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Untertitel: Ein Triumphalmonument am Beginn der späten Kaiserzeit
Wissenschaftliche Studie, 2008, 91 Seiten
Autor: Mag. phil. Monika Hinterhöller
Fach: Archäologie
Details
Institution/Hochschule: Paris Lodron Universität Salzburg
Tags: Triumphbogen, Septimius, Severus, Reliefs, Partherkriege, Römische, Archäologie
Jahr: 2008
Seiten: 91
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 60 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-03623-8
ISBN (Buch): 978-3-638-93872-3
Dateigröße: 11613 KB
Dichter Text mit einfachem Zeilenabstand (Anm. der Red.)
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Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende Untersuchung zum Triumphbogen des Septimius Severus am Forum Romanum entstand im Zuge eines Seminars zum Thema ‚Römische Staatsreliefs’ am Fachbereich für Klassische Archäologie der Universität Salzburg im WS 2007/08. Die Arbeit versteht sich dabei als kritischer Überblick zur Forschungsliteratur, deren Argumentationen beleuchtet und gegebenenfalls durch neue Überlegungen und Thesen ergänzt werden sollen. Ein solcher methodischer Zugang, der die systematische Zusammenstellung der bisherigen Literatur zum Ausgangspunkt nimmt, scheint im Hinblick auf den Severusbogen insofern gerechtfertigt, als die letzte Monographie zum Thema 1967 erschienen ist. Zwar darf Brilliants wegweisende Studie zum Severusbogen noch immer als wichtigstes Standardwerk gelten, in etlichen Fragen ist die Arbeit aber mittlerweile veraltet und spiegelt naturgemäß nicht mehr den aktuellen Forschungsstand wider. Eine neuerliche Beschäftigung mit dem Severusbogen und seinen historischen Triumphalreliefs erschien also durchaus wünschenswert, weshalb die vorliegende Arbeit hier eine Lücke zu schließen und einen kleinen Beitrag zu leisten versucht.
Textauszug (computergeneriert)
Der Triumphbogen des Septimius Severus und
die historischen Reliefs der Partherkriege
-
Studien zu einem Triumphalmonument am Beginn der späten Kaiserzeit
Wissenschaftliche Studie
Monika Hinterhöller
Institut für Klassische und Frühägäische Archäologie
Fachbereich für Altertumswissenschaften
Universität Salzburg
Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG: ZIELSETZUNG UND METHODIK ... 3
2. DER SEVERUS-BOGEN ALS TRIUMPAHLMONUMENT ... 4
2. 1. Topographie und Lage ... 4
2. 2. Architektur und Bauornamentik: Entwurf und Vergleiche ... 7
2. 3. Der Reliefschmuck: Anordnung und Ikonographie im Überblick ... 11
2. 4. Nachleben und Forschungsgeschichte ... 16
3. DER SEVERUS-BOGEN IM HISTORISCHEN KONTEXT: Septimius Severus und die Partherkriege ... 17
3. 1. Septimius Severus und die neue Kaiserdynastie ... 17
3. 2. Die Errichtung des Bogens: Die Inschrift und historische Quellen ... 20
3. 3. Die Partherkriege des Septimius Severus ... 22
3. 3. 1. Die Partherkriege im Spiegel der historischen Quellen: Geschichtlicher Abriss ... 22
3. 3. 2. Die großen historischen Reliefs am Severus-Bogen: Ikonographie und Historizität ... 25
3. 3. 2. 1. Das Partherbild im Spiegel des Severus-Bogens ... 35
4. DER SEVERUS-BOGEN IM KÜNSTLERISCHEN KONTEXT: Stilistik, Raumerfassung und narrative Systematik ... 36
4. 1. Stilistik und Stilpluralismus am Severus-Bogen anhand semantischer Kriterien ... 36
4. 2. Erzählweise und narrative Systematik: Der „kontinuierende Stil“ und die historischen Reliefs des Severus-Bogens ... 42
4. 3. Raumerfassung und Perspektive ... 49
4. 4. Quellen und Herkunft der Darstellungsformen: Einfluss der Säulenmonumente und der Triumphalmalerei ... 54
4. 5. Der Severus-Bogen zwischen Tradition und Innovation ... 60
5. DER SEVERUS-BOGEN IM KONTEXT DER KAISERLICHEN PROPAGANDA: Funktion, Repräsentation und Programmatik ... 62
5. 1. Dynastische Propaganda am Severus-Bogen: Felicitas temporum ... 62
5. 2. Herrschaftsideal und Herrscherbild am Severus-Bogen ... 64
5. 3. Historische und ideologische Einbettung ... 70
6. ANHANG ... 73
6. 1. Bibliographie ... 73
6. 2. Abbildungsverzeichnis ... 75
6. 3. Abbildungen ... 79
1. EINLEITUNG: ZIELSETZUNG UND METHODIK
Die vorliegende Untersuchung zum Triumphbogen des Septimius Severus am Forum Romanum entstand im Zuge eines Seminars zum Thema ‚Römische Staatsreliefs’ am Fachbereich für Klassische Archäologie der Universität Salzburg im WS 2007/08. Die Arbeit versteht sich dabei als kritischer Überblick zur Forschungsliteratur, deren Argumentationen beleuchtet und gegebenenfalls durch neue Überlegungen und Thesen ergänzt werden sollen. Ein solcher methodischer Zugang, der die systematische Zusammenstellung der bisherigen Literatur zum Ausgangspunkt nimmt, scheint im Hinblick auf den Severusbogen insofern gerechtfertigt, als die letzte Monographie zum Thema 1967 erschienen ist1. Zwar darf Brilliants wegweisende Studie zum Severusbogen noch immer als wichtigstes Standardwerk gelten, in etlichen Fragen ist die Arbeit aber mittlerweile veraltet und spiegelt naturgemäß nicht mehr den aktuellen Forschungsstand wider. Eine neuerliche Beschäftigung mit dem Severusbogen und seinen historischen Triumphalreliefs erschien also durchaus wünschenswert, weshalb die vorliegende Arbeit hier eine Lücke zu schließen und einen kleinen Beitrag zu leisten versucht.
Für den Anmerkungsapparat in Form von Fußnoten werden die neuen DAIPublikationsrichtlinien in der Variante des Autor-Jahr-Systems verwendet2.
Der Bogen des Septimius Severus am Forum Romanum stellt vermutlich das bedeutendste Staatsmonument aus severischer Zeit dar - einer Epoche am Beginn des 3. Jh. n. Chr., in der die römische Gesellschaft tiefgreifende Wandlungen durchmachte. Der Severusbogen steht zwar in der Traditionslinie der römischen Triumphalmonumente und greift in hohem Maße auf die verankerten Schemata kaiserzeitlicher Architektur und Ikonographie zurück, setzt daneben aber auch neue und innovativie Akzente. Als historisches Siegesmonument hat der Severusbogen die Partherkriege des ersten severischen Kaisers zum Thema, was nicht nur in der Inschrift, sondern auch in dem reichen Reliefschmuck zum Ausdruck kommt. Krieg, Sieg und Herrschaft sind die ikonographischen Hauptmotive, die sich in Form eines ausgefeilten Bildprogramms wie ein historisch-ideologisches Netzwerk über den gesamten Baukörper entfalten. Diesem Bildprogramm gilt das Hauptaugenmerk der folgenden Untersuchungen, die sich dem Severusbogen und seinen Reliefs in mehreren methodischen Schritten nähert: Ausgangspunkt ist der Triumphbogen des Septimius Severus als architektonisches Monument und der Kontext seiner topographischen Situation. Denn gerade die prominente Platzierung des Bogens am Forum Romanum, - dem alten, symbolischen und ideologischen Zentrum Roms, - weist gewichtige Implikationen für das Verständnis des Bogens auf. Daneben steht ein kurzer Überblick zur Ikonographie der einzelnen Reliefgruppen, die nach Gesichtspunkten der Thematik und Anbringung geordnet werden. In den drei folgenden Kapiteln werden die Reliefs jeweils vor einem anderen semantischen Hintergrund beleuchtet, wobei den großen Historienreliefs die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird:
a.) Der historische Kontext und die Bedeutung der Partherkriege für die Interpretation der Reliefs am Severusbogen. Was erbringt eine Gegenüberstellung von historischen Quellen und Reliefs? Was lässt sich kritisch über die Kampfdarstellungen und ihren Inhalt aussagen? Welche historischen Ereignisse wurden ins Bild umgesetzt?
b.) Der stilistische Kontext und die Analyse der Stilformen in den Reliefs des Severusbogens. Nach welchen Gesichtspunkten ist die Stilistik des Severusbogens zu beurteilen? Welche künstlerischen Quellen und Vorbilder liegen den Reliefdarstellungen zu Grunde? Welche Systeme der Bilderzählung und Raumerfassung finden am Severusbogen Verwendung?
c.) Der ideologisch-programmatische Kontext und die Absichten bzw. Ziele eines darstellenden Bildprogramms. Nach welchen propagandistischen Gesichtspunkten sind die Reliefs des Severusbogens konzipiert? Welches Herrscherbild, welches Geschichtsbild kommt hier zum Ausdruck? Überwiegt in den Reliefbildern die Historizität des Dargestellten und seine Einmaligkeit oder der allgemeingültige Charakter?
Ziel der vorliegenden Arbeit ist also keine strikte Beschreibung des Monuments, sondern die Erschließung von Problemkreisen der archäologischen Forschung anhand der Reliefs am Triumphbogen. Diese Problemkreise lassen sich zwar durchaus separat behandeln und analysieren, sind im Originalmonument jedoch eine komplexe und unauflösliche Durchdringung eingegangen. Gerade die Vielschichtigkeit und semantische Offenheit der römischen Reliefkunst scheint ein solches Vorgehen in mehreren Stoßrichtungen nahezulegen, um dem Monument in seiner inhaltlichen Bandbreite auch einigermaßen gerecht zu werden. Die römischen Reliefs am Bogen des Septimius Severus wollen nicht einsichtig betrachtet und einsichtig verstanden werden, sondern entfalten sich auf multiplen Bedeutungsebenen, die sich auf ein lange gewachsenes „System“ aus traditionellen Wert- Konzepten und Bildformeln stützen können. Diesem Phänomen lässt sich nur aus verschiedenen Richtungen begegnen, um das vielfältige Assoziationspotential der Bildwerke entsprechend zu würdigen. Am Beginn des 3. Jh. und damit auch am Ausgangspunkt der Spätantike entstanden, fassen die Reliefs des Severusbogens die Themen, Möglichkeiten und Implikationen kaiserzeitlicher Reliefkunst noch einmal eindringlich zusammen.
2. DER SEVERUSBOGEN ALS TRIUMPAHLMONUMENT
2. 1. TOPOGRAPHIE UND LAGE
203 n. Chr. anlässlich der Parthersiege des Septimius Severus errichtet, stellt der Triumphbogen des ersten severischen Kaisers aufgrund seines hervorragenden Erhaltungszustandes eines der wichtigsten historischen und politischen Denkmäler für die spätere römische Kaiserzeit dar (Abb.1/2). Das prominente Monument am Forum Romanum ist mit Ausnahme seines Statuenschmuckes vollständig erhalten und darf aufgrund seines umfangreichen Reliefprogramms als bedeutendes Zeugnis römischer Staatsreliefs gelten.
Der Triumphbogen des Septimius Severus erhebt sich mit einer Höhe von über 20m an der Nord-West-Ecke des Forums (Abb.3)3. Damit bildet der Bogen einen architektonischen Abschluss des freien Forumsplatzes nach Nord-Westen hin und wurde an der Stelle des alten, republikanischen Comitiums errichtet4. Vom Forum aus gesehen, - also von Süd-Osten aus, - lässt sich die signifikante Lage des Bogens besonders gut erschließen:
-
Zur Linken des Bogens befindet sich die Rostra Augusti, die kaiserzeitliche Anlage der berühmten Rednertribüne. Der Severusbogen schließt sich direkt an die Rostra an und diese optische Verknüpfung wurde in der Zeit Caracallas5 noch durch eine bauliche Verbindung intensiviert. Auf der anderen Seite der Rostra befand sich der Triumphbogen des Tiberius, der 16 n. Chr. infolge der Germanen-Siege errichtet wurde. Dieser eintorige Triumphbogen feierte die Rückgewinnung der römischen Feldzeichen aus der Varus-Schlacht durch Germanicus6. -
Zur Rechten des Severusbogens liegt die Curia Senatus, der Tagungsort des Senats. Der erhaltene Ziegelbau wurde unter Diocletian nach dem Brand von 283 n. Chr. errichtet und im 7. Jh. in die Kirche S. Adriano umgewandelt. -
Hinter dem Severusbogen befanden sich der Tempel der Concordia und jener Aufstieg, der vom Forum hinauf auf den Kapitolshügel führte, der clivus Capitolinus7. -
In der Umgebung des Triumphbogens, - die genaue Lage ist nicht mehr bekannt, - befand sich noch ein weiteres Ehrendenkmal des Septimius Severus. Es handelte sich um eine bronzene Reiterstatue des Kaisers, die anlässlich eines prophetischen Traumes von Severus errichtet wurde, in dem er sich selbst als glorreichen Reiter und Nachfolger des Pertinax sah8. -
Schräg gegenüber dem Severusbogen und am anderen Ende des Forums-Platzes gelegen, erhob sich der ebenfalls dreitorige Augustusbogen. Womöglich wurde der ältere Actiumsbogen durch den späteren Partherbogen an derselben Stelle südlich des Caesartempels ersetzt (Abb.4)9.
Die topographische Situation des Severusbogens ist auf den zeitgenössischen Historienreliefs des Konstantinsbogens von 315 n. Chr. anschaulich nachzuvollziehen (Abb.5). Auf der Nordseite des Bogens ist auf dem linken Reliefband die adlocutio des Konstantin anlässlich seines Sieges über Maxentius an der Pons Milvius 312 n. Chr. zu erkennen, die sich auf dem Forum Romanum ereignet. Auf der Rostra hält der Kaiser inmitten der Senatoren gerade seine Ansprache, hinter ihm erhebt sich das tetrachische Fünfsäulen-Denkmal. Zur Linken der Rednertribüne befindet sich der eintorige Triumphbogen des Tiberius und die Basilica Iulia, zur Rechten ist der dreitorige Severusbogen zu sehen10.
Hervorzuheben ist die Lage des Severusbogens auch im Rahmen des Triumphzuges, der seinen Weg traditionell über das Forum Romanum nahm, bevor er das Kapitol erreichte. Vom Marsfeld gelangte der Triumphzug durch die porta triumphalis11 in das pomerium. Das Forum Romanum betrat der Triumphzug durch den republikanischen Fabier-Bogen (fornix Fabianus), um anschließend den Augustusbogen zu passieren. Entlang der via sacra wälzte er sich über den Forumsplatz, durchschritt den Tiberiusbogen und zog schließlich durch den Severusbogen, bevor er über den clivus Capitolinus zum Tempel des Iupiter Capitolinus gelangte, wo das abschließende Opfer stattfand. Der Severusbogen wurde also ganz bewusst an einer Stelle errichtet, die auf dem traditionellen Weg des römischen Triumphzugs lag und die von der pompa triumphalis passiert wurdee12. Der Bogen des Severus fungierte also nicht allein als Schau- und Repräsentationsbau, sondern übernahm auch die typische Funktion des Bogens als Durchgangspassage. Gerade aufgrund seiner topographischen Situation lässt sich der Severusbogen aber nicht auf seine Durchgangsfunktion reduzieren, sondern besitzt einen ambivalenten Charakter. Der Bogen markiert Durchgang und Begrenzung zugleich. Am Nord-Westende des Forums gelegen, erhält der Severusbogen eine ähnliche Wirkung wie ein Stadttor, da er die Grenze zwischen dem eigentlichen Forum und dem dahinter liegenden Stadtgebiet anzeigt13. Anders als ein Stadttor ist der Severusbogen aber nicht in einen übergeordneten Baukörper integriert, sondern entfaltet als freistehendes Monument eine größere und beherrschende Raumwirkung. Dadurch wird eine Gestaltung des Forumsplatzes in Form von Hauptachsen und Symmetrien erreicht14: In diesem Sinne sei noch einmal auf die symmetrische Anordnung und lineare Ausrichtung von Tiberius-Bogen, Rostra und Severusbogen verwiesen (vgl. Abb.5), während eine diagonale Blickachse quer über das Forum eine Verbindung zum Augustusbogen herstellt. Wer das Forum von Osten aus betrat und in Richtung Kapitol blickte, nahm den Severusbogen nicht nur als optischen Abschluss des Platzes wahr, sondern auch als dessen Kulminationspunkt.
Die signifikante Positionierung des severischen Triumphalmonuments und seine topographische Situation spielt für die Interpretation des Monuments also eine entscheidende Rolle: Mit der Aufstellung am Forum Romanum setzte Septimius Severus ein Zeichen seiner Restaurationspolitik und präsentierte sich als Erneuerer traditioneller Leitbilder und traditioneller Orte. Während das alte Forum Romanum durch die Errichtung der Kaiserforen viel von seiner Bedeutung als politisches Zentrum eingebüßt hatte, versuchte Septimius Severus das Forum durch seine Monumente wiederzubeleben und zeigte seine patriotische Gesinnung15. Gerade die Nähe des Severusbogens zum Senatsgebäude unterstreicht das Anknüpfen des nordafrikanischen Kaisers an traditionelle Wertvorstellungen. Dabei kann das unmittelbare Nebeneinander von Curia und severischem Triumphalmonument als Versprechen und als Drohung zugleich betrachtet werden: Einerseits als Respektsbezeugung und als Zeichen der Eintracht mit dem Senat, andererseits als ein Symbol der Kontrolle und der uneingeschränkten Macht des Kaisers, die den Senatoren stets vor Augen stand.
[...]
1 R. Brilliant, The Arch of Septimius Severus in the Roman Forum, MemAmAc 29 (Rom 1967). Für sachliche Anregungen danke ich Prof. W. Wohlmayr (Univ. Salzburg), für geduldiges Korrekturlesen gilt mein herzlicher Dank T. Klein.
2 DAI-Publikationsrichtlinien: www.dainst.org/index_14_de.html
3 Zur Topographie des Severusbogens: Brilliant 1967, 29, 85-90; Coarelli 2000, 75; Lusnia 2006, 275f.
4 Der Severusbogen besaß keinen weiteren Vorgängerbau, was die Grabungen von 1902-1904 am Forum Romanum bestätigten. Die Fundamente des Bogens schließen sich direkt an die Überreste des alten Comitiums an, das sich an dieser Stelle befand. Der Comitiums-Platz scheint bis in severische Zeit also nicht von anderen Bauten überlagert gewesen zu sein. Brilliant 1967, 86.
5 Durch die Grabungen von Gamberini ließen sich Umbauarbeiten an der Süd-Ost-Ecke des Severusbogens zur Zeit Caracallas nachweisen. Das Bodenniveau wurde auf dieser Seite abgesenkt und vermutlich ein kleines Propylon als Verbindungsglied zwischen Bogen und Rostra errichtet. Dass die Umbauten vom Sohn und Nachfolger des Severus durchgeführt wurden, ist durch Ziegelstempel bezeugt. Diese bauliche Maßnahme verstärkte die ideologische Verbindung zwischen dem severischen Triumphalmonument und der Rostra. Vgl. Brilliant 1967, 87-90, 254.
6 Brilliant 1967, 87; Künzl 1988, 61f.
7 Genau genommen führten hinter dem Severusbogen zwei Wege vom Forum weg: Der clivus Capitolinus erstreckte sich vom Severusbogen aus nach Süd-Westen und führte am Saturntempel vorbei auf das Kapitol. Der clivus Argentarius führte vom Severusbogen aus nach Nord-Westen in Richtung der arx. Brilliant 1967, 88.
8 Septimius Severus hatte den historischen Quellen zufolge vor seiner Erhebung zum Kaiser mehrere prophetisch-allegorische Träume, die auf seine zukünftige Regentschaft voraus wiesen. Dieser sogenannte „Pertinax-Traum“ kündete Severus seine Zukunft als Nachfolger des Pertinax und ist bei Cassius Dio detailliert überliefert: „Vorzeichen, aufgrund derer er sich Hoffnung auf die Kaiserwürde machen konnte, wurden ihm, wie folgt zuteil: […] Hinwiederum meinte er, daß ein Pferd auf dem Forum Romanum den Pertinax, der es bestiegen hatte, abgeworfen habe, ihn selbst aber freiwillig auf den Rücken nahm.“ Cass. Dio, 75, 294,30-296,32. In der Übersetzung nach: Cassius Dio, Römische Geschichte. Hrsg. C. Andresen, M. Fuhrmann, u.a., ü. O. Veh. (Zürich 1987) Bd. V, 327f. Zur Reiterstatue des Severus auf dem Forum: Brilliant 1967, 86.
9 Der Actiumsbogen wurde 29 v. Chr. vom Senat für Augustus beschlossen und vermutlich als eintoriger Bogen erbaut. 19 v. Chr. erfolgte die Dedikation des Partherbogens auf dem Forum Romanum, der anlässlich der Rückgabe der römischen Feldzeichen durch die Parther (nach der vernichtenden Niederlage des Crassus bei Carrhae) errichtet wurde. Von O. Richter wurde ursprünglich angenommen, dass sich die beiden Triumphbögen symmetrisch zu Seiten des Caesartempels befanden, doch scheint für den dreitorigen Partherbogen zwischen Basilica Aemilia und dem Tempel des Divus Iulius zu wenig Platz gewesen zu sein. Die Grabungen von Gamberini im Areal südlich vom Caesartempel erbrachten Hinweise, dass es ein älteres, eintoriges Bogenmonument gab, das später von einem dreitorigen Bogenmonument ersetzt wurde. Auf den eintorigen Actiumsbogen könnte also der dreitorige Partherbogen 19 v. Chr. gefolgt sein. Die Ansätze von Simon und Coarelli versuchen den Partherbogen wieder nördlich des Caesartempels zu platzieren, „geleitet vom Unbehagen, daß Augustus ausgerechnet einen Bogen für den Sieg von Actium habe abtragen lassen.“ (Künzl 1988, 52-56). Die Platzprobleme lassen sich durch das „Unbehagen“ der Forschung aber nicht zum Verschwinden bringen und dürften nicht allzu schwer ins Gewicht fallen: Es ist zu bedenken, dass kein einziger erhaltener Ehren- und Triumphbogen bis hinauf zum Konstantinsbogen im 4. Jh. n. Chr. die Ereignisse eines Bürgerkriegs verherrlicht. Vor diesem Hintergrund erscheint es durchaus nachvollziehbar, dass Augustus ein Siegesmonument der Bürgerkriege gegen ein Siegesmonument über die Parther tauschte. Einem Triumphbogen anlässlich der Tilgung der Partherschmach bei Carrhae fehlte der schale Beigeschmack der Bürgerkriege und er konnte weitaus unbedenklicher als patriotisches Monument betrachtet werden. Vgl. Künzl 1988, 52-57; Nedergaard, 224-231.
10 Der Severusbogen ist in der adlocutio-Darstellung des Konstantinsbogens relativ schematisch und vereinfacht wiedergegeben. Allein durch den topographischen Kontext am Forum Romanum ist die Identifizierung eindeutig. Mit dem Originalmonument stimmen die dreifache Bogenstellung, die vier vorgesetzten Säulen sowie das Triumphalregister überein. Auf die großen Reliefpanele wurde verzichtet, stattdessen setzt direkt über dem Triumphfries die Attika ein. Zur adlocutio-Darstellung des Konstantin-Bogens: Bianchi Bandinelli 1971, 73-77; Coarelli 2000, 180-185; Fähndrich 2005, 84f; Künzl 1988, 60-62.
11 Den antiken Quellen zufolge (bsp. Flavius Iosephus) befand sich die porta triumphalis am südlichen Marsfeld und markierte die Grenze zum pomerium, dem eigentlichen Stadtgebiet. Dementsprechend heißt es über den Flaviertriumph anlässlich der Eroberung Jerusalems von 70 n. Chr. im ‚de bello Iudaico’ des Flavius Iosephus: „Er selbst [Vespasian] entfernte sich zu dem Tore, durch das schon seit alten Zeiten die Triumphzüge geleitet wurden, woher es auch seinen Namen bekommen hat [porta triumphalis].“ (Flav. Ios., 7, 3-7. Zitiert nach der Übersetzung bei Künzl. Künzl 1988, 10). Architektonische Überreste und antike Darstellungen der porta triumphalis haben sich nicht erhalten. Ein verschollenes Relief aus Rom mit einer prächtigen Bogendarstellung (bekannt aus einer Renaissance-Zeichnung) wird als möglicher Kandidat einer porta triumphalis-Darstellung gehandelt. Vgl. Holliday 1997, 133; Künzl 1988, 36-44.
12 Künzl 1988, 48f, 67.
13 Diese doppelte Funktion des Severusbogens aufgrund seiner besonderen Topographie wurde von Brilliant hervorgehoben: „[…] the arches both established the limits of the Forum and marked points of passage […]. More than others the Severan Arch achieved this dual function.“ Brilliant 1967, 88.
14 Auf die Funktion von Bogenmonumenten im Sinne urbanistischer Gestaltungskriterien machte von Hesberg nachdrücklich aufmerksam. Von Hesberg betont den dramatischen Effekt der Ehren- und Triumphbögen als freistehende Monumente und ihre vornehmliche Ausrichtung auf Hauptachsen. Eine solche explizite Berücksichtigung der topographischen und städtebaulichen Situation konstatiert von Hesberg auch für die Errichtung des Severusbogens auf dem Forum Romanum. Von Hesberg 1992, 296.
15 Auf die Neugestaltung und Wiederbelebung des Forums-Platzes durch die Severer wies Brilliant hin. Neben dem Severusbogen wurde der bereits erwähnte Equus des Severus am Forum aufgestellt. Brilliant 1967, 86f.
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