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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 21 Pages
Author: Eva Koch
Subject: Sociology - Children and Youth
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Institut für Soziologie)
Tags: Bedeutung, Peergroup, Identitätsentwicklung, Beispiel, Spätaussiedlern, Soziologie, Jugendphase
Year: 2008
Pages: 21
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-05067-8
ISBN (Book): 978-3-640-10900-5
File size: 101 KB
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Abstract
„Wenn mich jemand nach meiner Nationalität fragt, kann ich diese Frage nicht beantworten. Ich bin in Kasachstan geboren und habe dort gelebt. Ich habe dort viel gelernt. Meine Oma ist Deutsche, deswegen habe ich auch vieles von ihr gelernt. Jetzt lebe ich hier in Deutschland. Die Nationalität erhält man nicht, weil man es geerbt hat oder man in einem Land geboren ist. Ich denke, die Nationalität ist etwas, was man durch das Leben in einem Land erhält.“ Der Entwicklungsprozess im Jugendalter ist eine wichtige Voraussetzung für das Erwachsenenalter. In dieser Phase sind viele Jugendliche auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, mit welchen Problemen sich jugendliche Spätaussiedler auseinandersetzen müssen und welche funktionale Rolle die Gruppe der Gleichaltrigen einnimmt. Um diese Frage zu beantworten, wird im 1. Kapitel zunächst der Identitätsbegriff definiert. Es wird zwischen einer personalen und sozialen Identität unterschieden. Anschließend wird die Entwicklung der Identität nach der Identitätstheorie des Psychoanalytikers Erik H. Erikson dargelegt und hierbei spezifischer auf die 5.Phase eingegangen, die Erikson der Jugendphase zuschreibt. Im weiteren Verlauf ist die Theorie der Identität von George Herbert Mead, die in seinem Werk „Geist, Identität und Gesellschaft“ entwickelt wurde, für diese Arbeit relevant. Mead hat auf viele bedeutende Punkte hingewiesen und einen großen Beitrag zur Diskussion um das Identitätskonzept geleistet. Kapitel 2 beginnt mit einer Definition der Peergroup und beschreibt die Funktion der Peergroup für die Jugendlichen. Hierbei werden sowohl positive, als auch negative Auswirkungen der Peergroup auf die Gesellschaft dargestellt. Im 3. Kapitel wird der Begriff „russlanddeutsch“ und Spätaussiedler erläutert, um die zum Teil synonymen Verwendungen der Begriffe, wie z.B. Ausländer, Vertriebene, Aussiedler differenzieren zu können. Des Weiteren setzt sich dieses Kapitel insbesondere mit der ethnischen Identität von Spätaussiedlern im Erwachsenen- und im Jugendalter auseinander und geht auf konkrete Problematiken ein, die mit der Einreise in ein Migrationsland gegeben sind. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels wird auf die Situation der jugendlichen Spätaussiedler, kurz nach der Einreise eingegangen. Der Exkurs, ein Interview mit sechs jugendlichen Spätaussiedlern im Alter von 16-20 Jahren, verdeutlicht zum großen Teil die zuvor erläuterten Empfindungen nach der Einreise nach Deutschland. Im 4. Kapitel wird der Zusammenhang von Identitätsbildung und –entwicklung für das Jugendalter und die Bedeutung der Peergroup für die Jugendlichen hergestellt, welcher im abschließenden Fazit noch weiter ausgebaut wird.
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht Karls Universität Heidelberg Institut für Soziologie WS 2007 / 2008
,,I am what I am"
Die Bedeutung der Peergroup für die
Identitätsentwicklung
Am Beispiel von jugendlichen Spätaussiedlern
Vorgelegt als Hausarbeit
im Rahmen des Hauptseminars
"Soziologie der Jugendphase"
Abgabetermin: 31.03.2008
Erarbeitet von:
Eva Koch
Studiengänge: Pädagogik (6.Semester)
Soziologie (5.Semester)
Inhaltsverzeichnis
,,I am what I am"
2
1. Identität
3
1.1. Definition von Identität 3
1.2. Entwicklung von Identität 4
1.3. Identität im Jugendalter 5
1.4. Soziologische Perspektive der Identität (nach Mead) 6
2. Die Peergroup
7
2.1. Definition von Peergroup 7
2.2. Funktion der Peergroup 8
3. ,,Russlanddeutsche"
9
3.1. Definition von ,,Russlanddeutsch" 9
3.2. Jugendliche Spätaussiedler 10
Exkurs: 10
3.3. Ethnische Identität von Spätaussiedlern 13
4. Die Bedeutung der Peergroup für die Identitätsentwicklung jugendlicher
Spätaussiedler
14
5. Fazit
15
6. Literaturverzeichnis
16
Anhang 18
1
,,I am what I am"
,,Wenn mich jemand nach meiner Nationalität fragt, kann ich diese Frage nicht beantworten.
Ich bin in Kasachstan geboren und habe dort gelebt. Ich habe dort viel gelernt. Meine Oma ist
Deutsche, deswegen habe ich auch vieles von ihr gelernt. Jetzt lebe ich hier in Deutschland.
Die Nationalität erhält man nicht, weil man es geerbt hat oder man in einem Land geboren ist.
Ich denke, die Nationalität ist etwas, was man durch das Leben in einem Land erhält."1
Der Entwicklungsprozess im Jugendalter ist eine wichtige Voraussetzung für das
Erwachsenenalter. In dieser Phase sind viele Jugendliche auf der Suche nach ihrer eigenen
Identität.
In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, mit welchen Problemen sich jugendliche
Spätaussiedler2 auseinandersetzen müssen und welche funktionale Rolle die Gruppe der
Gleichaltrigen einnimmt.
Um diese Frage zu beantworten, wird im 1. Kapitel zunächst der Identitätsbegriff definiert.
Es wird zwischen einer personalen und sozialen Identität unterschieden. Anschließend wird
die Entwicklung der Identität nach der Identitätstheorie des Psychoanalytikers Erik H. Erikson
dargelegt und hierbei spezifischer auf die 5.Phase eingegangen, die Erikson der Jugendphase
zuschreibt. Im weiteren Verlauf ist die Theorie der Identität von George Herbert Mead, die in
seinem Werk ,,Geist, Identität und Gesellschaft" entwickelt wurde, für diese Arbeit relevant.
Mead hat auf viele bedeutende Punkte hingewiesen und einen großen Beitrag zur Diskussion
um das Identitätskonzept geleistet.
Kapitel 2 beginnt mit einer Definition der Peergroup und beschreibt die Funktion der
Peergroup für die Jugendlichen. Hierbei werden sowohl positive, als auch negative
Auswirkungen der Peergroup auf die Gesellschaft dargestellt.
Im 3. Kapitel wird der Begriff ,,russlanddeutsch" und Spätaussiedler erläutert, um die zum
Teil synonymen Verwendungen der Begriffe, wie z.B. Ausländer, Vertriebene, Aussiedler
differenzieren zu können. Des Weiteren setzt sich dieses Kapitel insbesondere mit der
ethnischen Identität von Spätaussiedlern im Erwachsenen- und im Jugendalter auseinander
und geht auf konkrete Problematiken ein, die mit der Einreise in ein Migrationsland gegeben
1 Titel ,,I am what I am" und Zitat von K., 16 Jahre, wohnhaft in Heidelberg.
2 In dieser Arbeit wird auf eine geschlechtliche Differenzierung verzichtet, weshalb die männliche Schreibform
verwendet wird. Außerdem wird die Schreibweise ,,Peergroup" bevorzugt. Des Weiteren ist davon auszugehen,
dass es sich bei der hier behandelten Personengruppe um sogenannte Spätaussiedler handelt, weshalb dieser
Begriff benutzt wird.
2
sind. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels wird auf die Situation der jugendlichen
Spätaussiedler, kurz nach der Einreise eingegangen. Der Exkurs, ein Interview mit sechs
jugendlichen Spätaussiedlern im Alter von 16-20 Jahren, verdeutlicht zum großen Teil die
zuvor erläuterten Empfindungen nach der Einreise nach Deutschland.
Im 4. Kapitel wird der Zusammenhang von Identitätsbildung und entwicklung für das
Jugendalter und die Bedeutung der Peergroup für die Jugendlichen hergestellt, welcher im
abschließenden Fazit noch weiter ausgebaut wird.
1. Identität
Der Begriff Identität hat eine lange Geschichte, die weit über die Grenzen dieser Arbeit
hinausgeht. Im folgenden Kapitel wird der Frage nachgegangen, was Identität ausmacht, wie
sie sich bei einem Individuum entwickelt und an welche Herausforderungen Jugendliche
gebunden sind, um Identität aufrecht zu erhalten. Die psychologischen und soziologischen
Identitätskonzepte sind sehr unterschiedlich. Während Mead die subjektive Identität aus der
Vergesellschaftung ableitet, basiert der Identitätsansatz von Erikson auf der
handlungstheoretischen Ebene. Auf beide Konzepte wird im Anschluss kurz eingegangen.
1.1. Definition von Identität
Unter Identität versteht man das bewusste und kontinuierliche Erleben des Selbstbildes3,
wodurch das Individuum über die Gewissheit verfügt es selbst zu sein.
Man kann zwischen personalen und sozialen Identitätsentwicklungen unterscheiden:
- Personale Identität: Persönliche Identität bedeutet, dass Menschen ihr Wesen und ihre
Handlungen, z.B. beim Blick in den Spiegel wiedererkennen und reflektieren können4.
- Soziale Identität: Mit sozialer Identität wird die individuelle Vereinbarung von einer
Vielzahl von gesellschaftlichen Lebensbereichen beschrieben. Der Mensch verfügt über
3 Der Begriff der Identität ergibt sich aus der Unterscheidbarkeit und Verschiedenheit des Individuums. Es gibt
bestimmte Merkmale, an denen man ein Individuum eindeutig identifizieren kann. Zur unverfälschten
Zuordnung dient z.B. der Personalausweis oder der Fingerabdruck einer Person (Vgl. Griese, S. 52).
4 Nach Mead besitzen Tiere diese Fähigkeit nicht, weshalb sie über keine personale Identität verfügen (Vgl.
Mead, 1973, S. 82).
3
die Fähigkeit, zu erkennen, dass er sozial identisch ist. Soziale Identität ist wandelbar,
situativ und kulturell konstruiert5.
Gesellschaftliche Veränderungen können den Verlust oder eine Erschütterung der personalen
oder der sozialen Identität herbeiführen. Solche Fälle fordern die Umgestaltung der sozialen
Identität, um das Gleichgewicht wieder herzustellen6.
1.2. Entwicklung von Identität
Die Entstehung der Identität ist ein selbstständiger Prozess, der gesellschaftliche Normen und
Anforderungen gegenüberstellt. Die Identitätsbildung ist unter anderem eine grundlegende
Voraussetzung für das Ablösen vom Elternhaus und ein Basiselement für Selbstständigkeit
und Handlungskompetenz. Dadurch verfügt das Individuum über die Fähigkeit,
Vorstellungen, Bewertungen und Einschätzungen im Hinblick auf die eigenen
Handlungsmöglichkeiten miteinander zu verbinden7.
Nach Erikson vollzieht sich die Persönlichkeitsentwicklung, ausgehend von der frühen
Kindheit, einer lebenslangen Entwicklung8:
Er betrachtet Identität als eine Fähigkeit des Ichs, das versucht sich, angesichts eines
wechselnden Schicksals, beständig aufrecht zu erhalten. Die Identität entwickelt sich in
verschiedenen krisenähnlichen Phasen, aus denen sich jeweils eine Tugend herauslöst9. Die
Balance der individuellen Entwicklung mit den Aussichten und Herausforderungen der
sozialen Umwelt, führt zur Integration der eigenen Stärken und Tugenden. Dies gewährleistet
eine bessere Problemlösung in den darauf folgenden Phasen10. Die Phasenbewältigung ist mit
der Entwicklung der Identität bzw. des Ich-Bewusstseins gleich zu setzen11. Der
5 Vgl. Griese, S.52.
6 Artikel Identität, Gesellschaft: Lexikon der Grundbegriffe.
7 Vgl. Hurrelmann, S. 48; Vgl. Schäfers, S. 91.
8 Freise und Hurrelmann erwähnen, dass veränderte sozialstrukturelle Lebensbedingungen (z.B. Verlängerung
der Schulzeit, späterer Berufseintritt) die Konstitutionsbedingungen der Identität verwandelten. Diese Faktoren
zielen auf eine stärkere Individualisierung der lebensrelevanten Sinndeutungsmuster. Deshalb ist die
Identitätsbildung nicht mit dem Abschluss der Jugendphase vollendet(Vgl. Freise, S.11; vgl. Hurrelmann, S.66).
9 Erikson kennzeichnet die Tugend als Grundstärke. Für ihn verläuft die Bildung der Identität stets krisenhaft
und ist kein automatischer Prozess. (Vgl. Erikson, S. 60; vgl. Günay, S.9).
10 In der Jugendphase durchläuft ein Individuum andere Krisen (z.B. auf sexueller, geistiger oder körperlicher
Ebene), die mit den gesellschaftlichen Anforderungen nicht übereinstimmen, als im Erwachsenenalter (Vgl.
Abels, S.367).
11 Die Identität erfolgt nicht nur durch die Krisenbewältigung, sondern auch dadurch, dass andere Individuen
,,diese Gleichheit und Kontinuität erkennen" (Erikson, 1959, S.18). Dies bezeichnet Erikson mit Ich-Identiät:
Eine relative psychosoziale ,,Gesundheit und darunter das korrespondierende Kriterium relativer psychosozialer
Störungen" (Erikson, 1959, S.149). Psychosoziale Störungen treten dann auf, wenn die Krise nur bedingt oder
kaum gelöst worden ist (Vgl. Erikson, 1959, S.149).
4
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