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Über Rousseaus Emile oder Über die Erziehung

Scholary Paper (Seminar), 2006, 16 Pages
Author: Björn Backhaus
Subject: Pedagogy - General

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 16
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V91413
ISBN (E-book): 978-3-638-05646-5

File size: 128 KB

Abstract

Jean-Jacques Rousseaus pädagogisches Werk Emile oder Über die Erziehung von 1762 stellt einen gesellschaftskritischen Erziehungsroman dar, der sich an die Pariser Gesellschaft des 18. Jahrhunderts richtet. Rousseau, einer der einflussreichsten Autoren seiner Zeit, gilt damit als Begründer der modernen Pädagogik. Seit der Aufklärung gilt das Kind nicht mehr als kleiner Erwachsener, wodurch die Aufgabe der Erziehung nicht mehr darin besteht das Kindsein aus dem kleinen Erwachsenen auszutreiben. Bereits vor Rousseau hatte es Ansätze dazu gegeben, doch erst Rousseau fundiert die Güte des Menschen als Prinzip der Erziehung. Diese Arbeit soll versuchen anhand der Ausgangssituation, die Rousseau vorfindet, dessen Anthropologie und die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Erziehung zu veranschaulichen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf den pädagogischen Theorien Rousseaus, die vorgestellt und kritisch betrachtet werden. Außerdem will diese Arbeit versuchen einen kleinen Einblick auf die Relevanz Rousseaus pädagogischer Theorien im Umbruch der Französischen Revolution und derer Folgejahre. Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf als Sohn des Uhrmachers Isaac Rousseau geboren. Die Mutter, eine gebildete Pfarrerstochter mir einer umfangreichen Bibliothek, verstirbt bei der Geburt. Den Verlust der Mutter versuchen die unverheiratete Schwester des Vaters und eine Amme zu kompensieren. Der Vater, weitgereist und belesen, ist Nachfahre aus Paris ausgewanderter Hugenotten , die im Zuge der Bartholomäusnacht Frankreich verlassen mussten. Der Vater ist ein reicher Handwerker mit einem ansehnlichen Hausbesitz in Genf. Er gehört zur Klasse der Citoyens und damit zur obersten Klasse der fünf Klassen in der Genfer Republik. Der Vater ist es auch, der sich mit größter Aufmerksamkeit um den Bildungsprozess des jungen Jean-Jacques kümmert. Sodass dieser bereits im Alter von acht Jahren eigenständig die damaligen großen Werken der Kirchen- und Weltgeschichte liest und mit der französischen Romanliteratur, anhand der Bibliothek seiner Mutter, vertraut gemacht wird. Daneben jedoch erfährt Jean-Jacques Rousseau jedoch keine ordentliche Schulbildung.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Univeristät Münster

Institut für Erziehungswissenschaften

SS 2006

Über Rousseaus Emile oder Über die Erziehung


von

Björn Backhaus


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Jean-Jacques Rousseau 3

2.1

Die Ausgangssituation in Frankreich im 18. Jahrhundert 5

2.2

Die Ausgangssituation der Erziehung in Frankreich vor Rousseau 5

2.3

Rousseaus Anthropologie 6

3. Notwendigkeit der Erziehung nach der Natur 6

3.1

Die Natur 8

3.2

Natürliche Erziehung 8

3.3

Ziel der Erziehung 9

3.4

Negative Erziehung 10

3.5

Beispiel einer arrangierten Situation 12

4.0

Kritik an der negativen Erziehung 13

4.1

Die revolutionäre Pädagogik und die Revolution 13

5. Literaturverzeichnis: 15

2


1.

Einleitung

Jean-Jacques Rousseaus pädagogisches Werk

Emile oder Über die Erziehung

von 1762

stellt einen gesellschaftskritischen Erziehungsroman dar, der sich an die Pariser Gesellschaft

des 18. Jahrhunderts richtet. Rousseau, einer der einflussreichsten Autoren seiner Zeit, gilt

damit als Begründer der modernen Pädagogik. Seit der Aufklärung gilt das Kind nicht mehr

als kleiner Erwachsener, wodurch die Aufgabe der Erziehung nicht mehr darin besteht das

Kindsein aus dem kleinen Erwachsenen auszutreiben. Bereits vor Rousseau hatte es Ansätze

dazu gegeben, doch erst Rousseau fundiert die Güte des Menschen als Prinzip der Erziehung.

Diese Arbeit soll versuchen anhand der Ausgangssituation, die Rousseau vorfindet, dessen

Anthropologie und die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Erziehung zu

veranschaulichen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf den pädagogischen Theorien

Rousseaus, die vorgestellt und kritisch betrachtet werden. Außerdem will diese Arbeit

versuchen einen kleinen Einblick auf die Relevanz Rousseaus pädagogischer Theorien im

Umbruch der Französischen Revolution und derer Folgejahre.

2.

Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf als Sohn des Uhrmachers Isaac

Rousseau geboren. Die Mutter, eine gebildete Pfarrerstochter mir einer umfangreichen

Bibliothek, verstirbt bei der Geburt. Den Verlust der Mutter versuchen die unverheiratete

Schwester des Vaters und eine Amme zu kompensieren. Der Vater, weitgereist und belesen,

ist Nachfahre aus Paris ausgewanderter Hugenotten1, die im Zuge der Bartholomäusnacht2

Frankreich verlassen mussten. Der Vater ist ein reicher Handwerker mit einem ansehnlichen

Hausbesitz in Genf. Er gehört zur Klasse der Citoyens3 und damit zur obersten Klasse der

fünf Klassen in der Genfer Republik. Der Vater ist es auch, der sich mit größter

Aufmerksamkeit um den Bildungsprozess des jungen Jean-Jacques kümmert. Sodass dieser

bereits im Alter von acht Jahren eigenständig die damaligen großen Werken der Kirchen- und

Weltgeschichte liest und mit der französischen Romanliteratur, anhand der Bibliothek seiner

Mutter, vertraut gemacht wird. Daneben jedoch erfährt Jean-Jacques Rousseau jedoch keine

ordentliche Schulbildung.

1 Hugenotten: Französische Protestanten, die in ihrem Glauben von den Lehren Johannes Calvins beeinflusst

wurden

2 Bartholomäusnacht: Massaker an den in Paris lebenden Hugenotten am 24. August 1527. Höhepunkt der

Konfessionskriege in Frankreich, der zu einer Flucht der Hugenotten aus Frankreich führte.

3 Citoyens: Bürger bzw. Staatsbürger, der in der Tradition und im Geiste der Aufklärung aktiv und

eigenverantwortlich am öffentlichen Leben teilnimmt.

3


In diesen frühen Lebensjahren erhält Rousseau schon früh durch den Vater die

Fremdaufforderung zur Selbsttätigkeit, indem er zu einem Bildungsprozess über die

Lesekultur angehalten wird.

Das außergewöhnliche Vater-Sohn-Verhältnis ist die Grundlage für eine weitgehend isolierte,

zumal er ohne Geschwister aufwächst, dennoch glückliche Kindheit. Diese sollte allerdings

im 13. Lebensjahr enden. Grund dafür war, dass der Vater, aufgrund eines Streites mit dem

Rat der Stadt Genf und diese fluchtartig verlassen musste. Diese Trennungserfahrung löste

eine Krise bei Rousseau aus, die dazuführte, dass dieser vagabundierte. Die Verwahrlosung

Rousseaus findet jedoch ein Ende, als er in die Obhut des Pfarrers Lambercier aufs Land

gegeben wird, er unterrichtet ihn u.a. in der lateinischen Sprache. In dieser Zeit entwickelt der

pubertierende Rousseau eine Vorliebe für die körperliche Züchtigung durch Frauen. Rousseau

wird in die Lehre bei einem Advokaten als Gerichtsschreiber geschickt. Dort für untauglich

befunden, fing Rousseau eine Lehre bei einem Graveur an. Doch auch diese Lehre beendete

er vorzeitig, weil er die Maßregelung seines pubertären Verhaltens fürchtete, im Alter von 16

Jahren. Die Baronin Madame de Warens, die in Annecy im Herzogtum Savoyen, westlich von

Genf residierte, nimmt sich seiner an. Unter ihrer Obhut avanciert Rousseau zunächst vom

Diener, zum ,,Sohn" und schließlich zum Geliebten der von ihrem Ehemann getrennt

lebenden Baronin. Madame de Warens ist eine kontinuierliche Förderin des

Bildungsprozesses Rousseaus gewesen. Sie bringt Rousseau auch dazu zum Katholizismus zu

konvertieren. Durch den frommen Enthusiasmus der Madame de Warens´ erfährt er eine

Bindung an eine Gottheit und die Wunder ihrer Schöpfung. Diese religiöse Überzeugung wird

Rousseau von den anderen Philosophen unterscheiden, die zumeist Atheisten oder Skeptiker

waren. Dies wird deren Misstrauen gegenüber ihm hervorrufen, da gerade diese versuchen

den klerikalen Glauben zu Fall zu bringen. Außerdem verwirkt er sich mit der Konversion das

Genfer Bürgerrecht.

Rousseau verbrachte die Jahre von 1728 bis 1740 bei der Baronin. Die 1740er Jahre verbringt

er in Paris wenig erfolgreich als Musiktheoretiker und Komponist. Die 1750er Jahre bringen

ihm schlagartig Renommee ein durch die Diskurse:

Hat die Wiederherstellung der Künste und

Wissenschaften zur Verbesserung der Moral beigetragen?

(1750)

und

Über die Entstehung

der Ungleichheit unter den Menschen

(1752). Rousseau freundet sich zeitweilig mit Diderot4

und D´Alembert5 an und verfasst für die entstehende Enzyklopädie Artikel über die Musik

und politische Ökonomie. Er fertigt seine Hauptwerke

Emile oder Über die Erziehung

sowie

4 Denis Diderot: 1713-1784, französischer Schriftsteller, Enzyklopädist und Aufklärer.

5 Jean Baptiste le Rond D´Alembert: 1717-1783, französischer Mathematiker und Physiker, Philosoph der

Aufklärung und Enzyklopädist.

4



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