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"Der gute Mensch von Sezuan" - Unterrichtsaspekte für die Klassen 8 - 10 close

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"Der gute Mensch von Sezuan" - Unterrichtsaspekte für die Klassen 8 - 10

Scholary Paper (Seminar), 2006, 45 Pages
Author: Sarah Müller
Subject: German Studies - Didactics

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 45
Grade: 2
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V91236
ISBN (E-book): 978-3-638-05586-4
ISBN (Book): 978-3-638-94718-3
File size: 184 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit ist semesterbegleitend entstanden und setzt sich daher aus verschiedenen Teilen zusammen, die zum Einen Thematiken des Seminars bearbeiten und ausführen, zum Anderen aber auch in den Gruppenarbeiten des Seminars entstanden sind. Da es sich bei dieser Arbeit um ein Portfolio handelt, ist kein komplettes Unterrichtsmodell konzipiert worden, sondern es werden lediglich einige Aspekte vorgestellt, die sich mit dem Drama des guten Menschen von Sezuan beschäftigen. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Doppelrolle der Hauptfigur. +++ Inhaltsverzeichnis +++ Einleitung +++ 1. Der Ingwertopf + 1.1. Interpretation von Bertold Brechts Fragment + 1.2. Gruppenarbeit: Szenisches Spiel am Beispiel des Ingwertopfes +++ 2. Der gute Mensch von Sezuan + 2.1. Die vielfältigen Aspekte des Dramas + 2.2. Szenenübersicht + 2.3. Didaktische Überlegungen - Welche Themen sollen bearbeitet werden? + 2.4. Ausgewählte Methoden und Begründung + 2.5. Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren +++ 3. Unterrichtsentwürfe + 3.1. Unterrichtsentwurf: Einen dramatischen Text lesend erschließen + 3.2. Hausaufgabenentwurf: Untertexte schreiben + 3.3. Unterrichtsentwurf: Standbilder bauen + 3.4. Unterrichtsentwurf: Rollenbiografien schreiben +++ 4. Bibliographie


Excerpt (computer-generated)

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 1

Einleitung 2

1. Der Ingwertopf 3

1.1. Interpretation von Bertold Brechts Fragment 3

1.2. Gruppenarbeit: Szenisches Spiel am Beispiel des Ingwertopfes 6

2. Der gute Mensch von Sezuan 9

2.1. Die vielfältigen Aspekte des Dramas 9

2.2. Szenenübersicht 15

2.3. Didaktische Überlegungen - Welche Themen sollen bearbeitet werden? 20

2.4. Ausgewählte Methoden und Begründung 22

2.5. Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren 23

3. Unterrichtsentwürfe 27

3.1. Unterrichtsentwurf: Einen dramatischen Text lesend erschließen 27

3.2. Hausaufgabenentwurf: Untertexte schreiben 33

3.3. Unterrichtsentwurf: Standbilder bauen 35

3.4. Unterrichtsentwurf: Rollenbiografien schreiben 39

4. Bibliographie 44


Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist semesterbegleitend entstanden und setzt sich daher aus

verschiedenen Teilen zusammen, die zum Einen Thematiken des Seminars bearbeiten und

ausführen, zum Anderen aber auch in den Gruppenarbeiten des Seminars entstanden sind.

Da es sich bei dieser Arbeit um ein Portfolio handelt, ist kein komplettes Unterrichtsmodell

konzipiert worden, sondern es werden lediglich einige Aspekte vorgestellt, die sich mit dem

Drama des guten Menschen von Sezuan beschäftigen. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der

Doppelrolle der Hauptfigur.

Das Fragment des Ingwertopfes habe ich mit aufgenommen, da er meiner Meinung nach

sehr gut als Vorbereitung auf das szenische Spiel dienen kann. Man kann ihn bereits mit

einer 7. oder 8. Klasse lesen und bearbeiten, so dass szenische Interpretationen für die

SchülerInnen keine unbekannten Methoden mehr sind.

Ein Lesetagebuch habe ich nicht erstellt, deshalb stehen unter Punkt 2 die vielfältigen

Aspekte des Dramas, die stellvertretend für das breite Spektrum an möglichen

Bearbeitungspunkten stehen sollen und deren Auswahl daher keinerlei Anspruch auf

Vollständigkeit erhebt. Ich habe eine Szenenübersicht unter besonderer Berücksichtigung

der epischen Mittel aufgestellt, so dass man immer wieder zu ihr zurückkehren kann, um

sich den Verlauf des Dramas ­ falls notwendig ­ nochmals in Gedächtnis rufen zu können.

Die für mich zentralen Thematiken von Gut und Böse und die Rolle der Götter habe ich in

den Unterrichtsentwürfen 3 und 4 bearbeitet, ansonsten das Augenmerk eher auf die

Annäherung der Schüler an einen Dramentext und deren ersten Umgang mit einem solchen

Text gelegt. Die Unterrichtsentwürfe 1 und 2 dienen dieser Annäherung. Die gedachte

Lerngruppe für die Bearbeitung des Dramas Der gute Mensch von Sezuan ist eine 9. oder

10. Gymnasialklasse.

Ich habe zwar einige Ergebnisse der Gruppenarbeit des Seminars aufgenommen, mich aber

ansonsten weitestgehend von der Gruppenarbeit losgelöst. Die Arbeit mit der Gruppe im

Seminar war recht produktiv, doch lebhafte Diskussionen blieben aus, weshalb ich auch nur

die Ergebnisse und nicht deren Entstehungsprozess mitaufgenommen habe. Eine Idee war,

die Rezeption des Dramas mit der Schlussszene zu beginnen. Diese Idee stieß auf große

2


Zustimmung. Da ich mich aber nicht mit der Gesamtrezeption des Dramas befasst habe,

werde ich nicht näher darauf eingehen.

1. Der Ingwertopf

1.1. Interpretation von Bertold Brechts Fragment

Wenn man als Lehrer mit einer Lerngruppe einen Text erarbeiten möchte, d.h. ihn

analysieren und interpretieren will, so muss man sich als Lehrer darüber im Klaren sein, wie

man den Text selbst auffasst. Im Folgenden habe ich versucht, mir ein Bild vom Ingwertopf

zu machen.

Die Rollen- und damit auch die Machtverteilung in Brechts Fragment ist schon durch die

Namen der Figuren gegeben. Kung, als zentrale Figur, sticht durch einen individuellen

Namen heraus, während die anderen lediglich nach ihrer Körpergröße, bzw. im

übertragenen Sinne nach ihrem Ansehen in der peer group beschrieben werden.

Der Größte hat zu Beginn der Szene einer anderen Gruppe einen Ball weggenommen. Mit

dieser Trophäe möchte er nun spielen und da der Mittlere und der Kleinste Mitläufer sind,

haben sie dem nichts entgegen zu setzen. Sie möchten Kung in ihr Spiel integrieren, da er

sehr stark ist und den Ball verteidigen könnte, falls die anderen Kinder ihren Ball

wiederhaben wollten. Kung hat jedoch andere Vorstellungen vom Spielen und schlägt

,,Schulespielen" vor, wobei es insbesondere um das ,,schickliche Ausessen eines

Ingwertopfes" gehen soll. Der Mittlere möchte sich Kungs Willen beugen, da er Respekt vor

dessen körperlicher Stärke hat. Der Größte ist aber nach wie vor für das Ballspielen,

immerhin hat er ja den Ball erbeutet und möchte diesen Triumph nun auskosten. Der

Mittlere überzeugt die anderen beiden davon, dass sie Schule spielen sollten, jedoch steht

für ihn weniger das Spielen an sich als das Ausessen des Ingwertopfes im Vordergrund.

Kung bemerkt diese unterschiedlichen Prioritäten nicht und glaubt, dass seine ,,Schüler"

wirklich das s c h i c k l i c h e Ausessen erlernen möchten. Dementsprechend naiv verhält

er sich dann auch. Seine ,,Schüler" sollen ihn in der Rolle von Generälen als König Yen

anerkennen und sich dankbar zeigen, dass ihnen so eine große Ehre zukommt, nämlich,

dass der König ihnen seinen königlichen Ingwertopf anbietet. Den Spielkameraden geht es

natürlich nur um den Ingwer, sie greifen gierig in den Topf und nehmen sich soviel wie

möglich. Zumindest der Größte und der Mittlere verhalten sich so. Kung ist entsetzt. Solch

3


ein Verhalten hatte er nicht erwartet. Der Kleinste, der nun an der Reihe wäre, will auch

schon gierig nach dem Topf greifen, Kung hält ihn aber davon ab, indem er vorführt, wie

man es richtig macht. Auf die Frage ob er die Veranschaulichung wiederholen soll,

antwortet der Mittlere mit einem klaren Nein, denn er möchte ja an soviel wie möglich

Ingwer herankommen. Kung glaubt immer noch an die guten Absichten seiner Kameraden

und lässt abermals den Größten probieren. Natürlich klappt es auch dieses Mal nicht. Kung

tadelt, also will es der Größte noch mal versuchen. Kung hätte es ihm sicherlich erlaubt,

jedoch durchschaut der Mittlere die Absichten des Größten und möchte selber zum Zuge

kommen. Er ,,vollführt hastig die verlangten Gesten [und] greift verhältnismäßig gleichgültig

in den Topf". Sein Verhalten wird dann auch mit einem ,,besser" von Kung bewertet, was er

sofort als Anlass nimmt, sein Verhalten zu verbessern und er greift noch einmal in den

Topf. Er hat es also geschickter als der Größte angestellt, denn der wollte ja auch noch mal

in den Topf greifen, wurde aber vom Mittleren abgehalten. Dann kommt endlich der

Kleinste an die Reihe. Er verhält sich vorschriftsmäßig und Kung ist begeistert. Er

übertrumpft Kung sogar noch, in dem er beim Hineingreifen keinen Ingwer aus dem Topf

holt. Kung ist entzückt. Solch eine Enthaltsamkeit, ,,Würde und Anstand" hatte er nicht

erwartet. Die anderen beiden. Nun als die beiden Größeren bezeichnet, laufen lachend mit

dem Ball hinaus. Als Belohnung will Kung dem Kleinsten nun den restlichen Inhalt des

Topfes vermachen, bemerkt nun aber, dass der Topf leer ist. Sofort unterstellt er dem

Kleinsten, dass dieser sich anders verhalten hätte, wäre der Topf noch voll gewesen.

Entsprechend dem Brechtschen Zitat ,,Erst kommt das Fressen, dann die Moral" stellt er im

Nachhinein fest, dass man sowohl Anstandsgefühl also auch einen vollen Topf braucht.

Der Mittlere scheint die treibende Kraft zu sein. Er ist es, der die anderen zum

,,Schulespielen" überredet, er erhält den meisten Ingwer. Am Ende ist er dann auch nicht

mehr der Mittlere, sondern wird zusammen mit dem Größten als die beiden Größeren

genannt. Diese beiden haben nun alles, was sie wollten. Sie haben süßen Ingwer

bekommen und widmen sich im Endeffekt doch ihrem Ballspiel, was von Anfang an ihre

Intension war. Sie nutzen Kungs Erziehungsbestreben so gut sie können aus.

Der Größte wird im Laufe der Geschichte zum Mitläufer, denn die Führungsposition wird

vom Mittleren übernommen. Erst gegen Ende nimmt er wieder an Bedeutung zu, denn

dann geht es um das Ballspielen, in dem er die Hauptrolle spielt, denn er hat ja für den Ball

gesorgt.

4


Der Kleinste kommt am schlechtesten weg. Er erhält als Einziger keinen Ingwer, denn

selbst Kung schafft es, an immerhin ein Stück Ingwer zu kommen. Dabei hätte er es

meisten verdient. Er ist wie ein Diplomat. Anfangs wirft er, als es um Kungs körperliche

Stärke geht, noch ein, dass Kung sich noch nie geprügelt hat. Später kommt er nicht zum

Zuge und al er dann endlich an der Reihe ist, bleibt kein Ingwer mehr für ihn übrig. Bei

seinem ersten Versuch hätte er sich wahrscheinlich wie die anderen beiden verhalten, denn

obwohl sie nicht das gewünschte Verhalten an den Tag legten, konnten sie ja doch an den

Ingwer kommen. Beim zweiten Mal verhält er sich vorbildlich, denn er weiß ja noch gar

nicht, dass der Topf leer ist. Die Reaktion der anderen: Lachen. Denn sie haben ja auch

ohne Manieren ihr Ziel erreicht. Der Kleinste schaut nun in den Topf und sieht, dass er leer

ist. Nun weiß er nicht weiter, denn bisher konnten die anderen ja ein Stück Ingwer aus dem

Topf herausholen. Kung hilft ihm in seinem Eifer auf die Sprünge, da er ja denkt, dass der

Kleinste vor lauter Anweisungen den Ablauf vergessen hat. Kung hätte ihn für sein

vorbildlichen Benehmen belohnt, kann aber nun nicht mehr genau sagen, ob sich der

Kleinste auch bei einem vollen Topf genauso verhalten hätte.

Kung ist aus psychischer Sicht der Leidtragende, denn der Kleinste kam ja aus physischer

Sicht nicht zum Zuge. Er erhielt keinen Ingwer. Aber Kung, der anhand seiner Kameraden

die Welt verbessern will, kommt zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Die Größeren

essen den ganzen Ingwer auf, so dass für den Kleinsten nichts mehr bleibt, um seine

Vorbildlichkeit darstellen zu können. Aber Kung glaubt von vornherein nicht an das Gute im

Menschen, denn zum Einen will er seine Kameraden ja von Anfang an belehren und zum

anderen unterstellt er dem Kleinsten, dass dieser bei anderen Bedingungen anders

gehandelt hätte. In dem Text heißt es, dass Kung bereits eine Benehmensstunde

abgehalten hat und zwar über das ,,Grüßen". Auch dabei hat er Essen verteilt, nämlich

Hirsefladen. Die Spielkameraden wissen also von vornherein, wie sie sich verhalten müssen,

damit etwas Positives, in diesem Falle Essen, für sie dabei herausspringt. Kung ist so

geblendet von seiner Lehrmeisterei, dass er diese Intentionen nicht bemerkt. Er wird sich

auch wieder so verhalten. Auch wenn er nun weiß, dass sein Ingwertopf nächstes Mal voller

sein muss, so wird er doch wieder in das alte Schema zurückfallen und den Größeren so

lange etwas anbieten, bis der, wenn auch vollere, Topf leer ist. Der Kleinste wird auch dann

das Nachsehen haben. Kung glaubt, er könne seine Kameraden belehren, aber aus seinem

Verhalten und dem Benehmen seiner Kameraden scheint er nichts zu lernen oder auch

nichts lernen zu wollen. Er ist von sich selbst so überzeugt, dass er alles andere nicht mehr

wahrzunehmen scheint. Er kann ja sich ja schon ,,schicklich Benehmen" und denkt, damit

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sei nun alles getan. Dass er aber auch an seiner Einstellung etwas ändern kann und sogar

muss, das sieht er nicht.

1.2. Gruppenarbeit: Szenisches Spiel am Beispiel des Ingwertopfes

Gedachte Lerngruppe

Klasse 7 oder 8 einer Realschule oder eines Gymnasiums

Vorbereitung

Als Hausaufgabe den Text zur nächsten Stunde lesen lassen. Die Schüler sollen sich nach

Möglichkeit bereits während des vorbereitenden Lesen mit einer Rolle besonders

auseinandersetzen ("Überlegt Euch, welche Rolle Euch am meisten interessiert"). Da man

nicht davon ausgehen kann, dass alle Schüler den Text zu Hause lesen werden, wird der

Text dann in der Stunde natürlich noch mal gelesen, und zwar mit verteilten Rollen. Hier

kann man die Schüler schon nach ihren Präferenzen fragen und dem entsprechend die

Leserollen verteilen.

Man könnte den Text auch ein zweites Mal lesen lassen, natürlich auch wieder mit verteilten

Rollen. Beim zweiten Lesen könnte man dann beispielsweise die unterschiedlichen

Positionen der Gruppen durch Stuhlgruppen darstellen. Es gäbe immer zwei Gruppen. Zu

Anfang die Gruppe KUNG und die Gruppe der ANDEREN. Im Verlaufe des Stücks würde sich

der Kleine aus der Gruppe der ANDEREN lösen und zu KUNG wechseln. Am Ende gäbe es

nur noch die KUNG Gruppe, da die ANDEREN ja schon wieder Ball spielen sind.

Da Ingwer in unseren Breitengraden nicht unbedingt zum Alltag gehört und schon gar nicht

als Süßigkeit unter den Schülern bekannt ist, würden wir essbares Anschauungsmaterial

mitbringen. Die frische Ingwerknolle hat ja eine sehr eigenwillige Form, also würden wir

eine Knolle mitbringen, die man dann anfassen und beschnuppern kann. Ingwertee,

Ingwerplätzchen, etc. wären weitere Möglichkeiten, die Schüler mit Ingwer vertraut zu

machen. Aber am allerwichtigsten ist natürlich der Ingwer als Süßigkeit, denn der spielt in

dem "Ingwertopf" ja die Hauptrolle. Kandierter Ingwer ist also ein absolutes Muss und

bietet den Schülern die Möglichkeit, den Ingwer selbst einmal zu probieren.

Nach dem ersten Lesen müssen Schwierigkeiten auf der Wort- und Bedeutungsebene

geklärt werden. Was bedeutet "sich etwas in den Mund schoppen" oder was versteht man

unter "schicklichem Benehmen"? Die Schüler werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit

vorstellen können, was diese Wörter zu bedeuten haben, aber um sicherzugehen, dass es

alle verstanden haben, bedarf es hier einer kurzen Klärung. Hat man etwas ausführlicher

Zeit, kann man nicht nur klären, wie das "schickliche Benehmen" bei Brecht zu verstehen

ist, sondern auch, was die Schüler auf den Schullalltag bezogen darunter verstehen und wie

6


sie beispielsweise mit Mitschülern umgehen. Außerdem sollen sie verstehen, dass der

Ingwertopf in einem anderen Kulturkreis spielt (V-Effekt) und dem entsprechend andere

Vorstellungen von "schicklichem Benehmen" gelten. Wie sehen es die Schüler? Welche

Vorstellungen haben sie von Anstand, was sich gehört und was nicht? Wie sieht es aus mit

"schicklichem Benehmen" in anderen Generationen (beispielsweise den Großeltern)?

Nach dem ersten Lesen, dem Klären von Begriffen und dem Kennenlernen des Ingwers als

Gewürzpflanze/Süßigkeit gehen wir zu Vorübungen über, die wir pantomimisch gestalten

würden. Herauszustellen sind dabei die Szenen des "richtigen Verbeugens" und des

"richtigen Grüßens".

Die Szene des Verbeugens ist ja im Text beschrieben, so dass hier zwar Leerstellen zu

füllen sind, sich die Schüler aber noch etwas am Text orientieren könnten. Die Szene des

Grüßens wird nur kurz erwähnt, sie war nämlich die vorhergehende Stunde des Lehrers

Kung. Hier können sich die Schüler nur noch auf sich verlassen. Die zweite Szene wird den

Schülern dann auch etwas schwerer fallen, aber da dies als Vorübung gedacht ist, werden

sie bei den Stück an sich keine großen Probleme mehr haben.

Um auf Waldmann zurückzukommen, würden wir den Schülern eine Auswahl an

schriftlichen Hausaufgaben geben, aus der sie eine wählen können:

- Rollenbiographie schreiben (Kung, Großer, Mittlerer oder Kleiner)

- Tagebucheintrag für den Tag (Kung, Großer, Mittlerer oder Kleiner)

- Gespräch zwischen Größerem und Mittlerem über Erlebtes

- Gespräch zwischen Kung und seiner Mutter

- Vortagsspiel des Grüßens verschriftlichen

- Etc.

Ich werde diese Beispiele hier nicht weiter ausführen, da ich an anderer Stelle im Bezug auf

den guten Menschen von Sezuan nochmals auf sie eingehen und ausführlicher beschreiben

werde.

Durchführung

In der Durchführung schließlich sollen sich die Schüler mit unterschiedlichen Körper- und

Sprechhaltungen auseinandersetzen. So können die vier Jungen sehr unterschiedlich

dargestellt werden. Man kann beispielsweise von den Namen (Größerer, Mittlerer, Kleinerer)

auf die Körperhaltung schließen oder versuchen Kung so darzustellen, dass die anderen

vielleicht danach doch nicht mir dem Ball verschwinden würden.

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