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Funde und Befunde zur Bewaffnung des schwerbewaffneten Infanteristen der „Dunklen Jahrhunderte“ und der Archaischen Zeit

Scholary Paper (Seminar), 2008, 25 Pages
Author: Patrick Saal
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 25
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V91157
ISBN (E-book): 978-3-640-09981-8

File size: 2035 KB

Abstract

Die Bewaffnung der Infanteristen ist immer wieder an die militärischen und technologischen Gegebenheiten angepasst worden –ob nun in der Antike oder in der neuen Geschichtsschreibung. Aus heutiger Sicht stellt sich damit die Frage, ob früher für bestimmte Einsatzszenarien Entwicklung betrieben wurde, oder ob die Entwicklung die Einsatzszenarien bestimmt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich aus den zuerst leicht bewaffneten Fußtruppen der Armeen der verschiedenen Volker hochspezialisierte Truppenteile, deren technologische Ausrüstung immer komplexer wurde. Zu den frühen Infanterie-Einheiten der Geschichte gehörten die griechischen Infanteristen oder aber später Hopliten. Sie sind Grundlage für diese Arbeit, die sich mit der Entwicklung der Ausrüstung dieser Truppengattung befasst. In der wissenschaftlichen Diskussion um die Ausrüstung – und vor allem um die Verwendung der Ausrüstung – gibt es wenige Kontroversen. Eine davon ist sicherlich die ob und wenn ja bis wann der Wurfspeer bei Infanteristen zur Ausrüstung gehörte. Eine zweite befasst sich mit der Rolle des Schwertes in der damaligen Kampfführung. Auf diesem Gebiet haben sich vor allem A.M. Snodgrass mit seinem Werk „Arms and Armour of the Greek“ und Tim Everson mit „Warfare in Ancient Greece“ hervorgetan. Sie bilden gleichzeitig die Basis dieser Ausarbeitung, wobei der Schwerpunkt auf dem Werk von Everson liegt.


Excerpt (computer-generated)

Funde und Befunde zur Bewaffnung des

schwerbewaffneten Infanteristen der ,,Dunklen

Jahrhunderte" und der Archaischen Zeit

Proseminar Alte Geschichte

(Geschichtswissenschaft B.A.)

Wintertrimester 2008

Helmuth ­ Schmidt ­ Universität/ Universität der Bundeswehr

Vorgelegt von:

Leutnant Patrick Saal


Inhaltsverzeichnis

1.

Einleitung 3

2.

Rüstung des Infanteristen 4

2.1

Der Helm 4

2.2

Der Brust-/ Rückenpanzer 8

2.3

Die Arm- und Beinschienen 12

2.4

Der Schild 15

3.

Die Bewaffnung des Infanteristen 18

3.1

Der Speer 18

3.2

Das Schwert 21

4.

Zusammenfassung 23

5.

Literatur- und Quellenverzeichnis 24

2


1. Einleitung

Die Bewaffnung der Infanteristen ist immer wieder an die militärischen und technologischen

Gegebenheiten angepasst worden ­ob nun in der Antike oder in der neuen

Geschichtsschreibung. Aus heutiger Sicht stellt sich damit die Frage, ob früher für bestimmte

Einsatzszenarien Entwicklung betrieben wurde, oder ob die Entwicklung die Einsatzszenarien

bestimmt.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich aus den zuerst leicht bewaffneten Fußtruppen

der Armeen der verschiedenen Volker hochspezialisierte Truppenteile, deren technologische

Ausrüstung immer komplexer wurde.

Zu den frühen Infanterie-Einheiten der Geschichte gehörten die griechischen Infanteristen

oder aber später Hopliten. Sie sind Grundlage für diese Arbeit, die sich mit der Entwicklung

der Ausrüstung dieser Truppengattung befasst.

In der wissenschaftlichen Diskussion um die Ausrüstung ­ und vor allem um die Verwendung

der Ausrüstung ­ gibt es wenige Kontroversen. Eine davon ist sicherlich die ob und wenn ja

bis wann der Wurfspeer bei Infanteristen zur Ausrüstung gehörte. Eine zweite befasst sich mit

der Rolle des Schwertes in der damaligen Kampfführung.

Auf diesem Gebiet haben sich vor allem A.M. Snodgrass mit seinem Werk ,,Arms and

Armour of the Greek" und Tim Everson mit ,,Warfare in Ancient Greece" hervorgetan. Sie

bilden gleichzeitig die Basis dieser Ausarbeitung, wobei der Schwerpunkt auf dem Werk von

Everson liegt.

3


2. Rüstung des Infanteristen

Der griechische, schwer bewaffnete Infanterist, der Hoplit, zeichnete sich durch seine schwere

Rüstung und seine Bewaffnung aus. Diese erstmals ,,standardisierte Uniform" ermöglichte

eine Schlachtenordnung, die durch Disziplin in der Lage war, an Zahl überlegene Feinde zu

schlagen. Damit prägte der Hoplit seine Zeit und führte zum einen zu einer deutlichen

Steigerung der Schlagkraft der griechischen Armee, förderte aber auch die Weiterentwicklung

in Produktion und Forschung1.

Durch den Entwicklungsbedarf und den damit verbundenen Fortschritt wurden die

Produktionskosten für die Herstellung der benötigten Rüstungsteile soweit gesenkt, dass nicht

nur die elitären Schichten, sondern eine breite Masse Zugang zu dieser Art der Rüstung

erhielt. Das wiederum machte es möglich eine einheitliche Ausrüstung in eine

Schlachtenordnung zu integrieren: Die Phalanx wurde entwickelt. Diese Kombination, der

schwerbewaffnete Infanterist und die Phalanx, machten den griechischen Hopliten zum

erfolgreichsten Soldatentypus seiner Zeit ­ und damit zur Exportware.

Doch wie kam es zur dieser Entwicklung? Sicher ist, dass es nicht einen Mann gab, der den

Hopliten über Nacht erfunden hat, sondern dass seine Entwicklung ein langwieriger Prozess

war. Grundsätzlich bestand die Rüstung des Hopliten aus mehreren Segmenten:

- Helm

- Brust/ Rückenpanzer

- Beinschienen

- Schild

Hauptelement der Rüstung war der runde Schild (Hoplon), von welchem der Hoplit seinen

Namen erhalten hat. Mit ihm waren zwangsweise alle Hopliten ausgerüstet, was sich in der

Kampfweise begründet (auf welche später eingegangen wird).

2.1

Der Helm

Der Helm war ein wichtiger Teil der Rüstung, da er die verwundbarste Stelle des Körpers

schützt ­ den Kopf. Seine Entstehungsgeschichte geht in etwa auf die Zeit um 1650 v. Chr.

zurück. Aus dieser Zeit sind über 50 Gräber entdeckt worden, in denen Helme gefunden

wurden, die Platten aus Wildschweinhauern enthielten, welche mit Löchern versehen waren,

so dass sie auf Leder- oder Fellkappen befestigt werden konnten. Mit fortschreitender

Entwicklung wurde diese Art des Helmes immer weiter verbessert: von anfänglich bloßem

Hauptschutz hin zu echten Helmen mit Wangenschutz.

1 Vgl. Snodgrass, A. M.: Arms and Armour of the Greeks, New York 1976 S. 49

4


2

Diese Helme werden, obwohl schon 300 Jahre nicht mehr im Gebrauch, sogar bei Homer

erwähnt:

,,a helm wrought of hide, and with many a tight-stretched thong was it made stiff within,

while without white teeth of a boar of gleaming tusks were set thick on this side and that,

well and cunningly, and within was fixed a lining of felt" (Iliad, bk. X, 11. 261-5, Loeb

translation).3

2 Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander

the Great, Gloucestershire 2004

3 Aus: Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the

Great, Gloucestershire 2004, S. 7

5


Dieser Helm wurde von den Griechen im ganzen Mutterland und auf den Inseln, sowie

seltener auf Kreta verwendet4. Spuren wurden desweiteren auf einer Elfenbeinschnitzerei

mykenischer Art auf Zypern und als Fundstücke oder auf Papyri in Ägypten gefunden5.

Manche dieser Helme wurden mit Bronze verstärkt, allerdings blieben Wildschweinhauer das

Hauptmaterial dieser Art von Helm bis sie ab ca. 1150 nicht mehr verwendet wurden.

Diese Art von Panzermaterial zu verwenden erscheint auf den ersten Blick etwas seltsam, da

man doch bereits die Bronzeverarbeitung zu dieser Zeit kannte. Allerdings war die

Herstellung von solchen Bronzeplättchen sehr viel schwerer als die Produktion von

Speerspitzen oder Schwertern: Sie mussten massiv genug sein, um effektiven Schutz zu

bieten, aber dennoch leicht genug, um mehrere auf dem Kopf zu tragen. Diese Kombination

war zu der damaligen Zeit nicht möglich, so dass man die oben genannte Alternative wählte.

Zusätzlich war die Wildschweinjagd integraler Bestandteil des mykenischen Kriegerkultes, so

dass man annehmen kann, dass solche Helme gleichzeitig als Statussymbole gebraucht

wurden. Da Wildschweinhauer aus sehr viel dichterem Material bestehen als Knochen, hätte

ein Hieb diese Platten zwar zerstört, seine Wirkung wäre aber deutlich abgemildert worden.

Der erste aus Bronze bestehende Helm datiert etwa aus dem Jahre 1400 v. Chr. aus Knossos6.

Dieses frühe Modell besteht aus dem Bronzehelm an sich, und links und rechts einem

ebenfalls aus Bronze befestigtem Wangenschutz.

7

4 Auf Kreta sind Wildschweine nicht heimisch

5 Die Helmfunde in Ägypten stammen vermutlich von griechischen Söldnern, vgl. Everson, Tim: Warfare in

ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004, S. 8

6 Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great,

Gloucestershire 2004, S. 12

6



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