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Tu es Petrus. Exegese von Matthäus 16,18

Untertitel: Das Primatswort

Hauptseminararbeit, 2007, 17 Seiten
Autor: Björn Backhaus
Fach: Theologie - Biblische Theologie

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 7  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V91416
ISBN (E-Book): 978-3-638-05647-2

Dateigröße: 128 KB

Zusammenfassung / Abstract

„Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regis coelorum“ heißt es in goldenen Lettern in der Kuppel von St. Peter, über dem Grab des Petrus. Die Arbeit will versuchen, diese Aussage und deren Kontext exegetisch zu betrachten. Dafür wird der Vergleich mit den anderen Evangelisten herangezogen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu betrachten. Analytisch soll das Messiasbekenntnis und die Antwort Jesu betrachtet und deren Bedeutung in Wort und Sinn, herausgearbeitet werden. Daneben wird die Intention des Evangelisten Matthäus herausgearbeitet und in den sozio-historischen Kontext gestellt. Matthäus überliefert, im Gegensatz zu Markus, nicht die Blindenheilung Mk 8,22-26. Die Blindenheilung hat bei Markus die Funktion des Vorspiels für das Petrusbekenntnis. Damit geht Matthäus von der Abweisung der Pharisäer und der Sadduzäer und der Warnung der Jünger zu eben diesen zum Petrusbekenntnis über, dass er mit dem Bekenntnis Jesu zu Petrus verbindet. Somit ergibt sich daraus bei Matthäus eine andere Konstellation. Die Aufforderung zur Meidung der Lehren der Pharisäer und Sadduzäer, die mit dem Sauerteig gemeint sind, steht somit dem Bekenntnis Jesu zu Petrus gegenüber, womit die Gemeinde Jesu in Petrus eine neue Autorität erhält, die die der Schriftgelehrten ersetzt. Eingeleitet wird die Übertragung der Autorität in Mt 13,52, wo es heißt, dass der, der Jünger des Himmels geworden ist, sich auf „Altes“ beziehen wird, aber auch „Neues“ hervorbringen wird. Damit ergibt sich bereits eine Vorwegnahme auf die Schlüsselgewalt des „Bindens“ und „Lösens“, die noch im Folgenden betrachtet werden soll. Grundlage für die Perikope des Matthäus ist das Evangelium nach Markus. Allerdings ist das Matthäusevangelium durch Änderungen und die Einfügung der Verse Mt 16,17-19 grundlegend umgestaltet. In der Darstellung des Markus wird die Leidensankündigung des Menschensohns zur inneren Mitte. Dies erreicht Markus, indem er Jesus die Antwort der Jünger korrigieren lässt, durch den Hinweis auf den leidenden Menschensohn. Noch deutlicher wird diese Akzentuierung im Lukas Evangelium. Matthäus hingegen setzt einen anderen Schwerpunkt, indem er mit den Versen 16,17-19 das Petrusbekenntnis selbständig einfügt.


Textauszug (computergeneriert)

Westfälische Wilhelms-Univeristät Münster

Katholisch-Theologische Fakultät

SS 2007

Tu es Petrus

Exegese von Matthäus 16,18

von

Björn Backhaus


Inhaltsverzeichnis:


1. Vorwort 3

2. Synoptischer Vergleich 3

2.1

Narrative Analyse 5

3. Die Bedeutung von Mt 16,13-19 für Jesus 12

3.1

Das Petrusbild des Matthäusevangeliums 12

3.2

Intention des Matthäusevangeliums 13

4. Schlussbetrachtung 15

Literaturverzeichnis: 16

2


1.

Vorwort

,,Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regis

coelorum" heißt es in goldenen Lettern in der Kuppel von St. Peter, über dem Grab des

Petrus. Die Arbeit will versuchen, diese Aussage und deren Kontext exegetisch zu betrachten.

Dafür wird der Vergleich mit den anderen Evangelisten herangezogen, um Gemeinsamkeiten

und Unterschiede zu betrachten. Analytisch soll das Messiasbekenntnis und die Antwort Jesu

betrachtet und deren Bedeutung in Wort und Sinn, herausgearbeitet werden. Daneben wird die

Intention des Evangelisten Matthäus herausgearbeitet und in den sozio-historischen Kontext

gestellt.

2.

Synoptischer Vergleich

Matthäus überliefert, im Gegensatz zu Markus, nicht die Blindenheilung Mk 8,22-26. Die

Blindenheilung hat bei Markus die Funktion des Vorspiels für das Petrusbekenntnis. Damit

geht Matthäus von der Abweisung der Pharisäer und der Sadduzäer und der Warnung der

Jünger zu eben diesen zum Petrusbekenntnis über, dass er mit dem Bekenntnis Jesu zu Petrus

verbindet. Somit ergibt sich daraus bei Matthäus eine andere Konstellation. Die Aufforderung

zur Meidung der Lehren der Pharisäer und Sadduzäer, die mit dem Sauerteig gemeint sind,

steht somit dem Bekenntnis Jesu zu Petrus gegenüber, womit die Gemeinde Jesu in Petrus

eine neue Autorität erhält, die die der Schriftgelehrten ersetzt. Eingeleitet wird die

Übertragung der Autorität in Mt 13,52, wo es heißt, dass der, der Jünger des Himmels

geworden ist, sich auf ,,Altes" beziehen wird, aber auch ,,Neues" hervorbringen wird. Damit

ergibt sich bereits eine Vorwegnahme auf die Schlüsselgewalt des ,,Bindens" und ,,Lösens",

die noch im Folgenden betrachtet werden soll.

Grundlage für die Perikope des Matthäus ist das Evangelium nach Markus. Allerdings ist das

Matthäusevangelium durch Änderungen und die Einfügung der Verse Mt 16,17-19

grundlegend umgestaltet.

In der Darstellung des Markus wird die Leidensankündigung des Menschensohns zur inneren

Mitte. Dies erreicht Markus, indem er Jesus die Antwort der Jünger korrigieren lässt, durch

den Hinweis auf den leidenden Menschensohn. Noch deutlicher wird diese Akzentuierung im

Lukas Evangelium. Matthäus hingegen setzt einen anderen Schwerpunkt, indem er mit den

Versen 16,17-19 das Petrusbekenntnis selbständig einfügt.

Dieser Einschub hat die Gestalt eines dreistrophigen Gedichts zu, je drei Zeilen mit einem

ziemlich durchgehenden Viererrhythmus, von denen jeweils die die erste Zeile das Thema

enthält und die zweite und die dritte Zeile antithetischen Parallelismus aufweisen.

3


Das Wortspiel in Vers 16,18, das auf dem aramäischen Kepha beruht, verrät die aramäische

Grundlage des Textes. Denn dieses Wortspiel ist im Griechischen nicht wiederzugeben.

Matthäus platziert in Vers 16,13, ebenso wie auch Markus und Lukas, das Geschehen in die

Gegend von Caesarea Philippi. Dort fragt er die Jünger, für wen die Menschen den

Menschensohn halten. Die Bedeutung dieser Frage ist grundsätzlich, hat doch Matthäus den

Begriff Menschensohn schon früher auftauchen lassen (8,20; 9,6; 10,23; 11,19;

12,8.32.40;13,37.41). Die von Jesus gestellte Frage soll nun erkennen lassen, dass der Begriff

nun geklärt werden soll. Da Matthäus, im Gegensatz zu Markus, Jesus selbst vom

Menschensohn sprechen lässt, bekommt, die hier umgestaltete Frage, einen katechetischen

Charakter, wird doch die Frage nach dem Verhältnis der Menschen zum Menschsohn gestellt.

In Vers 14 geben die Jünger die Meinung der Menschen über Jesus wieder. Sie geben an, dass

einige Jesus für den wiederauferstandenen Johannes den Täufer halten, andere sollen ihn für

Elia halten. Demnach wird Jesus für eine wiedergekehrte Gestalt aus der Vergangenheit

gehalten. De facto erkennen die Menschen Jesus nicht. Soweit stimmt Matthäus mit Markus

überein. Matthäus zählt aber noch zusätzlich den Propheten Jeremias auf. Warum Matthäus

zusätzlich den Propheten Jeremias anführt, ist nicht ersichtlich.

Die Frage in Vers 15 nach dem, wofür die Jünger Jesus halten stimmt, wiederum mit Markus

überein.

In Vers 16 antwortet Petrus auf die Frage Jesu. Petrus gibt zur Antwort, dass Jesus der

Messias sei. Bei Matthäus gibt er des weiteren den Zusatz, dass Jesus der Sohn des

lebendigen Gottes sei. Damit wird Jesus als der Sohn Gottes offenbart. Das Prädikat

,,lebendig" definiert Gott als, den, der das Leben in sich hat und das Leben schafft. Demnach

ist Jesus, als Sohn des lebendigen Gottes, am Leben und Schaffen des Lebens beteiligt. Somit

antwortet Petrus, dass Jesus auf die Seite Gottes gehört, als Sohn des lebendigen Gottes den

Tod überwindet, der verheißene Christus ist. Auf dieses Bekenntnis des Petrus, antwortet

Jesus mit dem Petrusbekenntnis.

Für die Verse 17-19 gibt es keine Entsprechung bei den anderen Evangelisten.

Dafür greifen die Verse auf Mt 11,27 zurück. Dort heißt es ebenfalls, dass die Offenbarung

Gottes und Christi für den Menschen nur durch den Willen Gottes bzw. Christi möglich sei.

Das Redeverbot folgt bei allen drei Evangelisten.1

Dabei stellt das Redeverbot bei Lukas und Markus einen abrupten Schluss dar. Es ist relativ

unwahrscheinlich, dass nachdem Jesus die Jünger zum Bekenntnis gebracht hat, dies

unkommentiert stehen lässt, und mit dem Redeverbot antwortet. Es entspräche nicht der

1 Grundmann, W.: Das Evangelium nach Matthäus, Berlin 19866, S. 383-393.

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