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Presentation (Elaboration), 2007, 11 Pages
Author: Sarah Müller
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Nibelungenlied, Rüdiger von Bechelaren
Year: 2007
Pages: 11
Grade: 1
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-05025-8
ISBN (Book): 978-3-638-94518-9
File size: 116 KB
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Abstract
Markgraf Rüdiger von Bechelaren tritt im zweiten Teil des Nibelungenliedes (20. Âventiure) zum ersten Mal in Erscheinung. König Etzel will um Kriemhilds Hand anhalten. Rüdiger ist „Etzels mächtigster und tüchtigster Vasall“ und da „Botenrollen zu übernehmen [...] Vasallenpflicht“ war, übernimmt Rüdiger die Aufgabe des Brautwerbers. Kriemhild lehnt den Antrag Etzels aus Treue zu Siegfried zunächst ab. Am nächsten Morgen hat sie ihre Meinung noch nicht geändert, doch bei einem Gespräch unter vier Augen verspricht Rüdiger er wolde si ergetzen swaz ir ie geschach (1255, 3). Kriemhild willigt daraufhin in die Heirat mit Etzel ein. In der vorliegenden Ausarbeitung gehe ich auf Rüdigers Lehnsverhältnis zu Etzel und Kriemhild ein und beleuchte die verschiedenen Aspekte, die Rüdiger dazu bringen als Vasall Etzels gegen seine Freunde und (angeheirateten) Verwandten in den Kampf zu ziehen. Rüdigers Verpflichtungen machen ihn zu einem tragischen Helden, da er keiner Partei gerecht werden kann. Auf die Schildbitte Hagens in der 37. Âventiure und die damit ermöglichte Rehabilitation Rüdigers gehe ich im 5. Kapitel ein.
Excerpt (computer-generated)
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 1
1. EINLEITUNG 2
2. DAS LEHNSWESEN 3
3. RÜDIGER ALS VASALL ETZELS 3
4. RÜDIGER ALS VASALL KRIEMHILDS 5
5. DIE SCHILDBITTE 6
6. FAZIT 8
BIBLIOGRAPHIE 10
1
1. Einleitung
Markgraf Rüdiger von Bechelaren tritt im zweiten Teil des Nibelungenliedes (20. Âventiure)
zum ersten Mal in Erscheinung. König Etzel will um Kriemhilds Hand anhalten. Rüdiger ist
,,Etzels mächtigster und tüchtigster Vasall"1 und da ,,Botenrollen zu übernehmen [...]
Vasallenpflicht"2 war, übernimmt Rüdiger die Aufgabe des Brautwerbers. Kriemhild lehnt
den Antrag Etzels aus Treue zu Siegfried zunächst ab. Am nächsten Morgen hat sie ihre
Meinung noch nicht geändert, doch bei einem Gespräch unter vier Augen verspricht Rüdiger
er wolde si ergetzen swaz ir ie geschach
(1255, 3). Kriemhild willigt daraufhin in die Heirat
mit Etzel ein.
Nach sieben Jahren Ehe mit Etzel lädt Kriemhild ihre Verwandten an den Hunnenhof ein. Auf
ihrem Weg zur Etzelburg kehren die Burgunden bei Rüdiger in Bechelaren ein (27.
Âventiure) und er empfängt sie als großzügiger Gastgeber. Auf Hagens Vorschlag hin kommt
es zur Verlobung zwischen Giselher und Rüdigers Tochter. Nach vier Tagen ziehen die
Burgunden unter Rüdigers Geleit weiter an den Hunnenhof.
Kriemhilds Rachfeldzug beginnt in der 37. Âventiure. Rüdiger gerät zwischen die Fronten.
Auf der einen Seite ist er Etzels Lehnsmann und hat Kriemhild in Worms die Treue
geschworen, auf der anderen Seite stehen die Burgunden als seine Freunde und nun auch
Verwandte, denen er Geleitschutz an den Hunnenhof gewährt hat. Er möchte das Unmögliche
wahr machen: beiden Seiten gerecht werden. Dies ist nur möglich, wenn er sich weder für die
eine noch für die andere Seite entscheidet. Das Lehns-verhältnis ist jedoch bindend, also
bleibt ihm keine andere Wahl als es aufzukündigen. Etzel genehmigt Rüdiger die gewünschte
Neutralität nicht. ,,Lehnsrecht wirkt stärker denn Geleitrecht und das Recht der
Gastfreundschaft"3, also muss Rüdiger in den Kampf gegen die Burgunden ziehen. Er stirbt
durch Gernots Schwert.
In der vorliegenden Ausarbeitung gehe ich auf Rüdigers Lehnsverhältnis zu Etzel und
Kriemhild ein und beleuchte die verschiedenen Aspekte, die Rüdiger dazu bringen als Vasall
Etzels gegen seine Freunde und (angeheirateten) Verwandten in den Kampf zu ziehen.
Rüdigers Verpflichtungen machen ihn zu einem tragischen Helden, da er keiner Partei
1 Peter Wapnewski: Rüdigers Schild. Zur 37. Aventiure des ,,Nibelungenliedes". In: Nibelungenlied und Kudrun.
Hg. von Heinz Rupp. Darmstadt 1976. S. 135.
2 András Vizkelety: Rüdiger - Bote und Brautwerber in Bedrängnis. In: Pöchlarner Heldenlied-gespräch. Das
Nibelungenlied und der mittlere Donauraum. Hg. von Klaus Zatloukal. Wien 1990. S. 133.
3 Wapnewski, S. 150.
2
gerecht werden kann. Auf die Schildbitte Hagens in der 37. Âventiure und die damit
ermöglichte Rehabilitation Rüdigers gehe ich im 5. Kapitel ein.
2. Das Lehnswesen
Das Lehnswesen ist die Beziehung zwischen Lehnsherr und belehntem Vasallen. Der
Lehnsherr ist der rechtliche Eigentümer von Grund und Boden oder bestimmten Rechten und
verleiht diese an den Vasallen auf Lebenszeit. Mitteis4 bezeichnet den mittelalterlichen Staat
schlechthin als ,,Lehnsstaat", in dem das ,,Lehnsrecht die hervorragendste und zugleich
eigentümlichste Rechtsschöpfung des abendländischen Mittelalters darstellt"5.
Der Lehnseid verpflichtet den Lehnsherrn zu ,Schutz und Schirm′ gegenüber seinem
Vasallen, den Lehnsmann zu ,Rat und Hilfe′ (
consilium et auxilium
) gegenüber seinem Herrn,
,,Lehnsbindung ist [also] gegenseitige Bindung, wechselseitige Bedingtheit"6. ,,Die
Lehnsbindung das ergibt sich aus ihrem Wesen war grundsätzlich nicht zu sprengen, es sei
denn dank Missbrauch der Rechte, Vernachlässigung der Pflichten. So konnte ein Vasall nicht
von sich aus ,absagen′ aus freien Stücken."7 ,,Verletzte der Vasall Dienst- und Treuepflicht,
so war [...] die härteste Maßregel, die ihn treffen konnte, [die] Entziehung des Lehns"8. Seit
dem Beginn des 12. Jahrhunderts ,,räumte man [...] ein, dass ein Vasall sein Lehnsverhältnis
lösen könne"9 (
diffidatio
). Es hätte jedoch ,,dem Gebot der Ehre widersprochen, [...] [seinen]
Herrn vor dem Kampf oder im Unglück zu verlassen"10.
3. Rüdiger als Vasall Etzels
,,Markgraf Rüdiger von Bechelaren ist Lehnsmann, ist Vasall des Königs Etzel"11. Als solcher
hat er ohne Widerrede gegen jeden Feind seines Herrn zu kämpfen. Er weiß, dass Etzel
niemals in den Frieden einwilligen wird,
daz weinte inneclîchen der vil getriuwe Rüedegêr
(2135, 4). Da er sich aber beiden Seiten gegenüber verantwortlich fühlt, wünscht er sich,
Frieden vermitteln zu können:
4 Heinrich Mitteis: Der Staat des Hohen Mittelalters. Weimar: 41953. S. 424. In: Wapnewski, S. 142.
5 Wapnewski, S. 142.
6 Wapnewski, S. 142.
7 Wapnewski, S. 144.
8 Wapnewski, S. 144.
9 Wapnewski, S. 144.
10 Wapnewski, S. 146.
11 Wapnewski, S. 141.
3
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