"Jakob der Lügner" und "Jakob the Liar" close Bitte warten
"Jakob der Lügner" und "Jakob the Liar"

Untertitel: Eine vergleichende Stilanalyse von DEFA- und Hollywood-Verfilmung
Autor: Evi Goldbrunner
Fach: Filmwissenschaft

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 97 KB
Archivnummer: V91671
ISBN (E-Book): 978-3-638-05055-5

Zusammenfassung / Abstract

"Jakob der Lügner" ist nicht nur einzige DEFA-Film, der für den 'Oscar' in der Kategorie "Bester ausländischer Film" nominiert war, also für den bedeutendsten Filmpreis Hollywoods. Er ist auch der einzige Film in der 40-jährigen DEFA-Produktion, der jemals von Hollywood neuverfilmt wurde. So liegt ein Vergleich zwischen beiden Verfilmungen nahe, der auch die beiden Systeme berücksichtigt, innerhalb derer die Filme entstanden sind. Da sowohl die DEFA als auch Hollywood stilprägend für die Filmproduktion ihres Landes waren bzw. sind, versucht die vorliegende Arbeit eine vergleichende Stilanalyse von "Jakob der Lügner", dem Film von Frank Beyer (1974), und "Jakob the Liar", dem Remake von Peter Kassovitz (1998). Beginnend mit einer Gegenüberstellung der beiden Studiosysteme werden zunächst die äußeren Bedingungen der jeweiligen Produktionsweisen verglichen. Anhand der unterschiedlichen ideologischen Ausrichtung von DEFA und Hollywood werden anschließend die Wirkungsintentionen abgeleitet, die mit der Produktion von Filmen in beiden Systemen verbunden waren bzw. sind. Auf der morphologischen Ebene befasst sich diese Arbeit mit dem Genre beider "Jakob"-Verfilmungen sowie der Bedeutung von Genres im jeweiligen System. Im weiteren Verlauf sind die Narration, die Figurenzeichnung, die Musikgestaltung sowie die visuellen Gestaltungsmittel Gegenstand der vergleichenden Stilanalyse.

Textauszug (computergeneriert)

Hochschule für Film- und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg - 10.01.2005


"Jakob der Lügner" und "Jakob the Liar" -


eine vergleichende Stilanalyse von

DEFA- und Hollywood-Verfilmung

Seminar:

Filmgeschichte I

Grundkurs Stilgeschichtlicher Überblick

Verfasserin:

Evi Goldbrunner

(Film- und Fernsehdramaturgie/Drehbuch)


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

2

1. Kunstexterne Ebene

2

1.1. Vergleich der Studiosysteme

2

1.2.

Primäre

Wirkungsintention 4

2. Kunstinterne Ebene

6

2.1. Genre

6

2.2. Narration

9

2.3. Figurenzeichnung

12

2.4. Musikgestaltung

14

2.5.

Visuelle

Gestaltungsmittel 15

Literaturverzeichnis

20

1


Einleitung

"Jakob der Lügner" ist nicht nur einzige DEFA-Film, der für den ′Oscar′ in der

Kategorie "Bester ausländischer Film" nominiert war, also für den bedeutendsten

Filmpreis Hollywoods. Er ist auch der einzige Film in der 40-jährigen DEFA-

Produktion, der jemals von Hollywood neuverfilmt wurde. So liegt ein Vergleich

zwischen beiden Verfilmungen nahe, der auch die beiden Systeme berücksichtigt,

innerhalb derer die Filme entstanden sind. Da sowohl die DEFA als auch Hollywood

stilprägend für die Filmproduktion ihres Landes waren bzw. sind, versucht die

vorliegende Arbeit eine vergleichende Stilanalyse von "Jakob der Lügner", dem Film

von Frank Beyer (1974), und "Jakob the Liar", dem Remake von Peter Kassovitz

(1998).

Beginnend mit einer Gegenüberstellung der beiden Studiosysteme sollen zunächst

die äußeren Bedingungen der jeweiligen Produktionsweisen verglichen werden.

Anhand der unterschiedlichen ideologischen Ausrichtung von DEFA und Hollywood

sollen anschließend die Wirkungsintentionen abgeleitet werden, die mit der

Produktion von Filmen in beiden Systemen verbunden waren bzw. sind.

Auf der morphologischen Ebene befasst sich diese Arbeit mit dem Genre beider

"Jakob"-Verfilmungen sowie der Bedeutung von Genres im jeweiligen System. Im

weiteren Verlauf sollen Narration, Figurenzeichnung, Musikgestaltung sowie die

visuellen Gestaltungsmittel Gegenstand der vergleichenden Stilanalyse sein.

1. Kunstexterne Ebene

1.1. Vergleich der Studiosysteme

In einem Vergleich zwischen DEFA und Hollywood prallen zwei völlig unterschiedliche

Studiosysteme aufeinander:

Die DEFA wurde am 1. Oktober 1950 gegründet. Als staatlicher Betrieb ­ 1953 wurde

die DEFA zum Volkseigenen Betrieb (VEG) ­ hatte die DEFA das Monopol der

Filmherstellung in der DDR inne und war somit innerhalb der DDR konkurrenzlos. Da

die ihre Filme ­ üblicherweise eine Jahresquote von etwa zwölf Kinospielfilmen sowie

2


drei oder vier Kinderfilmen ­ mit staatlichen Geldern produzieren konnte, war sie

nicht auf ökonomische Rentabilität angewiesen.

Dem waren sich auch die Filmschaffenden durchaus bewusst, wie Wolfgang Staudtes

Äußerung belegt: "Es gab bei der DEFA auch nicht den Ehrgeiz, einen

Publikumserfolg zu haben".1

Das klassische Hollywood-Studiosystem hat sich etwa zwischen 1909 und 1917

herausgebildet. Die klassische Ära hielt bis etwa 1960 an, die Zeit danach bis zur

Gegenwart wird als "postklassische" Periode bezeichnet. Die in der klassischen

Epoche herausgebildeten und entwickelten Grundmaximen des ′Classical Narrative

Style′ sowie des ′Classical Continuity Style′ haben sich aber auch nach 1960 gehalten

und ihre Geltung und Dominanz bis heute behalten.

Insgesamt gilt das Hollywood-Kino als das maßgebliche Modell kommerzieller und

industrieller Filmherstellung und -verwertung. Es kennzeichnet sich durch eine

standardisierte und serielle Produktionsweise mit großen Budgets, durch

technologische Innovation sowie durch eine Perfektionierung der filmischen Mittel,

die auf einem hohen Grad der Arbeitsteilung und eine daraus folgende hochgradige

Spezialisierung der Mitarbeiter basiert.

Im Gegensatz zum vol staatlichen und subventionierten Filmwesen der DDR herrscht

in den USA eine freie Marktwirtschaft ohne ein nennenswertes Fördersystem für die

Filmproduktion. Das bedeutet, dass auch die Filmwirtschaft deren Gesetzen unterliegt

und ökonomisch profitabel agieren muss. Dadurch liegen ­ anders als bei der DEFA ­

Finanzierung und Verantwortung auch in einer Hand.2

Im System Hollywood stellt Film demnach eine Ware für ein Massenpublikum und nur

in sekundärer Hinsicht ein künstlerisches Produkt dar.

Trotz dieser prinzipiell gegensätzlichen Ausrichtung sind aber auch Parallelen

zwischen beiden Systemen auszumachen.

So ergibt sich aus der Studiosituation, dass sowohl DEFA als auch Hollywood eine

abhängige Filmproduktion mit festen Angestellten darstellen. Darüberhinaus waren

bzw. sind DEFA wie auch Hol ywood an die Politik ihrer Länder, deren Ideologie

sowie das sozial-ökonomische System der sozialistischen (DDR) bzw. kapitalistischen

1 Zitiert nach Gersch: Film, S. 363. Vgl.: Gersch: Film, S. 392; Schmidt: Jurek, S. 14f.

3


(USA) Marktwirtschaft gebunden, was in der Praxis bedeutet, dass Filme nach

politischen und ideologischen Gesichtspunkten abgeklopft wurden bzw. werden.3

Im Falle der DEFA war es beispielsweise obligatorisch, dass der Film der

unverbrüchlichen Freundschaft zur Sowjetunion dient, während in Hollywood etwa

kommunistische Anklänge in Filmen vermieden wurden. Um derartige Ausrichtungen

steuern zu können, kam es sowohl bei der DEFA als auch in Hollywood zu

Zensurmaßnahmen, die als Regulator im Sinne des herrschenden Systems fungieren

sollten. Den Höhepunkt erreichte die DDR-Zensur 1965, als insgesamt zwölf Filme

und damit fast die gesamte DEFA-Jahresproduktion vom 11. Plenum des

Zentralkomitees der SED verboten wurden. Diese Filme wurden also nicht zur

Veröffentlichung freigegeben, da die Partei fürchtete, die kritische Haltung der Filme

könne das Vertrauen der Bürger in die Errungenschaften des Staates

beeinträchtigen.

Während die DEFA-Ära 1990 mit der deutschen Wiedervereinigung zuende ging, ihre

Studios aufgelöst oder ­ wie ihre wichtigste Institution, das Babelsberger

Spielfilmstudio ­ privatisiert wurden,4 zeichnet sich das Hollywood-Kino seit 1917

durch Stabilität und Gleichförmigkeit aus. Als weltweit dominierendes Modell übt es

einen enormen Einfluss auf die meisten nationalen sowie alle westlichen

Kinematografien aus.5

1.2. Primäre Wirkungsintention

Aus der privilegierten Stellung der DEFA als staatliche Institution leitete sich für die

Filmschaffenden ein politischer Auftrag ab, der sich in der Forderung nach einer

einfachen, realistischen und beispielhaften Filmkunst in bewusster Abgrenzung zu

den aufwändigen "Trugbildern" des westlichen Films niederschlug. Film sollte laut

dieser Maßgabe als "Lebenshilfe", Herausforderung und Wegweiser fungieren, seine

primäre Wirkungsintention sollte in der (politischen) Aufklärung, Belehrung und

"Erziehung der arbeitenden Massen im Geiste des Sozialismus"6 liegen.7 Nicht selten

2 Vgl.: Gersch: Film, S. 385.

3 Vgl.: Jung: Widerstandskämpfer, S. 125; Schmidt: Jurek, S. 14.

4 Vgl.: Gersch: Film, S. 357.

5 Vgl.: Bordwell: Hollywood, S. 28, 31.

6 Zitiert nach Gersch: DEFA-Spielfilm, S. 5.

4


Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/91671/