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Termpaper, 2008, 22 Pages
Author: Nam-Ho Kim
Subject: Art - Painting
Details
Institution/College: University of Bremen
Tags: Avignon, Allegorie, Picasso, Postmoderne, Exotische, Moderne
Year: 2008
Pages: 22
Grade: 1.3
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-05965-7
ISBN (Book): 978-3-638-95006-0
File size: 648 KB
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Abstract
In dieser Studie versuche ich, "Les demoiselles d'Avignon" von Picasso als eine Allegorie zu sehen. Wenn man aber bedenkt, dass Picasso sein Bild niemals als eine Allegorie gesehen hatte, taucht ein Interpretationsproblem auf . Betrachtet man einige Künstler, die in der Kunstgeschichte neue Wege geöffnet hatten, kann man feststellen, dass sie die Richtung und das Wesen der Veränderung der Zeit prophetisch vorhersahen, bevor die philosophische Reflexion auf die verändernde Zeit reagierte. Es wäre hier sinnvoll, eine Analogie zwischen dem künstlerischen Entfaltungsprozess und dem evolutionären Adaptationsprozess aufzuweisen. Man kann die beiden Prozesse als die Reaktion auf spezielle ´Umweltfaktoren´ deuten. Zudem laufen sie unbewusst und nicht zielgerichtet. Um diese Voraussetzung für die Interpretation von Les demoiselles d'Avignon besser zu erörtern, stelle ich im zweiten Kapitel Nam June Paik, einen Pionier der Videokunst, vor. Damit wird klar werden, dass die beiden Künstler neue Kunststile entfalten könnten, indem sie auf die Veränderung der Zeit mit ihrer feinen Sensibilität reagierten, und indem sie sich in diesem Sinne der Veränderung jener Zeit erfolgreich anpassten. In dieser Studie wird die Auffassung vertreten, dass "Les demoiselles d'Avignon" als eine Allegorie für den Auftritt der Heterogenität zu betrachten ist. Nach Lyotard, der erstmalig das Schlagwort Postmoderne zum Thema machte, wurde Heterogenität in der modernen Philosophie, die auf dem subjektzentrischen Paradigma beruht, entwertet. Der Wert von Heterogenität müsse zur Geltung kommen, um das Motto der Moderne Freisetzung des Individuums und das Einsetzen der Freiheit des Individuums radikal zu realisieren. Daher skizziere ich im dritten Kapitel die Postmoderne, und zeige, wieso in der Postmoderne von Heterogenität die Rede ist, indem ich die zwei Denker Friedrich Nietzsche und Jean-François Lyotard behandele. Im vierten Kapitel werde ich mich mit der Analyse der vier Figuren von "Les demoiselles d'Avignon" beschäftigen. Hier wird offenkundig, dass es eine Leseabfolge gibt, in der man das Bild als eine Allegorie für den Auftritt der Heterogenität interpretieren kann.
Excerpt (computer-generated)
UNIVERSITÄT BREMEN
FB 9 INSTITUT FÜR
KUNSTWISSENSCAHFT/KUNSTPÄDGOGIK
Wintersemester / Sommersemester:
WS 2007/2008
Titel der Vorlesung / des Seminars:
Das Exotische und das Moderne
Schriftliches Referat / Hausarbeit
zum Thema:
Les demoiselles d′Avignon
als eine Allegorie
Picasso in der Postmoderne
Nam-Ho Kim
Fachsemester: 3
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Zur künstlerischen
Anpassung
: Picasso und Nam June Paik 4
3. Nietzsche, Picasso und die Postmoderne 6
3.1. Was ist Postmodern?: Lyotard 6
3.2. Negation der Höhle Platons: Nietzsche und Picasso 7
4. Zu den fünf weiblichen Figuren 12
4.1. Eine Figur auf der linken Seite 12
4.2. Zwei Figuren in der Mitte 13
4.3. Zwei Figuren auf der rechten Seite 17
5. Zusammenfassung 18
6. Literaturverzeichnis 20
6.1. Textausgaben 20
6.2. Literatur 20
2
Der Künstler war immer vollkommen in die Gesellschaft integriert,
aber nicht in die Gesellschaft seiner Zeit, sondern in jene der Zukunft.1
- Ernesto Cardenal
1. Einleitung
In dieser Studie versuche ich,
Les demoiselles d′Avignon
von Picasso als eine Allegorie
zu sehen. Wenn man aber bedenkt, dass Picasso sein Bild niemals als eine Allegorie
gesehen hatte, taucht ein Interpretationsproblem auf. Betrachtet man einige Künstler, die
in der Kunstgeschichte neue Wege geöffnet hatten, kann man feststellen, dass sie die
Richtung und das Wesen der Veränderung der Zeit prophetisch vorhersahen, bevor die
philosophische Reflexion auf die verändernde Zeit reagierte.
Es wäre hier sinnvoll, eine Analogie zwischen dem künstlerischen Entfaltungsprozess
und dem evolutionären Adaptationsprozess aufzuweisen. Man kann die beiden Prozesse
als die Reaktion auf spezielle ´Umweltfaktoren´ deuten. Zudem laufen sie unbewusst und
nicht zielgerichtet. Um diese Voraussetzung für die Interpretation von
Les demoiselles
d′Avignon
besser zu erörtern, stelle ich im zweiten Kapitel
Nam June Paik
, einen Pionier
der
Videokunst,
vor. Damit wird klar werden, dass die beiden Künstler neue Kunststile
entfalten könnten, indem sie auf die Veränderung der Zeit mit ihrer
feinen Sensibilität
reagierten, und indem sie sich in diesem Sinne der Veränderung jener Zeit erfolgreich
anpassten.
In dieser Studie wird die Auffassung vertreten, dass
Les demoiselles d′Avignon
als eine
Allegorie für den Auftritt der Heterogenität zu betrachten ist. Nach
Lyotard
, der erstmalig
das Schlagwort
Postmoderne
zum Thema machte, wurde Heterogenität in der modernen
Philosophie, die auf dem subjektzentrischen Paradigma beruht, entwertet. Der Wert von
Heterogenität müsse zur Geltung kommen, um das Motto der Moderne
Freisetzung des
Individuums
und
das Einsetzen der Freiheit des Individuums
radikal zu realisieren.2
Daher skizziere ich im dritten Kapitel die
Postmoderne
, und zeige, wieso in der
Postmoderne von Heterogenität die Rede ist, indem ich die zwei Denker Friedrich
Nietzsche und Jean-François Lyotard behandele. Im vierten Kapitel werde ich mich mit
der Analyse der vier Figuren von
Les demoiselles d′Avignon
beschäftigen. Hier wird
offenkundig, dass es eine Leseabfolge gibt, in der man das Bild als eine Allegorie für den
Auftritt der Heterogenität interpretieren kann.
1 . Zitate und Aussprüche, Dudenverlag 2002, S. 779.
3
2. Zur künstlerischen Anpassung:
Picasso und Nam June Paik
Es bleibt noch unklar, auf welche Weise die großen Künstler die Richtung und das Wesen
der Veränderung der Zeit vorher auffassen können. Aber es scheint sicher zu sein, dass
die philosophische Reflexion normalerweise den Vorkommnissen großer Ereignisse als
Denkmotiv folgt. Hierzu gibt es einige Beispiele. So entstand die politisch pessimistische
Denkrichtung, also Stoizismus und Epikureismus, nachdem Alexander der Große Europa
erobert hatte. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Begriff der
Totalität
in Frage
gestellt von Philosophen wie Adorno. Wenn die Richtung und das Wesen der
Veränderung der Zeit vor den Ereignissen erkannt wird, dann bezeichnet man das als
Vorhersagen
. Das ist eher intuitiv als vernünftig. Denn die Künstler können noch nicht
wissen, welche Bedeutung ihre Arbeit haben wird. Dass die Impressionisten über die
Vergänglichkeit der Existenz des Menschen früher als Existenzialistische Philosophen
nachgedacht haben, kann man nicht beweisen, lediglich, dass es sich um intuitive
Kenntnisse bei den Künstlern handelt. In diesem Zusammenhang schlage ich vor, eine
Analogie zwischen dem künstlerischen Entfaltungsprozess und dem evolutionären
Anpassungsprozess aufzustellen. Unter evolutionären Anpassungen versteht man
Eigenheiten in Körper und Verhalten, die als die evolutionäre Reaktion auf spezielle
Umweltfaktoren gedeutet werden können. Wieso sind die evolutionären Anpassungen
der künstlerischen Entfaltungen gleichzusetzen?
1. Die entscheidenden Einflüsse sind äußere Faktoren der Umwelt: Die Künstler befinden
sich in ihrer Zeit. Niemand leugnet, dass ihre Kunst mit den Bedingungen jener Zeit
verbunden wird.
2. Die beiden Prozesse haben ein gemeinsames Ziel
Überleben
: Künstler können
weiterleben, indem sie große Kunstwerke schaffen.
3. Sie vollziehen sich unbewusst: Bei der Mutation und der natürlichen Selektion spielt
der Begriff
Absicht
keine Rolle. In vielen Fällen entfalten sich die Künstler ohne Wissen
darum, welche Bedeutung ihre Kunst in der Zukunft haben kann.
Aus diesen Formulierungen erhalten wir eine Ahnung, was es bedeutet, dass sich
Künstler ihrer Zeit anpassen. Durch ihre Kunst reagieren sie auf die Veränderung der Zeit.
Wie Wissenschaftler auf die Frage, wie erfolgreich die evolutionäre Anpassung eines
Lebewesens ist, antworten können, so können Kunstwissenschaftler und Denker der
2 . Philipp Reclam jun. 2004, S.8.
4
nachfolgenden Generation den Erfolg der Künstler beweisen. Für beide Prozesse bleibt
die Frage offen: wenn die beiden Prozesse unabhängig von begrifflicher Reflexion
möglich sind, auf welcher Weise passieren sie eigentlich? Man könnte vermuten, dass
feine Sensibilität
bei Künstlern eine wichtige Rolle spielt.
In diesem Zusammenhang ist der Videokünstler Nam June Paik ein geeignetes Beispiel.
Nam June Paik (1932-2006), immer wieder als ´
Vater der Videokunst´ bezeichnet
3
,
war
ursprünglich Musikkomponist und studierte bei
Karlheinz Stockhausen
in Köln. Erst
später, als Mitglied der
Fluxus - Bewegung
, wurde er bildender Künstler. 1962 folgten
Fluxus-Konzerte
in Wiesbaden, Amsterdam, Kopenhagen, Paris und Düsseldorf. 1963
installierte er in der Wuppertaler Galerie Parnass 12 Fernsehgeräte mit technisch
manipulierten Schirmbildern.
Nam June Paik war von 1979 bis 1996 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, lebte
aber hauptsächlich in New York. Als Paik Anfang 1960 in einem Brief an John Cage
schrieb, er wolle mit Fernsehern arbeiten , war der Fernseher noch mehr oder weniger
unverändert als Gegenstand modernen Lebens integriert.
TV Buddha
(1974) ist die wohl
bekannteste Videoskulptur Paiks. In allen Varianten dieser Installation sitzt eine antike
Buddhastatue einem Monitor gegenüber. Eine hinter dem Monitor aufgestellte
Videokamera nimmt die Statue frontal auf und lässt sie als Kopf oder als Brustbild auf
dem Fernsehschirm erscheinen. Der Buddha meditiert vor seinem Abbild, das aber nicht
wie beim Spiegelbild seitenverkehrt wiedergegeben wird.4 Paik erkannte die Macht der
elektronischen Geräte wie Fernseher, Videokamera, Videobände so früh.
Die philosophische Reflexion des französischen Philosophs Jean Baudrillard kam 20
Jahren später. Im Gegensatz zu Paik bewertet Baudrillard beispielsweise in
Requiem für
die Medien
(1972) die Macht der Medien kritisch. Seiner Meinung nach sind die Bilder
der Wirklichkeit, die vor allem über die Massenmedien vermittelt werden, wichtiger und
wirklichkeitsmächtiger geworden als die Wirklichkeit selbst. Die ontologische
Hierarchie zwischen Schein und Wirklichkeit ist umgekehrt, so seine Kritik an der
gegenwärtigen Kultur und Gesellschaft. Bei Paik bringt die neue Technologie nicht nur
eine ästhetische Möglichkeit, sondern auch eine neue Existenzform des Menschen. Wir
sind zur Zeit in der Lage, uns selbst - z.B. mit selbstgedrehten Filmen auf Webseiten -
bekannt zu machen. Paik hat die Selbstausdrucksweise erweitert, und die Idee von der
Harmonie zwischen der neuen Technologie und den Menschen vorweggenommen. Man
3 . http://de.wikipedia.org/wiki/Nam_June_Paik
5
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