholabhängig gelten circa 1,6 Millionen Menschen, 20 Prozent im Alter von 12 bis 25 Jahren trinken in Deutschland regelmäßig Alkohol. Sie folgen dabei einer in der Gesellschaft weit verbreiteten unkritisch positiven Einstellung zum Alkohol. Der Pro-Kopf-Verbrauch eines Deutschen liegt bei zehn Liter reinem Alkohol pro Jahr. Somit liegt Deutschland im oberen Drittel des internationa-len Vergleichs. Alkoholische Getränke sind in Deutschland zu anderen Lebenshaltungskosten relativ billig (vgl. Tücke/Burger 2007, S. 379). Alkohol wird häufig nicht als Droge, sondern als Genussmittel angesehen – er ist integraler und ritualisierter Bestandteil unserer Kultur (Tossmann/Weber 2001, S. 15). Dies gilt selbst dann, wenn der Alkoholkonsum dazu dient, einen Rauschzustand hervorzurufen (vgl. Alb-recht/Groenemeyer/Stallberg 1999, S. 174). Alkohol wird von Angehörigen aller gesellschaftli-chen Schichten in nahezu allen Lebenssituationen, auch weitgehend unabhängig vom Alter, ge-trunken. Eine positive, sozial erwünschte Wirkung des Alkohols besteht in der Steigerung des Wohlbefindens, der Erhöhung der Stimmung und Kontaktfähigkeit sowie der Minderung von Hemmungen, Unsicherheiten und Ängsten. Besonders bei Familienfeiern, Partys, Vereinsgesell-schaften und Betriebsausflügen wird das „Über-den-Durst-Trinken“ von den meisten Menschen für legitim gehalten (vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 174f.). Bereits Kinder erfahren in frühen Jahren Alkoholgenuss als sozial eingewobenes und akzeptiertes Genussmittel. Bereits in der Herkunftsfamilie, der Verwandtschaft und im gesamten Bekanntenkreis der Eltern erfahren sie die hohe Bedeutung des Konsums dieses Stoffes – er gehört zur Normalität des Alltags. Für Jugendliche erhält Alkohol seine hohe Attraktivität durch das ihm zugeschriebene Reifeversprechen...


Excerpt (computer-generated)

Professur Erwachsenenbildung und Betriebliche
Weiterbildung an der TU Chemnitz

Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen –
eine Möglichkeit der Präventionsarbeit

von

Anett Stromer

Tag der Abgabe: 18.12.2007

 

 

Gliederung

Teil I: Zugang zum Thema ... 6

1. Einleitung  ... 6
1.1 Problemstellung ... 6
1.2 Aufbau ... 8
1.3 Forschungsstand  ... 8

Teil II: Zahlen und Fakten  ... 12

2. Statistik ... 12
2.1 Häufigkeit des Konsums alkoholischer Getränke  ... 13
2.2. Art der konsumierten Getränke  ... 14
2.2.1 Konsumfertig gemischte bier- bzw. weinhaltige Mischgetränke ... 14
2.2.2 Bier  ... 14
2.2.3 Spirituosen ... 15
2.3 Konsummuster  ... 16

Teil III: Begrifflichkeiten ... 17

3. Das Jugendalter  ... 17
3.1 Historische Betrachtung  ... 17
3.2 Definition und Abgrenzung ... 18
3.2.1 Abgrenzung Kindheitsalter – Jugendalter  ... 19
3.2.2 Abgrenzung Jugendalter – Erwachsenenalter  ... 21
3.2.3 Die „Peer-Group ... 22

4. Alkohol – was ist das?  ... 24
4.1 Wirkung des Alkohols ... 24
4.1.1 Wirkung auf den Organismus  ... 25
4.1.2 Wirkung auf das Verhalten  ... 26

5. Alkoholmissbrauch und –sucht ... 26

6. Verlaufsphasen des Alkoholismus  ... 28
6.1 Voralkoholische Phase  ... 28
6.2 Einstiegsphase  ... 28
6.3 Kritische Phase ... 28
6.4 Chronische Phase  ... 29

7. Haupttypen von Alkoholkranken  ... 29

8. Faktoren des jugendlichen Alkoholkonsums ... 29
8.1 Ursachen ... 29
8.2 Konsum im sozialen Umfeld ... 32

9. Datenerhebung  ... 34
9.1 Qualitative Interviews  ... 34
9.2 Warum narratives Interview?  ... 34
9.3 Biographisches Interview ... 35
9.3.1 Narratives Interview ... 35
9.3.1.1 Darstellungsformen in Erzählungen ... 36
9.3.1.2 Phasen des narrativen Interviews  ... 37
9.3.1.3 Leitfrageninterview  ... 

Teil V: Auswertung der Interviews  ... 40

10. Typenbildung ... 40
10.1 Alkoholabstinenz ... 40
10.2 Erstkonsum in der Herkunftsfamilie  ... 40
10.3 Konsum in der Gleichaltrigengruppe  ... 41

11. Auswertung der Interviews im Hinblick auf die zu planende Präventionsmaßnahme  ... 42

Teil VI: Prävention ... 

12. Was ist Prävention?  ... 44

13. Arten von Prävention ... 44
13.1 Primärprävention ... 44
13.2 Sekundärprävention ... 45
13.3 Tertiärprävention ... 45

14. Außerschulische Präventionsarbeit  ... 46

Teil VII: Präventionsmaßnahme: Dem Alkohol (k)eine Chance ... 47

15. Situations- und Problembeschreibung  ... 47

16. Planung der Maßnahme  ... 48
16.1 Der geeignete Ort  ... 48
16.2 Festlegung der Ziele  ... 48
16.2.1 Zielebenen  ... 48
16.2.2 Zielbereiche ... 49
16.3 Festlegung der Inhalte  ... 49
16.4 Didaktisch-methodische Vorgehensweise ... 50
16.5 Auswahl der geeigneten Lehr- und Lernmittel  ... 56
16.6 Zeitplanung ... 56
16.7 Teilnehmer  ... 56
16.8 Vorbereitung der Veranstaltung  ... 57

17. Erfolgssteuerung in der Trainingsphase – Maßnahmen zur prozessorientierten und ergebnisorientierten Erfolgssteuerung ... 58
17.1 Prozessbegleitende Erfolgssteuerung = begleitende Beobachtung und Einflussnahme im laufenden Prozess ... 58
17.2 Ergebnisorientierte Erfolgssteuerung ... 59

18. Zusammenfassung ... 60
18.1 Fazit ... 61
18.2 Ausblick  ... 61

Teil IX: Literaturverzeichnis  ... 62

Selbstständig erschienene Literatur ... 62
Unselbstständig erschienene Literatur:  ... 65

Teil X: Anhang  ... 69

A 1: Transkriptionsregeln  ... 69
A 2: Transkribiertes Interview Kim ... 69
Interviewsituation ... 77
Strukturelle Beschreibung ... 77

 

 

Teil I: Zugang zum Thema

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Alkoholische Getränke - besonders Bier und Wein - stellen, uralte Genussmittel dar, die schon seit Jahrtausenden von Menschen hergestellt und konsumiert werden. Alkohol ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz und auch die Alkoholabhängigkeit ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen (vgl. Bellutti 2006, S. 63).

In Deutschland trinken mehr als zehn Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form und überschreiten damit regelmäßig die empfohlenen Grenzen des Konsums. Als alkohol-abhängig gelten circa 1,6 Millionen Menschen, 20 Prozent im Alter von 12 bis 25 Jahren trinken in Deutschland regelmäßig Alkohol. Sie folgen dabei einer in der Gesellschaft weit verbreiteten unkritisch positiven Einstellung zum Alkohol. Der Pro-Kopf-Verbrauch eines Deutschen liegt bei zehn Liter reinem Alkohol pro Jahr. Somit liegt Deutschland im oberen Drittel des internationalen Vergleichs. Alkoholische Getränke sind in Deutschland zu anderen Lebenshaltungskosten relativ billig (vgl. Tücke/Burger 2007, S. 379).

Alkohol wird häufig nicht als Droge, sondern als Genussmittel angesehen - er ist integraler und ritualisierter Bestandteil unserer Kultur (Tossmann/Weber 2001, S. 15). Dies gilt selbst dann, wenn der Alkoholkonsum dazu dient, einen Rauschzustand hervorzurufen (vgl. Alb-recht/Groenemeyer/Stallberg 1999, S. 174). Alkohol wird von Angehörigen aller gesellschaftlichen Schichten in nahezu allen Lebenssituationen, auch weitgehend unabhängig vom Alter, getrunken. Eine positive, sozial erwünschte Wirkung des Alkohols besteht in der Steigerung des Wohlbefindens, der Erhöhung der Stimmung und Kontaktfähigkeit sowie der Minderung von Hemmungen, Unsicherheiten und Ängsten. Besonders bei Familienfeiern, Partys, Vereinsgesellschaften und Betriebsausflügen wird das "Über-den-Durst-Trinken" von den meisten Menschen für legitim gehalten (vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 174f.).

Bereits Kinder erfahren in frühen Jahren Alkoholgenuss als sozial eingewobenes und akzeptiertes Genussmittel. Bereits in der Herkunftsfamilie, der Verwandtschaft und im gesamten Bekanntenkreis der Eltern erfahren sie die hohe Bedeutung des Konsums dieses Stoffes - er gehört zur Normalität des Alltags. Für Jugendliche erhält Alkohol seine hohe Attraktivität durch das ihm zugeschriebene Reifeversprechen: Er verheißt soziale Anerkennung, soll die Kontaktaufnahme erleichtern, entspannend und konfliktlösend sein. Es wundert daher nicht, dass das Einstiegsalter ständig sinkt und derzeit bei etwa 14 Jahren liegt. Alkoholtrinken bis zum Rausch ist gesellschaftlich akzeptiert.

In den vergangenen Jahren hat der frühe und riskante Alkoholkonsum unter Kindern und Jugendlich stark zugenommen, unter anderem hat sich die Zahl der Teenager, die mit einer Alkoholvergiftung in eine Klinik eingeliefert wurden, innerhalb weniger Jahre fast verdoppelt (vgl. Drogen-beauftragte der Bundesregierung 2007, S. 29), auch die folgenden Fälle von Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen sind ein Kennzeichen dieser Entwicklung. "Koma-Saufen", "Binge-Drinking" 1, Flatratepartys usw. sind in aller Munde. Fast jeder kennt den 16jährigen Gymnasiasten aus Berlin, der sich mit angeblich 50 Tequila ins Koma trank und in der Woche vor Ostern starb (Hunfeld 2007, S. 37). In Wittenberg fanden Passanten im Juli 2007 einen 16jährigen hilflos auf einer Straße liegend - Diagnose 4,3 Promille Alkohol im Blut. In Berlin wurde ein 15jähriges Mädchen mit einem Alkoholpegel von 4,1 Promille ins Krankenhaus eingeliefert (Lendorff 2007). Die hier aufgezählten Fälle sind bei Weitem keine Einzelfälle. Ausgehend von den vermehrten Fällen jugendlichen Alkoholmissbrauchs in Deutschland soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, ob 16jährige Mädchen aus einer Großstadt in Sachsen die Erfahrungen teilen können, die weiter oben bereits genannt wurden. Daraus resultierend sollen folgende Fragen im Rahmen dieser Forschungsarbeit beantwortet werden: Trinken die Befragten überhaupt Alkohol? Wie sehen die interviewten 16jährigen Mädchen ihren Alkoholkonsum? Welche alkoholischen Getränke konsumieren sie? Wann und warum trinken sie? Welche Rolle spielen die Familie und die Peers? Die Datenerhebung im Rahmen dieser Arbeit erfolgte mittels narrativer Interviews.

1.2 Aufbau

Der Einleitung folgt ein statistischer Teil (Teil II), der zeigt, wie weit Alkoholkonsum bei Jugendlichen verbreitet ist, wie viel sie trinken und welche Art von alkoholischen Getränken sie konsumieren. Teil III befasst sich mit Begrifflichkeiten wie Jugendalter, Alkohol, Alkoholismus und insbesondere Jugendalkoholismus. Dabei ist es von besonderer Bedeutung das Jugendalter zum einen vom Kindheitsalter und zum anderen vom Erwachsenenalter (Punkt 3) abzugrenzen. Des Weiteren wird untersucht, welche Rolle die Peer-Group auf dem Weg zum Erwachsenwerden spielt. Der nächste Themenkomplex (Punkt 4) ist der Substanz Alkohol und ihrer Auswirkung auf Organismus und Verhalten gewidmet. Es werden auch die Verlaufsphasen des Alkoholismus und die Haupttypen von Alkoholkranken nach Jellinek vorgestellt, sowie die möglichen Ursachen für den Jugendalkoholismus. In Teil IV werden die in der empirischen Untersuchung verwendeten Methoden vorgestellt und erläutert. Teil V der vorliegenden Arbeit ist der Auswertung der Interviews gewidmet. Teil VII der vorliegenden Arbeit beinhaltet die von mir geplante Präventionsmaßnahme für den außerschulischen Bereich. Teil VIII fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen, beantwortet die in der Einleitung gestellte Forschungsfrage und es wird ein Blick in die Zukunft gewagt.

1.3 Forschungsstand 

Zum Thema Alkoholmissbrauch/Risikoverhaltenweisen bei Jugendlichen existieren viele Studien, die meist den jugendlichen Konsum unterschiedlicher psychoaktiver Substanzen betrachten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) beobachtet seit 1973 die Entwicklung des Alkoholkonsums bei Jugendlichen. In der letzten Wiederholungsbefragung 2004 wurde neben Tabakkonsum und Gebrauch von illegalen Substanzen, auch der Konsum des Alkohols bei Personen im Alter von 12 bis 25 Jahren untersucht. Die Erhebung der Daten erfolgte mittels computergestützten Telefoninterviews. Obwohl Deutschland in der Spitzengruppe beim Pro- Kopf-Alkoholkonsum liegt, konnte für die Gruppe der Jugendlichen in den letzten 30 Jahren eine positive Veränderung beobachtet werden – der Alkoholkonsum, insbesondere der von Bier, ist seit 1973 rückläufig (vgl. BzgA 2004, S. 19). Nach den Ergebnissen der Drogenaffinitätsstudie der BzgA hatten 61 Prozent der 12- bis 25jährigen schon einmal einen Alkoholrausch (vgl. BzgA 2004, S. 27). Formen intensiven Alkoholkonsums, wie z. B. Binge-Drinking, kommen sehr viel häufiger bei männlichen Personen vor als bei weiblichen (vgl. BzgA 2004, S. 25). Die Gruppe der 16- bis 19jährigen trinkt am meisten regelmäßig Alkohol und sie sind auch häufiger betrunken. Mädchen und Jungen haben ihre ersten Rauscherfahrungen im gleichen Alter. Das Durchschnittsalter beträgt für Mädchen 15, 6 Jahre und für Jungen 15,5 Jahre. Die Untersuchung zeigte auch, dass mit Einführung der Alkopops Jugendliche häufiger und auch mehr Alkohol trinken. Der Anteil ist von 30 Prozent im Jahr 2001 auf 34 Prozent im Jahr 2004 gestiegen. Eine sehr häufige Freizeitaktivität ist das Zusammensein mit Freunden an Orten, an denen Alkohol ständig präsent ist, wie z.B. die Peer-Group oder das Besuchen von Partys. Als Hauptmotiv jugendlichen Alkoholkonsums gaben 67 Prozent der Befragten an, dass Alkohol die Stimmung fördert, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist (vgl. BzgA 2004, S. 5f.).

[....]


1 Damit ist der Konsum von mehreren Gläsern alkoholischer Getränke hintereinander innerhalb kurzer Zeit gemeint.


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