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Die Beziehungen Myanmars zur Volksrepublik China und deren Auswirkungen auf Indiens Myanmarpolitik und das indisch-chinesische Verhältnis

Scholary Paper (Seminar), 2008, 28 Pages
Author: Arik Leeb
Subject: South Asian Studies, South-Eastern Asian Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V91535
ISBN (E-book): 978-3-638-07153-6

File size: 259 KB

Abstract

Der südostasiatische Vielvölkerstaat Myanmar, auch unter seinem früheren Namen Birma bzw. Burma bekannt (im Weiteren wird der Begriff Birma für die Zeit vor 1988 und Myanmar für die Zeit nach 1988 verwendet), rückte nach der brutalen Niederschlagung der demonstrierenden Demokratiebewegung durch das Militär im September 2007 in den Focus der internationalen Medien und Menschenrechtsbewegungen. Mit dem weltweiten Interesse an der Situation in Myanmar, wächst auch der internationale Druck auf die Volksrepublik China, die als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen von ihrem Veto-Recht Gebrauch macht, um Sanktionen gegen das Militärregime in Myanmar zu blockieren. Die Rolle Myanmars in der Machtkonstellation Südostasiens ist vor allem für die beiden als zukünftige Weltmächte angesehenen Staaten China und Indien von Bedeutung. Inwieweit die engen Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der myanmarischen Militärdiktatur das sich nach vielen Krisen bessernde Verhältnis zwischen den beiden asiatischen Großmächten belasten könnte steht noch nicht fest. In den folgenden Abschnitten werden die Beziehungen zwischen China und seinem Nachbarstaat Myanmar im Detail dargestellt und deren Auswirkungen auf Indiens Myanmarpolitik und auf das Verhältnis zwischen Indien und China erörtert.


Excerpt (computer-generated)

Julius-Maximilans-Universität Würzburg

Institut für Kulturwissenschaften Ost- und Südasiens

Fachrichtung Sinologie

Wintersemester 2007/08

Seminararbeit zum Thema:

Die Beziehungen Myanmars zur Volksrepublik China

und deren Auswirkungen auf Indiens Myanmarpolitik und das indisch-chinesische Verhältnis

Arik Leeb

Würzburg, den 28. März 2008


1

Inhaltsverzeichnis

1.

Einleitung 2

2. Überblick über Myanmar und seine Geschichte 2

2.1. Geographie und Bevölkerung 2

2.2. Überblick über die jüngere Myanmarische Geschichte 3

2.2.1. Unabhängigkeit und Bürgerkrieg 4

2.2.2. Die Herrschaft des Militärs 5

3. Die Bedeutung Myanmars für die Volksrepublik China 7

4. Myanmars Beziehungen zur Volksrepublik China 8

4.1. Geschichte der chinesisch-myanmarischen Beziehungen 8

4.2. Wirtschaftliche Kooperation 11

4.2.1. Ausbau der Infrastruktur 11

4.2.2. Myanmar als Absatzmarkt 13

4.3. Militärische Zusammenarbeit 14

4.3.1. Chinesische Waffenlieferungen 14

4.3.2. Militärische Präsenz und Überwachung 16

5. Überblick der indischen Myanmarpolitik 17

5.1. Die indisch-myanmarischen Beziehungen 18

5.2. Indiens Interessen und Ziele 20

6. Auswirkungen auf das chinesisch-indische Verhältnis 21

6.1. Aktivitäten vor der myanmarischen Küste 22

6.2. Zukünftiges Konfliktpotential 23

7. Zusammenfassung und Fazit 24

Literaturverzeichnis 25


2

1. Einleitung

Der südostasiatische Vielvölkerstaat Myanmar, auch unter seinem früheren Namen Birma

bzw. Burma bekannt (im Weiteren wird der Begriff Birma für die Zeit vor 1988 und

Myanmar für die Zeit nach 1988 verwendet), rückte nach der brutalen Niederschlagung

der demonstrierenden Demokratiebewegung durch das Militär im September 2007 in den

Focus der internationalen Medien und Menschenrechtsbewegungen. Mit dem weltweiten

Interesse an der Situation in Myanmar, wächst auch der internationale Druck auf die

Volksrepublik China, die als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen

von ihrem Veto-Recht Gebrauch macht, um Sanktionen gegen das Militärregime in

Myanmar zu blockieren. Die Rolle Myanmars in der Machtkonstellation Südostasiens ist

vor allem für die beiden als zukünftige Weltmächte angesehenen Staaten China und

Indien von Bedeutung. Inwieweit die engen Beziehungen zwischen der Volksrepublik

China und der myanmarischen Militärdiktatur das sich nach vielen Krisen bessernde

Verhältnis zwischen den beiden asiatischen Großmächten belasten könnte steht noch

nicht fest. In den folgenden Abschnitten werden die Beziehungen zwischen China und

seinem Nachbarstaat Myanmar im Detail dargestellt und deren Auswirkungen auf Indiens

Myanmarpolitik und auf das Verhältnis zwischen Indien und China erörtert.

2. Überblick über Myanmar und seine Geschichte

2.1. Geographie und Bevölkerung

Um die derzeitige politische Situation in Myanmar zu verstehen, muss man sich zunächst

mit dem Staat Myanmar an sich und zumindest mit seiner jüngeren Geschichte vertraut

machen. Die Union Myanmar, so der amtliche Titel des Staates am Golf von Bengalen, ist

der größte Festlandstaat Südostasiens und mit 678.000 km² etwa doppelt so groß wie


3

Deutschland.1 Myanmar grenzt zwar auch an Laos, Thailand und Bangladesch an, teilt sich

einen Großteil seiner Grenzen jedoch im Westen mit Indien(1.331 km) und vor allem im

Osten mit China(2.192 km) und ist somit bereits geographisch quasi eingeklemmt

zwischen den beiden asiatischen Großmächten.2 Das Land wird vom Irrawaddy, der in der

chinesischen Provinz Tibet entspringt, durchflossen und mündet südwestlich der größten

myanmarischen Stadt Rangun in die Andamanen-See, einem Randmeer des östlichen

Indischen Ozeans. Myanmar wird von einer Vielfalt von ethnischen Gruppierungen

bewohnt, wobei die Birmanen mit ca. 60% die Majorität der rund 54 Millionen Einwohner

bilden, die zahlreichen Minderheiten des Landes machen Myanmar jedoch zu einem der

ethnisch heterogensten Länder der Welt.3 Die vielen ethnischen Gruppen stellen für das

myanmarische Staatsgebilde ein großes Problem dar, da sich somit nur schwer ein

gewisses Nationalbewusstsein bei den Bürgern Myanmars entwickeln kann und Kämpfe

zwischen den verschiedenen Volksgruppen das Land in Unruhe halten.

2.2. Überblick über die jüngere Myanmarische Geschichte

Die Geschichte des vom Buddhismus geprägten Landes am Irrawaddy-Delta wird

bestimmt von instabilen Machtverhältnissen und sein Reichtum war schon in der

Vergangenheit oftmals von anderen asiatischen Hochkulturen begehrt. Das Ende der

letzten Dynastie des birmanischen Königreiches wurde jedoch nicht von einem seiner

benachbarten Gegner herbeigeführt, sondern durch die ihre Macht im Indischen Ozean

ausbauende europäische Kolonialmacht Großbritannien. Mit dem Sieg über die Birmanen

im dritten Britisch-Birmanischen Krieg im Jahre 1885 unterwarf Großbritannien das

birmanische Reich endgültig. Die darauffolgenden fünfzig Jahre verblieb Birma als Teil des

britischen Kolonialreichs bis sich, nach japanischer Besatzung im zweiten Weltkrieg und

1 Marco Bünte,

"Problemstaat"Myanmar-Zum schwierigen Umgang mit dem Militärregime

in GIGA Focus

2007 Ausgabe 11. Hamburg: German Institute of Global and Area Studies 2007, S. 2

2 Alexander Dörffel,

Myanmar im Spannungsfeld der indisch-chinesischen Rivalität

in Südostasien aktuell

2003 Ausgabe 5. Hamburg: German Institute of Global and Area Studies 2003, S.370-383. S.370

3 Marco Bünte (2007), S.2


4

erneuter britischer Kontrolle in den darauffolgenden Jahren, die birmanische

Nationalbewegung die Unabhängigkeit von den Briten erkämpfte und das Land im Jahre

1948 in die Unabhängigkeit entlassen wurde.4

2.2.1. Unabhängigkeit und Bürgerkrieg

Das Zentralgebiet Myanmars rund um die Irrawaddy-Ebene, das hauptsächlich von der

Merheitsethnie der Birmanen bewohnt wird, wurde von der britischen Kolonialherrschaft

direkt verwaltet, während die Regionen in denen der Großteil der ethnischen

Minderheiten lebt, von den Briten nur indirekt verwaltet wurden, so dass die dort

vorhandenen Strukturen weitgehend erhalten blieben. Die birmanische Bevölkerung

erhielt somit Zugang zu ausländischem Wissen und Technologie, während die ethnischen

Minderheiten des Landes von dem Fortschritt weitgehend ausgeschlossen blieben. Auch

wenn die Befreiung von der Kolonialherrschaft hauptsächlich der birmanischen

Nationalbewegung zugeschreiben werden kann, so konnte sich in Myanmar nie eine

einheitliche Nationalbewegung bilden, die Mehrheitsethnie und ethnische Minderheiten

hätte vereinen können. Die Anführer der Nationalbewegung überzeugten zwar die

meisten Minderheiten von einem Abkommen die Zukunft des Landes gemeinsam zu

gestalten, dieses hatte jedoch nur kurz Bestand, ehe fast alle ethnischen Minderheiten

begannen die Zentralregierung zu bekämpfen und bürgerkriegsähnliche Zustände

ausbrachen . Aufgrund der verschiedenen separatistischen Bewegungen wurde die

staatliche Einheit Birmas als gefährdet angesehen, was zur Folge hatte, dass das Militär im

Jahr 1962 die Macht mit der Begründung übernahm, ein Auseinanderbrechen des Staates

verhindern zu wollen.5

4 Marco Bünte (2007), S.2

5 Marco Bünte (2007), S.2


5

2.2.2. Die Herrschaft des Militärs

Die Militärjunta in Myanmar ist die weltweit am längsten regierende Militärregierung und

begreift sich als Hüter der Nation und einzige funktionierende Institution des Landes um

ein Zerbrechen des Staates verhindern zu können. Mit der Machtübernahme der Armee

infolge eines Militärputsches unter dem General Ne Win (1911-2002), begann sich Birma

zunehmend von der Außenwelt abzuschotten. Der von Ne Win proklamierte ,,birmanische

Weg zum Sozialismus" hatte die weitgehende Verstaatlichung der birmanischen

Volkswirtschaft und die außenpolitische Selbstisolation des Landes zur Folge. Die

eigenwillige Politik unter Ne Win führte zur wirtschaftlichen Katastrophe, da durch die

Verstaatlichung der Betriebe viele in der Wirtschaft tätige Ausländer verdrängt wurden

und somit wertvolles Fachwissen verloren ging sowie ausländische Investitionen

ausblieben.6 In den 1970er Jahren begann Birma die selbst auferlegte Isolation abzubauen

und freundschaftliche Beziehungen zu anderen Staaten aufzunehmen. Ne Win rief 1974

die ,,Sozialistische Föderative Republik Birma" aus und machte sich selbst zum

Staatspräsidenten, auch die neu eingesetzte zivile Regierung des Landes bestand

hauptsächlich aus ehemaligen Generälen.7 Vor allem die wirtschaftliche Situation und die

Pläne der Regierung einen Großteil der Banknoten birmanischer Währung

kompensationslos zu entwerten um neue Banknoten in Umlauf zu bringen, führte 1988 zu

einem Aufstand des birmanischen Volkes, das mit der Forderung nach Demokratie gegen

die Herrschaft der Generäle protestierte. Das Militär schlug die Protestierenden mit

Waffengewalt nieder und setzte sich durch einen erneuten Putsch wieder an die Macht

des Staates.8 Die blutigen Auseinandersetzungen vor und nach dem Putsch führten zu

6 Alexander Dörffel (2003), S.371

7 Alexander Dörffel (2003), S.372

8 Marco Bünte (2007), S.2



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